Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 50. (11.12.1878)
- Date
- 1878-12-11
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Literaturbericht. BeeenlM«■. 1) Köhler, Dr. K., Rabbiner der Sinai-Gemeinde in Chicago, Däs Hohe Lied abersetzt und kritisch neu bearbeitet. 8. 27 S. New-York, Leipzig, Chicago 1878. 2) Jeseffy, Dr. der^ alttest. Theologi lied oder Wettgesang zwischen dem Frie lomo) und der Brautgemeiade (Sulamit), d sucht und findet. Beisel 1877. 96 S. 8 Der.Gedanke ist ein höchst glücklicher und fruchtbarer, und Köhler hat ihn zur Grundlage seiner Ueber- Setzung resp. Neugestaltung des HL. gemacht, ohne ihn irgendwie richtig zu verwerthen und weiter auszubauen. Denn der Hinweis au( die am Mtncha des Sühnefestes übliche Verlesung des Abschnittes über [die sexuellen Vergehungen, ist durchaus verfehlt. Nicht um an das alte Volksfest zu erinnern, sondern um die am Vormittag begonnene, aber nicht vollendete Verlesung der Par&scha Achre Moth zu Kode zu bringen! war die Absicht jenes alten Brauches. Es ist überhaupt fraglich, ob jenes Tanzfest der jerusalemischen Jagend wirklich am Sahnetage stattgefunden; das Referat ist, wie schon N, Brüll bemerkte, sehr lückenhaft und bedarf einer gründlichen kritischen Untersuchung; und [einer solchen sich zu unterziehen, war Dr. Köhler, welcher über das Entstehen und die Geschichte des Versöhnungsfestes mit einer höchst auffälligen Flüchtigkeit abuijtheilt, äugenscheinlich nicht geneigt. Wahrscheinlich fahd jenes Tanzfest blos am 15. Ab, welcher auch von den Syrern und anderen orientalischen Völkerstämmen gefeiert zu werden pflegte, statt; und ich vermuthe, daiss auch jener herrliche alphabetische Hymnus auf das Weib (am Schlüsse der Proverbien, einen jener vielen Gesänge bildet, welche die junge Welt bei Gelegenheit jenes Tanz- und Freierfestes gesungen und voijgetragen hat. In der That legt das erwähnte Referat d|en Jungfrauen nicht blos Citate aus dem HL., sondern auch solche aus dem alphabetischen Loblied auf das Biedbrweib, in den M11nd.#) Inhalt, äussere Form und Anlage dieser Dichtungen charakterisiren sie als eigens für solche Zwecke geschaffen Dr. Köhler will allerdings djas HL. nicht als eine Schöpfung der Feder, sondern des Volksspiels gelten lassen, Das natürliche Verhältnis^ ist dadurch auf dep Kopf gestellt. ,Entschieden ist es iim Gegentheil ein bedeutsames, schriftstellerisches Produkt aus gar uralter Zeit, das wegea seines Gebrauches bei jenen ▼olksthümlichen Tanzfesten beim Voke sehr beliebt und zu hoher Gunst gelangt war, und dadurch im Laufe der Zeiten mit späteren volkstümlichen Ausdrücken und Redewendungen durchsetzt und bereichert worden. Aehnliches hat bereits De Wette und nabh ihm Prof. Schräder ausgesprochen. j Dagegen hat Dr. Köhler Recht mit der Behauptung: das HL. sei sicherlich nicht für Leser!, sondern für Hörer berechnet. Nur hat darauf bereits Herr Prof. Kämpf wiederholt in seinem Werke hingewiesen, und *) Näheres darüber bei einer anderen Gelegenheit. Für jetzt .blos die Bemerkung, dass der Wortlaut der UiSchna: ן^ן ך*ןא אומר צאנה וראינה בנות ציון במלך שלמה בעפרה שעטרה לו אמו ביום ד!תונתו וביום שמחתי לכו(כרם חתונתו זה מתן תורה וברם עזמחת לב( זה בנין בהמ׳־ק שיבנה בסדרה ()DK בימינו Offenbar corrumpirt ist, indem der letzte Satz, welg hinzufügt, von m den Traktat!falls ist der sonder Jerusalem Talmud als agadische Erklftrur dort erst in die Mischnä hineingetogea worden, ו mit einem (rommpn Wunsch zu schllessen. Ander! derbere Satz ganz unverständlich. e, Das Hoheiefürsten (Sae den Frieden kl. f Forts.) dadurch auch den auffälligen Umstand motivirt, das• im HL. 'der Wechsel der Personen, der Chöre nnd der Scenen weder ausdrücklich angegeben, noch ancb sondt irgend wie markirtist. Es war eben nicht für Leser berechnet.! Die ״neuen Gesichtspunkte,“ welche Dr. Köhler eröffhen will, konnten wir also hier nicht entdecket!, noch weniger in der UebCfsetzung. Es macht allerdings seinem Geschmacke alle Ehre, dass1 er gerade Prof Kämpf so viel benutzte. Vrgl.׳ I, 9. 11,;IV; 5. 9. 7. I, 16; II, 1. 6.12 .11 .10 .9 ־. Vrgt ferner I, 8׳ Grätz hat hier: ״O, nein, merke es dir“ ohne, auf da störende לד Rücksicht zu nehmen. Desgleichen 11, 13.* Den Wunsch, dass der Geliebte an ihrem Busen rubej•! auszusprechen, scheint unzüchtig. Grätz lässt hier ein» < Lücke. Prof. Kämpf weist aüf die Salzconstruktkm Gen 49, 21 hin und fasst מק שדי als Relativsatz zu ’ צרוד המור Vrgl. seinen Commentar. Selbst, däte es1 ohne Namensnennung geschieht, wollen wir dahingehh1!n lassen. Wohl aber finden wir es unbegreiflich^ ünffftt^' - den Werth der Schrift nachtheilig, dass Veif. gbäää' dort, wo die Richtigkeit der von Prof. Kämpf heagtf{ botenen Erklärung in die Augen springt, von ifrrien ah-" zuweichen sich bemüssigt fand. (Fortsetz.' folgt) t! Bäck, Dr. S., Rabbiner, Geschichte des jüdifeätted'1 Volkes und seiner Literatur vom babylonischen ffiril bis auf die Gegenwart. Lissa. Sehneibel’sche Buch-• händlung. 535 Seiten. . ■X; Cusel, Dr. D., Lehrbuch der jüd. Geschieh fei’ und1 Literatur. Leipzig. Brockhaus.564 ׳ S. 1879. , Als Herr Dr. Bäck die ersten Lieferung«!!•ee&tfib n un fertig vor uns liegenden Werkes veröffentlichet«!, da ך begtüsste diese Zeitschrift das Unternehmen, vVeSl es* einem dringenden Uebdstand abzahelfen geeigüet schiefe: Aber es muss wohl wahr sein, was bei G61egetth6lE'!; grosser Erfindungen oft vorgebracht wird; zawiöilefr‘ liegen gewisse gute Ideen gleichsam in der Luft und'; kommen an den verschiedensten Orten zum VorScheäfj*. so ist d!־nn zugleich mit dem fertigen Bäck'schen )Viörke׳ ein Conkurrenz-Unternehmen an’s Tageslicht gelrieten,׳ das einen literarisch bewährten Mann zum Verfasser hat. Die Kritik, die, läge nur eins der beiden Werke' vor, gern ihren Dank ausbrächte für die von einer tüchtigen Kraft ausgefüllte Lücke, hat min-gegenüber - die8em׳embarras de richesse die undankbare Aufgabe, den Paris zu spielen und den. Preis dem Einen zu erkennen, obgleich doch beide ehrenwerth sind. Da möchte nun der Referent, selbst auf die Ge (ähr hin,i| ein erzprosaischer Mensch gescholten zu werden, an15 die einfäche Thatsache erinnern, dass die provinziale Buchhandlung in Lissaihihrer Geldforderung bescheidene^׳ ist, als das Welthaus in Leipzig. Obgleich beide Bücher , fast die gleiche Seitenzahl haben, kostet das Bäbk’sche '• Werk nur sechs Markj das Cassel'sche zehn Mapk. Der billige Preis erhöht in gewissem Sinn den Werth des‘; Buches. Aber abgerechnet diesen immerhin nur nebensächlichen Vorzug, hat Hr. Dr. Bäck durch eine straffere Kojiception, durch einen edlern Stil, durch ein scbax&a Hervorbeben der Ideen, welche einen Zeitraum [durchleubhten, seinem . Buche Eigenschaften verliehen, die das Cassel’sche Werk nicht in gleicher Weise aiiszejti()»יי nen. Irgend ein beliebiges Beispiel mag diesen Tadel׳ gegen die Conception CasselS erläutern.. S. § 5a [:r erzählt uns Cassel von dem Zuge Alexander des Grosse»‘.י*־־ nach Jerusalem; S. 25 § 5b, in einem neuen Abschnitt: fügt er hinzu, dass an der ganien Sache kein wahres _ Wort sei, dass wir es mit einer Sage zu thun habe», j* Schon recht, aber dann hätte sogleich von vomhereÜfÖ