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Das jüdische Literaturblatt · 1878-12-04 · No. 49. (4.12.1878) · p. Seite 194

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 49. (4.12.1878)
Date
1878-12-04
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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Nun bitte ich, mir ein paar Fragen freund lithht za beantworten: , _ ' i) Sie schreiben für Hasara Raba einmal Haschara Raba and ein 2. Mal Aschara Raba, welefee Schreibart •dB 'feh für eine neue Aallage bei behalten? (Es ist wohl ״Hoschana rabba“ gemeint. Red) 2) Ich habe lebhafte Eindrücke von dem jüdischen Cameval in Galizien, kenne aber dessen Ursprung nicht, sowie die Gebräuche bei demselben. Ist Parim und >die Feier des Sieges Esthers mit der Hamanmaskerade gleich^cdeutead, and wollen Sie mir nähere Daten Uber dieses Fest geben .*) .... Leopold Ritter von Sacher-Masoch.“ Wie Hr. Mieses uns brieflich noch mittheilt,hat derselbe Herrn Sacher-Masoch nachträglich einige judenfteindüche Aetuserangen in seiner Skizze ״die verliebte Redaction“ nachgewiesen, worauf Herr Sacher-Masoch wörtlich folgendes erwiderte: ״Richtig ist's dass die jüdischen Journalisten Wiens 1 in meinem Werke wiederholt eine schlechte Ralle spielen,.ich habe sie aber alle nach der Natur gezeichnet. Dp Juden von edlem Charakter mag dies unangenehm berühren, aber bei der Masse der christlichen Leser glaube ich, dass gerade diese einzelnen schwarz gezeichneten j ttdischen Figuren meine Objectivität erwai- en, und das viele Gute, was ich von den Jaden sage, um so glaubwürdiger erscheiwen lassen.“ Anch das dieser Aeussarupg Sacher-Masoch's zu Gjfunde liegende Princip können wir mir billigen. Wir hOnnen vom Schriftsteller nicht verlangen, dass er ״Unsere Mohren“ weiss wasehe; wenn er sie treu nach dp- Natur zeichnet, so kann er nichts dafür, wenfi das Bild nicht schmeichelt. Der u n p a r tei i s cö e Schrift- «W4er ist uns der liebste, Lob und Anerkennung ap Tertjienter Stelle aus seinem Munde fällt darum destcj schwerer in die Wagscbale. Red. 1 Das Mürcheu von den drei Ringen. 1 In Folge der hundertjährigen Jubelfeier, welche t^psihg's ״Nathan de»• Weise“ v6r Kurzem gefeiert ha^ ׳tdlgemeine Aufmerksamkeit auf dieses herrliche^ '®i lauterste Humanität wie kein anderes poetische« Beim Mangel an Quellen und Daten für dieses blos ii) ■iSeli-Peien, Galizien und Kfein-Rassiaad gefeierte Carnevalfest ■B» ieh fatgeade Hypotkcm; als nicht aäwahracheintiöii aafstella» radftrfea: Der in der Mitte des 17. Jahrhnndetts (1648—1698) in‘ 'beseidmeten Lkadern aasgebroehane KosSckenanfttand nntei; hadUurbag des Hetman’s ChwieJaieki, der gegen Polen and Jaden •ariehtet and ein ungeheures Bistbad nnter letsteren /die ge- ,•bieittüehen Angaben sch •ranken »wischen 8 bis 600,000 MSrty- •wall aageriehlet, gab traurige Yeranlkssang rar Brinnürung an ®*ata, n»d-das edle Verfebren des polnischen Adels Und besonn dsr» der polnischen Könige vom Hanse Kasimirs ah dem Anden-! 'den edien Jed» Itfietmd KSnig Saaimir den Grossen mit der{ JdBMaMa» ffltnigfaiBst er k a, weckten nsd frischten den persischen{ von1׳ Ahasvern■ mit Elfer wieder »nt,■ and die Neben•! •n mit Motdechai an der Spitze wurden eottbinirt, am Jo ih| «*•iaBekeh Gamevalssaison hta »eh» jOdUehen Geiste derj an ein neaes Parimspiel u eonstrniare. MieetsL H { Erzeugnis^ offenbarende Drama wiederum mehr al« früher gelenkt worden. D sr Schwerpunkt dieses eppchemachenden Schauspiels liegt aber, wie schon Herder richiig urtheilte, in dem Märchen von den drei Ringen, das Lessihg zwar sehr geschickt einzuflechten und zu benutzen verstanden, jedoch nicht selbst erfunden, Sondera nach seinem eigenen Geständnisse dem Decaraerone des Boccaccio entlehnt hat. Eine eingehende Arbeit übeit über dieses Märchen haben wir demnächst von Herrn L)r. Aug. Wünsche in Dresden zu erwarten. Bereits vor 22 Jahren habe ich indessen, nachdem ich in dem Verlage von Rümpler in Hannover eine neue Ausgabe des ״Schevet Jehuda‘• von Salomo iben Verga nebst deutscher Uebersetzung hatte' erscheinen lassen, in einem ini dritten Jahrgänge des Wertheimer’schen Jahrbuchs für Israeliten unter der Ueberschrift: ״Das Märchen von den drei Ringen auf seinen!Ursp'rung zurückgeführt und und in seinen verschiedenen R&lationen gewürdigt“ abgedruckten Aufsätze darauf;hingewiesen, dass nicht etwa Boccaccio, wie mau nach Lessiags Angabe glauben könnte, der Erfinder jenes׳ schönen Märchens ist, sondem dass sich dasselbe' ini Wesentlichen schon in einet etwa um hundert Jahre älteren italienischen Novellen- Sammlung, nämlich in den j,Cento novelle antiche,“ wie auch in den nach Grässe in der ersten Hälfte das dreizehnten Jahrhunderts verfassten Gesta Romanorum findet. Unter Hinweis auf den Rofnan Fortunatüs Siculus von Bd8sone da Gnbbio Und auf Tausend Und eine Nacht habe ich alsdann auf diejenige Relation des mehrgedachten Märchens aufmerksam gemacht, welche in dem Schevet Jehtlda enthalten ist, dieselbe mit denandern Relationen ־eingehend verglichen und diese nach ihrem ethischen Werthe gewürdigt und bin dann, nachdem ich diese letzteren bloss als blosse Umarbeitungen geschifdert hatte, zu dem Resultate gelangt, döSs die gelStreiche Beantwortung der verfänglichen Frage, durch. welche d&r 'Jude 8Ä5h so geschickt aus der ihm gelegten Schlinge za ziehen verstand, ein Ergebnlss jüdischen Scharfsinns sei und dass dty Relation des Märchens ia der hebräisehen Quelle nicht bioss die älteste sei, sondem auch die meiste historische Glaubwürdigkeit und den grössten ethischen Werth' hübe. Vor einiget• Zeit nifri hät der Mainzer ״ismelit״ mehrere Artikel über Lessings Nathan publicirt apd in Nr. 31 bei Erwähnung der Fabel von den drei Ringen ebenfalls auf die Relation im Schevet Jehuda, gegenüber derjenigen bei Boccaccio, als־ auf die ursprüngliche hiiigewiesen, ohne jedoch riieiner btereits 185Ö erschienenen Arbeit ״auch nur mit einem Worte Erwähnung zu thun. Hierauf berichtete ein Herr .1. K. au9 Mainz, der übrigens wie Herr Dr. Lehmann den Verfasser des Schevet Jehuda fälschlich Salomo d e Y i r g 0 nennt, in der Frankfurter Zeitung, dass wir aus detft in' Mainz erscheinende(! ״Israelit“ die für die literarische Welt gewi9s interessante Mittbeilung erfahren, dass die Fabeln von den drei Ringen ursprünglich von einem Juden erfunden und dass ihr eine historisch beglaubigte Thatsache zu Grunde liegt. Hiuzugefttgt wird dann noch die sicher unrichtige Yermuthung. dass Boccaccio vielleicht die jüdischC Erzähl urig vernommen und öi'ein seiner Weide ungestaltet häbej lch habe, wie bereits oben bemerkt, nachgewie9en, dass Boccaceio aas einer älteren italienischen Novellensammlang geschöpft hat. Aa$ der ״Frankfurter Zeitung“ ist diese Notiz dann in die ״Kreuzzeitung,“ in die ,jDresderier Zeitung“ und' gewiss nofch in viele andere Blätteir übergegangen, und'׳seitdem £Ht Herr Dr. Lehmaün als Entdecken einer toieresaanteu literarischen Merkwürdigkätj die ich bereits 2 2 Ja br e früher mitgetheiit habe 1 Die Frage ist nur, hat dp Redakteur des ״Israelit“ meine Arbeit gekannt oder (lieht? Im letzteren Fälle würde diese Thatsache den Beweis liefern, wie'wenig

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