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Das jüdische Literaturblatt · 1878-11-20 · No. 47. (20.11.1878) · p. Seite 186

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 47. (20.11.1878)
Date
1878-11-20
Page
Seite 186 (sequence 2)
Language
German
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- 186 יד •> ׳:;ו Doch zu der Alles ausgleichenden Gerechtigkeit gehörte im Mosaisonus nicht bloss das strenge Recht, sondern aucti die Billigkeit und Liebe, die bei ihm ebenfalls aus dem Bewusstsein entspringt, dass der Eine mit dem Andern eine Gleichheit -des Seins und Wesens aus Gottes Hand erhalten habe. Gesetze, welche das äussere Recht ausdrticken, sind Wächter des äusseren Besitzes und sind bestrebt, böse Elinflüsse 2u entfernen: ן Sie sind aber machtlos und werden von der List umgangen, wenn es nicht die Liebe ist, die dem Menschen das Wohl seiner Mitmenschen theuer macht. Um dies dem Israeliten zu Gemüthe zu führen und es ihnen anzuerziehen, wurden im Mosaismus Werke der Liebe und Wohlthätigkeic zu Zwangspflichten gemacht. . Jeder laraelite in Palästina war gehalten, die Ecken seines Feldes nicht abzuernten, sondern dem Arpien und dem Fremdlinge, also dem Besitzlosen zu überlassen j ebenso den Abfall der Ernte und Weinlese, sowie di£ vergessene Fruchtgarbe. Den Zehnten des Ertrags seines Feldes musste Jeder an den Leviten und Armen abliefern. — Der Unterschied zwischen vollkommenen und unvollkommenen Pflichten, den die Leibnitz Wolfische Philosophie aufgestellt hat, war dem Monismus und dein aus demselben hervorgegangenen Judenthume fremd. Die Alles ausgleichendeGerechtigkejt (Zedaka) umfasste beide Arten von Pflichten. Im Verlaufe der späteren Geschichte hatte sich jedoch im Reiche Juda aus den'Häuptern der vornehmsten Familien eine Adelsklasse herausgebildet ״die Fürsten Juda's,“ die jien Untergang des Staates mit vorbereiten halfen. Der Prophet Jesaia hielt zwar gegfen das ungerechte Gerichtsverfahren und gegen die Erprbssungen, deren sich der jüdische Adel schuldig machte, seine fearigsten Reden, doch vergebens. Dieser ruchlosen Adelsklasse gegenüber gründete Jesaia einen Kreis von Jüngern, die von Haus aus arm waren. Sie wurden die Sanftmüthigen oder die Dulder des Landes genannt, sie selbst nannten sich die Armen (Dallim, Ebjonim). Jesaia hoffte von ihnen, dass sie dem Lande zum Vorbilde der Besserung dienen würden. Das Princip geistiger und bürgerlicher Freiheit sehen wir am klarsten im Prophetenthum verwirklicht. Der Beruf eines Propheten war hier nicht an eine Kaste oder einen Stand gebunden. Jeder, dem seine prophetische Natur zum Bewusstsein kam, konnte im Dienste der Wahrheit als Prophet auftreten. Ihm kam das Recht zu, in öffentliche^ Ver- Sammlungen aufzutreten und in Wort und Schrift sich frei zu äussern. Der Geist Gottes bläst wo er will und nimmt die er braucht von den Schaffieerden weg, galt als Grundsatz des öffentlichen Lebens in Israel. Der Geist Gottes waltet frei und wird nicht durch menschliche Ansprüche und Vorrechte in seinen Aeasserungen gehemmt. Das Princip geistiger und bürgerlicher Freiheit war das Lebenselement des Prophetenthums und die Bedingung der Entfaltung, eines über die Wirklichkeit hinausgehenden idealen* Strebens. Der echte Prophet suchte das Volk in Erkenntniss und Sitte ebenfalls einem ideälen Ziele entgegenzu'führen und es auf die Stufe zu bringen, auf welcher er stand. Der gesunde Kreislaufdes Lebens ward in Israel durch nichts gehemmt. —־- Welcher Gegensatz zum Aegypter- . tbume, wo Alles in typischen Formen erstarrte!- In Jeremias (29 und 20) haben wir den Fall, wo die politischen Machthaber und die servilen Priester dem gottbegeisterten Propheten das freie Wort der Wahrheit entziehen wollten, doch Jeremias, alle Misshandlungen erduldend, liess sich in seiner prophetischen Wirksamkeit nicht stören. (Schluss fot״t) Sprachliche Notizen. 1. מך*ךכי. Dieser biblische Eigenname wird immer noch von vielen jüdischen und christlichen Gelehrten Mardechai statt Mordechai gelesen, so auch von Zunz, Jost, Grätz, E’ürst u. a. M. Nun gilt aber für die biblische Punktation und Accentuation die Regel, dass das lange Kämet (ä), welches vor einem Schwa steht, entweder ein Metheg bei sich hat, wodann das Schwa mobile ist uhd zur nächsten Silbe hingelesen wird; oder das Kamez hat den Wortton (Accent, Negina) bei sich, wodann das Schwa quiescens ist und zu dessen Silbe gehört. Wenn aber das betreffende Laut- Zeichen (!), wie in jenem Eigennamen, weder ein Metheg, noch einen Accent bei sich hat, so ist es ein kurzes Komez (o) und das darauf folgende Schwa ist quiescens, d. h. *schliesst dessen Silbe Ein solches kurzes o ist darum immer von einem langen 0 (Cholem), hier ist "מל von 3) מר• weiter u.) abzuleiten. Dazu muss hier dieses Schwa nothwendig die kurze Silbe (mor) abschliessen, weil darauf noch ein zur nächsten Silbe sich hin bewegender Halblaut (Schwa mobile) folgt; weshalb der sei. R. Wolf Heidenheim in seiner Leseanweisung (עין הקורא) zum Buche Ester diesen Eigennameu mit מללקי (Moidochai) punklirt, um mittelst des Chateph-Komez (5״}) anzudeuten, dass diese Silbe mit Kamez chatuph zu lesen sei. — Was schliesslich die Ableitung des Nomen proprium von appellativeu Begriffen anlangt, so erklärt es schon der Talmud (B. Tr. Megilla 10h und Chullin 139b, vgl. dam. die chaldäische Paraphrase des Onkelos z. מר דרור i. II. B. Mos. 30, 23) als ein Compositum von ״ מר לקיreine ׳Myrrhe“, gleichsam als ein ״Mann des Wohlgeruchs“, 'd. h des guten Rufs und grossen Ansehens (vgl. hz. Ester a. Ende); indess Fürst in seinem bibl. Wörterbuche diesen hiigennamen sonderbarer Weise mit dem Namen des heidnischen Kriegsgottes Mars in Verbindung bringt! 2. Mein ehemaliger Zögling Dr. Löb Bär, welcher sich nachgehends in der hebräischen und chaldäischen Sprachkunde auszeichnete, will in seiner sonst rühmenswerthen ״Ausgabe der Synagogengebete (0לר עבודת ישראל) für den Gemeändevorbeter“ die Abkürzung des chaldäischen Beziehungswörtehens לי (hebr. א*ער) zu einem blossen Vorbuchstaben ל־ (folgt noch ein Schwa לך und vor einem Chateph לך etc.) nicht gelten lassen, weil in den chaldäischen Bestandteilen der Bibel (Daniel 2, 4—7, 28 Esrä 4, 7—6, 18 und Jirmija 10,11). diese Abkürzungsform niemals vorkommt. Das scheint mir jedoch für unsere Liturgie nicht massgebend zu sein, da in derselben so manche Ausdrücke aus den neuhebräischen und rabbinisch-chaldäischen Idiomen aufgenomtnen sind, deren jetzige Bedeutungen in den heiligen Schriften nicht Vorkommen, ja sogar den reinbiblischen Begriffen (w. z. B. לקלם< לעשק etc.) wider, sprechen. Hier gilt vielmehr der alte talmudische Grundsatz לשון מקרא לעצמו ולשון חכמים לעצמו (Tr. Aboda sara 58b). Nun finden wir nicht bloss in beiden talmudischen, sondern auch in beiden targumischen Werken das Wörtchen לי in ל abgekürzt (z. B. לשנדא לאלעא etc). — Sollte aber eingeweudet werden, dass ja auch im Hebräischen das Beziehungswort א*טר sich nicht zum blossen Vorbuchsiaben ("8?), sondern zur geschärften Vorsilbe ("ש oder ־t^j verkürzt; so ist dagegen zu bemerken, dass allerdings im Späthebräischen, zur Zeit, als eben das Chaldäische Volkssprache war, eine solche dem Chaldäiscnen naebgeahmte Verkürzung vorkommt;

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