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Das jüdische Literaturblatt · 1878-11-06 · No. 45. (6.11.1878) · p. Seite 179

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 45. (6.11.1878)
Date
1878-11-06
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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Hg1 יי! •סף י■• 8ץי״יייקוי ייייי — 179 — diese meine Einzelmeinung Zeugnisse‘ hervorragender Autoritäten, wie Lagarde, Lazarus, Grätz, Derenburg, gegen 6ich hat; aber darum glaubte ich doch meine im Laufe der Untersuchungen gewonnene Oeberzeugung nicht verschweigen zu 601ten. Wenn einmal in einer späteren Zeit das 8tudium der Tusefta, um welches Zuckermandel durch sein Unternehmen sicjh jedenfalls gross Verdienste erwirbt, ein ullgemeineresiwird, dürfte vielleicht das Urtheil über den Werth jener!Handschrift zu deren Ungunsten sich wenden. Die einzelnen Varianten sind nicht uninteressant, oft sogar werthvoll, ab.er sie wiegen die zahlreichen Corruptionea und Mängel, die häufigen: Auslassungen von Worten, oft sogar halber Sätze, wodurch die H&lacha's entstellt und sinnlos ,erscheinen, hiei weitem nicht auf, und es wäre vielleicht besser gewesen, wenn die alte Druckausgabe als eigentlicher Text benutzt, die Variante^ der Hand- Schrift aber in die Anmerkungen verwiesen worden wären. Statt einer einzigen Handschrift, deren Lesartei oft auf den ersten Blick als fehlerhaft oder sinnlos dem Kundigen sich verratheu, sklavisch zu folgen, hättejes bei den zwei Handschriften und der vorliegenden alten Druckausgabe und unter Zuhilfenahme der noch] ausserdem zu Gebote stehenden, nicht unwichtigen Hilfsmittel gelingen können, einea möglichst genauen Text herzustellen. Eine jedesmalige Vergleichung und. Prüfung hätte in jedem einzelnen JETali Anhaltspunkte genug geboten, um in den Lesarten eine richtige Auswahl zu treffen oder die genaue zu combiairen. Ich bin natürlich zu dieser Ansicht erst durch Z.’s Edition gelangt, und wünsche mit allen FreUnden der Wissenschaft dem, Ausdauer und Opfer erfordernden Unternehmen von Herzea einen glücklichen Fortgang. Moses Vierbndzwanzig. Das Sprichwort: ״noaien est omen“ bewahrheitet sich nicht immer. Währehd der Name grössten theils ganz deutlich zu erkennet! ist, ist die •Andeutung oft versteckt, mitunter durch eineu Schreibefehler gänzlich verwischt. Als Beweis diehe der in der jüdischen Geschichte erwähnte Name Moses Vierundzwanzig (פ' משה עשרים וארבע). Grätz im [8. Bd. Note 7 (]heilt einen Brief des Elia Kapsali an Joseph Taytasak mit, worin Moses Vierundzwanzig erwähnt wird, und zwar wird in dem Briefe die Erklärung des Namens abgegeben: כי לא היה לו יד זולת בעשרים וארבע• Die Etymologie vOn עש ריס וארבע, weil er;nur in 24 Büchern der heil. Schrift und nicht im Talmuid bewandert war,j befriedigt nicht. Der sonst sehr geistreiche Grätz weiss auch keine Erklärung; er begnügt Bich einfach mit den Worten: ,es scheint nicht richtig.“ Ich glaube, dass: der Name ,Vierundzwanzig“ nur aus feiner falschen üeiftung eiues Wortes entstanden. ] Moses Vierundzwanzig traurige Berühmtheit rührt von der Fehde her, die er swisclien Mose Kapsali und Joseph Kolon hervorgerufem, und welche Nachher zu einem Weltstreite angefacht wurde. Sollen doch gar diplomatische Noten zwischen dem Sultan! und dein deutschen Kaiser, uni Joseph Kolon in Ketten nach Constantinopel zu liefern, gewechselt worden sein! Nachdem Mose Kapsali dem Moses Vierundzwanzig die Geldsammlangen für Jerusalem aus politischen Gründen nicht gestatten konnte, obschon er sich seiner sonst sehr warm annahm, war Letzterer gegen ihn gereizt und gab sich als Helfershelfer zu einer intrigue gegen ihn her. Vier Lügenschmiedej aus Gonstantinopel übergaben dem jerusalemischen Bettler ein Schreiben an, Joseph Kolon, der seiner Zeit als eine rabfoinische Autorität erster Grösse galt, worin sie Mose Kapsali arg verleumdeten. J09eph Kolon sch! takte den . Verläumdent und;dein Hinterbringer, der noch münd- I '1 :..i ' . lieh sein Schärflein dazu beigetragen, vollen Glaubte und erliess ein Sendschreibien, worin er Kapsali als einen unwissenden Menschen schilderte und die Gemeinde von Constantinopel aufforderte, ihm den Gehorsam za kündigen ,und ihn nicht als Rabbiner anzuerkennen. (Respp. J. Kolon Nr. 83). Das Sendschreiben übergab er an Moses Vierundzwanzig, der es auf der Rückkehr von seiner ,heiligen Schnorrerei' der Gemeinde von Constantinopel übergäbe, Joseph Kolon sah’nur zu spät ein, dass er von einem geldgierigen Sendling getäuscht wurde und bereute seine Schritte. Er sott auf seinem Todtenbette eigens seinen Sohn ,nach Constantinopel geschickt haben, um von dem Beleidigten Verzeihung zu erlangen, damit er nicht mit einer so schweren Sünde ins Jenseits einziehen müsste. Dieser Moses Vierundzwanzig wird in demselben Briefe gehörig ge» brandmarkt und mit den Worten: (הפעל(הבליעל ,T אל betitelt, weil er sieb als Werkzeug zur Verläumdung von vier ränkesichtigen und gewissenlosen Männern gebrauchen liess. Ich glaube, dass er deshalb den Namen: ,כלי דבף ,Werkzeug der Verläumdung' erhielt, den man später als Abbreviatur כ" ד schrieb.*) Ein Abschreiber, der dies nicht verstanden, glaubte, dass es das Zahlwort 24 sei, und setzte dafür עשרים וארבע.**) Dr. J. Morgenstern. Literaturbericht. Rubin, Dr. S., מוזלות ך,ןןות (Danse macabre). Wien 1877. Gr. •8*. 90 &. j In einer kleinen ■Stadt Volhyniens — so beginnt der Verf — sang der Cantor beim Recitiren des Prie> stersegens am Ausgange des Hüttenfestes eine widerwärtig schaurige, jammerklägliche Melodie, die־ Melodie des C’np-Tanzes. Somit kennt der Löser den Anlass für die sonderbare Benennung dieses Bufehes. Im Uebri- ׳ gen läuft dieses ganze Buch darauf hinahs, den Buddhkinus, die Philosophie des Nirwäna, des absoluten Nichts, die Religion des Atheismus zu verherrlichen. Der Buddhismus abstrahirt von einer persönlichen Gottheit und kennt doch eine leidlijehe Ethik.! _ In dieser These* wurzelt die Tendenz des ganzen Buches. Die Principien. __ des Buddhismus siud dem Verf. so ziemlich geläufig; jedoch kennt er sie sammt und sonderst nur aus secunderen, bisweilen trübe, bisweilen träge fliessenden Quel-; len. Dem Eklektiker und kritisch wenig gereiften Autodidakten begegnen natürlich auf Schritt und Tritt Ungereimtheiten, Missverständnisse und vpr Allem Uebertreibungen der extravagantesten Art Wals jemals irgendwie pessimistisch angehaucht war, muss! unbarmherzig zu Buddha und zur Fahne des Nirwäna geschworen haben. Buddhismus und Pessimismus sind dem VerL schlechthin identisch, und so erklärt e4 sich, dass die alten Stoiker und alle späteren Pessimisten bis auf Schopenhauer uni ׳Hartmann zu enragirten Buddhisten gestempelt werden. E9 würde zu weit führen und׳' wäre auch zu wenig lohnend, alle Fehler dieser Arbeit unnachsichtig aufzudeckeo. Eine Prob!e wollen wir jedoch dem geehrten Leser vorführen,; aus der klar wird, in welcher äusserlichen, willkürlichen Weise der Verf. für seine Ansicht Propaganda matht. Der allmächtige Buddhismus hat natürlich auch lauf den Kanon *) Dass er den Namen כלי דבה UB<t nicht den biblischen Ausdruck מוציא רבה (Proverb. 10,18) erhielt, rjtthrt daher, well er eigentlich nicht der wirkliche Verleumder, sondern nur da# Werkzeug und der Hinterbringer der Verläumdung war. י•*) Gegen diese Erklärung spricht jedoch: j 1) dass gm dieselbe Zeit aueh ein gewisser Abraham denselben Beinamen trag ־ (vgl. Grätz, Bd. 8 S. 453 Anm. 2), 2) dass man für die so nngewöhnliche Bezeichnung כלי לכה unmöglich eine so zweideutig• Abbreviatur gesetzt haben wird. (Red.) <!׳ : ]i

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