Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 45. (6.11.1878)
- Date
- 1878-11-06
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/5367336-6488234-8755660--1144-4854571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
eingewirkt. Koheleth ist selbstverständlich nichts An deres, als das Elaborat eines weisen Buddhisten, daher die pessimistischen Sentenzen dieses Buches, daher die endlosen Klagen über die Eitelkeit der Welt, d>e Ver- ׳ gänglichkeit alles Irdischen. Woher rühren die im 8inne der Hedoniker vorgebrachten Sentenzen, die in den Sätzen gipfeln, irdische Lust und sinnlicher Genuss seien die Krone aller Güter, und die ihnen widerspre- יד ebenden Sätze, welche auf die Providenz Gottes weisen, welche im Sinne der Gläubigen Gottesfurcht und Fröm• migkeit empfehlen? Das sind Zuthaten aus späterer Zeit, Glossen hedonistisch und gottesgläubig gesinnter , Leser. Der unkritische und ungeschickte Sammler hat Alles ohne Wahl wuLPrüfung zusammengewürfelt, und dieses mixtum compositum figurirt nun im Kanon unter dem Namen ,Koheleth“. Wir wundern 1ms nur, dass sich der Verf. das Büch Hiob hat entgehen lassen. Bei seiner kritischen Manier hätte er da geeignetes Fahrwateer gefunden, Buddha und Nirwäna wären so um ein bedeutsames literarisches Produkt reicher geworden. Schade um so viel Fleiss und Ausdauer, die Hr R. wahrlieh würdiger und angemessener hätte verwerthen können. Die Arbeit zählt zwar 90 Seiten, aber wie viele wissenschädlich־ berechtigte, selbstständige Gedanken? — nc— Schwan, Dr. Adolf, Rabbiner in Karlsruhe, Die Tosifta desJTractates Sabbath in ihrem Verhältnisse zur Mischna kritisch untersucht. Karlsruhe. A. Bielefeld’ä Hofbuchhandlung. 1879. Vorliegendes Werk ist eine schöne Frucht ernsten wissenschaftlichen Toseftastudiums. Durch solche gründliehe Durcharbeitung des Materials — genaue Vergleichung von Tosefta, Mischna und Boraita, Eingehen auf die Varianten,, wie der Verfasser dies Alles gethan — wird das Toseftaproblem zuversichtlich ein solches zu •ein auf hören. Referent lässt dem Verfasser, seinem 1. Colegen, gerne volle Anerkennung für seine mühevolle und durch viele schöne Resultate lohnende Arbeit zukommen, obwohl er mit ihm über das Verhältnis von Tosefta zur Mischna nicht ganz übereinstimint. Dean eine gewisse Annäherung unserer Ansichten ist ׳durch dasErgebniss des Werkes nicht zu läugnen. DemVerf. ist wie dem Referenten die hohe autorative Bedeutung von Tosefta den Boraitha’s gegenüber feststehend, welch letztere er gleichfalls als־ von den Amoräern emendirt und •mplifidrt erkennt (S. 44), auch er kann nicht umhin, aüszusprechen,. dass einzelne Mischnajoth aus Tosefta hervorgegangen seien (S. 33), er findet, dass die Form ,Von Tosefta eine mehr anschauliche, die der Mischna mehr begrifflich ist, —analytisch und synthetisch 9. 62, —;was doch soviel heisst, jene weist auf frühere, diese auf eine, spätere Zeit zurück, auch ihm ist es Thatsachej dass den Amoräern ein schriftliches Exemplar von Tosefta Vorgelegen, und wenn er als Resultat der Unter- Buchung feststellt, ,dass es dem Tosiftaredacteur hauptsächlich darum zu thun gewesen, die durch R. Jehuda Hanassi eliminirten und umgestalteten Mischnajoth R. Melrs in ihrer ursprünglichen Fassung der Nachwelt zu überliefern“ (142), so ist damit nichts Anderes gesagt, als unsere Tosefta ist nach Inhalt und Form — eia Eindruck, der sich beim Lesen von Tosefta unmittelbar aufdrängt — älter als unsere Mischna. Unsere Wege scheiden sich aber in folgenden Punkten. (Schl, f.) — Dr. Zuckermandel. Schulbücher. (Fortsetzung v. Nr. 43.) 4) Hoff, ür. E, Rabbiner und Religionslehrer in ׳Prossnitz, Handbuch zur bibl. Geschichte mjt Ergänzungen und Erläuterungen, historisch-geographischen Bemerkungen, religiös-moralischen Andeutungen unid Le- 1 genden aus Midrasch und Talmud. 1. Heft. Wien 1878. י Alfred Hölder, k. k. Hof- und Universitätsbuchhandlung. Wir haben dieses Handbüchlein mit vielem Vergnügen und grosser Befriedigung gelesen, weil es seinem Zwecke vollständig entspricht und so recht geeignet ist, den biblischen Geschichtsunterricht zu einem fruchtbriugenden für die jüd. Jugend zu machen Schon des Verf.’s ,Biblische Geschichte für die isr. Volksschulen“ hatte unseren vollen Beifall, der auch durch den Erfolg gerechtfertigt worden; sie ist bereits in dritter vermehrter und (mit Berücksichtigung unserer Monita) verbesserter Auflage (mit einem Anhänge ,die Geographie Palästina’s“) erschienen und hat die Approbation des K. K. Ministeriums verdientermassea erlangt. Das vorliegende ״Handbuch“ ist eine schöne Gabe, die der Verf. zunächst dem unterrichtenden Lehrer darreiche, er sagt über den Zweck desselben im Vorwort ganz richtig : Die ״Ergänzungen und Erläuterungen“ sollen dem Lehrer ersparen, die Bibel im Urtext (wir fügen hinzu: sammt den Commentaren) nachzulesen; die ״historisch-geographischen Bemerkungen“ sollen ihn der Mühe entheben (s. h. Uberheben), die beim mündlichen Vortrage zum besseren Verständnisse für die Schüler wichtigen Hinweise auf die nunmehrigen geographischen Veränderungen, Neubenennungen der angeführten Städte u. s. w. nicht erst in den einschlägigen Werken aufzusuchen, (falls er sie besässe); die ״religiös-moralischen Andeutungen“ sollen einerseits dem Jugendbildner die Glaubens- und Sittenlehren, die sich aus den diesbezügliehen Geschichtsstücken ergeben, andererseits aber auch den Schülern und Schülerinnen das Religionsbuch ersetzen, da der Lehrer die daselbst angeführten Bibelverse seinen Zöglingen zum Memoriren dictiren und auf diese Weise Geschichte und Religion vereinen könnte; die ״Legenden aus Midrasch und Talmud“ sollen dem Lehrer ein zweckmässiges Mittel sein, nicht nur die Lust der Schüler zur Erlernung der bibl. Gesch. zu erwecken und rege zu erhalten, sondern auch durch Vorführung edler Tugend helden und schöner Meisterbilder vergangener Zeiten ihr GemUtb für alles Gute und Erhabene empfindlicher zu machen.“ Die vielfachen, hier ausgesprochenen Zwecke werden in der That durch dieses Handbüchlein erreicht, und wird besonders die ganz unberechtigte Trennung des Religionsunterrichts vom bibl Geschichtsunterricht in der Volksschule dadurch vermieden. Einen ganz besonders glücklichen Griff hat der Verf. mit den eingestreuten Legenden aus Midrasch und Talmud gemacht; schon die alten Weisen sagten, dass die hagadischen Erzählungen ״das Herz anziehen,“ ganz besonders aber das Kindes)1erz, das in dem Paradiesesgarten der frommen Sagenwelt so gern lustwandelt u. ihren herrlichen Blüthenduft gierig und mit Entzücken einathmet. Wir stimmen auch mit der Auswahl, die der Verf. getroffen hat, im Ganzen überein, nur die eine Legende (״das Paradies“ S. 12) würden wir lieber durch eine andere ersetzt sehen, weil diese in etwas zu sinnlicher Weise die Seligkeiten das Paradieses ausmalt, und solche Jugendeindrücke in der Phantasie haften bleiben. In den ״Erläuterungen“ haben wir ebenfalls nur Weniges zu moniren gefunden. S. 43 erklärt der Midrasch rabba Cap. 53 das ״Spotten“ Ismaela mit Isak als götzendienerisches Treiben; das motivirt besser als die vom Verf. angegebene, auch im Midrasch daselbst vertretene Ansicht (Streiten um das Erbtheil) die Strenge Sara’s. Dass zu den Vorrechten des Erstgeborenen, wie der Verf. S. 50 aufzählt, auch der doppelte Antheil am Erbe gehörte, ist für die patriarchalische Zeit nicht nachweisbar. — Wir sind überzeugt, dass der gesch. Herr Verf. diese wohlgemeinten Winke bei einer zweiten Auflage beachten wird und wünschen dem Handbuch einen guten Fortgang. (Wird fortgesetzt.) uauuvuuu oxugu guvcu jl׳ vi »gnug■ יי **»* »v» ״ö ' örtlicher Bnitttnr fer.!lahmer in Magdeburg, l^raekjfvoa H. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig. L.