Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 42. (16.10.1878)
- Date
- 1878-10-16
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/5367336-6488234-8755651--1128-4854558- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ihrer Vorliebe fürNamendeutungen waren sie vernünftig genug, um einzuaehen, dass ein Name, der sich schön deuten lässt, nicht immer den schönen Ohankter seines Trägers beweist, sie sprechen •es daher ans (Bamid. Rabb. 16, Tauch. Abschn. ששמותיהם (שלח c יש בני אד נאים ומעשיהם כעודים ,Es gibt Menschen mit schönen Namen und hässlichen Thaien“ und umgekehrt.*) Sie wandten die Methode der Namenerklärung d 1 an, wo es eben ging, unterliessen es aber, wo sie dem Worte zu viel Zwang hätten anthun müssen. So wird (Sotah 34b) gleichsam das Bedauern darüber ausgesprochen, dass sich die Namen der zehn von den zwölf Auskundschaftern — ausser zweien — nicht deuten lassen. Rabbi Jizchak sagt daselbst: ״Von unseren Vätern haben wir es überliefert, dass die Thaten der Auskuidschafter ihren Namen entsprachen, wir wissen aber nur einen zu deuten. Rabbi Iochanan fügt noch einen zweiten hinzu.**) Es wäre so schön gewesen, wem sich die Namen der zehn ,Bösewichte“, so werden die Auskund- «chafter betitelt, in diesem Sinne deuten liessen. Wie schön liesse sich das nicht homiletisch verwerthen! Sie unterliessen es aber, weil 6ie dem Worte hätten Zwang anthun müssen. (Schluss folgt.) Literaturbericht. Beceasioiiea. Wünsche, Dr. Aug., Der Talmud, eine Skizze. Zürich 1879. Verlags-Magazin (J. Schabelitz). 8°. 40 S. Es gibt eine höhere, geschichtliche Wahrheit und eine sittliche Gerechtigkeit. Gegenüber den Hetzartikeln der Juden und Judenthum mit Gift und Ga le begeifernden clericalen und feudalen Tagespresse, gegenüber den lieblosen, literarischen Kundgebungen eine! Rohling, Istoczy und selbst Billroth heben sich Wie Lichtgestalten ab die Namen eines Kolkmann, Schleiden, denen sich würdig and ebenbürtig anreiht Aug. Wünsche, der Verf. der vorliegenden Skizze, auf welch j wir die volle Aufmerksamkeit der geehrten Leser lenken möchten. Es ist eine herzerhebende Sühne,■ ,die dem tief verletzten Genius der Humanität, der Wahrheit und Gerechtigkeit; volle Genngthuung leistet, wenn sin Christ aus eigener Initiative mit allem Freimitlie Rohling’s berüchtigten ״Talmudjuden“ wie folgt beurtheilt oder richtiger verurtheilt: ,Rohling, z Z. Professor in Prag, hat eine Broschüre unter dem Titel ,der Talmudjude“ geschrieben, welche die Augen von gans Deutschland und Oesterreich auf sich gerichtet, ja Uber die Grenzen hinaus von sijen reden gemacht hat. Das Schr:ftstück, welches seiner wahren Natur nach ein Pamphlet undPlagjiat zugleich ist, hat bereits viele Auflagen erlebt, und!obwohl jüd. Gelehrte mehrere Widerlegungen geschrieben und den Professor gründlich und treffehd abgewiesen haben, so hat das Publikum davon doch nur in sehr untergeordnetem Maasse Kenntniss erhalten, wenigstens sind dieselben nicht in diejenigen Schichten gedrungen, in welchen Rohling’s Schrift gelesen wurde. Viele, vielleicht die meisten Menschen wissen heute noch nicht, anf welche Seite siel sich stellen 801 len, ob auf die Seite Rohling's oder auf die Seite, des von ihm geschmähten und gelästerten Talmuds.“ Was haben bei den gebildeten, christlichen Laien die tefflichen Widerlegungen Kroner's (Lengsfeld), Blocks (Posen), und selbst die Gutachten Joöl’s (Breslau) gefruchtet?]Letzteren zum Trotze ist bekanntlich der ultramontane Redacteur Franke zuHabelschwerdt von der Appellationsinbtanz frei- *) Oie Ls de» Tsnchum» ist hier mangelhaft. j •*) St sind die» die beiden Namen בן מיכאל “HflO ®»d ינחבי 3ן ופסי di« d»»ell>»t gedeutet werden. j gesprochen worden. | Was Juden nnd «Amid Rabbined zur Ehrenrettung des Talmud’s Vorbringen, wird selbst beim gebildeten christlichen Laien sich äicht leicht zur vollen Anerkennung und Würdigung durchringen, weil er oft; vergeblich gegen das Vorurtheil ankämpft, als spreche der Jude und zumal der Rabb|ner eigentlich doch nur pro domo. Era|e rettende That ist hier, nur die spontane, objectiv gehaltene Kundgebung von Seiten eines unparteiischen Gelehrten. Die u»s-vorliegende Skizze Uber den Talmud ist ganz vorzüglich geeignet, den aiigedeuteten Zweck zu erreichen. Wir haben hier keine gelehrte Studie Uber deu Talmud. In flüchtigen,‘ aber dien gebildeten Laien orientirenden and fesselnden Zügen entwirft der Verf. ein anschauliches Bild von der Eigenalrt des Talmuds, von dem Verhältnisse, in welches Mischna und Gemara, Halacha und Agada za einander treten. Was er über die talmudische Gerichts- Verfassung, über die Execution der Todesstrafen, über die Behandlung des Civil-und Criminalprocesses unter ge» nauer Zugrundelegung der hier massgebenden Quellen, der einschlägigen Mischnaabschnitte aus dem• Tractat Syn* hedrin vorbringt, legt über allen Zweifel erhaben,, glänzend Zeugniss ab vom Princip der Humanität, der Gewissenhaftigkeit und Ehrfurcht, welches Wesen und Seele der ganzen talmudischen Jurls^ictipn ist. Besonders muihet unsern Verf. die talmudische Agada an, zu deren Glorification sich eigentlich seine hoc hinteressante Skizze zuspitzte. ״Die Hagada birgt wirklich — sagt er an einer Stelle (S. 14) — Perlen ächtester Poesie, die gesammelt eine nicht zu unterschätzende Bereicherung unseres Wissens und Anschanens gewähren.“ Diese These zu erhärten, ist der weitere Vorwurf seiner beachtenswerthen Arbeit. Er tritt für dieselbe den Beweis, der Wahrheit an durch dievon ihm gelieferten Üebersetzungsproben, welche den verschiedensten Gebieten der talmudischen Agada entnommen sind, dem reichhaltigen Kreise der Sag$n und Legenden, der A.llegorien und Parabeln, der Fabeln, Sentenzen und Sitten- Sprüche. Diese mit vielem Geschmacke und feinem; Tacte getroffene Auswahl würde jeder poetischen AnthologiB zur wahren Zierde gereichen. Wir legen diese . treffliche Arbeit aas der Hand, indem wir nochmal» nachdrücklich betonen, ihr culturhistorischer und Literarischer Werth wurzele darin, dass der Verf. nicht etwa als parteiischer Anwalt und Apologet auftritt, sondern als ein über den Parteien stehender, genau orieatirter Referent und objectiv urtheilender Berichterstatter. Möge., diese Schrift die Würdigung finden, die sie in vollem. Masse verdient! ״Möge sie — um mit dem Verf zu reden ־— recht viele Leser finden und von Ihnen eben] so objectiv aufgenommen werden, wie sie niedergeschrie* ] ben wurde.“ Dies sei ihr schönstier Triumph! Sahrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Notizen^ 1) II Liturgische Frage find Antwort. Was sollte der Anruf אני והו הושיעה נא bedeuten, welcher« laut der Mittheilung des R. Jehuda (i. d. Mischna Tr. Suckoth IV,3.) bei den Processionen mit dem Feststraasn and den Bachweiden um den Altar — jetzt um die ■ כימה — am Hüttenfeste gebete* wird? Da die ▼ersebiedenartigen Erklärungen hierüber wenig befriedigent• Unter allen Erklärungen dies( 8 sonderbaren Anruf»! — wie solche in mystischer Weise von den Oüms; meniatoren der Mischna und Gemsra versucht worden, sind — scheint mir die jüngste Erklärung des sei. R• Wolf Heidenheim in dessen Mach i0r-Ausgabedie annehmbarste. Derselbe fasst nämlich jenen Anruf als Notarikon aaf, wonach אני für dei göttlichen Beinamen! אדני und והו für den göttlichen Eigennamen ״) יהדHerr-