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Das jüdische Literaturblatt · 1878-10-16 · No. 42. (16.10.1878) · p. Seite 166

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 42. (16.10.1878)
Date
1878-10-16
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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£J * i r־• ד־5 v. Männern oft wiederholt, 80 dass Hosen 6,3 emphatisch ausruft: ״Lasst uns erkennen, lasst uns streben, den Ewigen zu erkennen!“ Dadurch war der Mosaismus grundlegend, dass sich die Religion allmählich aus dem Zustande des dunkeln Ahnens und Glaubens erhob ubd durch begriffen ässiges Denken zur begriff massigen Evidenz also zu einem Wissen wurde. Gottesverehrung. So widersinnig und hässlich die von der excentrisehen Phantasie der Aegypter combinirten GöttergeStalten waren (Ammon — mit einem. Adler- [Sperber־] oder Widderkopf, Isis — mit einem Kuhkopf), ebenso war es die Art und Weise, wie sie ihre Götter verehrten, so dass dieselbe sogar manchen Völkern der alten Welt als eine Thorheit und als Greuel erschien. Viele als gött* liehe Wesen verehrten Thiere (Schlangen, Kuh, Bock, Widder, Katze p.) wurden in heiligen Gehegen gehalten. Vornehme .Männer verpflegten sie und reichten ihnen die köstlichste Nahrung. Sie waren stets beschäftigt, ihnen warme Bäder zu geben, die herrlichsten Salben einzareiben und sie mit allerlei Wohlgerüchen zu beräuchern. Starb ein solches Thier, so geberdeten sie sich, als ob sie ein geliebtes Kind verloren hätten und veranstalteten ihm ein übermässig grosses Leichengepränge. Clemens von Alexandrien erzählt: ״ Das Innerste der ägyptischen Tempel ist mit goldgesticktem Zeug umhüllt. Nimmt der Priester die Umhüllung weg, so sieht man eine Kaize, ein Krokodil oder eine einheimische Schlange sich auf Purpurdecken wälzen.“ — Auch-den blossen Abbildungen der Thiere wurden Gaben gebracht. In einem schöngeschmücktem Gemache zu 8als lag eine hölzerne Kuh in natürlicher Grösse auf den Knieen mit Gold überzogen und hatte zwischen den beiden Hörnern eine Sonnenscheibe. Sie war mit einem Purpurmantel bedeckt, so dass nur Kopf und Hals hervorsahen. Täglich wurde vor ihr Weirauch angezündet und Nachts brannte vor ihr eine Lampe. Am Trauerfest der Isis wurde dieses Bild in einer Procession umhergetragen. — Von Heredot (II. 63) wird noch von einer anderen Thorheit berichtet, wozu der Naturdienst ausartete. Jährlich an einem bestimmlen Tage gab es um eines Gottes willen eine Prügelschlacht zwischen zwei Parteien, wobei sie sich die Köpfe einander zerschlugen und Viele an den erlittenen Wunden starben. Eine Art Menschenopfer. — Wie grundverschieden hiervon gestaltete sich die mosaische Gottes- Verehrung! — Während der Aegypter bei all seinem ahnungsvollen Bewusstsein der Maeht und Herrschaff des Göttlichen dieses in das Gemeine und Gewöhnliche berabzieht, ist der Mosaismus derart von der Erhabenbeit und Majestät seines Gottes erfüllt, dass er, von heiliger Scheu ergriffen, seinen Namen zu missbrauchen fürchtet, kaum in seine Nähe zu kommen wagt, und dass überhaupt jeder Gedanke an Gott die tiefste Ehrfurcht hervorruft. Und weil ein solcher Abstand zwischen Geschöpf und Schöpfer stattfindet, und weil keine Creatar mit Gott zu vergleichen ist, darum ־verwirft der Mosaismus jede bildliche Darstellung von Gott nnd erachtet sie als eine Erniedrigung und Herabwürdigung des Göttlichen, die leicht zum Polytheismus führen könne. (Fortsetzung folgt) Achim&n, Scheschai nnd. Talmai. Von Dr. Stier, Rabbiner in Steinamanger. ״Hadassah 1* widerholte die Königin, ״ich habe diesen Nsmen nie gehört. Wenn wir nicht falsch berichtet sind, ttfbcn diejüdischen Namen immer eine bestimmte Bedeutung.a Diese Worte legt Frankolm (״Die Juden und die Kreuäfithrer *) der Matter des Richard Löwenherz in den Mund•: In der That sind diese Worte im Geiste des jüdischen Schriffthums gesprochen. Im jüd. Schriftthum ist oft der Versuch gemacht worden, den Namen, der ursprünglich vielleicht Zufällig war, mit der Individualität und dem Charakter seines Trägers in Einklang zu bringen, oder denselben aus gewissen Verhältnissen bei seiner Geburt und aus Ereignissen, die auf sein Leben eingewirkt haben, zu erklären. Es geschieht dies; 1) Indem das Wort selber überset zt und gedeutet wird, wie Genes. 9,27 :'ייםת יפת אלתי G 29,33: שמעון שמע ד׳, Genes. 29,34: ילוי ילוה Sam. I, 25,25: 2 .נבל נכלה עמו) Indem der Name, wenn er zu- Sammengesetzt ist, ia seine einzelne Bestandtheile z e rlegt wird, Gen. 16,11: יישמעאל (*שמע ד׳ אל עניך Exod. 18,4:אליעזר אלהי אבי■ בעזרי• Jedoch finden sich im Pentateuch wie in den Büchern der Propheten, bei der Menge dep Namen, die da Vorkommen, verhältnissmässig wenige) die ihre Erklärung an der Seite stehen hätten. Es dürfte die Bemerkung zutreffend sein, dass die meisten' Namenerklärungen da vorkomme□, wo uns die Schrift hauptsächlich das Familienleben in seinen innem Regungen, mit seinen Freuden und seinen Schmerzen schildern will. Wo die Vorkommnisse aus dem Rahmen, der Geschichte heraustreten und anfangen, Geschichte zu werden, da schwinden die Namenerklärungen fast gänzlich, daher begegnen wir den meisten derselben im Buche Genesis, als dem Familienbuche Ist., in dem die Vorgeschichte dieses Volkes 80 meisterhaft dargesteilt ist. Von der Erschaffung Adams bis zum Segen Jakobs Zeigt sich immer das Bestreben, den Namen zu deuten, ihn mit dem Charakter des Trägers, seinen Beziehungen und Verhältnissen in Einklang zu bringen Wenn auch später vorkommende Namen, besonders in ihren Zusammensetzungen mit אל und יה wie יהשוע׳ אליקים, בצלאל, יחזקיה etc. unverkennbar darauf scbliessen lassen, dass sie mit Absicht gewählt und gedeutet wurden, werden doch die Erklärungen und Deutungen — einige abgerechnet — mit Stillschweigen übergangen. Die Geschichte, wo sie Geschichte sein will, hat nicht Zeit, sich mit solchen Dingen zu hesebäftigen. Die Talmudisten, die in ihren vielhundertjährigen Forschungen zu Allem Zeit zu haben schienen, wandten ihre Aufmerksamkeit den Namenerklärungen wieder zu. Diese darf auch bei ihnen nicht als Spielerei betrachtet werden, vielmehr diente sie agadischen Zwecken. Da die Talmudisten über die in der Bibel vorkommenden Personen ihr Unheil abgaben, dieselben in ihrer Lebensweise, ihrem Charakter, auch in ihrer äussern Gestalt schilderten, so diente ihnen die Deutung des Namens off zum Ausgangspunkte ihrer Schilderung, off als Beweis derselben. ־ Der Name war ihuen charakteristisches Zeichen dessen, der ihn getragen. Nomen est omen. Jedoch stellten sie das nomen est omen nicht als Grundsatz auf. Einer Lehr- und Deutungsweise zu Liebe opferten sie die Wahrheit nicht, sie fälschten die Geschichte nicht, um die Methode zu retten. Trotz *) ישמעאל — Gott erhört. Die Erkläraug müsste also lauten: שסע $(ל £ל עניך• Für ׳ אל,teht 'ך. Die Uisache mag sein, dass die Schrift hier zwei gleiche Worte von solch verschiedener Bedeutung — ןןל Gott und אל als Partikel — vermeiden wollte. Vielleicht auch, daas sie gegen die<jahvistische oder elohistische Auffassung des Abschnittes protesüren wollte, indem sie auch da 'ך gebraucht, wo ',אלך stehen sollte, die beiden Worte, 'ך und ‘אלה wechselweise gebraucht, wie im folgenden 14. Verse. Uebrigens lässt sich aas N&menerklärangen nicht viel scbliessen, da der erklärte Name mit der Erklärung sich seilen vollkommen deckt. Gegen die Meinung, dass die Schrift das Tetragrammeton mit einem Namen niaht verbinden wollte, sprechen die Namen: 4 ,אחזיר, ,עזריה» doch offenbar a!u ״* אחז יה ,עזר יה* sammengesetzt sind.

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