Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 42. (16.10.1878)
- Date
- 1878-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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»p. 4*. Jahrg.TII Zar Belncitu! aller Jade■- thna and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. 6eaehtehte4Uhaographle,Theologle,Orlentalia, Exegese, Hoatiletlk, XJturgik, Pädagogik. Heran 8g ejgeben Rabbiner Dr. tyloritz Rahnier. ״&> <»~ Slaffd^bttrg, 10. Ootolx5r Uei'T'S. Bäcker der elnsehldglgen LIteratar, welche der Red. dps ״Jid. Llteratnrblatt^ 11 Xag debnrg (oder der ״Israeli!. Wockensckr.“ in Stettin) ■aff•- saadt werden, •idem in diese■ Blatte eingeh. Besprechen•■' Das ״Jldlsehe Uteratarhlatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Preis bä allen ■M (in Lei pzig bä Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift11 in Magdebnr[ frnnkjrter Zusendung 9 ז Mark■ — Abonnenten der ״Israelitischen \V°chen9chrifl“ (die vierteljährlich bei allen Postanah handlangen 9 Mark SO Pt kostet) erhalten das ״Jüdische LiteratarbiaU“ gr« tis. — iBgpsrskte werden mit 20 Pt spaltene Petitzeile, buchhftndlerische Beilagen mit 1.9 Mark berechnet. ר Oie Expedition der ״Israelitische 1 Woche tat en f Ir « bfcri mit diinüNt and Backdi* drägaft“ I n 11 ss 1 *1 Wissenschaftliche Aufsatze: Der Mosaismus im Gegensatz zum Aegyplerihum Von M. Mannheimer ih Darmstadt. — Achiman, Scheschai u d Talmai. Von Dr. Stier, Landrabbiner in Steinaimanger. 1 Literaturbericht: Recenslonen; Wunsche, Dr. Aug., Der Talmnd, eine Skizze. Notizen. — Inserate. Der Mosaismus im Gegensatz zum Aegypterthum in religiöser und politisch-socialer Beziehung, von M. Mannheimer, emirit. Rabbinatsverweser in Darmstadt (Fortsetzung.) Nach dieser: Feststellung des Begriffes JHVI können wir seinen Gegensatz zur ägyptischen Anschauung des Göttlichen näher in’s Auge fassen. Die Götter der Aegypter warer| endliche, den Schranken des Raumes und der Zeit unterworfene Wesen: sie wurden gezeugt, starben, standen Wieder auf — man denke an ,den Mythos des Osiris und de(■ Isis — es ist ja ein Grundzug des Heidentbums: die!Menschen gebären die Göltet —; der Ewigseiende desjMoses hingegen ist das aber die Schranken des Endlichen erhabene unendliche ßein. Die Götter der Aegypter waren piaterielle, der Nothwendigkeit und dem Wechsel der Natur unterworfene Wesen; sie waren nichts als di,ejstets sich gleichförmig wiederholenden Erscheinungen der Naturkräfte, die in typischen Bildern von Thieren and Thierformen eingeschlossen blieben: der Ewigseiende des Moses hingegen ist der freie, von allen Phasen seiner Erscheinung in der Natur unabhängige, unsichtbare, alles Sichtbare und Geschaffene tragende selbstständige Geist.*) Daher hatten die Götter der Aegypter keipe andere Bewegung, als die des gleichartigen Wechselt der Jahreszeiten und der stillen Natur; der Jahve des Moses aber ist die unendliche Fülle geistiger Bewegung. Er tritt mit dem Geiste des Menschen in einen lebendigen Verkehr, und sein geistiges Wirken hat Moses in seiner eigenen Brust mächtig empfunden. Die Religion der Aegypter war der ausgeprägteste Polytheismus, die des Moses der reinste Monotheismus. Im Begriffe des Ewigseienden, Uhvergäpgliehen und Selbstständigen liegt als Connotät die Einheit in all ihren verschiedenen in fortschreitender jEntwickelung begriffenen Offenbarungen und Selbstbezjeugungen. Das ewige, absolute und lebendige Sein, dessen Sein sein Wesen ausmacht, birgt in sich die höchste Gei- *) Hierin liegt such zugleich die sittliche Vollkommenheit d. i. die Heiligkeit Gottes, da diese nichts anderes ist, als die Kr&ftigkeit des geistigen Seins. * L.. . L , stigkeit und Einheit, und hierin liegt die höchste Stofe | der Gotteserkenntniss und! der höchste Triumph des Jndenthums. - Die Erzväter glaubten auch nur an einen Gott, aber sie hatten die Gotteinheit nicht mit der Bestimmt» heit uod Klarheit ausgesprochen wie Moses. Erat bei ihm hat diese Wahrheit einen bedeutenden Fortschritt gemacht, indem er sie so ausgesprochen, dass sie keine Missdeutung zuliess, und erst bei ihm hat sie durch den Begriff des Ewigen, Absoluten, ihr rechtes Licht und ihre rechte Stütze erlangt. - ׳ Die Götter der Aegypter wurden eingetheilt in gute und böse, in schädliche und nützliche, Da« Heidenthum pflegte die Doppelseite des Göttlichen: auseinander zu halten. Der Mosaismas hat dieselbe*'vereinigt lund den Dualismus aufgehoben. Nach ihm ist Gott dJer gnädig-gerechte, der den Sünd er zwar bestraft, doch wenn der Gerechtigkeit Genüge geschehen und dieser Reue empfindet und sich bessert, 80 lässt ihm׳ Gott wieder seine Gnade zu Theil werden, die unendlieh ist. Gott ist strafend und liebend zugleich, allein da die׳ Liebe in ihm das Höchste ist, so straft er nur aus Liebe. Das Volk Israel, empfänglich für Fremdes, kam im Verlaufe seiner langen Geschichte abermals stark in Versuchung, den Dualismus des) Göttlichen aufzu nehmen, nämlich zur Zeit, als es unter persischer Herrschaft lebte und den verfeinerten; Dualismus des Magieifthums, das einen Gott des Lichtesi, Orrnuzd, und einen Gott der Finstemiss, Ahriman, lehrte, vor Augen sah; hätten nicht seine Propheten gegen1 diesen Irrihum geeifert, und die Sopberim eine eigens zur Bekämpfung, desselben verfasste Bulogie ins tägliche Gebet eingeführt, worin Gott gepriesen wird,’dass er ״der 8chöpfer des׳ Lichts und der Finsterniss“ sei, der den Frieden und die׳ Harmonie zwischen beiden herstelle. Der Mosaismus hat in den Gottesbegriff auch den Zweckbegriff unid den Begriff der Erziehung and der Erlösung aufgenömmen: Begriffe, die dem Heidenthume fremd waren. Gott schuf und regiert Alles nach weisen) Plänen. Israel warde in Aegypten erzogen und alsdann erlöst, und dass Gott der alleinige und wahre Erlöset Israels sei, wurde ein Eckstein des Mosaismus und des späteren Judenthuins Dias Wesen des ägyptischen Heidenthumjs war die Denkfaulheit. Es zog )den Menschen immermehr von strengem Denken über das Göttliche ab und liess ihn immer tiefer versinken in das oberflächlidhe Bilden und Vorstellen desselben. Das Wesen•‘ des Mosaismus dagegen i|st ernste Denkthätigtceit. Er fordert wiederholt den menschlichen Geist auf, über ׳ Gott zp denken und ihn zu erkennen. Und diese Auffordert mg wird im Laufe der Zeit von gottbegeisterten 1■ י מיי i־. 'i •I i«L *1. sä $ ■ .13 ' f.'^Ü י>-|.