Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 41. (9.10.1878)
- Date
- 1878-10-09
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 162 — and Ewige ia der Katar. — Hier pn (fieser geheiligten Cultafitte erfuhr Moses mehr denn anderwärts das Wehap dea göttlichen feistes. Hier hatte er Visionen, die die ihm eigene prophetische Natur zum Bewusstsein brachten Er trat mit Gott, dem Urgeiste, in lebendigen Verkehr, und so gewaltig ward er vom göttlichen Geiste erfasst, dass er Gott zu sehen und mit ihm zu sprechen glaubte. Hier ward ihm die tröstliche Offenbarung zu Theil, dass Gott die den Erzvätern gegebene Verheissung, ihren Nachkommen das Land Kanaan zum Besitze einzuräumen, nunmehr erfüllen wolle. Musste nicht in ihm da vollends der Gedanke zar Reife getangpn, dass der Gott, der mit seinem Plane Jahrhunderte umfasst und denselben zur bestimmten Zeit mit einer Allmacht ausführt, der nichts wiederstehen' könne, der Ewige and Einige sei? Musste ihn nicht der.Gedanke, wonach Gott den innern Zusammenhang in Natur und in Geschichte vermittele, zum Ewigseienden, zum geisfigen Urgründe alles Seins and Geschehens führen? Djie heilige Erzählung, die Alles unter den Gesichtspunkt des Wunderbaren stellt, lässt Gott sich in einem brennenden aber nicht verzehrt werdenden Dornbüsche .dem Moses offenbaren, und auf dessen Frage: Wenn ifh za den Israeliten komme nnd ihnen sage: der Gott eurer Väter sendet mich zu euch, und sie za mir spreeben: Wie ist sein Name? was soll ich ihnen sagen? lässt sie ihn antworten: ,Ich werde sein, der ich bin. Also sprich zu den Kindern Israel: Ich werde sein, sendet nach zu euch. Der Ewigseiende, der Gott eurer Väter sendet mich zu euch.“ — Ferner heisst es (2 Mos. 4,31): ״Und das Volk vertraute. Und als sie hörten, dass dea: Ewigseiende die Kinder Israel bedacht und ihr Elend angesehen hatte, neigten sie sich und b/Ckckten sich. — Der mitgetheilte neue Gottesbegriff hatte das Volk umgewandelt. Er batte dasselbe in entschiedenen Conirast zum ägyptischen Glauben und Wesen gesetzt nnd ihm Math nnd Vertrauen-zum angekündigten Erlöser eiogeflöet Bezeichnend'ist die Stelle (2 Mos. 6,2, 3): ,Und Gott sprach zu Moses: Ich bin d$r ewig Seiende. Ich bin den Vätern erschienen (mit dpn* Namen): Gott, allmächtiger; aber (mit) meinem Namen: Ewiger, bin ich ihnen nicht kund geworden“. Uadrinit Absicht lässt die heilige Schrift Gott sich seinen Napien in der ersten Person geben : ,Ich werde sein, dgr ich. bin*, um anzudeuteu, dass der Name Ewigseiender, der, Beiner Wurzel nach, dfem Sein angehört, nipht bloss den philosophischen Begriff eines absoluten Seins und der Aseitfit sondern auch dea Begriff eines leben digen in allen Stufen, Epochen und Artender Offenbarung, sich ewig gleich bleibenden bewussten Seins bezeichnet. (Forts, folgt.) « . (• Ueber Micha, Cap. 6.! (Schluss.) Schon seiner Sprache nach theilt sich unser Capitel in zwei Tbeile: v. 1—8 leicht and fliessend geschrieben; 9—16 härter, ungefügiger. Auch Hitzig unterscheidet 2' Theile, von denen der erste den Undank Israels charakterisiren, der zweite 9—16 die Replik auf die schale Verantwortung der Heuchler enthalten soll. Allein geben wir auf den Ideengang des Cap. ein: Der Ewige hat mit Israel einen Streit; den er Angesichts ddr/ Berge vortragen will (את hat hier nicht die Bedfcatang ,mit“, sondern gleich אל,' vgl. Rieht. 21,22-mit- 2.r'8am. 19,29), denen er v. 2, da er in seiner Klage nicht selbst als Richter figuriren kann und will, däs Sfebiedsrichteramt in seinem Streite überträgt (vgli Jes. Ii2; Dentr. 32,1). In v. 3 beginnt er seine Rede: ״Mein Volk, was habe ich dir gethao,:wo bin ich dir au lästig geworden? antworte 1 ,Etwa-dass ich dich aas Mijnüm "*“v ft (זזעלתחן ist hier ein Wortspiel mit dem vor• angegangenen הלאתיך in dem Sinne von: Du hez&hlst etwa das Gleiche mit dem Gleichen?) u 8 w. bis v. 5. ,86 sind hlqsse Vorwürfe, Vorbereitungen, um die Anklage zu rechtfertigen; aber von dein eigentlichen Streite des Ewigen mit Israel hören wir nieh 18. Wo ist die Sünde Israels, die Gott den Bergen, -den Schiedsrichtern vorlegt? Ferner, wozu der neue patetische Aufruf in v. 6: ,Mein Volk, gedenke nur, was Balak über dich berathschlagte (יעץ bedeutet hier nicht Rath gebeo, sondern Rath pflegen) und was Bileam ihm geantwortet?“ Ist dieses Ereigniss das grösste, womit Gott seine Liebe zu Israel begründen könnte, dass es in den Vordergrund gerückt wird, und was bedeutet ,die Antwort“ Bileam's?!Hitzig u. A. scheinen die Schwierigkeit geahnt zu haben und verweisen auf Num. 22,13; allein wie konnte der Prophet in jenem Zeitalter dem Volke zumuthen, dass es so bibelfest sei, sogleich zu wissen, worauf er verweist? Könnte mau es doch heute kaum, wo die Bibel in der Hand eines Jeden sein könnte I Noch grössere Schwierigkeiten aber bieten die folgenden Verse 6—8. Hitzig meint nach dem Vorgänge der Alten (vgl. Raschi und A. Esra zur Stelle), es Seien Fragen des אדם v. 8, welchen v. 8 erwidert wird; Nach Ewald (die Proph. d. a. B. I. Stuttgart 1840 8.343) ״weiss das Volk keine Rechtfertigung für sielt. Aber noch immer wie.bisher von trägem unterwürfig-feigem Geiste eingenommen, kann es nicht zur wahren Einsicht .... sich erheben, sondern entbietet sich im knechtisehen Sinne, als fordere Jahve äussere Opfer .... und in v. 8 antwortet der Prbphet.als Vermittler: es ist dem Volke längst von alten Gesetzgebern und Propheten klar gemeldet, was eigentlich J. von ihm fordert.“ Allein diese Erklärungen befriedigen nicht, häufen pur die Schwierigkeit des Verständnisses; denn, Gott klagt das Volk ob seiner Undankbarkeit an, stellt nun der Prophet den אלם oder das Volk als fragend dar, was es thun müsse, um Gott zu danken; dann gibt der Prophet zu, dass Israel sich der Thaten Gottes bewusst sei und auch danken wolle mit Gaazopfem einjähriger Kalben, Myriaden, 8trömen Oels, ja sagar mit seinen Erstgeborenen; kann dann der Ewige das Volk der Undankbarkeit zeihen? Ob die Opferwilligkeit des Volkes eine gottgefällige, von der Religion verlangte und gebilligte sei, ist hier, wo es sich einzig und allein um Dank und Undank handelt, ganz nebensächlich — das Volk will danken. Endlich bleibt noch zu erwägen: in welchem Zusammenhänge steht v. 5 zu 6 und v. 9 ff. zu dem Vorhergehenden? Versuchen wir nun etwas Klarheit ia die Schwierigkeiten hineinzutragen. Der Kampf gegen die falschen Propheten, die das Volk bethörten und irre leiteten, bewegte den Gottesboten; man hatte ihm verboten, zu sprechen (2, 6, 11), man wollte die unangenehme Stimme das unangenehmen Mahners zum Schweigen bringen. In solchen trüben Tagen flüchtet sich das fromme Gemüth gern in die Vergangenheit, ׳dem Ideale jeder religiösen Anschauung, in der Vergangenheit sucht er ein Heilmittel für die verrotteten Zustände seinerzeit, ln dem 6. Cap lenkt er daß geistige ' Auge seiner Zuhörer, auf vergangene Tage und durch die Worte eines heidnischen Propheten will er, gleich seinem späteren Amtsbruder Maleachi, der die Heiden' zum Musterbilde für Israel aufs teilt (1,11 f), seine Gemeinde zur Erkenntniss führen, zu» gleich aber auch durch diese Worte im- Munde des Heiden, dem die Lehre Israels nicht geworden, die fab sehen Lehrer des Volkes in ihrer Nichtigkeit dars teilen, sie entlarven. Der Zusammenhang unseres Cap. ist nämlich folgender: Der Ewige hat einen Streit mit Istrael, diet. Berge sollen sein Scbuedsrichter sein; pr be* ginnt v. 3: ״Mein *Volk, was habe'icAdir gethan“׳ u. s. w, Bia v. 4 wird die Berechtigung Gotte• *4* Hüte •iteMM■ i