Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 40. (2.10.1878)
- Date
- 1878-10-02
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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— 159 — sich und sein Haus“ die Rede ist; sowie auah in dessen zweitem Sühnbekenntni6s (8. das. IV,2), wlelches sich auch auf das ganze ״priesterlic’ie Geschlecht‘׳ bezieh(, lautet der Ausruf zu beiden Abtheilungen dieses Gebetes d. h. sowohl zum Sundenbekenntniss, als auch zur Versöhnungsbitte immer אנא השם und ist dabei blos bemerkt, dass die im Tempel Anwesenden darauf aötworteten: ברוד שם כבוד מלכותו לעולם ועד• Erjstim dritten Subnbekenntniss (s. das. VI,2), worin der Hohepriester für die ganze ,,Gemeinde Israel“ be|tete, lautet der Ausruf zur zweiten Abtheilung des betreffenden Gebetes um Versöhnung אנא כשם [statt חשם] und dabei wird noch uiitgetheilt, dass die übrigen Priester und das im Tempel: anwesende Volk, als sie den göttlichen Hauptnamen (Tetragrammaton, שם המפורש) aussprechen hörten, auf das Gesicht niederfielen und djen obenerwähnten Lobspruch sprachen. Es scheint darum, dass nach der Misch na‘" dieser göttliche Eigenname vom Hohenpriester im Allerheiligsten am Versöhnungstage nur einmal so ausgesprochen wurde, wie er den Buchstaben nach geschrieben wird. Obschon nun diese drei Mischnoth ohne Namensangabe ihres Ueberlieferers (0תם משנה) sinjd, wonach sicti sonst die Halacha zu richten pflegt, Werden von altert Ritualcodices, sowie auch von dem Verfasser der rubricirten Liturgie die zuletzt beim dritten Bekenntniss angeführten Formeln auch bei den beiden früheren Bekenntnissen vorgetragen; während R. Chaggai im Talmud Jeruschalmi (III z. 7) den Ausruf אנא ®שם dem Anschein nach nur beim zweiten Bekenntniss (כשניה) gelten lässt! Dazu welchen Sinn gibt diese Ausrufs formet כשם? Endlich hat die Mischna 'imjSündenbekenntniss eine andere Ordnung (עויתי ®שעתי חטאתי) als unsere Liturgie (חטאתי עויתי ופשעתי)! Antwort. Es war eine alte Ueherlieferung (Halacha), die im Talmud Jeruschalmi (Tr. Joma III z. 7) angeführt wird, dass der Hohepriester den Hauptnamen 001168(שם המםורש) am Versöhn ungntage 10 mal ausgesprochen hat, nämlieh: 6 mal beim Oplerfarren, d i. in jedem der beiden Sühnbekenntnisse 3 mal, und dann 3 mal im dritten Sühnbekenntnisse beim Opferbock und einmal beim Looswerfen zwischen den beiden Ziegenböcken, wovon eben der eine als Entsündigungs-Opfer dem Ewigen ausdrücklich geiveiht wurde, weshalb die im Tempel Anwesenden gleichfalls mit dem Lobspruche (ב׳ש׳כ׳מ׳לץ) geantwortet haben (8. ds. Mischna. IV, 1) — Was nun die betreffende Mischna anlangt, so ist dieselbe gleich- Wie jede סתם; משנה wohl die Ansicht des!R. Meyer; allein die Tosejihta (ds. II Abschn. s. hz. dl Anmerk.j und nach derselben beide Talmuden bemerken ausdrücklieh, dass die meisten Gelehrten (רבנן), die huch synonymistisch wichtigere Ordnung (חטאתי עדתי פשעתי) überlieferten, uind da (״ (יחיד ורבים הלכה כרביםdie Meinung der Mehrheit den Vorzug verdient“!, so wurde dieselbe in der rubricirten Liturgie adoptirt.j"— Ebenso verhält es sich mit der ebenerwähnten im Talmud Jeruschalmi vorkammendea Halacha, wonach tjei allen 10 hohepriesterlichen Anrufungendes göttlichen Eigennamens diejenigen, weiche nahe dabei standen, auf pir Gesicht niederfielen und die fern Stehenden darauf כ׳ש׳כ׳מ׳ל׳ו sprachen; indess die Mischna diese Auseinandersetzung auf das letzte Bekenntniss versparte (s. hebr. Commentar d Mischna i. Toeephot Jom Tob). Somit hat auch darin der Verfasser dei rubr. Liturgie richtig geurtheilt. — Was schliesslich die ebenfalls alte;Ueberliefer u n g des R- Chagg.i im Talmud betrifft, so bezieht sich das Wort ITWL nicht auf das zweite Bekenntniss, sondern auf die zweite Abt-heilung in jedem der drei Bekenntnisse (8. Commen tar hierzu von R. David aus Dessau). inrtiisi ׳ --—L_.:..׳■-־ -... ■ ■ -- - - Jedes Bekenntniss enthält nämlich a) die Sündern beichte, b) Versöhnungsbitte und c) die biblische Verheissung. Da nun die Versöhnung vielmehr von dem Gebete des Hohenpriesters, als von dem Öpferblate abhängt (Talmud Babli 36,b), und wie auch R. Jomtob Heller (i. Tosephot J) bemerkt, darunter ganz besoaders die Anrufung des göttlichen Eigennamens za verstehen ■ei: so lautete die Versöhnungsbitte אנא. בשמך יהר! כפר נא וכו', wofür die Liturgie, weil wir diesen Namen nicht wie er geschrieben wird, aussprechen, ÜSD sagt; gleich wie wir in der Süadenbeichte השם dafür sagen, indess wir bei der biblischen Verheissung (לפגי יי תטהרו)^ wie sonst, wenn wir die h. Schrift' lesen, statt des göttlichen Eigennamens dessen Beinamen אדני aussprechen. Folglich ist auch hierbei unsere Liturgie die rechte. - __- Literaturbericht. letndmi. Sayee, A. H, Babylonische Literatur, übersetzt von Carl Friedend. Leipzig, Otto Schulze. 1878. 8*. 56 S. Die Aufschrift dieser hochinteressanten Vorträge, < j welche der rübmlichst bekannte Verf. in der Royal Inslitutiön zu London gehalten hat, müssen wir etwas verfehlt nennen. Richtiger Hessen sich diese Vorträge , vielleicht mit der Benennung ,Babylonische üulturbil- 1 der* bezeichnen. Denn mit ebenso anschaulicher Klarheit, wie mit fesselnder, formvollendeter Schönheit lassen sie uns einen tiefen find genau werfen'in die CulturVerhältnisse di däa, des Reiches ,ton Sumir und find Akkad der Bibel. Es zeugt angelegten Geiste des Verf., wenn 1 trümmerhaft auf uns gekommenen B voll und‘noch nicht einmal ganz Keilinschriften der Thonbibliothek ientirenden primitiven Blick Chal- .kkad“, — Sinear n dem universal ihm gelingt, die 1 ul täte der müheicher entzifferten zu Ninive und der vielleicht noch wichtigeren, von Sargon I zn Agand bei Sippara im 17. Jahrhundert vor der gew. Zeitrechnung angelegten, zu einem einheitlichen und organischen G^anzen zu Verarbeiten. Dass diese Darstellungen keinen Anspruch auf abschliessende Vollständigkeit machen' können, liegt hier in der Schwierigkeit der za bewtUtigenden Aufgaben begründet. Allein man erhält einen sehr beachtenswerthen Einblick in die Culturanschaaungen und Civilisationsverhältnisse Alt-Babylon’s,' wenn man mit dem cosmogonischea, liturgischen, physikalischen, astronomischen und astrologischen Theorien der ältesten chaldäischen Epochen vertraut gemacht wird. Die bibL Erzählung von der noachidischen Fluth weist frappante Analogien mit der durch die Keilinschriften uns vermittelten Fluthsage auf. Auch der auf dem Wasser im Kästchen ausgesetzte Mose der Bibel findet in denbabyl. Traditionen sein Spiegelbild. Aber auch markante Berührungspunkte mit der grieclt Mythologie lassen sich in grosser Zahl auffinden. Hoch interressant sind die astronomischen und mathematischen Aufschlüsse, die der Verf. in reicher Fülle, giebt. Schon 1150 v. Chr. wurde man auf Kometen aufmerksam. ,Es war bekannt, dass Mondfinsternisse sich nach einem Zeiträume von 223 Mondwechseln .wiederholen, und beginnen die Berichte darüber gewöhnlich'mit den Worten: ,Berechnungen zufolge“ oder'״Berechnungen entgegen war der Mond verfinstert“ (S. 41). Das Jahr enthielt 12 Monate oder 860 Tage. Der 7. Tag der Woche hiess ״Sabbath“, . Rasttag. An diesem Tage war es dem Könige verbo* ten, ״gekochte Frucht“ oder ,.Fleisch“ zu essen, die Kleider zu wechseln, weisse Gewänder zu tragen, den Krieg*wagen zu fahren, das Heer zu mustern, oder, 17... MH