Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 40. (2.10.1878)
- Date
- 1878-10-02
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nutpe, welche die Erzenger das Osiris (Sonne) und der Isis {Mond, Erde) waren.*) Da wurde zur rechten Zeit das rechte Wort ausgesprochen, ein Wort, wie ein gleichwichtiges noch nie über die Luppen eines Erdensohnes geflossen, ein Wort, angethan, die ganze Welt aus ihren Angeln zu heben, und dieses Wort ist 1 der Ewigseiend e,**) das absolute unveränderliche Sein. Bis jetzt hatte die menschliche Sprache noch kein Wort gefnnden, das den Begriff der Gottheit adäquater als dieser dem Gotte der Offenbarung eigenthümliche Name Ewigseiender ausdrükte, der nicht sowohl irgend ein Prädicat als vielmehr das ewige seibige, lebendige Wesen, des sisch und Sein Reich in der rZeit offenbarenden Gottes anzeigt י— Halten wir einen!Augenblick inne, um uns mit dem Manne zu beschäftigen, der dieses Wort unendlicher Beieutung zuerst ausgesprochen und1 seinen Stammesgenossen mitgetheilt hat (Forts, folgt.) Ueber Mieha, Cap. 6. —• Neben Jesaja, dem königlichen Propheten, wie er mit Rechtnicht bloe in Folge der Tradition, sondern •auch in Folge der königl. Gedanken, die aus seinem Innen! strömen, der schwungreichen, kräftigen Sprache, die seine Zeit zur klassischen des hebr. Schrift! hnms stempelt, namentlich aber der epochemachenden Stellang wegen, die er in der Geschichte Israel’s einnimmt, genannt wird, ragt besonders sein jüngerer, rasch zur Autorität gelangte Zeitgenosse Micha (vgl. Jer. 26, 18) hervor. Jesaja ist der vornehme Bewohner der Residenz, der feine Beobachter des Hofes und der aristokratischen Kreise, der gesunde Politiker, der die Zeitereignisse und -ihre Folgen erfasst, der elegante, redegewaltige Sprecher mit dem kühnen, grossartigen Schwünge der die berzen erobern den Rednergabe; Micha ist der schlichte!Landbewohner (vgl. Ewald, Meyer in Zeller's Jb. I. S. £03), der weniger Schwung und dichterische Kraft beätzt — das stille Landleben ist sein Gebiet, aus dem er auch häufig seine Bilder entlehnt, wohl aber eine mächtige, innige, tiefe, relig. Ueberzeugung, die gleichsam durch seinen Namen belebt, in ihm immer und immer das Pflichtbewusstsein weckt und nährt, Wesen und Werke voll Gottinnigkeit zu erfüllen. Eine reiche Fülle innera Lebens offenbart sich uns in seinem kleinen Bache, ein grosses Bild proph. Wirkens; das persönliche Gefühl sprudelt überall lebendig hervor, wodurch seine •Bede an Innigkeit und Fnergie gewinnt und in dieser Beziehung gleicht Micha mehr Jeremia, als Jesajäi; Geistesfeuer sprüht aus seinem Munde, seine Reden sind ▼oll Leben und erheben sich nicht selten zur diagolischdramatischen Form. Mieha ist der echte Prophet Israel’s; das ganze Volk in seiner alten Einheit und seiner einheitlichen Zukunft beschäftigt ihn; in ihm ist weit mächtiger das jacobitisch-isiBelitische, als das particalaristische Bewusst- ■ein, und während alle andere Propheten sich mehr oder weniger mit den Nachbarvölkern beschäftigen, verschwinden diese vor ihm, und auch Assur, das mit Macht in die Zeitverhältnisse eingriff, erwähnt er nur *) Die Behauptung ». Hellwald's (Caltargeschichte a. die Jaden S. 18J) ,die alten Hebräer hätten die Idee des Monotheismus ht Aegypten eingesangt, die der Priesterreligion wenigstens latent •innewohnte“, ist leere Fiction, erfanden, dem Jadentbum das Verdienst •bzaspretfcen, der Menschheit die Lehre des Monotheismas gebracht n haben. **} Diese Darstellnug würde an Kraft der üeberseagtmg ge- Wonnen haben, wenn ich mich an dieser and noch einigen Stellen des Tetragrammhtons bedient hätte. Allein ich wollte der Sitte keinen Anstom geben, die dasselbe za lesen ▼erbietet. ן nebenbei (5,5; 6,9); denn nicht die politischen Verhält- ' nisse sind es, mit denen er sich beschäftigt; sein ist das stille Gebiet der Religion und von der moralisch-religiösen Bildung des Volkes, der Verinnerlichung der Religion durch Rechtschaffenheit und lautere Gesinnung erwartet er alles polit. Heil; auch ist es ihm weniger um die Erhaltung und Förderung des äusseren Formglaubens zu thun, als um Belehrung, Versöhnung, Heiligung des Volkes durch Reinheit des Denkens und Handelns. Dennoch wäre es ein Irrthum, annehmen zu wollen, der Prophet — was überhaupt auf den ganzen Prophetisrous anzuwenden ist — stelle sich dem Cültus feindlich gegenüber; der Cultus besieht, er kämpft nicht gegen ihn, wohl aber gegen die ,Menschensatzung“ ohne Geist geübt. Durch Hiskia's Regierung und Jesaja's Wirksamkeit war zwar der Monotheismus mehr in’s Volk gedrungen, aber der altheiduische Sinn nicht überwunden und die falschen Propheten schmeichelten der Eigenliebe und Sinnlichkeit des Volkes (Micha 2.11; 3,‘5—7), das nebenbei noch im vollen Vertrauen lebte, fromm und gottgefällig zu sein (Jes. 29,13; Micha 3,11). Die Handlungsweise der falschen Propheten hatten den echten Gottesdienern viel unangenehme Erlebnisse bereitet (1. Kön 18,17; 2. Chr. 16,7—10; 24,20; Jes. 29,21; H03. 9,8 u. ö.); auch Micha blieben traurige Stunden nioht erspart (2,6, 11); man hatte ihm verboten, dem Drange seines Herzens nachzugehen, das Wort Gottes zu verkünden, man wollte die unangenehme Stimme des offenen Mahners zum Schweigen bringen. In solchen trüben Zeiten eröffnen sich den Gläubigen neue Gebiete, die Gegenwart ist trübe, die Zukunft kann voraussichtlich nicht hell werden — die Vergangenheit allein, das Ideal aller frommen Gemüther, bleibt übrig; in die Vergangenheit flüchtet sich des Propheten Geist, in ihr erschliesst sich für das Volk ein neuer Quell, in dessen Spiegel es ein beredtes Bild seiner Versunkenheit und Versumpftheit erblickt Bei keinem der kleinen Propheten tritt so viel Historisches aus der Vergangenheit Israel’s, treten 80 die Ahnen des isr. Volkslebens an das Gedächtniss des Volkes heran (nur die wenig Originelles bietende Gestalt Isak's scheint sich nicht so leicht in das Volksbewusstsein eingelebt zu haben), als dieses bei Micha der Fall ist. In den zwei letzten Cap., die von allen Erklärem als besondere, zusammengehörige Stücke beträchtet werden, tritt das letzterwähnte psychologische Moment namentlich hervor. Cap. 6 ist es, das speciell unsere Beachtung verdient; denn obzwar es auf den ersten Blick — dieses gilt besonders von seinem ersten Theile V. 1—8 — sehr leicht erscheint, so ist dennoch der Gedankengang derselben beim ernsteren Eingehen recht dunkel und die Schwierigkeiten häufen sich. Nach einzelnen Er klarem hat man es im B. Micha nicht mit einzelnen fortlaufenden prophetischen Reden, sondern mit verschiedenen, die auch nicht alle zu gleicher Zeit erlassen sind, zu thun (vgl. Bleck-Kamphausen, Einleitung). (Schluss folgt.) Liturgische Fragen und derenBeantwortung. Von Dr. Hochstädter, Beiirksrabtjiner zu Bad Ems. Ein talmudkundiger Gelehrter aus Ungarn hatte vor einiger Zeit in einem hebräischen Briefe die nachstehenden liturgischen Fragen an mich gerichtet, die ich nach meiner hebräischen Beantwortung hjer mittheilen werde. Frage I: Ueber die Opferliturgie im Mussaph des Versöhnungstages. 1) In der Mischna (Tractat Joma IU,8J, worin von dem ersten Sühnbekenntniss des Hohenpriesters ״für