Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 36. (4.9.1878)
- Date
- 1878-09-04
- Page
- Seite 143 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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LiteraturbericJht. — 143 — ■ t■׳ |(ee1sl«1n. Kleiinenhagen, H., Religion sieh rer, Die Natur des Geistes nach der mosaischen Lehre. Leipzig, Commissionsverlag der Baumgärtner’schen Buchhandlung 1878. (55 8.) Es ist ein.recht glücklicher und fruchtbarer Gedanke, auf den diese Schrift hinweist, von dem sie einen scizzirten Entwurf vorzulegen versucht, — j die Natur des menschlichen Geistes im Lichte der biblischen Schriften darzustellen. Freilich will die Bibel keine philo- 60phi8ehe Theorie aufstellen und ebensowenig ein Handbuch für Seelenkunde sein, aber sie berührt gar Oft, und nicht in der Schöpfungsgeschichte] allein, das anthropologische Gebiet und enthält ausserdem einheitliehe Begriffe und Verautsetzungen psychologischer Art, von denen sie bei der Auffassung der heilsgeschichtliehen Thatsachen, bei der Verkündigung ihrer Lehren, bei den Vorschriften und Maximen für die verschiedenen Lebensverhältnisse ausgeht und die ihr als Grundläge dafür dienen. Diese Voraussetzungen und An- Behauungen im Zusammenhang darzustellenj ihren Ausgangspunkt zu fixiren und sie in geordneter Abfolge nnd in übersichtlicher Consequenz auseinander iu entwickeln, dass, wie Delitzsch 6ich so wunderschön ausdrückt, ״dieser Zusammenhang nur das wissenschaftlich aufgefangene Spiegelbild des Zusammenhangs sei, in welchem diese Anschauungen an sich selbst stehen“, idas ist eine Aufgabe, welche wohl der Mütie verlohnt. Hierzu hat bereits Delitzsch in seinem ,,System der biblischen Psychologie“ eine ausgezeichnete Vorarbeit geliefert, namentlich was die wissenschaftliche Methode betrifft, und obwohl dieses Werk sich streng auf den Boden des rein christlichen Dogmatismus hält, so ist es doch ein so überaus werthvoller Beitrag, dass auch die jüdische Theologenwek daraus grossen Nutzen und vortheilhafte Anregungen schöpfen kann. Dies ist in der vorliegenden Broschüre jedoch keineswegs gesche- Jien, obwohl tie zugesteht, dass das Delitzseh’sche Buch viele Jichtvolle Seiten für ein besseres Verständniss des Seelenlebens bietet.“ Der Griff des Thema's ist ׳ein glücklicher, der Blick ein geschickter, aber die Ausführung ist etwas dilettantenhaft. Schon die Einleitung verschiebt das Thema in seinem Schwerpunkt; anstatt in den psychologischen Gedankenkreis einzuführen oder die biblischen Gesichtspunkte desselben zu entwickeln, wird die Frage erörtert: »Welche psychologische Vorstellungen liegen der Ethik des Judentbums zu Grunde?“ Den wissenschaftlichen Werth der einzelnen Erörterungen mag man nach folgender Probe beurtheilen. S. 50 wird über ,,die Verbindung der Seele mit dem Leib“ Folgendes gesagt: ״Die V erbindung der Seele mit dem Leibe findet nach biblischer Anschauung im Blute statt. III. B. M. 17 כי נפש הכשר בדם הוא. Nicht als ob das Blut das Wesen der Seele ausmache; nein, ihre Wirksamkeit im Organismus, das physische Leben nur bedingt sie, denn נפש und רם werden durchaus nicht als gleichbedeutend hingestellt. נפש ist das Lebensprinzip nnd דם ist das Lebenselement Ain deutlichsten erhellt dies aus ijob 11,10 אשר בידו נ!וש כל חי ורוח כל כשר איש• dessen Band die Seele alles Lebendigen nnd der Geist alles menschlichen Fleisches ist.“ — .Da das Blut aber der Frnährung des ganzen Organismus dient, so ist es selbstverständlich in Rücksicht seines unmittelbaren Einflusses auf die Seele nicht einerlei, welche Nahrung ihm geboten wird. I >aher ist den I Israp.lite.n vor Allem der Genuss des Blutes selbst, > 'א j das sich am Leichtesten und Intensivsten mit deü» eige* nen Blute assimllirt, untersagt, sowie alle unreinen, kranken oder gefallenen Thiere. Alles, womit der 18• raelit in Berührung kommt, sollte ihn -auf seine höhere Bestimmung hinweisen, ihn heiligen. Das ist unläug-' bar einer der Hauptgründe des mosaischen Speisegesetzes Am unzweifelhaftesten spricht sich lüerübec Nachmanides III. B. M. 1.7,11 aus.“ Nicht besser steht' es um die Exegese einzelner flibilstellen oder um die Etymologien, welch, letztere der Verfasser, obwohl sie seinen Gegenstand gar nicht fördern, öfters heranzieht, Auch hierfür genüge e i n Beispiel! (S. 49) ״Der Rohe פער von בער weiden und בעיר Vieh בער brennen, hinweisend auf die thierische Genusssucht und. den leicht entflammten Zorn. Der Thor כם*ל von sich leeren, unbegründeten Hoffnungen hingegen 11,8. w׳. Am Meisten hat uns die Partie zugesagt, wo wir die biblischen Ausdrücke zusammengestellt findet, ia!denen der Gemüthszustand durch die entsprechende körperliehe Geberde bezeichnet und veranschaulicht wird (8. 45 ff. 47 ff.) z. B. ״Der gerade und sichere ]Gang — den Reinlichen und Aufrichtigen Spr 8. 2,9“.! (״Dh*׳ langgestreckte Hals — den Stolz und die C0qaettei$6: Je8. 3.16“. ״Die erhobene Hand —die Freiheit-— ®ä sinkende Hand — Muthlosigkeit u. 8. w£ Wirlöanhn schliesslich unsere Verwunderung nicht vet schvdigttb, dass Raschi als R. Scheloma S. Jarcha statt 8. Jizchak (S. 9) bezeichnet wird, ein Irrthnm, der heätzutage selbst einem christlichen Gelehrten pidht nachgesehen wird, und dass der-Verfasser den Talmud Obüe Weiteres mit der'״mosaischen Lehre“ indentifizirt ,Da ein gewisser Grad von Verschiedenheit zwischen Belden doch von Niemanden bestritten wird, 80 hätte der Verfasser sich darüber näher erklären müssen oder seine Broschüre sollte den Titel führen: |Die Natar des Geistes nach mosaisch-talm udisjvber oder nach jüdischer Lehre ז ß. י ׳ Lengsfelder, S., Rabbiner in Reichenau,ליעקב TJQ Gottesdienstliche Vorfrage Barby 1878. (8*. 76 S, I. Heft. , t ׳ ״Ich habe mit Bedacht für dieses erste Heft solche Predigten, die weniger streng nach den rhethorischen Regeln gehalten, als Vorläufer gewählt.“ Mit dieser. Bemerkung führt H. L. seine Vorträge ein, und wenn wir constatiren, dass die hier vorliegenden Reden h» der That mehr nach Art der Homilien gehalten sind, so soll damit von unserer., Seite kein tadelndes Votäm. ausgesprochen werden. Diese Proben dürfen von ]der rhetorischen Schablone äbsehen; denn .was sie affe durchglüht, ist der Gottesfunke rednerischer Begabung und echt religiöser, unverfälscht jüdischer Gesinnung»- tüchtigkeit. H. L. schlägt nicht einen schulmeisternden Ton in seinen religiösen Belehrungen an und bei aller Wärme und Prägnanz, mit der er seine Ansichten vekficht, hält er sich von dem Paroxismus des Fanatisireps durchaus fern. Ec versteht es, Seele^und Gemütb seiner Hörer anzuregen und zum Herzen eindringlich zu sprechen. Darum werden auch seine Worte ihrfe gute Wirkung gewiss nicht vecfehlen. Sqhrifi- und Midraschstellen weiss er mit Geschick zu 1־behandeln, einfach, sinnreich und situationsgemäss zu deuten!Vor Allem sind diese Vorträge durch und durch populär. Sie können ohne Scheu gebildeten wie minder gebildeten, grösseren wie kleineren Gemeinden als anregende geistige Kost geboten werden.! Die^ Dietion ist zumeist eine edle, einfache, correcte. Dia Feile der Selbstkritik wird gewiss Hm L. gelbst dazu führen, etwas homogener Metaphern und andere rht&r torische Figuren za gebrauchen. Mit dem Fer£ jnftD ־ י I . ' ־• ■ ־• - £ I ־ v ■A