Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1878-08-28 · No. 35. (28.8.1878) · p. Seite 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 35. (28.8.1878)
Date
1878-08-28
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-6488234-8755643--1093-4854530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

sich selbst nennt, Joseph ben Mathja der Priester (יוסף מתיה הכהן p), vier Schriften von hervorragender Wichtigkeit, 1) den jüdischen Krieg ("EP'- Tzolifiou) aus 7 Büchern bestehend, ursprünglich :05 louoa xoü aramäis 5h, später griechisch von ihm geschrieben; 2) die jüdische Archaeologie fäp7׳a10).0Yia) in 20 Büchern, die der Juden von der Weltschöpfung bis ins l!t. Jahr der Geschielte Selbstbio• neronischen Regierung darstellend; 3) die graphie Qi!»;), worin er den Makel von sich abzuwäk en sucht, den man auf ihn über seine diplomatische Tliätigkeit in Galiläa vor dem Einrücken Vespaiius gehäift hatte; 4) über das hohe Alter des jüdischen Volles (118,01 xiöv ’Io'joauov äp/aioTr,•:», tloxd ’Az'.cuvo;) oder kurzwfg: gegen den Apion (contra Apionem) genannt! Letztere Schrift verfolgt' im Gegensatz zur jüdischen Archaeologie mehr einen apologetischen Zweck. Der alexandriniscüe Grammatiker Apion nämlich hatte über das Judenthi m eine ganze Reihe boshafter Verläumdungen gjeschleudert und dadurch die jüdische Nation in den Augen «er Gebildeten herabgesetzt. Nicht nur dass er dem jüflisehen Volke sein hohes Alter absprach, erj griff auch seine religiösen Institutionen an. So liess ep sich un(er anderem besonders verächtlich über die Gottasverehruing aus, indem er aussprengte, in Jerusalem werde ein g|51dener Eselskopf angebetet. Diesen gehässigen Entstiellungen gegenüber tritt nun Josephus mit grosser Energie entgegen. In Buch II, 7,4 ff. führt er aus, weder Po{npejus Magnus, noch Licinius Crassus und Titus Cäsar hätten bei ihrem Betreten des jerusuletnischen Tempels den Esel gesehen, deshalb könne nur Apion selber 4er Eselskopf sein. Mit edlem Freimuth und warmer Begeisterung führt Josephus den Beweis, dais mit der Auflösung des jüdischen Staatsthums noch lange nicht das Judenthum als religiöse Macht vernichtet( sei. Kam habe wohl den Tempel zerstört, das heilige( Gesetz, die Lehre habe es nicht antasten können; der jüdische Ge&st rege noch mächtig seine Schwingen und tjrerde seine weltgeschichtliche Mission auch ohne politische Souverainität behaupten. Durch diese Beweise qokumenlärt sich Josephus nicht nur als ein treuer Anhänger seines Stammes, sondern auch als ein wackerer Kjämpfer für dessen Lehre und Geschichte. Hatte Josephus auch durch sein lömerfreundliches Verhalten während seiner Amtsführung in Galiläa, wie Grätz in seiner Geschichte der Juden Bd. III S. 414 bemerkt, die Bürgerkrobe des Patrioten verwirkt, war er auch, man djarf es wqhl geradezu aussprechen, zum Verräther an seinem Volke sind von ihnen corrigfrt worden. Trotzdem müssen wir die Arbeit auch ii dieser Form, wenigstens was den rein philologische! Theil anlangt, als sin wahres Meisterwerk bezeichnen und als eine sehr danl censwerthe Bereicherung der Literatur über Flavius Josephus bezeichnen, welche den früheren Leistungen des Verf. über Philo’s Buch üb« r die Weltschöpfung und über den sogenannten Brief des Barnabas ebenbürtig zur Seite steht. Nach einer übersichtlichen Einleitung über Leben und Sehriften de! Josephus giebt der! Verf. von der Schrift gegen Apiot zunächst einen cofrecten Urtext, worauf ein 280 f leiten langer philologisch sachlicher Commentar folgt. Der Verf. hat tüchtige Studien gemacht, auch die vorhandene einschlagende Literatur mit Erfolg benützt und vielfach neue Beleuchtung von geworden, so setzte er sich doch als Schriftsteller *den Lorbeerkranz1’• auf sein Haupt. Es ist die j Hand der Versöhnung, welche er in seiner Schrift gegen Apion den Juden bietet, er will als Apologet wieder gut machen, was er als Stratege verfehlt hat. Für die Riehtigkeit dieser unserer Auffassung verweisen Iwir auf die eigenen Worte Josephus' Antiqq. XI, 6,8: *Ich spreche von diesem Gegenstände“, so heisst es daselbst, *um die fremden Völker mit uns auszusöhnen upd den bei den Unverständigen eingewurzelten Widerwillen gegen uns und unsern Gott zu vernichten.“ Man siehtjdaraus, wie Ernstes Joseph us war,die rerunglimpfteEhre der jüdischen Nation zu reiten und bei den fremden Völkerb wieder in Achtung zu bringen. — Die Schrift gegen Apion ist bereits mehrfach übersetzt und commentirt worden, j Eine sehr gründliche auf grosser Sachkenntniss beruhende Arbeit hat Zipser darüber geliefert (Wien 1871)(- In J. G. Müllers Schrift liegt uns eine neue Bearbeitung vor, ein opus posthumum, das der Verf. nach (der Fertig- Stellung nicht einmal mehr durchgehen konnte. Die beiden Herausgeber haben die Arbeit im Ganzen und Grossen auch in der Gestalt veröffentlicht, in welcher sie dieselbe nach Müllers Tode vorfanden, nur ״unzweifelhafte Schreibfehler“ und ״augenscheinliche Versehen“ Uife. dunklen und schwierigen Stellen erzielt, trotzdem aber müssen wir sagen, dass mehr in der philologischen als in der real erläuternden Seite der Schwerpunkt der ganzen Arbeit ruht. Ei geht dem Veri wie den meisten christlichen Gelehrten e ne gründliche Quellenkenntniss des talmudisch«^ Schrifithums ab, Ohne welche gerade eine Schrtft wie die de« Josephus gegen Apion in sachlicher Beziehung nicht :;u ihrem vollen und ganzen Verständniss gebracht weiden kann. Diesen Mangel einpündet der quellenkundige Leser in allen (denjenigen Partien, welche die jt dischen Institutionen! zum Vorwürfe haben. Da Jose] >hus "selbst mit eineij gelehrten rabbinischen Bildung ausgerüstet war und (bereits in seinem 14. Jahr die Prü fung im Gesetze bestanden hatte, auch in seinem später 5h Leben mitten ii den Düh tkussionen der Pharisäer jartei stand, so liegt es auf der Hand, dass grade in!einer Schrift gegen Apion mit ihrem .apologetischen CI aracter mehr als in seinen an1־ deren Werken das taljiddische Element die Staffage abgeben wird. Zipser’s Arbeit verdient daher in dieser Beziehung den Vorzug, da sie Erschöpfenderes in der Heranziehung und Benutzung der tal mu dischen Literatur leistet. Wir willen nicht ausführlich den beregten Mangel der Müll ersehen Arbeiten dtrthun, sondem nur einige Punk! e herausgreifen. Zi. I, 7 über die Sorgfalt der Judei für die unvermisebte Reinheit des priesterlichen Geschlechtes musste Edujoth VIII, 3, auch Kethub. fol. 25 ui d Kiddusch, fol. 67 und 70 in Vergleich gebracht we •den. Zu dem Ausspruche I, 12, 1: Wer kein Stück Land zu bebauen׳ besitzt u. s. w. fehlt die Angabe der (, uelle Jebam. fol. 6ca. Ferner welch reiches Material' hätte der Verf. für die Behauptung des Josephus, dass die Juden mit grosser Vorliebe dem Ackerbau und der Bodencultur obgelegen, im Talmud zu׳ Gebote gestanden! Endlick mussten auch zu dem; was Josephus über die ernste und strenge Kinderzucht, die Verehrung der Eltern, das Verhalten gegen Feinde, Proselyten, Fremde, und Durchreisende, ferner über die Gebräuche beim Tode, die Schonüng derThiere u. 8. w. bemerkt, talmudische Citate allegirt werden, um den Nachweis zu führen, in welchem Zusammenhänge seine Anschauungen mit denen der Rabbiner standen. Doch genug, wir wollen durch die Hervorhebung dieses Mangels nur darauf aüfmerksam machen, wie unumgänglich nothwendig die Kenntniss der talmudischen Literatur für den christlichen Gelehrten sei, wenn er an die Bearbeitung einer 801chen Schrift, wie die des Josephus gegen Apion, herantritt. , D*j• W. Adler, Dr. L. Landrabbiner, Der Jähei äes deutsehen Volkes. Eine Festpredigt zur Feier der Errettung" Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm I. am 11. Mai 1878. Cassel, Gebr. Gotthelft, 1878. 20 S. — — Das Märtyrerthum unseres Kaisers, oder; Die Erziehung der Jugend. Eine Predigt beim Dank>?4 >-s וי ־M!. A IS '. ■h “ J- Lakn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.