Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 34. (21.8.1878)
- Date
- 1878-08-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 34 1 Das Jahrg.TII Herausgegeben < von Rabbiner Dr. Moritz Rahmen Mftgdebnrjf, ßl. August 1878. m Das ״ Jüdische Llleratarblatl“ erscheint wöchentlich; Preis bei allen Poatanstalten und Buchhandlangen (in Lei pxigtoei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Hark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg mit direeter frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei aller Postanstalten und Baahhandlungen 3 Mark 80 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — iMBCMäte Werden mit 20 Pf. für die dreäge• spaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 12 Hark bereqhnet. Die. Expedit)*■ der ,.Israelitische 1 Woche lachritt“ c--ץ Bücher der elaaekläglgea LIteratur, welche der Red. dee ״Jäd.Llteratnrblatt“ IsZag• debuxg (oder der ״Israelit. Woeheuchr.“ In Stettin) rage* sandt werden, fladen In dienern Blatte elageh. Beepreehang. v J Zar Beleschtnng aller Jodenthnm and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen aaf dem Qebiete der Philosophie. 6eeehlehte,Ethnographle1Theologte,Orlentalla, Exege*«, Homiletlk, Lltnrgth, Pädagogik. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Saadja's Glauben and Wi»- sen, aus dem Hebräischen Ubers, v Dr. Phil- Bloch (Posen). — Einiges über die Stellung der Tosefta. Von Dr. J. S. Bloch in Brüx. — Das griech. X, ein Streitobjekt bei den Talmud- und Scliriftauslegem. Literaturbericht: Recensionen: Neubauer, Ad״ The book <>f Tobit, a Chaidee text from a anique Hs. etc. — Notizen Saadja’s: ״Glauben und Wissen“,*) aus dem Hebräischen übsrsetzt von Dr. Philipp Bloch (Posen,) Traktat I: Dass alles Daseiende geschaffen ist Jehuda benSaul spricht im Namen des Verfasser^: Diesem Traktat ist vorauszuschicken, dass Jeder, der das vorliegende Problem zum Gegenstand seines Nachdenkens macht, etwas zu erforschen sucht, das dem Bereich dös sehenden Auges und überhaupt jeder Wahrnehmung durch die Sinne entzogen ist, und dass er nur darauf ausgeht, auf dem Wege der Entwickelung aus Vernunftbeweisen es zu ergründen; — nämlich, wie es sich mjt den Dingen (in der Zeit) vor uns verhalten habe. Der Kern des Problems ist überaus subtil, mit keinem Sinnesorgan ist er zu erfassen, man kann nur darauf ausgehen, ihn durch das Denken zu erfassen. Weil!äs mit dem gesuchten Gegenstand sich nun so verhält, po liegt es in der Absicht des Suchenden, dass er ihn aunehme, sobald er ihn findet, — in der Gestalt, in welcher ihn zu finden er bestrebt war; er darf! ihn nicht alblehnen und nicht darauf erpicht sein, ihn in anderer Gestalt finden zu wollen. Die Erkenntnias, wie es sigh mit den Dingen (in der Zeit) vor uns verhalten habe, ist eben etwas, was keines von den sprachbegabten Wesen gesehen hat, indessen streben wir Alle darnach, mit unserer Vernunft das zu erreichen, was für unsere Sinne zu fern und zu tief liegt; wie auch der Hagograph sagt: ״Ferne ist, was war und überaus tief, wer will es finden?“ (Eccles. 7, 24). Ergibt sich uns also als Resultat, dass die Dinge aus dem Nichts geschaffen seien, so dürfen wir nicht darum, weil unsere Sinne auf nichts Derartiges stossen, uns dagegen ablehne id verhalten und voreilig sagen, wie sollen wir etwas zugeben, dessengleichen wir nie gesehen haben; vielmehr müssen wir uns dabei beruhigen und uns damit freuen, weil wir erreicht, was wir gesucht. Ich sah mich zu dieser Vorbemerkung veranlasst, damit der Leser dieses Buches Dicht etwa erwarte, dass ich ilim die Schöpfung eines Dinges aus dem Nichts augenfällig vorzeigen werde. Ich bemerke ihm, dass wenn dergleichen möglich wäre, jeder Beweis, jede Speculatioo, die Entwicklung des Einen aus dem Andern überflüs4j1g würde; ferner wären wir und alle übrigen Mqnschenkinder alsdann Uber ihr Vorhandensein gleicher *) Silbe Nr. 2 bis 22. 1 Meinung, und es gäbe unter uns gar keine Differenz über irgend einen Punkt dieses Gegenstandes. Aber wir bedürfen der Spekulation, dass sie es Hns klar stelle und der Beweisführung, dass sie es uns erweise, weil es eben weder sichtbar, noch sinnlich wahrzunehmen ist. Nicht wir allein sind darüber mit uns einig, etwas für den Ursprung anzunehmen, dessengleichen wir nie• mals gesehen haben, sondern alle Philosophen and Den• ker sind über Derartiges mit sich einig. Denn die Anhänger der Weltewigkeit bemühen sich, ein Ding aufzustellen, das weder Anfang noch Ende hat; ihre Sinne sind aber noch keinem Dinge begegnet, von dem sie vermittels sinnlicher Wahrnehmung erkannt hätten, dass es weder Anfang noch Ende habe, sie bemühen sich jedoch, dies durch ihre Vernunft zu erkennen. Und die Du allsten bemühen sich, zwei gesonderte Prihzipien aufzustellen, von denen das eine den Gegensatz des anderen bildet, aus deren Mischung die Welt entstanden; sie haben keineswegs zwei gesonderte Dinge gesehen, von denen das eine den Gegensatz des anderen bildet, auch nicht, wie sie sich gemischt und verbunden haben, sie bemühen sich nur, vermittels dar Vernunft dies zu beweisen. Die Anhänger derUrmaterie sind darauf aus, eine Hyle aufzustellen, als ein Ding, in welchem weder Wärme noch Kälte, weder Nässe noch Trockenheit vorhanden, welches durch irgend eine Kraft sich umgestaltet, 80 dass diese vier an ihm hervorgetreten; sie haben aber kein Ding zu Ge* sicht bekommen, *) welches׳ eine dieser vier Eigenschaften nicht besässe, auch nicht, wie es sich umgestaltet und diese vier daran entstanden sind, aber siä gehen darauf aus, vermittels Schlussfolgerungen der Vernunft es zu erkennen. Ebenso verhält es sich auch mit allen übrigen Weltanschauungen, wie ich nachweisen werde. Da es sich nun 80 verhält, so ist eben jeder mit sich einig, etwas für den Ursprung anzunehmen, was dem Bereich des sehenden Auges entrückt ist. Also da, Forscher;, (der Herr nehme sich deiner gnädig an!) sobald ein derartiges Resultat aus unserer Abhandlung sieh dir ergibt, dass nämlich ein Ding aus dem Nichts geworden, wolle es nicht vorschnell ablehnen, denn nach dergleichen hast du von vornherein geforscht, und jeder Andere verfährt in seiner Forschung ganz ebenso. Höre und merke'daher,!dass deine Beweise stärker sind, als ihre Beweise, und dass du über Argumente verfügst, um jede einzelne Richtung von ihnen zu widerlegen und aasserdem bist du ihnen durch die Zeichen und Wunder überlegen, welche als glaub- *)-לא השיגו iat'hier entweder wörtlich xn nehmen ״mit der Hand greifen“, oder «a muss בחושיהם fergänit ünd hinxagefügt. werden, weil ee den ptrikten Gegentot» xn הקשת השכל bildet