Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 33. (14.8.1878)
- Date
- 1878-08-14
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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dieser abweichenden Halachasamralungen? Zwei vbn den verschiedenen Sammlungen haben sich uns erhälten, die Mischna und die Tosefta. Sie weichen von einander oft in den hochwxhtigsten Principien u^id Gesetzesentscheidungen ab, an einen gemeinsamen Autor für beide ist demnach nicht zu denken. In dien meisten Fällen steht der eine Codex stark oppositionjell dem anderen gegenüber und entscheidet im diametral entgegengesetzten Sinne. Und doch wunderbar, in weleher Abhängigkeit sie von einander in der Foijm stehen! Sklavisch folgt der Eine dem Andern in 4er Vertheilung des Stoffes, in allen Aeusserlichkeiten, selbst bis auf die Sprache, den Ausdruck. Wie die Mischjia, so ist auch der Codex der Tosefta in sechs Ilauptpfirthieen getheilt, welche hier wie dort die gleichen Materien behandeln und dieselben Benennungen haben. Jede Hauptparthie wiederum ist hier wie dort in eben soviele gleiche, kleinere Theile, Masechtoth, getren|nt, auch hier ist die Vertheilung und Einordnung (jles Stoffes in beiden Codices vollkommen congruent, aifch hier trägt jede Masechla denselben Namen Auch die Masechta har hier wie dort dieselbe Anzahl von Abschnitten, die wiederum mit fast wenigen Ausnahmengleithe Ueberschriften haben. Noch mehr, die Conformität und gegenseitige äusserliche Uebereinstimmung erstreckt s ch selbst bis auf die Sprache in den Einleitungsworten jeder grösseren und kleineren Parthie. Die sklavische Abhängigkeit, in der der eine Redaktor zum andern sich gehalten, ging soweit, dass er jeden Theil beinahe mit denselben Worten, derselben Redewendung hatte beginnen zu müssen geglaubt. Wie vereinigt man sejne oppositionelle Stellung in allen principiellen und gesejtzliehen Entscheidungen mit der sonderbaren Abhängigkeit in der äusserlichen Anordnung und Form? (Schluss folgt.) Die Chikanen der Pliarisäer. ln Nr. 30 ds. Bl. wird in einer Recension Hausrath’s ״Neutestamentlicher Zeitgeschichte“, dessen Uebersetzung von ״ מבת פרושיםmit Plagen derPhs.ri- 6äer“ getadelt, und mit ״Selbstgeisselung 4er Ueberfrommen“ verbessert; un4 diese letztere Ueber- Setzung begründet durch die Zusammenstellung mit א47ה פרושה Eine aufmerksame Betrachtung tjegünstigt diese Uebersetzung nicht. Der Talmud Babli in Sota III. (3 fol. 23) führt als Erklärung vom אשה פרישה eine Boraitha an, wonach eine ,,Betschwester“ (בהולה צחייות) und eine ״schwatzhafte Wittwe“ zu dem!Verderben 4er Welt gerechnet werden. Da ist nicht vbn Selbstpeinignng die Rede, sondern von heuchlerischer oder ged^nkenloser Werkheiligkeit. Der Jeruschalmi erklärt es für eine Frau, welche (auf ihre Sittsamkeit pochend) die Worte der Schrift, 1 B. M. 30, 16, verspottet. Auch die Bemerkung R. Nachutan’s nach Anführung der 7 Arten Pharisäer weist auf einen Tadel der heuchlerischen Werkheiligkeit hin, welche sich unter den 5 erstgenannten Klassen der Pharisäer findet. Er 1sagt nämlich; xGottes Gericht wird diejenigen Strafen, welche mit Gebetmänteln sich ganz verdecken.“ Auch das angeführte Wort des sterbenden Königs Jarinai an seine Gemaltlin, (sie solle sich weder vor den Pharisäern, noch vor den Sadducäern fürchten, sondern vor den Gefärbten, die oach dem Werke Simri’s thun und den Lohn des Pincha8 verlangen) zeigt, dass hier wie oben der Aus- ^vueha der Parteien gemeint ist; wie denn jeder poljtisehen oder religiösen Partei sich unreine Elemente anschliessen, die heuchlerisch deren Grundsätze bekentten, deren Thun übertreiben, ohne die Schlcchtigkjeit ihrer Gesinnung und Handlungsweise durch ihre H^uchelei verbergen 2u können, und die eben dadurch der Partei Nachtheil und Unehre bringen. Also von ״Selbstgeisselung“ kann hier nicht die Re4e sein. Sehen wir uns im Jeruschalmi um, dort lesen wir im Kap. 8, 8: ״Rabbi pflegte einem seiner Jünger, der 200 Sus besass weniger einen Denar, .den Armenzehnten zu geben. Missgünstige Mitschüler machten die Summe von 200 Sus voll, so dass er von Rabbi־ den Armenzehnten nicht mehr annahm, nach der aufgestt'jlten Regel, dass wer 200 Sus besitze, ■keinen Armenzjßhnten nehmen dürfe, während er auch 1000 Denare Armenzehnten nehmen darf, sobald er auch nur einen Denar weniger als 200 Sus hat. Da sagte RabbiDie מכת פרושים haben ihn getroffen. Dasselbe wird a. a.!0. in Sota 3, 3 angeführt. Daselbst wird der erwähnte Ausdruck durch ein Beispiel erläutert, wenn nämjlich Jemand den Kindern einen Rath gibt, wie sie sich der Alimentationspflicht gegen die Wittwe entziehen können, und ein Fall erzählt, dass die Frau, der Solches geschehen, sich bei R. Elasar beklagte, aus dem; es die Kinder herausgelockt, ohne dass er eine Ahnung hatte, dass es zur Beeinträchtigung der Wittwe geschehe. .Er sagte auch zu derselben. Die מבת פרושים habe sie getroffen, ujnd verwahrte sich, dass er mit Absicht und Wissen dazu geholfen. Es kann also מכת ®”ושים unmöglich die Selbstgeisslung der Ueberfrommen bedeuten, sd&idem eine boshafte Veranstaltung, um Andern zu schadlen. Mein Freund, Herr Joseph Schauer hier, machte mich darauf aufmerksam, dass das Wort מכת das griechische HZ״ ,:״die künstliche Veranstaltung, die boshafte Qhikane“ sei. Und nach dem Zusammenhänge kannies auch nicht anders sein. (Henricus Stephanus gibt aas Wort!1׳//?י;, mit artificium, consilium, dolus wieder.) Indjem ich dem Urheber die Ehre gebe, die ihm gebffi übergebe ich diese offenbar richtige Deutung offen liehen Urtheile. Der Talmud Babli, von Lande weit entfernt, wo die Parteiverhältnisse S1 fanden, verstand den Ausdruck nicht mehr, und v|ersucht auch deshalb keine Deutung. Was der Jetruschalmi מכת פרושים nennt, das zählt der Talmud pnter רשע ערום auf, indem er sagt: זה(הנותן פרוטה. לעני להשלימו למאתים oder זה; המשיא עצה למבור בנכסים מיעטים. Da er sich das Wort מכת in diesem Zusammenhang nicht erklären konnte, so gab er dem, was im Jeruschalmi an seiner Stelle. steht, eine andere Stelle, an der es auch nicht unpassend wäre dem Inhalte nalch, wonach aber das Erste unerklärt bleiben musste.* Mainz. Dr. Fürst, Rabbiner. i ■־ ,־. tt 1 . Li teraturbericht. 1 - BeetDsioifft f Neubauer, Ad., The book of Tobit, a Chaldee text friom a unique Ms. in the Bodleian lihrary with other rabbinical texts, Englisch Translatiops and the Itala. Oxford, Carendon Press. 1878. Wie man sich auch immer den Abschluss des Kanons vorstellen möge, Eines ist jncher, dass er nämlich, ein gut Theil altjüdischen Schrinthums der Vergessen־* heit oder doch der Nichtbeachtung in unserer Mitte überantwortet hat. Nur auf das Gehege, in dem jdie wenigen erlesenen Stämme des klassischen Kanons standen, war fortan alle Aufmerksamkeit gerichtet; Was sonst daneben emporgeschossen [war, wurde nicht gewürdigt, ob es nun Wildlinge 04er edle Sprossen darstellen0 mochte. Wie eine verwünschte Gegend lagj es.; da, das gesammte Gebiet der *sog. Apokryphen; fast, durfte man zweifeln, ob die fleispigen Wärter innerhalb־