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Das jüdische Literaturblatt · 1878-08-14 · No. 33. (14.8.1878) · p. Seite 130

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 33. (14.8.1878)
Date
1878-08-14
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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"3er der zukünftigen Welt!“ Da fragte sie Baroka: ,Welches ist denn euer Geschäft?“ «Wir sind Lustigmacher,' antworteten sie, wir erheitern Betrübte, oder auch, wenn zwei in Streit gerathen sind, geben wir uns Mühe'Frie- . den zwischen ihnen zu stiften*. Man kann hieraus f { kl&r ersehen, durch welche Tagenden man nach Auffassung der alten.vielgeschmähten Talmudlehrer ein Anrecht auf ' das zukünftige Leben sich erwirbt: durch eifriges Streben «ur Erhaltung der Sittlichkeit, durch Thätigkeit für das ohl der Gesammtheit (auch wenn man selbst dadurch, wie jener Gefangenen-Aufseher, eia religiöses Gebot unbeachtet lassen muss) dadurch, dass man Unglück- . liehe und Betrübte erheitert und Frieden stiftet zwischen Streitenden! Das lehrt der Talmud! Aehnliches lehrt eine andere Erzählung, die bei D. folgendermassen lautet: ,Ein Frommer — wird einmal erzählt — ärgerte sich, dass eines Zöllners Sohn unter zahlreicher Betheiligung seiner Mitbürger ehrenvoll bestattet ward. Da sagte ihm eine Geisterstimme im Traum : ״Mein Sohn, verachte Gott, Deinen Herrn nicht 1 Jener Maon (so hiess er) hat etwas Gutes gethan, das ־■ ihm dadurch .vergolten worden ist: er ging einmal auf der Strasse und liess einen Laib Brod fallen. Ein Armer sah es und hob ihn auf, er aber sagte nichts,; um sein Antlitz nicht roth zu machen.“ Der Gedankt, dass der Gott Israels ein immer upd gern strafender und rächender Gott sei, ist von Judenfeinden bis׳zum Ueberdrusse wiederholt worden. Wieweit der Talmud von dieser Anschauung entfernt . ist, zeigt die folgende Erzählung, in der, wie Delitzsch treffend bemerkte, ״der Gedanke, dass Gott gern segnet und ungern straft, sogar auf die Naturwelt übertragen ist; sie thut nur zwangsweise, was Gott selbst nur widerwillig thut.“ v ,Die Allväter im Jenseits, als sie von Mose Kören^ . was die Feinde dem jüdischen Volke angethan, beginnen zu weinen und zu klagen, und Mose dadurch ge- 1 rührt, bricht in Verwünschung der Sonne aus, dass sie dazu geleuchtet habe, als die Feinde in den Tempel■ eindrangen. Die Sonne aber erwidert: ״Bei Deinem Leben, Mose, getreuer Hirt, wie konnte ich finster bleiben, da man mir droben keine Rübe liess, sondern mich packte und mit sechzig Feuerpeitschen bearbeitete und mir zuherrschte: Geh hinaus und lass leuchten Dein Licht!* Ohne dass er beabsichtigte hat Delitzsch gezeigt, welch hohe Anschauungen die alten Talmudlehrer von Gott und der Natur hatten, und wie sie wohl wussten, worin der Menschen wahre Vorzüge und Verdienste bestehen. Breslau. Bernhard Ritter. Einiges über die Stellung der Tosefta. -Vpn Dr. J. 8. Bl och in Brüx. (Fortsetzung.) Die Herstellung und Verbreitung eines ganzen Toseftacodexes im Namen einer Autorität der Vorzeit, die Ausmerzung der echten Halacha aus dem jerüsalemischen Talmud and die Eintragung des Falsificates an deren Stelle, erheischt offenbar eine nicht minder planvolle, wohldurchdachte und überlegte raffinirte Betrügerei, als die in der modernen Zeit in Schwung gekommene Fabrikation von Alterthümern. Wenn, was wir ju selber nachgewiesen haben, die Mischna wirklich oft später entstandene amoräische Halacha’s aufweist, so erklärt sich das aus dem Umstande, dass der Codex, wie wir ebenfalls darzuthun versuchten, nicht aufgeschrieben, blos der mündlichen Tradition anvertraut war, und im Gedächtniss eigene und überlieferte An- Schaujungen sich sehr leicht vermengen. Selbst Interpolationen in Schriftwerken konnte der naive Sinn als erlaubte Verbesserungsn im Sinne des ursprünglichen Verfassers ansehen; das aber, was Z. den Airiöräern zumujthef־, rät nichts, als der nackte schamlose Betrug.*) Und hielten wir Einzelne dessen für fähig, zur glückliehen Vollführung einer solchen Aufgabe gehört eine grosse AnzahL von Männern, ein ganzes Geschlecht von Betrügern, als welche die Atnoräer anzunehmen nicht die Pietät, sondern alle Erkenntniss in mir sich sträubt. Dazu kommt, dass die gepriesene, angeblich rein erhaltene Tosefta nicht minder spätere amoräische Bestandjtheile aufweist, als die har( angegriffene Mischna, und der Kritiker sich sehr oft genöthigt sieht, den Traditionen der letzteren das höhere Alter zuzusprechen. Beweise hierfür beizubringen, behalte ich mir vor. VII. Der Kernpunkt des Streites erinnert an die Fabel von len drei Ringen. Welcher von den beiden Godices ist die eigentliche, echte und ursprüngliche Mischna- Sammlung, welcher ist die gefälschte? Oder wie? Ist vielt(ficht keiner von beiden echt? Sind sie vielleicht beide blos Producte späterer Ficiionen und Fälschungen, und der echte ursprüngliche ist gar nicht mehr vorhanden? Andererseits ist es denn überhaupt absolut nöthig, an Fälschungen zu denken? Ist es nicht möglich, dass sie äeide echt und ursprünglich sind? Wahl ist es wahr, die Schultradition nahm immer blos einen einzigen :anaitischen Halachacodex an, und da weder die Mischna, noch die Tosefta ihrer F'orm und ihres Inhalts wegen, zum blossen Cominentar der andern sich degradireJ lassen, so bleibt zur Erklärung der doppelten Existenz dieses Codex nichts übrig, als der Gedanke, dass feiner von den beiden das Produkt einer Fälschüng sei. Scherira hatte noch den Gedanken, die beiden Codieeg seien nichts als zwei verschiedene Misclma’s. Er, weldher der letzten Redaktion des Talmud noch gar nich4 80 fern stand und über die Vorgänge relativ noch sehr reine und lautere Traditionen empfangen haben!musste, referirt, dass in der älteren Periode mannjgfäche und sehr abweichende Mischnasammlungen in Circplation gewesen waren. S"ein Zeugniss ist überaus werdhvoH, wenn er au3h die Thatsachen so wenig zu erklären wusste, den Grund dieser eijgenthümlichen Erscheinung so wenig, zu motiviren, dass die Spätem zur Lösi.ng des Toseftaproblems lieber neue Versuche anstellten, als den von Scherira gewiesenen Weg weiter zu ferfolgen. j In der That, woher kam es, dass mehrere Mischna- Sammlungen in Circulation gewesen? Wie war denn die Beschaffenheit dieser verschiedenen Codices? Waren sie!gedanklich und inhaltlich unter einander conform — hup. dann wären es eben nicht verschiedene Codices ן gewesen. Sie müssen demnach in Form und Inhalll gar bedeutsame und hochwichtige Abweichungen enthalten haben. Wie erklärt sich aber die Entstehung *) An Betrag oder absichtliche Fälschung ist doch hierbei t ru denken. Wo sollte das hinans?! Nach Zuckermandel 8 plothese geaehah's nur bona fide. (Red.) .11-,

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