Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 32. (7.8.1878)
- Date
- 1878-08-07
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488234-8755640--1075-4854513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Yanai 1× ep/1033832
OCR text
— 126 den Talmude wird man gleich vergeblich hin- und herwälzen, um ein direktes unzweideutiges Wort vom . blauen Himmel zu finden.*. Aber es wäre, wie D. richtig bemerkt, dennoch durchaus unrichtig, wollte man aas dieser Thatsnche den Bchluss ziehen, dass ,der aufgewirbelte Slaub der . Bchulgeleliraamkeit den Talmudlehrem die freie, schöne!Natur verhülle* — es finden sich in den Talmuden Ausdrücke und Beschreibungen, welche das Gegentheil beweisen. ,Sa lautet z. B. eine übliche Zeitbestimmung ״vön der, Hindin der Morgenröthe bis der Osten sich lichtet“: Die ersten Strahlen der Morgensonne, durch die sie, ohne noch selbst sichtbar zu sein, ihr Erscheinen sd kündigt, werden mit dem gabelförmigen Geweih eines Edelhirsches verglichen, und diese LichteroChcinung heisst die Hindin der Morgenröthe, weil ihr Strahlengeweih dem Frühroth vorausgeht, welches den Uebergang zum Sonnenaufgang bildet. Der mit dem Sonnenaufgänge verbundene Wechsel der Färbung des Himmels vollzieht sich im Orient schneller, und das Aufsteigen der Sonne ist ein u!ehr gerades; die Talmudspreche sagt deshalb: Die Säule der Sonne, aber auab: die S4ule des Morgenroths und: die •’ Sälufc des Mondes steigt empor, während die Säule der Sonne sich hierhin und dorthin spaltet, d. h. ihre Üteshlen nach allen Seiten ergiesst. Noch unter dem Horizont befindlich, arbeitet sie sich empor, indem sie * das Firmament gleichsam durchsägt; ihr Durchbruch heisst ihr Aufknospen, purpurn und golden steht sie ' wie eine erschlossene Rose am Himmel.* ,Solche und ähnliche Naturschilderungen können nt!« nicht befremden, da die Ausübung der religiösen Salzungen den Israeliten veranlasst«, beobachtend an dein Himmel zu haften.“ ,In der That, das Gesetz selbst forderte für Be- ' Stimmung der Gottesdienstzeiten und der von den Mondphß8en abhängigen Festzeiten scharfes Aufmerken auf Aussehen des Himmels, und es wäre sonderbar, w^nn diese pflichtmfissig auf den Himmel gerichteten schichte. Solch’ einen facti sehen Vorfall bewahrt lins der Ausspruch Abtuljons (Pirke Abot I, 11), der von dun Auslegern allegorisch gedeutet wird. Allein * sollten unter כים רעים wirklich essueische, hellenistische und andere verderbliche Lehren zu verstehen sein, da׳!n si<׳l1t man nicht ein, was Abtaljon bestimmen konnte, des nur bei solchen gegen die weltliche Macht gerichteten Gnomen gewöhnlichen sich za bedienen. Meines Erachtens ist die historische Grundlage dieses Spruches in Tractat Jomt 71b zu linden, wonach Schemaja and Abtaljon den Gruss des heiinkelirendeu Hohenpriesters mit einer verletzenden Aeusserung erwiderten. Wenn dieses, was Gräz in der v. e. M Sch. Seite 119 nachgewiesen, kein Anderes als Aetig >nus war, so lässt sich dieser gehässige Ausfall aas einer gegenseitig zwischen den Regierungs-Vertretern und den Synedrial-Häuptern bestandenen Spannung erklären, wie sie schon zwischen den Vorgängern, dem König Jannai und dessen Schwager Simon hen Schötach geherrscht hat. Schern, und Abt. konnten es ahnen, dass Antig. die ihm von ihnen öffentlich widerfahrene Beieidigung nicht uuf sich werde beruhen lassen un i wählten vermuthlich freiwillig die Verbannung bevor ihnen eine solche auferlegt wurde; um vor einer Verfolgung sicher zu sein, flüchteten sie sich nach einer entlegenen, sumpfigen Gegend, wohin die Schüler nach der du.ualigen Sitte ihnen folgten und durch die mangelhaften Lebensmittel und das schlechte Trinkwasser ihren Tod fanden. Es wäre sonst die im Talmud (Pess. 6b) um diese Zeit bekundete Unwissenheit in Palästina nicht zu begreifen, und dass der Sehern, und Abt. zum Dank verpflichtete Herodes nicht deren Schüler, sondern die auswärtigen nicht gar hochgelehrte Söhnen Bethyra’s zum Syoedrialpräsidium erhob Die später und vielleicht zu spät empfundene Reue Uber die voreilig gesprochenen Worte, welche die Veranlassung zur Auslieferung Jerusalems an Herodes in ihrer letzten Folge haften, dürfte Abt. zur folgenden Mahnung bestimmt habeu: ״Weise, seid vorsichtig mit euren Worten! ihr könntet sonst zur Auswanderung verpflichtet werden und nach einem Orte schlechten Wassers, und die dahin euch nachfolgenden Schüler (eure Nachfolger) würden es trinken, davon sterben und so der Name Gottes eutweiht werden. Krenisier. F. G. Aägen von seinen Farben und F&rbentönen das Blau zu sehen und zu unterscheiden unfähig gewesen wären, zumarwehn wir in Betracht ziehen, wie mächtig die Entwickelung und Uebung des Farbensinnes durch die Handhabung des religiösen Gesetzes gefördert ward ....“ I (Schluss folgt) Historische Momente in den Sprächen J ן - .der Väter. J Frankel hat bereits in seiner Monatschrift (Band I ffaiit-104) darauf aufmerksam gemacht, dass viele Aus- Iprache in der Pirke Aboth neben ihrer religiösen und ' iporalischen Seite noch eine tiefe geschichtliche Beziehng enthalten — den! Satze gemäss, ,was gewesen ist, 88 ist ׳schon vorüber*, Hessen die jüdischen Weisen die 'Thatsachen in den Hintergrund treten, während sie auf den innern Kern, auf die absiracte Lehre, welche jede Gegebenheit dargeboten, den eigentlichen Werth legten. ,Und so prägen s.ch in den Abschnitten der Väter die Ereignisse ganzer Zeitabschnitte aus und verkörpern , die pragmatische Aufeinanderfolge der Gesetzeslehrer! .and Lehrsätze, den Zusammenhang der damaligen Gej Noch einmal über Vom Kezirksrubbiner Dr. Hoch Städter zu Ems. Der selige Rabbiner Michael Dr. Sachs von Berlin, welcher sowohl mit den talmudischen Idiomen, als auch mit den klassischen Sprachen sehr vertraut gewesen, war einigemal zur Kur hier und logirte in meinem Hause. Derselbe arbeitete auch während seines Kurgebrauchs an seinem Werke, welches später unter dem Titel: ״Beiträge zur Sprach- und Alterthumsforsehung“ gedruckt wurde. Bei einer mündlichen Unterhaltung über die von M. Landau neubearbeiteie Ausgabe des talmudischen Wörterbuchs (הערוך) machte Hr. Dr. Sachs hinsichtlich der von verschiedenen Gelehrten gegebenen Erklärungen fremdländischer Ausdiücke an Talmud und Midrasch folgende Bemerkung: ״Gar oft suchten dergleichen Ei klarer nur nach den ähnlichen Auklängen der betreffenden Wörter ia den griechischen oder late nischen Lexica, ohne zu bedenken, dass die iu diesen Sprachen aufgefundenen Wörter ihrer Bedeutung nach unmöglich zu den Begriffen passen, welche d!e talmudischen Schrillen mit jenen Ausdrücken verbanden!“ An diese treffliche Bemerkung erinnerte mich die