Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 32. (7.8.1878)
- Date
- 1878-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Xo. 8». Das ahrg. TU• Zar Beleuchtung aller Jaden• thnm and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. G^schichte.Ethnographle,The• ologle.Orientalia, Exegese, Ho• mlletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdebmr7 ,״. Aujfnst 1878. Bücher der eiiucUiglp■ Literatar, welche der Red. de« ״Jüd. Literatnrblatt“ h Itf deburg (oder der ״Israelit. Wochenschr.“ in Stettin) xngesandt werden, Anden in diesem Blatte eingeh. Besprechung. Das ,,Jüdische Iiiterntarblatt“ erscheint wöchentlich; Preis bei allen Po st a nstjil ten and Buchhandlangen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg mit direeter frankirter Zusendung 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei aller Postanstalten und Bachhandlnngen 2 Mark 30 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Lileraturblati“ gratis. — Inserate werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile, bachh&ndlerisclie Beilagen mit 12 Mark berechnet. Die Expedition der ,.Israelitische 1 Woche )Schrift“ Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Der Talmud und die Farben. — Historische Momente in den Sprüchen der Väter. — Noch einmal über אפיקומן■ Vom Bezirksrabbiner Dr. Hoch- Städter zu Ems. — Einiges über die Stellung der Toseftä. Von Dr. J. S. Bloch in Brüx. Literaturbericht: Recensionen: Feilchenfeld, Dr. W.,! Systematischea Lehrbuch der israel. Religion. Der Talmud und die Farben. Unter diesem Titel veröffentlicht der bekannte Leipziger Theologe Franz Delitzsch in Paul Lindau’s Zeitschrift ״Nord und Süd“ — Mai 1878 —einer! sehr interessanten Aufsatz. Delitzsch, einer der wenigen nichtjüdischen Gelehrten, welche den Talmud durch eigenes Studium kennen, geht durchaus nicht darauf aus, den Talmud zu verunglimpfen und herabzusietzen, etwa ״in der Richtung August Rohling’s, der das Albernste und Schmutzigste, welches ihm talmudische Excerpte allerer Polemiker boten, zusammengekehrt hat und diesen Kehricht für ein Bild des Talmud ausgiebt“ — sondern er will ״den Talmud betrachten, indem er sein. Yerhältniss zu den Farben und überhaupt zu dem Naturschönen darlegt und durch Bei°piele erläutert.“ Durch die Beispiele, welche D. beibringt, zeigt sich nicht nur die warme Theilnahme und das rege Interesse unserer •Talmudlehrer für die freie schöne Natur, wir erkennen nicht nur ״hingebende und genaue Naturbeobachtung verbunden mit poeiischer Auffassung^, sondem es tragen auch manche jener Erzählungen znr richtigen Würdigung der v ielgesch m äh te n talmudischen Ethik bei. D. beginnt seine Abhandlung mit einer kurzen und treffenden Charakteristik des Talmud. ״Dieser Codex, so sagt er, erstreckt sich, wie der justinianeischa, auf alle Gebiete des Staats- und Privat- und Familien- und Strafrechts, welche hier von jüdischen Geiste, wie dort vom römischen gesetzlich geordnet werden, aber seinem Hauptbestandteil nach auf alle Seiten: und Punkte des religiösen Ceremouiells, mittelst dessen das jüdische Einzel- und Gemeinschaftsleben bis in’s Kleinste und Feinste geregelt wird, und das Rechtgültige! wird in diesem Codex nicht allein ergehnissweise unter den betreffenden Rubriken zusammengestellt, 60ndern zugleich discutirt. — Wir sehen in dramatischer Unmittelbajrkeit, wie die Entscheidung sich herausarbeitet aus dem Streit der Meinungen und dem Für und Wider ihrer Gründe j־ Gelehrte und Gelehrtenschulen von fünf Jahrhunderten, den fünf ersten unserer Zeitrechnung, sind an der Dis־ cussion betheiligt, und die Sprache dieser Jurisprudenz in ihrer Dialektik ist so knapp und fein zugeschnitten, dass sie als das absolute Gegentheil deutlicher Ausführlichkeit fast nur in Gedankenchiffren und Gedankenabbreviaturen verläuft.“ '■»' ״Dieses riesige Doppelwerk — der babyL und der palästinische Talmud — enthält jedoch hier und da auch leichtere und lichtere Partieen allgemein religiösen und ethischen Inhalts, welche wie Oasen in der Wüste dem abgearbeiteteu Scharfsinn einige Ruhe gewähren." Auf die minutiöse Rechtserörterung oder die Halacha folgt je zuweilen ein abschweifende9 Sichergehen in Sprüchen, Gleichnissreden und Erzählungen, die sögenannte Hagada . . .“ ״Nach zeitweilig vergönntem Lustwandeln in diesem Hagadagarien, beginnt wie neugestärkt wieder die ״Fechterschule der dialektischen Athleten“, und der. Lehrstoff wird bald wieder so schwierig, dass auch der jüdische Tahnudlerner, um den Faden Dicht zu vertie-, ren und von der Situation nicht abzukommen, zu cantilliren und gesticuliren und den Körper hin- und herzu wiegen beginnt; so spitzfindig, so nur aus jüdischer Sitte heraus verständlich und dabei se rätselhaft kurz, dass Derjenige, der nicht in der Atmosphäre dieser Denkweise aufgewachsen und von Jugend auf in diese Spraehformen und Rechtsduktionsweise eingeschult׳ ist, sich wie in einem Gebirgs- oder Waldlabyrinthe befindet, in welchem er ohne Führer nicht fortkommt.“ Beim Beginn seines eigentlichen Thema’s weist D. daraufhin, dass es ״als sicheres Ergebnniss der Umschau in der alten Literatur gelte, dass die altertümliche Menschheit blau blind und insbesondere blind für das; Blau des Himmels, zumal des Tkghimmels, gewesen seL Die Beobachtung, aus welcher diese Folgerung gezogen wird, ist allerdings auffällig. Vergeblich wird man im Rigveda und in den homerischen Gesängen und in der alten Edda ein rühmendes Wort von dem schönen Blau des durchsonnten Himmels suchen. *Aber — auch die vielen Folianten der um ein Jahrtausend jüngeren bei-,?:־ .*־- 1