Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 31. (31.7.1878)
- Date
- 1878-07-31
- Page
- Seite 122 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 122 — 1 ״E« sind immer Diejenigen, welche wenig wissen, und nicht die, welche viel wissen, die da positiv behaupten, dass dieses oder jenes Problem nie von der Wissenschaft könne gelöst werden.* Einiges über die Stellung der Tosefta. * Von Dr. /. 8. Blocb in Brüx. ז*^י Die d riffle Lieferung der Zuckermandel’schen Edition, welche so vielfache neue Anregungen bietet, mahnt tinnunsere Toseftastudien wieder aufzunehmen. Während wir jedoch früher an einzelnen concreten Beispielen die hohe Wichtigkeit dieser inofificiellen Nebenhalacha, wie ich sie bezeichnet habe, für das Studium des Talmuds und der Mischna, für die Eennlniss und richtige Auffassung der allmählichen Verschärfung und Ausdehnung der halachischen Normen, der Entwicklung und Ausbildung ihrer Principien dareu legen versucht haben, wollen wir jetzt die Stellung der Tosefta selber, die 80 viel Eigentümliches und Sonderbares hat, in’s Augefassea; um auch überdas, was am wichtigsten, übecjhre, von einem dichten Dunkel umschleierte Entstehun^8ge8cbichte, einige Aufschlüsse zu gewinnen. Ob das gelingen tvird? Gleichviel, der Versuch soll gewagt werden. Der Gaon Sch-erira war, soweit unsre Kenntni&s reicht, der Erste, welcher dem Toseftaproblem eingebende Aufmerksamkeit gewidmet hatte, und obgleich es seitdem eigentlich nie von der Tagesordnung abgetreten, ist es noch immer was es war: ein Problem. Wegen ihres Inhaltes, ihrer eigentümlichen Form, ihrer Ordnung und Einteilung, kann man die Tosefta, flicht mit Unrecht, als eine Schwerter der Mischna bezeichnen, jedoch eine Art illegitime Schwester. Nicht blos durch den Umstand, dass die Vaterschaft zweien Männern zugeschrieben wird, R. Chija und R. Oschija, auch sonst ist das Loos, davon sie ereilt worden, dem wenig erquick- Beben Geschick, eines illegiiimen Kindes gleich Warum wandert dieses Geschöpf immer so einsam und verlassen? Warum wenden sich die Genossen von ihm ab? Mit welcher Achtung und hohen Autorität wird die legitime Patriarchentochter, die Mischna, umgeben, und wie wenige Beachtung fapd allezeit ihre Schwester im geheiligten Lehrhaus. Wenn jene sich einmal versprochen oder gar widersprochen, die scharfsinnigeten Gesetze*lehrer waren im Momente da, »um mit Geist und Witz den Inhalt ihrer tiefsinnigen Worte zu deuten und zu erläutern, den Widerspruch als blos scheinbar zu erweisen, sonnenklar darzuthun, dass im Gegentheil jede ihrer Normen, ja selbst ihr gleichgültigster Ausspruch voller unergründlicher Weisheit Wider- Sprüche dagegen in der l'osefia, wer kümmerte sich um sie,.wer wusste um 8:e? Der Talmud, er ist eine Art Gewand um die Mischna, ein vielgestaltiges, farbenrehhes Kleid, gewirkt von dem Geiste und der Gelehrsamkeit sämmtlicher Amoräergeschlechter Palästina und Babylon, in jedem dieser beiden Länder wurde ein eigenes kunstreiches. Gewand für die Mischna hergestellt Selbst Theile der Tosefta wurden in dasselbe verwoben; man scheute sich nicht, der unglücklichen Schwester die schönsten Federn auszurupfen, um das Kleid der Nebenbuhlerin zu schmücken. Sie aber, die arme Tosefta, wanderte Jahrhunderte hindurch, ohne jegliche Umhüllung, barbarisch nackt. Warum fehlt der Tosefta der talmudische Commentar, wie ihn die'Mischna zweifach hat? Warum haben die Amoräer nicht die Tpsefta zum Gegenstand ihres Stadiums und ihres Nachforscben9 erhoben? Maimonides hat deswegen, im Gegensätze zu Seherira, ׳welcher die beiden Codices als zwei Schwestern, <L h. zwei selbstständige Mischnasammlungen angesehen *) Vrgi Jsbrg. 1877, Br. 51. hatte, erklärt, die Tosefta müsse doch wohl blos'eine Dienerin der Mischua sein, welche, kein selbsstöndiger .Codex, blos zum Zwecke verfasst werden לבאר המשנה• Auch viele von den Späteren adoptirten diese Anschauung, ^welche allmähliche herrschende Schulmeinung geworden, man sah die Tosefta als eine Axt Commentar der Mischna an, deren höhere Stellung und Autorität damit erklärt wurde. Maimonides zeigt sich in Allein als bedeutender Systematiker; Schema!ifiren, klare Ordnung yind Eintheilung war seine Hauptthätigkeir, die trockene, wild verwachsene, widerspruchvolle, talmudische Halacha wusste er mit seinem, durch das Studium griechischer Logik geschärften Geiste ebensogut in ein formvollendetes, architektonisches Gebäude zu umformen, wie die zerstreuten Lehrsätze der jüdi-chen Religions- Philosophie. Nur ein Krittker war er nicht Der Mangel eines kritischen Scharfblickes macht sich bei ihm ebenso oft bedauerlich bemerkbar, wie bei allen seinen rationalistischen Nacheiferern. Wie hätte er sonst die Tosefta für einen Commentar erklären können, sie, die nach allen Seiten den Charakter eines selbstständigen, unabhängigen Codex an sich trägt? Man müsste denn für das Wort Commentar eine ganz neue DeÖn^ ion schaffen, soll es hier anwendbar sein Wohl ist es wahr, dass manche Halacha in der Tosefta blos durch die Mischna verständlich ist, allein da müsste man im Gegentheil die Mischna für einen Commentar der Tosefta erklären. Einzelne Beispiele haben uns bereits belehrt, dass viele Halacha's in der Mischna wiederum blos durch die der Tosefta ihren richtigen Sinn erhalten; — sie ergänzen sich gegenseitig etwa in der Weise, wie man oft durch die Mittheilung der hebräischen Chronik oder gar irgend welcher Keilinschriften zu dem richtigen Sinn eines Satzes in irgend einer prophetischen Rede gelangt (Fortsetzung folgt.) zum אפיקומן• (Schluss.) Eine ähnliche Stelle findet sich ßereschith Rabba, Cap. 40: Rabbi Reubeo erklärt die Stelle im Buch der Richter 4, 9. אפס כי לא תהיה תפארתך• Das Wort אפם wäre griechisch, also ein ganz gleichlautendes Wort: אפם «?*t• — Selbst wenn wir den Verfasser des Hiob in noch so späte Zeit hinabrücken, so ist doch von der geschichtlichen Forschung consUttirt, dass um diese Zeit griechische Kultur und Sprache zu den Israeliten noch nicht gedrungen waren, mithin ״ למס ׳אפסn׳i P nicht griechisch sein können; am allerwenigsten darf es der Talmud behaupten, der doch Moses als den Verfasser des Buches Hiob '*(vergl. Talmud, Baba Bathra; annimmt. Allein das weiss der Talmud recht gut, dass diese Worte rein semitisch sind, es solleu eben nur Wortspiele sein. Der Talmud sagt auch an keiner Stelle 81 ילשון יוני היאe sind griechisch, sondern überall gebrauchter den Ausdruck: ״ שכן בלשון יוני קוריןähnlich dem Hebräischen lautet das Wort auch so im Griechischen.“ Eine höchst interes־ante Stelle kommt vor im Jerus. Jebain 4,2. u. Beresch. rab Cap. 14 u. 20: ״Griechische Philosophen frugen Rabbi Abuha: Warum ein Siebenmonatkind leben kann, während das viel reifere Achtmonatkind nicht leben könne?“ Im Talmud lautet die stelle: יולדת לד חי. יולדת לח״ איני חי• Darauf antwortete er: ״Ich werde euch die Richtigkeit aus eurer Sprache beweisen: זיט״א אפטי״א׳ איט״א אוכ״טא D*13 hebräische T gr. entspricht dem griechischen 7 Buchstaben E^־“ und bedeutet. Leben; n, gr. **״־>, entspsicht dem griechischen 8 Buchstaben ur.d bedeutet: Tod. Wissenschaftlich hat Rabbi Abuha die Frage nicht, beantwortet, sondern nur durch eine künstlich erzwungene Wort6pielerei sie von der Richtigkeit über- 1 J^j