Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 31. (31.7.1878)
- Date
- 1878-07-31
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'1 ■OWIPWJ)iJ»|llL,y. JiHlilll.,. jJlüjljpi I JW^ m IVo. 81. Ja)1rg. VII. Zar Beleuchtung aller Jaden* tham and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen anf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Etbaograpbie,The* ologte,Orlentalla, Exegese, Ho* miletlk, Litargik, Pädagogik. Hei״ aasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rabiner. *<><- Maffdebitrs, 31. .Jnli 1878. I Bücher der einschlägigen Li• teratnr, welche der Red. des ,.Jod. Llteratarblatt“ in Ha gdebarg (oder der ״Israelit. Wochenschr.** ln Stettin) tage• sandt werden, finden in diesem Blatte eingeh. Besprechang. 9. Das ^<JcMl!sel1c Iiiteratnrblmtt“ erscheint Wöchentlich; Preis bei allen Posta ns talten and. Buchhandlungen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei d^r Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg mit directer frankirter Zusendung 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei aller Postanstalten und Bneh■׳ handlangen 2 Mark 50 Pf. kostit) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Iittwrate werden mit 30־ Pf. für di« dreig•־ *paltene Petitzeile, buchbändlerische Beilagen mit 12 Mark berechnet. Die Expedition der ,.Israelitische 1 Woche »schrift“ Inhalt!! Wissenschaftliche Aufsätze: Der Darwinismus iri der Agada Von Dr. B. Placrek. — Einiges über die Stellurig der Tosefta. Von Dr. J. S. Bloch in Brüx. — Zum אפיר״ימו. — Einige Beme kungen zu Hausrath’s Neutestamentliche!Zeitgesohichte. — Literarische Notizen. V. Dr.Lewyaohn in Stockholm. Literaturbericht: Recensionen: נזירית הישנות Die Jiujen in Speier etc. — Notiz — Berichtigung־. Der Darwinismus in der Agada. Von Dr. B. Placzek. (Schluss.) Der Darwinismus war, um es kurz zusaminepzufassen, dem talmudischen Geiste so con geni al,!wie es die Lehre vom Kampfe ums Dasein dem Judentum ist. Der Monetheismus, der Welt und Leben bi? in das letzte Atom und die geringfügigste Erscheinung durchdringt, erzeugt eine monistische Weltanscjhauung, und die Gewohnheit, in dem kleinsten das Grösse, im Theile das Gesammte, im Speciellen das Allgemeine zu erkennen, Alles und Jedes ins Ganze hinein-j und aus dem Ganzen heraus zu erklären, Alles nach ^Hen Seiten um und umzuwenden, dem Belanglosen diej Bedeutsamkeit des importantesten Gegenstandes beizulegen — diese Gepflogenheit, gewöhnlich Spitzfindigkeit, Kleinigkeitskrämerei genannt, (״Milben suchen“ läutet der malitiöse Ghettoausdruck) sie schafft Naturforscher vom rechten Schlage. ן Das Judenthum selber stellt sich überdies alsj die echte Exemplification der Entwicklungstheorien dar, für die Lamarck’sche Anpassungswie für die Moritz Wagner'sche Migrationslehre, schon durch die Artj seiner Existenz, durch seine terrestrische Ubiquität, ferner als vollgiltiger Beweis für die Lehre vom Kampfe jums Dasein,* *) durch seinen im* harten Ringen mit Menschen und Verhältnissen erworbenen und vererbten Dauertypus. — Sprachlich hat es der Hebräer manifestirt durch die Bezeichnung לחם. Das Wort bedeutetKam pf, kämpfen, dann Brod, Nahrung. Das Brod ist eben das Object des Kampfes. Und um die Definition vollständig zu machen, thut die Agada ein Uebijiges und sagt להם bedeutet auch W e i b.**) Der Kamptj um das Weib oder das Weibchen spielt ja die wichtigste *) Die weitere Ausführung behalte ich mir für besondere Handlungen vor. •*) Man vergl. hiermit auch: ,יץ> (כלי) זיין. זונח (Red•!( Rolle, in dem Darwinschen Grundgesetze von der geschlechtlichen Zuchtwahl. Diese etymologische Erklär rung könnte die moderne Naturforschung ganz wohl׳ mit der Umschreibung wiedergeben: ״Ein Bi sehen Hunger und Liebe regieren die Welt.“ Darwins ״Struggle for life* ist bereits allgemein an* erkannte Methode geworden, grundlegend Ihr alle Ge* biete der Wissenschaft. Du Prel ,die Darwinische For* tnel, nachgewieseta in der Mechanik der Sternenwelt* hat sie auf die Himmelskörper angewandt, Schleicher (״über den Ursprung der Sprache“), auf die Sprachgesetze; Andere auf Pädagogik, Staatswissenschaft, Volkswirthschaft, Geschichte der Philosophie u. s. w. Dia Keim* punkte dieser Methode schon in einer Volkslieratur nachzuweisen, die vor 2000 Jahren begonnen hat und viele Jahrhunderte umspannt, habe ich mir zum Vorwürfe dieser Arbeit gewählt und glaube ich damit einen Beitrag zur Geschichte der Naturwissenschaften zu liefern. Welcher scientifische Werth derselben• innewohnt, das mögen Andere entscheiden. Jedenfalls1 fordert es die Aufmerksamkeit des Fachmannes heraus j. zu sehen, wie in solch culturentlegener Zeit Forscher ohne physikalische und chemische Hilfsmittel, ohne Mikroskop und Retorte, ohne Riesenrefraetor׳ und Rest* gentien, ohne den kolossalen Apparat der wunderbarsten Instrumente und zahlloser Ingredienzien, ledig?, lieh durch die unmittelbarste Beobachtung, von einem unverwüstlichen Erkenntnissdrang und einem heiligen Eifer getrieben, den ältesten und ewiggiltigen Signa.lrufen ״Woher, Wohin, Warum, Wozu“ folgend, den pin* gen auf den Grund zu kommen wussten und Ifleen entwickelten, wie sie den Glanzpunkt der modernsten Geistesthätigkeit bilden. und soll Der edle Weise, der uns den Ausgangspunkt die Anregung zu dieser Arbeit geboten, Hi Hel uns auch noch zum Schlüsse den classischea Wahl* spruch ursprünglichen Forschergeistes, das Perpetuum׳ mobile des Wissenstriebes kffnden: ״Sage niemals, dies oder jenes kann nie begriffen wer iem, denn am Ende wird man es doch begreifen.“ :־ל! Aboth 2, 5. In der That ein tiefsinniges Wort, we Darwin, ohne es zu wissen, nur wiederholt, wein er. sagt, (Elinleitung zur Abstammung des Menschen• ches mm