Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 29. (17.7.1878)
- Date
- 1878-07-17
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 114 in leeren Düfteleien, vor dem Haschen nach ■wesenlosen J Schemen gewarnt. Goethe hat diesen Charakterzug scharf und richtig erfasst: ״Jüdisches Wesen. Energie der Grund von ajleip. Unmittelbare Zwecke. Kei• aach nur der kleinste geringste Jude, A"~ ner, der r entschiedenes Bestreben verriethe, und zwar ein irdisches, zeitliches, augenblickliches.“ (III. 241.) Goethe hat damit das jüd.- Wesen zwar einseitig beurtheilt, aber diese eine Beite concis und sicher gezeichnet. (Schluss folgt) Einige ,Bemerkungen zu Hausratk’s ״Neu- . testamentliehe Zeitgeschichte“. (Fortsetzung.) Dbeh ich will vorzugsweise von der UnhekaDntschaft Hausraths mit den jüd. Ouellen and den hieraus hervorgehenden Irrthümern berichten. 8ehr oft wird das Buch der Jubiläen als Quelle für Stellen angeführt, die wörtlich in der h. Schrift sich finden. So I>S 274 für Genes. 23 ib. und S. 28 für Genes. 21, 15, 16, S. 39 für Num. 9, 13. 8.7: ״nördlich an einem neuen Hügelzug der Flecken Sunem, in dem Elia» zuweilen einsprach.“ Muss heissen Elisa. II. Reg. 4, 8 f. 8. 36 wird ein Strassenbild aus Jerusalem zur Zeit Jesu entworfen und unter Anderem gesagt: ״Daneben lewiten, erkenntlich an der spitzen Mütze und der ״Tasche, die das Gesetzbuch umschloss.“ Als Belegstelle: Jfebama (recte Jebamoth) 122a. Dort ist von einem Lewiten erzählt, der auf der Reise in der Herberge gestofben, und dessen Wirthin seinen Genossen den Stab, die Tasche und das Gesetzbuch, das in seiner Hand war, obergab: 'מקלו ותרמילו וס״ת שהיה בידו• Dasa hier der ״Lewite“ zufällig ist, wird jeder Kündige , iugeben (מעשה שה*ה כך היה). Dass-aber תרמילו keine Tasche ist, die von den Lewiten allgemein getragen wurde, und sie als solche bezeiehnete, geht aus dem halaotischen Inhalt der MiseÖpa hervor, da in diesem }Talle die Tasche nicht als prägnantes Kennzeichen §>מיפן מובה) wäre angesehen worden, auf welches hin e Frau des Verstorbenen als Wittwe erklärt wurde. «Dass endlich die Tasche nicht die Gesetzrolle umschloss, geht gleichfalls aus dem Wortlaut der Mischna hervor, da es dann nicht geheissen hätte וס״ת שהיה בידו, sondem etwa בתוכו oder תרמילו וס״ת שבו. Es ist nur zu verwundern, dass nicht auch der Stock (מקלו) in dem Bilde figurirt Es ist aber hier תרמילו weiter nichts ' als *Reisetasche“. (Cfr. Targ. za 1. Sam. 17, 40. zu Ruth 2, 18.) Es kommt übrigens die Phrase במקלו ובתרמילו iu der Bedeutung: mit Sack und Pack auch sonst im Talmud vor. (S. Sab. 31a.) Man kann sogar aus der Michna Rosch haschana 25a, wo die bekannte Forderung des R. Gamliel an R. Josua mitgetheilt wird, an dem Versöhnungstage nach der Berechnung des letztern mit seinem Stab und seinem Gelde zu ihm zu kommen. schliessen, dass die Lewiten iiichl mit einer das Gesetzbuch umscbliessenden Tasche in den Strassen Jerusalems .umhergingen. Denn in diesem Falle hätte R. Gamliel zu R. Josua, der ja auch ein Lewite war, ■ wohl eher gesagt במהלך ובתרמילך aIs ובמעותיך. Denn letzteres war bei dem armen Köhler (Ber. 28a) wohl hicht immer 80'vorräthig, wie die Tasche es gewesen wäre, wenn jeder Lewite eine getragen hätte; — der Effekt wäre ja derselbe gewesen, wenn diese Tasche immer ein Gesetzbuch umschlossen hätte. Auf derselben Seite wird das Bild folgendermassen weiter ausgemalt: *Pharisäer, .die die breiten Riemen und grossen Troddeln als Glieder eines religiösen Verbandes bezeichnen.“ Belegstelle: Matth 23, 5: da- Tuv0031v -fäp ®oXaxTrjpia aürüiv xo’. ןizfakuww» T'i xpdnzzoa. D6 נ xpdsziZa sind aber ebenswenig ״Troddeln“, wie die £hylakterien einfach ״Riemen“ sind, sondern wie diese _dle Tephifßn^ "bedeuten jene die Zizith. Es wird atf' aer<5ngeführten Stelle nur angegeben, dass die Phari9äer besonders grosse Tephillin, und lange Zizith tragen־'.־ (Bekanntlich übersetzt Onkel 09 sowohl ציצית Num 45, 38. '39 wie □גדילי Deut. 2212 י durch כרספדין) ich hätte zwar angenommen, dass H. das Richtige meint, obgleich Niemand lange Zizith als ״grosse Troddeln“ bezeichnen wird, wenn er nicht hinzugefügt hätte, dass die breiten Riemen und grossen Troddeln d:e Pharisäer als Glieder eines religiösen Verbandes bezeichneten, während doch Tephillin und Zizith von allen Juden getragen wurden und die Pharisäer keinen besonderen religiösen Verband innerhalb des allgemeinen Judenthumes bildeten. Es bleibt somit wenig von dem Strassenbilde übrig, das H. entwirft. Die spitze Mütze, mit welcher die Lewiten auf der Strasse umherflanirt haben sollen, ist mindestens problematisch, die Tasche, die das Gesetzbuch um9chloss, fällt weg, die grossen Troddeln und. breiten Riemen, welche eine besondere Religionsgesellschaft bezeichnen sollen, schrumpften zusammen zu den gewöhnlichen, von allen Juden getragenen Zizith und Tephillin. (Schluss folgt.) Die ursprüngliche Gestalt der ארבעה in der Pessachhagada. *) Von Rabbiner Dr. Sidon in Werschetz (Schluss.) Der חכם wird treffend charakterisirt durch Frage und Antwort. Er frägt mit Deuter. 6, 20. Diese Schriftworte sind aut die Tendenz und Bedeutung der Gebote und Satzungen gerichtet. Die folgenden Schriftverse, die als Antwort dienen und mit עבדים היינו beginnen, stehen für die Richtigkeit dieser nicht zu übersehenden Auffassung selbstredend ein. Frage un4 Antwoit des Schriftwortes gelten dem Verständniss und der Erkenntniss, in gleicher Weise Frage und Antwort beim חכם. Dass R. Chija für die Antwort nicht Deuter. 6, 21 fgl. sondern Exodus 13, 14 gewählt hat, erscheint auffallend, findet aber darin seine befriedigende Erklärung, dass עבדים היינו seine gute Verwendung bereits gefunden hatte. Zur Beantwortung der allgemeinen Kinderfrage מה נשתנה hatte sich nämlich schon zu R. Chija’s Zeit עבדים היינו allgemein festgesetzt**), und was für die Allgemeinheit in Brauch war, konnte nicht wieder dem חכם geboten werden, der doch in Folge seiner exceptionellen Stellung aufsteigend für ihn angelegte Belehrung Anspruch hatte. Es ist ihm entsprechender Ersatz aus Exodus 13, 14 zugewieseu worden. ■יי- Nacli der Fassung der P.-H. und Mech. fehlt nach dieser Auffassung von Deuter. 6, 20 die Harmonie zwischen Frage und Antwort, indem erstere auf Erkennt- *) Z. 2 statt: günstiges Theil, zu lesen: eia günstiges Geschick zu Theil geworden Z. 17 statt: an dem grossen Weltdrama z. 1. in dem grossen Weltdrama. Spalte II Z. \ statt: gehende z. 1. gehenden Spalte II. Z. IS statt: Das Werk zu bestimmen, z 1 za beginnen. **) Die Verhandlung Pessachim 116a über den Passus der Uischnah: מתחיל בגנות וסיים בשבח stimmt mit der Obigen Annahme vollkommen überein, es handelt sich 'darum, womit die Antwort begonnen oder eingeleitet werden sollJ Das geht deutlich aus jerusch, zur stelle hervor:רב אמר מתחילה צריך להתחיל בעבר הנהר• Daraus ist im Babli gay Orden: מתהילה עובדי ע" א הי!, was sih als Reminiscenz aus der Hagada erweist. Wem diese zur Last fällt, ob den Talmudredacteuren oder den Abschreibern, ist fraglich. — Vielleicht geben die ״ Dikduke Sofrim“ darüber nähere Auskunft.