Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 29. (17.7.1878)
- Date
- 1878-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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9To. 29. Das Zur Beleuchtung aller Juden• tham und Jaden betreffenden literarisch.Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschlchte,Ethnographie,The• ologie.Orientalia. Exegese, Ho• miJetlk, Liturgik, Pädagogik. Jahrg. yil Hera usgegeben ז von Rabbiner Dr. Moritz Rabiner. ■•■fr <5■־■ Maedebara;, VT. JnU Bücher der einschlägigen LIteratur, welche der Red. des ״Jud. Literaturblatt*4 in M a gdeburg (oder der ״Israelit. Wochensckr.M in Stettin) sagesandt werden, finden in diese■ Blatter eingeh. Besprechung. Da9;*Jüdische Iiftte1*9tu1*blstt‘* erscheint j wöchentlich; Preis bei allen Postanstalten und Buchhandlangen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei! der Expedition der ״Israelitischen Wochienschrift“ in Magdeburg mit direeter: frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift** (die vierteljährlich bei aller Postanstalten ן und Buchhandlungen 2 Mark 50 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdischje Literaturblau״ gratis. — Inser*i© werden mit 20 Pf. für die dreige״ D“י*־״ -•-־״■•-־»•»•י*״־* “־!—:־-י **“--- - -• 'er] ,.I:.. sp<ene Petitzeile, buchhändlerisclie Beilagen mit 12 Mark berechnet. Inhaiti; Wi8b en schaftliche Aufsätze: Der Darwinismus j in der Agada. Von Dr. B. Placzek. — Einige Bemerkungen iu Hausrath’a Neutestamentliche Zeitgeschichte. (Forts.) — Die ursprüngliehe Gestalt der Q'}3 ארבעה in der Pessachhagadai Li t era t u rberich t: Hoffmann, Abhandlungen über diej pentateuchisrhen Gesetze. (Schluss ) ] Der Darwinismus in der Agada. (Forts.) Von Dr. B. Placzek. Die Expedition der! ,.Israelitische 1 Woche.isohritL“ •4■ Die reine unverfälschte Natur erschien den Hebräern als unantastbar und daher jede künstliche Kreuzung und Mischung von verschiedenen Pflanzen- und Thierjspecies (כלאים) zur Erzeugung neuer Spielarten als Versündigung an der Natur und wegen der dadurch bewirkten Ab- oder Entartung verpönt. Die leblose wie djie belebte Natur war ihnen heilig; wie wir uns ja mitj allem, was wir zum Gegenstände unablässigen Erforschers und Erk ennens gewählt, zuletzt identificiren. Man würde aber mit der Annahme fehlgehpn, die Talmudisten hätten sich durch übet grosse religiös^ Scrupel in der Ausdehnung ihrer Forschung nach derj Weite und Tiefe sonderlich beirren lassen und beschränkt gefühlt. Bei aller gewissenhaften Observanz religiöser Vorschriften wahrten sie sieh vielmehr die Freiheit des Gedankens und setzten sich, namentlich |wo es sich um Erklärung von Naturerscheinungen hajndelte, mit kühner Interpretation über die Schranken d(s hiblischen Wortes hinweg. Sie sagen: ״Die fceiteinttyeilung in Tag und Nacht bestand schon vor der in de(• Bibel dargestellten Schöpfung. Viele Welten hatte Gjott erschaffen und zerstört, bevor er die gegenwärtige pchuf.“ (Ber. Rab. 3 u. 9. Koh rab. 3, 11.) R. Jochanan stellt schlankweg in Abrede, djiss die Sintflut!! auch Palästina überschwemmte, (Seb. 113a), obgleich die Bibel wörtlich referirt: ״Gott sprach, ich bringe eine Wasserflut!! über die Erde, um alle|Wesen zu vernichten“ u. s. w., (I. B. M. 6, 17. 7, 4—12).j ״Und die Fluthen wuchsen über der Erde, und es wurden be- -deckt alle hohen Berge unter dem ganzen Hihunel.“ (Das. 7, 19.) Diese Ansicht R. Jochanan’s von der Un- Vollständigkeit der Wasserkatastrophe wird mehrfach xeproducirt besonders mit Bezug auf Ezechiel 12, 24, »Land, das nicht überfluthet ward am Tage des Zornes.“ (P. R. E., Ber. rab. 33, Jalk. 56, 59.) Der bedeutende, von Genossen und Jungfern so hoch gehaltene Tanai, R. Jehuda b. Ilai, behandelt die Auferstehung der Todte(1gebeine in Ezechiel 37 lediglieh als e!ine bildlichle Darstellung: באמת משל היה ״es war in der That nur ein Gleichniss“ — interpretirte ein Anderer seinen Ausspruch. (Synhedrin •92b)» Ein Gefährte des Vorigen, der berühmte Gesetzeslehrer R. Jose b. Halafta, dessen Gründlichkeit Sab. 49 hervorgehoben wird, lehrte: ״Niemals ist die Gottheit zur» Erde herabgekommen, ebensowenig sind Moscheh und Elijahu empor zum Himmel gestiegen,“ (Succah 5a, Syuh. 21b). Er stellte sich also mit seiner freien Anschauung in Widersprueh zu mehreren Bibelstellen, die er wahrscheinlich bildlich aufgefasst wissen will; obgleich er j im werkthätigen Leben von einer überstreugen Frömmigkeit war, welche seinem Namen in der Legende eine Aureole gewann. R. Jose berief sich bei seiner freien Ansicht auf den,Psalmvers 115, 16: ״Die Himmel sind Gottes Himmel, doch die Erde gab er den Menschenkindern“, mit dem nicht misszuverstehenden Winke, diass man sich von übersinnlicher Schwärmerei ferne hälfe und mit der Forschung auf realem Boden, bleibe. Ih diesem Sinne ist auch die Warnung zu nehmen: ״Was dir zu erhaben ist, darnach forsche nicht, ׳ was dir zu schwer ist, suche nicht zu ergründen, was־ dir *unfassbar ist, trachte nicht zu wissen, was deinem Geiste verborgen bleibt, strebe nicht zu erkennen; nur auf das, was dir erreichbar ist, lichte deinen Sinn und kümmere dich nicht um geheime Dinge.“ (Jett. Chagiga 5a, Ber. rab. 8). ״Man beschäftige feich nicht! nachgrtlbelnd mit dem, was über uns, unter uns, vor und hinter uns liegt“ (mit transcendentalem, extramundanem, esciiatologischem Spiptisiren)J; ״Dafür aber kannst und' sollst du zu erforschen suchen das Sinnlichwabrnehmbare, die Welt der Dinge seit der ersten Schöpfnngszeis, ־ getreu dem Satze (V. B. M. 4, 32): Frage dochl nach den ersten Tagen, die vor!'dir waren, seit Gott den Mensehen schuf auf der Erde und vom Ende des; Himmels bis zum Ende des Himmels.“ (Chag. 11b, Ber. rab. 4.) Audi über die Schöpfung selber hielten die Elabbinea Disputationen und entwickelten divergirende Ansichten (Chag. 12a Jer. Chag. 5b). Dem forschenden G jist ward damit die Richtung auf das eminent Paktische, ,auf das real Umgrenzte gegeben und!vor dem Verf üchtigen O ■ —ן—■Bf■L—M—