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Das jüdische Literaturblatt · 1878-07-10 · No. 28. (10.7.1878) · p. Seite 110

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 28. (10.7.1878)
Date
1878-07-10
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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jede Thierquälerei, so lässt die Agada die Gemüthssaite im Verkehr zwischen Menschen und Thieren in der wohlwollendsten Weise anklingen. ״Warum gedachte der Herr des Noah? weil dieser ein Jahr lang die Thiere Tn der Arche treulich verpflegt hatte.“ Ber. Rab 33. ״Noah’s Kinder erzählten: Gross und schwer war unsere ול ־;Mühe und Plage mit den Thieren. Wir mussten Jedes zu der Zeit und so füttern, wie es im Freien gewöhnt war. Bei dem Thiere Sicata konnte Vater Noach schlechterdings nicht herausbringen, womit er es nähre Einmal schälte er Granatäpfel. Da fiel ein Wurm heraus; das Thier verschlang ihn. Nun wusste unser Vater, was er ihm zu reichen habe.“ Synh. 108b. Moscheh hat der milden Sorgfalt, mit der er ein Lämmchen hegte, die Berufung zum Völkerhirten zu danken. Ebenso David. (Schemoth Rabba 2. Vrgl. Jes. 40, 11.) ״Warum schlugst du deine Eselin?“ fragt der Engel Gottes den Bileam, 4. B. M. 22, 32. Jälkut fügt hinzu: ״Der Engel sprach, ich bin beauftragt, für das an der Eselin verübte Unrecht gegen dich aufzutreten.“ Die Legende Bab. mez 85a ward schon erwähnt^ dass nämlich Rabbi sein erbarmungsloses Benehmen gegen eia K81b mit langjährigem Leiden zu büssen hatte^ von dem er wieder in Folge seines Mitleids mit jungen Wieseln befreit ward. ״Regen und Sonnenschein kommen den Thieren zuliebe und nicht der Menschen wegen, wie es heisst: Menschen und Thieren hilft Gott. P8. 36, 7. Das will sagen: dem Menschen hilft Gott nur um der Thiere willen.“ Ber. Rab. 33. Einige Bemerkungen zu Hausrath’s ״Neutestamentliche Zeitgeschichte“. Der in Nr. 23 des Jüd. Literaturblattes mitgetheilte Artikel Zunz’ über die Unbekanntschaft hervorragender christlicher Schriftsteller mit den Arbeiten jüdischer Gelehrten auf dem Gebiete der jüd. Literatur und der Wissenchaft des Judenthums überhaupt, veranlasst mich in Folgendem einige Notizen mitzutheilen, die ich bei Gelegenheit der Lectüce der Neutestamentlichen Zfjltgeschichte von Hausrath niedergeschrieben Die Freude, die man an diesem Buche, wegen seiner wissenschaftlichen Form und Methode, der darin offenbarten grossen Belesenheit, der schönen,, kernigen Sprache haben könnte, wird verleidet nicht blos durch hie und da hervortretende Gehässigkeit gegen Juden und Judenthum, sondern namentlich auch durch Unkenntniss der jüdischen Quellen, welche das Buch wie hässliche Flecken verunstalten. Um von ■ den ersteren zuerst zu reden, so seien obier nur einige Beispiele miigetheilt. 8. 20 unten: ״Der dogmatische Hass, der die Juden kennzeichnet, lässt sie auch hier als die schuldigeren und unversöhnlicheren erscheinen.“ — Wüibete der Arianische Streit auch unter den Juden? Zählt das Judentjmm auch so viele dogmatische Märtyrer oder Märtyrer des Dogma wie das Christenthum bis auf Pastor Klapp und Licentiat Hossbach?' Hat das Judenthum auch soviele, durch dogmatischen Hass gesonderte Confessionen und Sekten? S. 68: ״Dürfen wir den nachträglichen Schilderungen der Rabbiner glauben, so war die juristische Praxis •4er. Behörde (des Synnedriums) eine sehr humane.“ — Auf einmal so skeptisch und kritisch?! Beruht docli der ganze Glaube des Herrn H. und ein grosser Tbeii seines Quellenmaterials auf der nachträglichen Schilde־ rung und Erzählung ehemaliger Rabbinen, der Evan־ gelisten! S. 86: In dem Maass, in welchem die Aufmerksamkeit auf die Einhaltung des objectiv Ge-etzlichen gerichtet war, in demselben Maass wurde das S נו bj e ctiye der Gesinn'ung (bei den Juden) verwahrlost.“ Diese Stelle gehört beiden Kategorien an, denn sie beruht ebensowohl auf Vorurtheil wie auf Unkennlniss der jüdischen Quellen, aus welchen H. an vielen Stellen hätte ersehen können, welch hohen Werth auch zur Zeit Jesu die Rabbinen auf die subjective Gesinnung bei Ausübung des Gesetzlichen legten. Bd II. S 130: ״In der Thai war die Hellenisirung der alexandrinischen Judenschafi in Jahrhunderte langern Verkehr mit der Völkerwelt (?) bis zu dem Punkte gediehen, bis zu dem die abendländische Bil- Jung überhaupt für Semiten assimilirbar ist.“■ — Das klingt gerade so, wie wenn wir sagen wollten: die damalige heidnische Welt war durch die häufige Berülirung mit den Juden im Laufe der Jahrhunderte allmählich mit dem Monotheismus bis zu dem Punkte vertraut geworden, bis zu dem diese hohe Idee überhaupt fürJaphetiden assimilirbar ist, was übrigens historisch begründeter wäre, als was H. von der Assimilirbarkeit der abendländischen Bildang für Semiten sagt. S. 151: ״Auch hier aber (bei Philo) zeigt, sich deutlieh wieder, wie die theilenden Funktionen bei dem morgenländischen Geiste nicht mit ähnlicher Schärfe arbeiten, wie bei dem des Abendländers “ — Sonderbar eben haben wir gehört, dass die abendländische Bildung für den Semiten nur bis zu einem gewissen Punkte assimilirbar, und jetzt wird auch den tbeilenden Funktionen seines Geistes die Schärfe des Abendlandes abgesprocheu! Der Arme! Sonst pflegen die dilettantischen Ethnologen und RacenphilosopUen den Juden und den Morgenländern überhaupt den S c h a r fsinn, bekanntlich ein höherer Grad der Unierschei- “dungskraft, als Domäne zu überweisen und sogar von ״talmudischer Spitzfindigkeit“ zu sprechen. Weil aber Philo die von ihm angenommene Vermittelung zwischen Gott und Welt nicht als zweite göttliche Person hinstellt, arbeiten bei dem morgenländischen Geiste die, theilenden Funktionen nicht mit ähnlicher Schärfe wie bei dem des Abendländers! Seltsam! H. ist doch Abendländer, warum theilt sein Geist Pliito nicht ab von den Morgländern? War es denn nicht morgenländischer Geist, der jene Theilung der Gottheit doch zu Wege gebracht? Und warum genügt denn der Schärfe der theilenden Funktionen in dem abendländischen Geiste H’s nicht, was er selbst S. 155 ganz richtig sagt: ״Wenn Philo nieht dazu gekommen ist, seine Lehre vom Logo« in positive Religion umzusetzen und die Vermittlung zwischen Gott and den Menschen auch praktisch in dem obersten der Mittelwesen zu suchen, so lag das zunächst an der Energie seines jüdischen Mono thei smus“? Es scheint in der That Etwas von dem zu sein, was oben von der Assimilirung der monotheistisehen Idee ge-agt ist '(Forts, folgt) Die ursprüngliche Gestalt der ארבעה בנים in der Pessachhagada. Von Rabbiner Dr. Sidon ״ Den ״vier Söhnen“ der Pessachhagada ist unstreitig ein günstiges Theil geworden. Sie haben eine Siellung und Bedeutung erlangt, zu deren Höhe die kühnsien Hoffnungen ihres Urhebers nicht hinanreichen konnten. Za typischen Gestalten sind sie emporgewachsen,

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