Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 28. (10.7.1878)
- Date
- 1878-07-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 28. Das Jüdische Literaturblatt. Zar Beleuchtung aller Jadentham and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen aaf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologte,Ortentalia, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von | Rabbiner Dr. Moritz R&hnier. Magdeburff, IO. .Tnli 1878. Das ״Jüdische LiterKturblatt“ erscheint (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; be frankirter Zusendung ■ 8 Mark. — Abonnenten der ״Israe handiungen 2 Mark SO PC kostet) erhalten das ״Jüdisch gpaltene Pelitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 1 '2 wöchentlich; Preis bei allen Po st a n^tal ten und Buchhandlungen der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift“ in Magdeburg mit direeter itischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich be aller Postanstalten hnd Bache Literaturblatt“ gratis. — Inserate weijden mit 20 PC. für die dreige- Mark berechnet. Die Expedition der ,.Israelitische 1 Wocheischrift“ — Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Der Darwinismus Agada. Von Dr. B. Placzek. — Einige Bemerkungen ratli’s ״Neutestamentliche Zeitgeschichte. — Die urspr Gestalt der ארבעה בנים ■n der Pessachhagada. - ziöse Aenderungen der Lesart bei den LXX und bei Li t e ra t u rbericli t: Hoffinann, Abhandlungen Uber di« teuchischen Gesetze. in der ■su Hausingliche Tenden-!sephiis. penta- Ja Der Darwinismus in der Agada. (Fd>rts.) Von Dr. B. Placzek. Dass die alten Hebräer dein Thiere eine Seele zuerkannten, ist nicht nur aus dem Satze ersichtlich: ״Der Gerechte kennt und liebt (ידע) die Seele seines Thieres“, Spr. 12, 10, oder aus den skeptisch ange hauchten Worten Koheleths, ״ich dachte in meinem Herzen nach über das Gerede der Menschenkinder, da:s Gott sie auserwählt; ich kam aber zur Einsicht j, dass sie an und für sich wie das Thier sind. Denn fias Geschick der Menschenkinder ist wie das Geschick des Thieres, und ein Geschick haben sie . . . und einen Geist haben sie alle, und der Vorzug des Menschen vor dem Thiere ist nichtig. Wer weiss, ob der Ge st der Menschenkinder in die Höhe steigt und ob der Geist des Th!eres in die Tiefe sinkt zur Erde.“ Kolieleth 3, 18—21. Nachdrücklicher sprechen dafür die rituellen Gesetzbestimmungen, welche die grösste Schonung und Rücksicht dem Thiere gegenüber zur Pflicht Rachen wie iu den biblischen Geboten: I. B. M. 9, 4, (wo der Genuss von Fleisch und Blut von einem noch lebenden Thiere den Noachiden untersagt wird; V. B. Mj 25, 4, ״dem dreschenden Ochsen sollst du nicht das Mq,ul verbinden“; II. B. M. 23, 5, V. B. M. 22, 5 ״den) unter der Last erliegenden Thiere soll man aufhelfeij“, III. B M. 22, 24 ״kein Thier verschneiden oder vferslümmein“, V. B. M. 22, 11 ״Thiere verschiedener Gattung nicht zusammen vor den Pflug spannen“, V. B. M. 22, 6 »aus einen! Vogelnest nicht Küchlein samuit der Mutter pehmen“, II. B. M. 20, 10; 23, 11, III. B. M. 2h, 6 7, an Sabbath und Festtagen ist auch den Thieren Buhe sowie in Sabbathjahren freie Weide zu gönnen. — Während nun die Halacha in der Interpretation der bibl. Satzungen Lehren gegen die Thierquälerei, Best mmungen über schonende Behandlung der Thiere ertheilt, j wie man 6ie von milderer Anschauung und zarterer Rücksicht in keinem Statute eines modernen Thiei schütz- «Ijihrgr. Bicher der einschlägig׳ tejrstar, welche der ״Jfid. Llteratarblstt“ in d e b a r g (oder der Wocheaschr.“ ln Stettin) ssodt werden, finden in dl| Blstte eingeh. Besprechung. Vereines findet, kehrt die feinfühlige Agada aas Verhältjjiss zwischen Menschen und Thieren 80 innig wie unter Gleichen, Ebenbürtigen hervor. ״Man darf am Sabbath auf einem Thiere nicht reiten oder es sonst benützen“. Beza 36b. Mit Bezug darauf verwies Abuja dem Rabbah, dass er sein K(nd aaf einen Esel setzte, um es zu belustigejj. Sab. 154b. ״Es heisst V. B M. 22, 5. Du sollst dem unter־ der Last zusammengesunkenen Thiere aufhelfen — nicht nur, wenn sein Eigenthümer dabei ist (dann könnte es blos als ein|Act der Nächstenliebe aufgefasst werden), sondern auc|h wenn er nicht zugegen ist,, und die Hilfe blos dem Thiere gilt“. Bah. mez. 31a. ״Es ist ein sinaitisches Gebot der Thiere zu schonen, sie nicht zu quälen, sie von Pein zu befreien“. Sab. 12, 86, Bab. mez. 32 a, b. (Daselbst und Sab. 154b ist auch die Ansicht vertreten,!.ein solches Verbot wäre nur ein rabbinisches.) Der Thiere wegen, etwa um ihnen Nahrung zu bieten, dJtrf man gewisse Gebote übertreten, Bezah Pb, 33a, SaJb. 142b, auch um ihnen wohl zu ihun, oder sie von Leid zu befreien, Sab. 128b Am Sabbath ist es erlaubt, um die Honigwaben, welche im Winter als Vorrath für! die Bienen im Stock Zurückbleiben, vor Regen zu bewahren, den Korb mit Matten zuzudecken. Bezah 36aj Thiere soll man nicht unnütz quälet). Darauf beruhn, die meisten Bestimmungen über das Schlachten. Chuljn Absoh. I—V. Alq Grund der Gebotje, ein junges Thier nicht vor acht Tagen, Ochs oder Lamm mit seinen( Jungen nicht an einem Tage sjchlachten, III. B. M. 22, 26. 27, wird ebenfalls Schonuqg und Mitgefühl unter j Hinweis auf Sprüche 12, 10 angegeben. Von dem Satze V. B. M. 11, 15: Ich gebe Gras auj■ dem Felde für dpin Vieh, dass du essest und satt werdjest, — wird die Regel abgeleitet: ״Man müsse, bevor man selber etwas geniesst, Nahrung den Hausthietjen reichen“. Gittin 62g, Jalkut z. St. Das Gebot, den) dreschenden Ochsen nicht das Maul zu verbinden, V.: ß. M. 25, 4, wird ausgedehnt auf alle Tjhiere, sie voji den Nahrungsmitteln,| inif denen sie beschäftigt sindt gemessen zu lassen. Bpba Mez. 88 h. Das! grausame Jigdvergnügen wird ali Frevel, der Jäger 1 als Bösewicht bezeichnet, Abod. Sar. 18b. Daselbst wird auch untersagt,; Stiergefechte zu besuche» Verhält sich die Halacha streng abweisend gegen.