Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 25. (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5367336-6488234-8755632--1041-4854486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
י״-י■"!י"■ "" ^,jyiwgn 11 יו י,nיאח^ו^ — 99 — ייץיקי יויוייי Einige talmndische Termini, kritisch beleuchtet von Dr. J. S. Bloch in Brüx. Manchmal sind die Halacha's nicht wörtli 3he Wiederholungen, aber doch implicite in einer andern Mischna, die etwas umfassender lautet, enthalten. Die Talmudisten erklären sich den Umstand daher, dass die kürzere Mischna älter sei, die allerdings durch dis spätere Halacha überflüssig und überholt worden, allein ומשנה לא זזה ממקומה (Vgl. z. B. Jebamoth 32b). Diese Formel begegnet uns auch in einem andern Falle. Nämlich nicht blos Wiederholungen, sondern viele diametral entgegengesetzte princip׳elle Entscheidungen sind im Codex anzutreffen. תרי סתנד דסתרי אהדדי. Grade dieses Moment ist von schlagender Bedeutung für unsere Frage. Dem Scharfsinn der Amoräer sind die Widersprüche selten entgangen und sie führen sie zumeist richtig auf verschiedene Traditionen derselben Halacha zurück. ורבי גופי היכה סתם לן הכא הכי ןהכא הכי? מעיוקרה סבר ♦ ♦ והדר סכר ♦ ומשנה לא זזה ממקומה. (Schebuoth 4a vgl. auch Chulin 32 b.) Der׳ Redaktor hegte, als er den frühern!Abschnitt vorgetragen und bearbeitet halte, eine Anschajuung, die er später aufzugeben sich veranlasst gesähen, erklären die gutunterrichtetee Anoräer. Allein warum hat er es unterlassen, die frühere Entscheidung zu corrigiren, um nicht widerspruchsvoll zu erscheinen? Einzig deswegen, weil man blos Schriftwerke ändern und bessern kann; was nicht geschrieben ist und den Zuhörern blos mündlich nnvertraut wird, lässt sich in spätem Jahren nicht mehr rückgängig machen. Die Zuhörerschaft war nicht mehr dieselbe, die JüLigerschanr aus der früheren Zeit war bereits zerstreut, der frrthum in die Welt hineingewandert, hatte Verbreitung! gefunden .— gesprochene Worte lassen sich nicht ausbessern und ändern ומשנה לא זזה ממקומה• Juda Hanassi hat den Codex den Schüljern mehr als einmal vorgetragen, allein nicht Alle waren in der glücklichen Lage, auch den Wiederholungen beizuwohnen Nach Baba mezia 44a, Aboda Sara 52 b hat er in den spätem Jahren in Vielem andere Ansichten ge- Wonnen und gelehrt. Ja in einzelnen Punkten [hat er am folgenden Tage schon seine Anschauung geändert, und es traf sich, dass die spätere Sinnesänderung nicht Allen bekannt geworden. Beza 24b. אנא ולוי I אמר רב הוינא קמי׳ן דרבי כי אמרה לדא שמעתא׳ באורתא אמר מותרין באכילה. בצפר׳ אמר מותרין לקבל. אנא דהוי בי מדרשא הזהירי ביה׳ לוי דלא הוה בי מדרשא׳ לא הדר ביה• Ueber einzelneHalacha's mussten sonach unterdenSchülem sofort erhebliche Meinungsverschiedenheiten i herrschen. Im Jernschalmi wird öfter darüber referirt mit den Worten:אית תניי תני ♦ ♦ ואית תניי תני. Manchmal wird eine andere Formel gewählt. Die Sache is} dieselbe. Um ein anderes und bekanntes Beispiel zu; erwähnen, der Eine erinnerte sich genau aus Rabbi's ]Hunde die Worte vernommen zu haben: מרחיצין אןז הקטן ביום השליש* שחל בשבת שנאבד ויהי ביום ♦ Der ändere trat wiederum für den Wortlaut סרחיצין את המילה ein. Vgl. das Referat im jerus. Talmud zur Stelle.;Theilweise fand die Lösung des Widerspruchs in ded Art statt, wie in dem letzterwähnten Falle, dass man c ie Halacha in beiden Lesarten blos an verschiedenen Stellen aufnahm, vgl. Sabbath 9, 3 u. 19, 3. War aber der Widerspruch nicht auf den ersten Blick erkennbar, liess sich eine wenn auch blos oberflächliche Ausgleichung hersteilen, so stellte man die beiden Traditio len einfach u. unvermittelt nebeneinander. Wurde man spi iter auf den Widerspruch zwischen רישא und סיפא aufmerksam — und das geschieht ja bekanntlich fast immer — so erhielt man die übrigens ganz correkte und vi ahrheitsge- 1 t״}ue Antwort:•תברא מי ששנא ן;- לא שנא לו 16 יa, Sabbath 92b, Jebamoth 13a, Ketub. 751 15b, 47b, 48b, Baba M 40a, 82b, Keritith 2t 19b. Dasselbe besagt! רישא לא מתני סי^א Man muss blos die Bedeutung der Formeln fassen. Diese Differenzen hätten jedenfalls nicl entstehen können, wäre eine Abschrift des Circulation gewesen.! (Schluss f< :•*״'■/ ' . Chulin Baba k. b, Nedar. •מן דמת(י iphtig er- |t so leicht Codex in Literaturbericht. Beeeasiaaea. ן Kaafknann, Dr. D., Sieben Festpredigtef, gehalten in den Berliner Gemeindesynagogen. Bejrlin 1877. Louis Gerschel. Der Verfasser der vorliegenden Predigten hat sich in der wissenschaftlichen Welt mit seltener Raschheit einen gut klingenden Namen erworben. Von um so grösserem Interesse ist es, ihn auch von einer andern Seite, in seinen Leistungen auf der Kanzel kennen za lernen. Schon in seinen wissenschaftlichen Arbeiten zeigt Kaufmann eine ungewöhnliche Darstellhngsgabe, die von allen Seiten anerkannt werden musste. Solche Begabung hat erst in der Predigt die rechte Gelegenheit, sich vollkommen zu entfalten. Indess müssen wir mit unserer Anerkennung zurückhalten, um }rieht die Nörgeleien kleinlicher, engherziger Naturen hervorzurufen, dio die jüd. Wissenschaft (und wohl auch die Kanzel) als ihr ausschliessliches ־Monopol betrachten und alle Leistungen jüngerer Kräfte als ,,Streberthum'4 und ״Schwindel“ verschreien.*) Wir wollen daher den vorurteilslosen Leser auf die Predigten selbst verweisen und hier nur einige Eigentümlichkeiten derselben hervorheben. Der Verf-, der sich sonst streng an die Predigtform hält und überall eine klare, durchsichtige Disposition erkennen lässt, liebt es oft gleich in der Einleitung in medias res zu kommen. Jeder Prediger hat wohl an sich selbst erfahren, dass die Einleitung der schwierigste Theil der Predigt ist, der. die meiste Mühe und Arbeit kostet und doch so selten nach Herzenswunsch gelingt. Statt einer freundlichen׳Pforte stellt eine solche mühsam, sich abgerungene Einleitung eine dunkle Hintertreppe dar, durch die man sich zu den höher gelegenen Räumen der Predigt mühsam hinaufwinden muss K. hingegen lässt uns nicht erst lange umhertappejn, sondern versetzt uns gleich mit dem ersten Satze auf die Höhe der Situation, auf die er uns haben will. $0 beginnt die Predigt am ersten Tage des Wochenfestes anknüpfend an Ps. 50, 1 mit den Worten: ״Haben sie'es ahnen können, die einst in bangen Schauern den Fuss des Sinai umstanden, dass der Feuerschein an seinem Gipfel nicht erbleichen, sondern leuchten und sichtbar sein wird, so weit die Erde reicht, dass die Donner, die an ihr Ohr schlugen, nicht verhallen, sondern weiter rollen werden und erschüttern das Herz der spätesten Nachgeborenen?“ Der Inhalt der Predigten zeugt von tiefer Denkerarbeit und bringt uns viele sinnige ansprechende Betrachtungen, Wir greifen das nächstbeste Beispiel ' heraus. ״Warum lassen sie nicht ab vom Denken, die ן unermüdlichen Forscher, da ihnen doch vor Allem die Grenzen des Menschengeistes auf ihren kühnsten Flügen ' sich entgegendrängen, warum arbeiten sie wpiter, rastlos und rüstig, die Erfinder und Entdecker, webn sie inne werden, dass wir denn doch nichts vermögen und der! *) Der Hr. Rec. hat hier mehrere in feindseligem Sinne gegen H Dr. K. in der Allg. Zeit d. Jud. erschienenen Art. imjAng«. {.Red.)״