Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 25. (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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- Job 2× ep/1005326
- Rashi 1× ep/1002670
- Tacitus 1× ep/1025676
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Wean der Talmud die. Bibelstelle Ijob 35,-11 ״er I belehrt uns durch die Thiere der £rdea dahin deutet: ״auch ohne göttliche Offenbarung hätten wir lernen können. Redlichkeit, Pflichttreue von der Ameise, so gehört keine' besondere Divinationsgabe dazu, um darin schon in nuce Häckels Dictum zu erkennen:• ״Die socialen Instincte der Thiere sind neuerdings von verschiedenen Seiten mit v;ollem Rechte als die Urquellen der Moral;auch für den Menschen in Anspruch genommen worden. Die Gesetze der Association und Arbeitstheilung bewirken hier wie dort die Wechselwirkung der vereinigten Individuen, welche zum Pflichtgefühl fahrt“. (A. a. O. S. 24.) Weit kühner allerdings wenn auch nicht grundlos mag die Conjektur sein: Salomo habe schon die Ameise als ackerbautreibendes Thier gekannt und darauf in dem citirten Verse Spr. 6, 7 ״sie richtet im Sommer ihr Brod her, sammelt in der Ernte ihre Speise“ -angespielt. Diese vielleicht nur fabulose Eigenthümlichkeit der Ameise ward von Dr. Lincecum beschrie-! ben: Auf einem Boden mit steiniger Unterlage legt sie ein Haas oder ein Magazin im Boden an und pflanzt rings um!dasselbe eine Art Gras, das einen kleinen, weissen Samen trägt. Dieser Samen wird gesammelt, getrocknet und in das Magazin geschleppt. Bei feuchtem Wetter wird er bisweilen herausgetragen, getrocknet und sortiri (Vgl. Ausland 1862 Nö. 10.) Solches vorausgesetzt würde die Ameise, welche selber säet and vom eigenen Felde einheimsl, erst recht als Muster'der Redlichkeit und sogar als Symbol der göttlichen Gerechtigkeit, zu dem sie der Talmud erhebt! erscheinen. Auf diese erstaunliche Thätigkeit der Ameise als Agriculturthier deutet ja der Ausdruck תכין כקיץ לחמה schon sprachlich hin. מן heisst im Hifil: vorbereiten, hexrichten, bestellen, auch vom Felde. Analog wird es gebraucht: Gen. 43, 16. 25, Exod. 16, 5. Jos. 1, 11. Hachum 2, 3. Zephanja 1, 7. P8. 147, 8. 65, 10. 78, 20. Spr. 24, 27. 30, 25. Ijob 38, 41. Chrom I. 9, 32. 22, 5. und anderweitig. Daran schlösse sich dann folgerichtig der zweite Satz, ״sie sammelt ein in der Ernte ihre Speise“, mit Bezug auf das vorausgegangene Bestellen des Feldes. — Bei der hohen Bedeutung, welche man mithin dem wunderbarentwickelten socialen Leben, dlm ״Culturzustande“ der Ameise beilegt*), woraus weitgehende Schlüsse die Thierseele betreffend gezogen werden und worauf eine darwinistische Ethik, eine Naturreligion sich aufzubauen beginnt, wäre den Naturforschern vom Fache das talmudische Material über flas Leben und Wesen der Ameise zur Beachtung und Verwerthung zu empfehlen. (Fortsetzung folgt.)" *) Hftbl a. a. 0. S. 24 ichliesst seine letzte Anmerkung mit den Worten: ״Demnach wird such die Caltargeschichte der Thiere, ein noch fast unbebautes Feld der Zoologie, jetzt die Aufgäbe hahen, die Caltnrzast&nde der Ameisen und anderer gesellig lebender Thiere in ähnlicher Weise «09 niederen rohen Verhältniseen historisch abznleiten, wie das auch die Aufgabe der mens ohliehen Caltargeschichte ist.* Einige Bemerkungen zn Josephus’ ״Alterthümer“. Es muss aufmerksamen Lesern des Josephus, der sonst auf Grundlage der Bibel seine ״Antiquitates“ aufgebaut, auffallen, dass er oftmals den vorgefandenen Fakten absichtlich aus dem Wege gehet, und• «ie mit seinen neuen Zuthaten vertauscht. Er giebt damit augenfällig zu erkennen, dass ihm die Thatsachen unbequem sind, und er sie 8elb9t dort verdrängt, wo die Klarheit keine zweite Auslegung zulässt. So verschweigt er die Beschneidung, welche Jacob’s Söhne den Sichemiten auferlegten, und dass Letztere drei Tage nach der Operation von den Brüdern Dina’s überfallen worden, und berichtet vielmehr, dass diese die in Saus und Braus schwelgenden Sichemiten nachtlieh überfielen. (I. Buch 21. Cap) Josephus schrieb sein Geschichtswerk nicht nur in römischen Diensten, sondern auch im Geiste der Römer, welche, wie die ältern Usurpatoren, die Circumcision der Juden als eine politisch-nationale Handlung betrachtend, prohibirten, (Sabbat 130a; Synhedr. 32b) unter mildern Regierungen mindestens perhorrescirten. Man 1 braucht nur die Anklagen Apion\_ die Aufzeichnungen seiner Zeitgenossen Tacitus V, 5; Martial VII, 82, 6 aufzuschlagen, welcher die ״Curti, recusiti Judaei, verpi“ zum Gegenstände des Spottes macht, so dass sich Manche durch ״Ziehen der Haut“ (משך בערלה) eine neue künstliehe Vorhaut zu bilden wussten, um in Bädern und Gymnasien keinem Spotte ausgesetzt zu werden (der Talmud, Jebamoth 72a, nimmt die -Rehabilisirung der Vorhaut — vielleicht bei mangelnder פריעה — als bekannt hin; nur möchten wir gegen Raschi bezweifeln, dass diese Operation durch fremde Hand erzwungen wurde.) Aus demselben Gründe änderte Josephus auch den Bibeltext ab, wonach sich Saul als Morgengabe seiner Tochter hundert Vorhäute der Philistäer von David ausbedungen. Statt dieser etwas stark ״contessionellen“ Spolien setzt er 600 ״Köpfe“ der Philistäer (VI. Buch 10. Cap.), was absolut unrichtig ist; denn ״Köpfe“ beweisen ja nicht ihre philistäische Herkunft, solche konnten ebenso gut von seiner eigenen im Kampf gefallenen Mannschaft herrühren. Endlich wollen wir noch auf eine Eigenmächtigkeit Josephus' hinweisen, der ohne confessionellen Grund aaf einem crassen Irrthum zu beruhen scheint. Michal rettete David, schreibt er (VI. Buch 11. Cap.), aus den Händen seiner Häscher, indem sie unter seine Bettdecke — eine noch zuckende Ziegenleber legte, um ihnen glauben zu machen, das6 der kranke David athme! So wären denn ״Teraflm“ und Ziegenleber synonyme Begriffe, und wäre demnach Laban deshalb so ״gallig“ gewesen, weil Rachel die Leber (Teraäm) mitgenommen! Schon dachten wir an die römischen Auguren, welche ״von der Leber weg“ weissagten, als es uns einfiel, — und anders ist wohl das Räthsel nicht zu lösen — dass Josephus die betr. Bibelworte falsch gelesen haben muss. Im hebr. Bibeltexte (Sam. I. 19, 13) heisst es כביר העזים, wofür Josephus כד העזים? gelesen hat, daher die schreckliche Combination der noch zuckenden Leber des Bockes — den Josephus geschossen.*) Gr. Kanizsa. L ö w y. *) Dass hier ein altes Corruptel vorliegt, beweist die Debersetzung der LXX, die ebenfalls כ3ך Leber gelesen. (Targnm, Peschitto und Vulgata Übersetzen nach dem massoret. Text: Schlauch (aus Ziegenhaaren), Ziegenfell.) — Es ist übrigens bekannt, dass Josephus in den ״AlterthUmem“ nicht stricte den Angaben und Le״ searten des hebräischen Bibeltextes folgt, sonderr mehr der grie* chischen Uebersetzong.