Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 25. (19.6.1878)
- Date
- 1878-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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UTo. 25. Jüdisc Zar Beleachtaag aller Jaden• tham and Jaden betreffenden literarisch. Erscheinungen aaf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographle,The• ologie.Orientalia, Exegese, Ho• miletlk, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rabjmer. Magdeburg, 19. Juni 1878. Hücker der elueUifiim 1 terater, welche der Red. de* ״Jfid. UtentirbbtT laX*(■ debnrg (oder der ״Israelit. Woehaesckr.“ ln Stettin){ 1 ■ge• »andt werden, Anden in dl ■m Blatte eingeh. Beepreefci mg. Das ״J&dlaehe Literatarblntt11 ersehest wöchentlich; Preis bei allen Postanstalten and Bucht (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark; bei der Expedition der ״Israelitischen Wochenschrift1‘ in Magdeburg mi|t directer frankirter Zusendung: 8 Mark. — Abonnenten der ״Istaelitischen Wochenschrift* (die vierteljährlich bei alter Postanstalten lind Bach• handlungen 2 Mark 30 Pf. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblatt“ gratis. — Inserate werden mit 20 Pf für die dreigespaltene Petitzeile, buchhändlerische Beilagen mit 12 Mark berechnet. -Oie Expedition der ״Israelitische 1 Wochenschrift.“ Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Der Darwinismus in der Agada. (Fortsetzung.) Von Dr. B. Placzek. f Einige Bemerkungen zu Josephus' ״Aiterthpmer. j Einige talmudische Termini, kritisch beleuchtet voni Dr. Bloch. Literaturbericht: Recensionen: Kaufmann, Dr. JD., Sieben Festpredigten Erwiderung. Der Darwinismus in der Agada. (Forts.) Von Dr. B. Placzek. Simon ben Chalafta, der Experimentator1), von dem schon einige merkwürdige Operationen angeführt wiirden, stellte folgenden sinnreichen Versuch mit den Ameisen an. An einem heissen Sommertag breitete er eine Decke über einen Ameisenhaufen. Eine Ameise, wahrscheinlich zur Recognoscirung ausgeschickt, 1 am her-« vor, sah den Schatten, ging! zurück zu den andern und mochte ihnen berichten, dass draussen der ihnen so erwünschte Schatten sei. Daraufhin kamen sie alle hervor. Nun zog der Rabbi plötzlich die Deckej hinweg, dass der grelle Sonnenstrahl auf den Haufen fiel. Da machten sie sich wüthend über die eine Anreise her, welche ihnen falsche Kunde gebracht, und töteten sie. Rabbi Simeon hatte die Ameisen-Vedette an ijrgend einem Merkzeichen wieder erkannt. In diese)• Lynchjustiz erblickte er den Beweis für die Wahrheit des erwähnten salomonischen Spruches, dass der Amjeisenstaat keinen König habe. (Chullin 57b.) Apch die Kämpfe der Ameisen aus verschiedenen Haufen oder distineter Arten fanden in den Agadisten ihre genauen Beobachter und zugleich eine praktische Nutzanwendung zur Vernichtung dieser Insekten, wo sie lästig und schädlich waren.1) ״Wie zerstört man Ameisenhaufen? Man nehme Erde mit Ameisen aus einem fremden Haufen und gebe sie in den heimischen Hügel. Beiderlei Ameisen,schwärme bekämpfen dann einander bis zur Vernichtung.“ »Die beiden Haufen müssen aber ursprünglich dufch einen Fluss von einander getrennt sein, über welcljen keine Brücke, kein Steg oder Strick führen darf. Auch müs¬ *) Jalknt zu Ijob 38 umschreibt עיסקן mit מתאיה לו1מז und führt ein Experiment desselben mit ein<r von den Eltern verlassenen Rabenbrut an, bezugnehmend auf Eruhiu 22a und Baba Batra 8a. ג) Peah 2, 7, Menachot 71b geschieht von der Verheerung iaea Feldes durch Ameisen Erwähnung. sen sie eine Meile von einander entfernt lie^eü. Sonst erkennen die Ameisen einander als befreundete and die heimischen bekämpfen .dann nicht die Eindringlinge wider Willen.“ (Moed katon 6b.) In einer S^ge werden Amei9en (קמצי, wahrscheinlich Termiten) Angeführt, welche Felsen und Berge durchlöchern. Berich. 54b. Es sei noch erwähnt, dass Ameisen, besonders dl * grossen Waldameisen, zu chirurgischen «Zwecken' undj bei Zauberkuren Verwendung fanden. Jejbamot 76a, Sa )bat 66b. Das Punctum saliens der agadistischen (Iharakteristik der Ameise lässt sich in dem Pflichtgefühl, in der selbstlosen Hingebung an die für die Existenz und Wohlfahrt des Individuums als nothwendig erkannten Gesetze der Association unschwer herausfinden. Die socialen Instincte, als natürliches Sittengesetz gefasst, gewinnen eine beredte, fast dramatische Schilderung in Häckels vielbferufenem Vortrag: Die heutige Entwickelungslehre im Verhältnisse zur Gesammtwissenschaft, S. 19: »Um uns von der bewunderungswürdigen Macht des thierischen Pflichtgefühles zu überzeugen, brauchen wir blos einen Ameisenhaufen zu zertrümmern. Da sehen wir sofört inmitten der Zerstörung Tausende eifriger Staatsbürger nicht mit Rettung ihres eigenen Lebens beschäftigt, sondern mit dem Schutze des theueren Gemeinwesens, welchem sie angehören. Muthige Krieger des Ameisenstaates setzen sich zur kräftigen Gegenwehr gegen unsern eindringenden Finger, Pflegerinnen der Jugend retten die sogenannten ״Ameisen-Eier die geliebten Puppen, auf denen die Zukunft des S taates beruht; emsige Arbeiter beginnen sofort mit mverdrossenem Mathe, die Trümmerhaufen wegzuräi men und neue Wohnungen einzurichten.“ Gersonides bemerk(.zu Spr. 6, 8: ״Sehr wundern wirst da dich ob ihrer Wege, wenn du beoba! fitest, wih sie eine steile Wand mit einer Last im Munle hinansteigt. Die Ameise nimmt nicht den gera den Weg, was für sie zu beschwerlich wäre, sondern s ie geht im Zickzack empor. Erstaunlich ist es ferner, ז ie sie die Spitzen dier eingesammelten Körner abbeisst,] damit sie nicht in dem ן Speicher keimen and treiben, Werden‘ die Körner daselbst feucht, trägt sie dieselh >n an die Luft zum-Trocknen, damit die Vorräthe nicht dumpfig werden und verderben.“ i