Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 24. (12.6.1878)
- Date
- 1878-06-12
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I F. Darwin ihm geliefert, anfahrt: ,So sind ja die wunder baren, verschiedenen Instincte, geistigen Kräfte und Affectionen der Ameisen allgemein bekannt, und doch sind ihre Kopfganglien nicht 80 gross als das Viertel eines kleinen Stecknadelkopfes. Von diesem letzteren Gesichtspunkt aus ist das Gehirn einer Ameise das ' wunderbarste Substanzatom in der Welt und vielleicht noch wunderbarer als das Gehirn des Menschen.“ (Abstammung des Menschen I. 126.) . . ״Mehrere Male brachte ich Ameisen derselben Species (Formia rufa) von einem Ameisenhügel zu einem anderen, der, wie es schien, von Zehntausenden von Ameisen bewohnt wurde, lind doch wurden die Fremden augenblicklich entdeckt und getödtet Ich that dann einige Ameisen, die ich aus einem sehr grossen Neste genommen hatte, in eine Flasche, welche stark tüit Assa foetida durchräuchert war, und nach Verlauf von vierundzwanzig Stunden brachte ich sie in ihre Heimath zurück. Anfangs drohten ihnen ihre Genossen; sie wurden aber bald erkannt und frei gehen gelassen. Es erkennt daher jede Ameise sicher, unabhängig vom Geruch, ihren Genossen; Und wenn alle Ameisen einer und derselben Gesellschaft nicht ,irgend ein Zeichen oder Passwort haben, so müssen sie untereinander einen ihren Sinnen irgend unterscheidbaren Character darbieten.“ (Das Variireo der Thiere II. 333.) — Pierre Huber, eine Autorität ersten Ranges auf diesem Gebiete, trennte mehrere Ameisen von einander, und als sie nach einem Zwischenraum von vier Monaten andere antrafen, welche zu demselben Haufen gehört hatten, erkannten sie sich gegenseitig und liebkosten einander mit ihren Antennen. Wären es Fremde gewesen, so würden sie miteinander gekämpft haben. Wenn ferner zwei Ameisenhäufen miteinander in Kampf gerat hen, so greifen die Ameisen einer und derselben Seite in der allgemeinen Verwirrung zuweilen einander an, bemerken aber bald den Irrthum, und die eine Ameise begütigt die andere, (P. Huber, Recherches zur les moeurs des Fourmis 1810, p.^löO. 165.) Was also emsige scharfblickende neuere Forscher, besonders aber Huber und Latreille (Hist. nat. des fourmis) zum Gegenstände' minutiösester Untersuchung wählten und eingehend beschrieben, haben sich auch die alten Hebräer nicht entgehen lassen: Das Leben und Wesen der Ameise. ״Geh zur Ameise, Fauler, heisst es Spr. 6, 6:—8, ״betrachte ihre Wege und werde klug. Sie, die keinen Führer, Vogt und Gebieter hat, bereitet im Sommer ihre Nahrung,, sammelt zur Erntezeit ihre Speise.“ Spr 30,25 zählt die Ameisen unter den vier Kleinsten der Erde auf, die überaus klug sind. »Die Ameisen, ein Völkchen gar nicht stark, bereiten doch im Sommer ihr Brod.“ Um diese Stellen hat die Agada ihre Krystalle angesetzt: ״Warum stellte Salomo die Ameise als Vorbild klugen Fleisses für den Faulen hin? Weil man Folgendes an ihr beobachtet: Die Ameise baut ihr Gehä nse in 3 Stockwerken. Die gesammelten Vorräthe bringt sie nicht unter im Obern wegen des Regens, noch_.jp dem untern wegen des feuohten Schmutzes, sie verwahrt die Vorräthe blos in dem mittlern Stockwerke. Sie sammelt alles ein, was sie findet, besonders Weizen, Gerste, Linsen. Einmal fand man in einem Ameisenbau dreihundert Kor Getreide, welches sie für den Winter aufgespeichert. Die Ameise achtet das Eigenthum der Genossen und hält sich vom Raube lerne. Darum wird sie (Erubin 100 b.) als das Muster der Redlichkeit bezeichnet.‘'• Es wird nämlich erzählt: ״Eine Ameise liess ein Weizenkörnchen fallen; da kamen viele Ameisen und rochen daran und Hessen es liegen bis die Eigenthümerin kam und es aufnahm.“ (Rabba 5. B. M. Kap. 5.) ״Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes“ (Psalm 36, 7) lautete darum der Segensspruch beim Anblicke der Ameise. (Chulin 63a.) (Forts, folgt.)*) Einige talmudische Termini, ■ kritisch beleuchtet von Dr. J. S. Bloch in Bräx. 11. * Die Mischna selbst, wenn man ihre äussern und innern Eigenthümlichkeiten kritisch würdigt, macht nicht den Eindruck eines schriftlich ausgearbeiteten Codex. Von einem solchen erwartet man vor Allem Ordnung und Systematik — sie jedoch in die Mischnah hineinzubringen, wollte selbst der Gelehrsamkeit Frankel’s erwiesenermassen nicht gelingen. Nach welchem Princip sind denn die Traktate nach- und untereinander geordnet? Nach gar keinem! Der Theil, welcher dem Ehegesetz gewidmet ist, beginnt z. B. mit dem Traktat über — Chaliza und Jebamah. Gittin steht vor Kidduschin, ebenso Sotahü Kethuboth dagegen ist mit Jebamoth verbunden! Wer hier ein Princip finden will, muss es allenfalls in der Tasche mitbringea. Geiger wollte es entdeckt haben (Ker. Ch. II) und der anspruchslose Luzzatto brach darüber in Jubel aus, dass das Geheimniss endlich offenbar geworden (היתד, לי לששון ולשמחה) — das Geheimniss der Fülle oder das Princip der Dicke —, ich weiss nicht, wie es richtiger zu bezeichnen ist. Geiger weist nicht ungeschickt nach, dass die dicken und reichhaltigeren Traktäte immer vdranstehen. Das im Ernste ein Princip, eine Ordnung, ein System zu nennen, danach ein Gesetzescodex redigirt wird, wird sich der gesunde Menschenverstand nicht leicht entschliessen. In der That berichtet aber Seherin* in seinem bekannten Briete: כד תרצה רבי למשנתינר״לא סדרנהו למסכתא חדא בתר חברתה אלא כל חרא תניי תני באפי נפשי ומאן דניחא ליה לאקדומי מקדים לה• Daher auch der Grundsatz: כתרי מסכתות איו סדר למשנה. Muss sich da nicht anderseits unwillkürlich die Frage aufdrängen, woher das kommt, dass Juda hanassi auf die Ordnung und Aufeinanderfolge der Traktate sogar kein Bedacht genommen und sie dem Belieben der einzelnen Schüler überliess? Einzig und allein daher, weil sich ein in seinen Dimensionen unab• sehbarer Stoff im Geiste unmöglich ordnen lässt. Ein von Rabbi geschriebener Mischnacodex wäre gewiss nicht so aller Ordnung und Systematik baar. Nicht besser aber ist es bestellt mit der innern Ordnung in den Traktaten selbst, auf welche, weil sie vom Redactor. selbst herrührt, die Amoräer bedeutsames Gewicht legten und halachische Consequenzen davon, abhängig machten. Wir begegnen gar oft Halacha s in Kidduschin, die blos in Sebachim und Menachoth oder auch im Theile Nesikin einen Platz hätten finden sol- *) Berichtigungen. In vor. No. Seite I Zeile 1 Jener 8t. J*-‘11eo, Z. 8 V. u. בתו -81 בתר > s. 1 Sp. 2 Z. 18 V. o. aflicirten 8t. affic* tirten; Z. 19 gingen 8t. ging; S. 2 Sp. 2 Z. 2 v. o. Morphologie 8t. Mythologie. ,