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Das jüdische Literaturblatt · 1878-05-22 · No. 21. (22.5.1878) · p. Seite 83

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 21. (22.5.1878)
Date
1878-05-22
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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— 83 — weiter. Er bestreitet überhaupt jeden persischen Einflu68 auf die Entwickelung der jiid. Engel- und Dämonenlehre, sowohl in der sopherischen wie in der talmudischen Zeit. Hierin müssen wir dem Vetf. noch entschiedener entgegentreten. Der Verf. behauptet, das6 ״innerhalb des Judenthums Elemente genug vorhanden waren, 11m daraus Schedim und böse Geister au schaffen, und hatte man nicht nöthig, diese dem Paijsiämus zu entlehnen“ (S. 256). Nun, dass in dem voteidlisehen Schriftthum Vorstellungen von guten und bösen Geistern vorhanden sind, wird Niemand leugnen, und Jstjnamentlieh von Herzfeld (Geschichte des Volkes ijsräel II. S. 275 ff.) gebührend hervorgehoben worden; ohae solche einheimische verwandte Anklänge hätte auch ,das Magierthum keinen Einfluss auf das Judenthuir gewinnen können. Allein wenn man die vorexilischen Engel und bösen Geister — die im Grunde genommen nichts wei* ter sind als zeitweilige Boten Gottes — noch! so persönlich nehmen, und wenn man auch die allgemeinen Ausdrücke wie יצר הרע ׳רוח רעה U. ä. mit dfem Verf. hypostasiren wollte, so kann man doch auch daraus die scharf ausgeprägten himmlischen und höllischen Charaktergestalten, wie sie in der nachexilLichen Literatur und namentlich im Talmud uns entgegentreten, 6ich ohne fremden Einfluss entwickelt denken. Der Verf. hat ja Recht, wenn er sagt dass der Gleichklang der Namen wenig oder gar nichts beweist, und wenn der behauptete Parsismus auf das Jodenthum keine stärkern Stützen hätte, so würde er ia der That auf schwachen Füssen stehen Allein, wein■ wir die Geisterlehre im Judenthume gerade zu jene Zeit einen rapiden Aufschwung nehmen sehen, in welcher es in die magische Umgebung tritt, wenn ferner!gleichzeitig sachliche und etymologische UebereinstiinmiuBgen sich nachweisen lassen — wir erinnern hier nur än amescha- Cpenta (D0n connivens sanctus) עיר וקדיש Dan. 4, 20 vgl. Herzfeld a. a. O. S. 343 u. Kohut a. j a O. S. 6. soilch in die 2« gemeinder Hand el- und Däeich ausge- — so kann die wissenschaftliche Kritik ein Augen fallendes mehrfaches Zusammentrefl sarner Merkmale schlechterdings nicht von weisen Beachtenswerth ist ferder, dass die Eng monenlehre im babylonischen Talmud ungl bifdeter und crasser auftritt als im jerusalemischen, wie Rappoport a. a. O. s. v. אשמדאי nachgevdesen hat; vgl. auch החלוץ VII S. 17. Wir sehen al lieh die Scheditnlehre dort am üppigsten wuchern, wo der persische Einfluss sich ganz unmittelppr geltend machen, während sie dort nur vereinzelte, Weniger giftige Pflanzen treibt, wohin das Magierthum: nur vermittelt und verdünnt dringen konnte. Wenn der Verf. behauptet, dass sich der Talmud gegen ״derartige fremde Anschauungen“ abwehrend verhalten und sich auf Sabb. 75a beruft, wo es verboten wird, ״irgend Etwas von einem Magier zu lernen“, so zeigt eine nähere Prüfung der ang. Stelle, 1dass jenem Verbote, das nur von einem einzigen T ilmudlehrer ausgegangen ist, eine Auffassung zu GrunqtJ liegt, die von andern Lehrern nicht getheilt wird..1 Rab sagt nämlich: ״Wer ein Wort von einem Magier lernt, ist des Todes schuldig“, weil nach seiner Ansjäht die Magier Götzendiener sind. Sauiuel hingegen hält die* Magier blos für Zauberer, und von diesept Gesichtspunkte aus betrachtet darf man allerdings(, theoretisch von ihnen lernen, weil man sich auf die Deutung der Worte (Deut. 18, 9) stützen kann: לא תלמד לעשות אבל אתה למד להבין ולהורות") lSifri z: st•)• Und 1n der *) Dass Samuel selbst diesen Satz dem Rab entgegengebalten, wie dies Kohut a. a. 0. S. 15 Anm. 40 darstcllt, haben wir nicht gefunden. Aus der dortigen Discussion geht blos in|direct hervor, dass nach Sam., der die Magier als Zauberer betrachtet, das Ler- 1 That wird die Hinneigung mancher Mischna- und Tal- I mudlehrer zu allerlei Bescf wörungsformeln und Zaubermittein mit Hinweis auf di« sen Ausspruch gerechtfertigt. (Vgl. Synh. 68a, Ab. Z. lfa u. a. St.) Uebrigens hat Gr ätz der in der Vergleichung der Zendreligion mit jüdischer Anschauungen höchst vorsichtig zu Werke geht und das zu weit gehende Analogisiren abweist, inseine: Geschichte (Bd. II, Note 14) alle diejenigen Berührungspunkte zusammengestellt, die sich als historisch festhält 3n lassen. Zur Unterstützung seiner Theorie stellt der Verf. ferner den Satz auf: ״Wälirend der Nachweis des parsischen Ursprungs der Engel- und Dämonennamen nur ein vereinzelter und dabei höchst erzwungener ist, ergibt sich bei den meisten derselben der hebräische Ursprung auf den ersten Bliik‘‘ (S. 272) Nun selbst unter den bekanntesten Eng 1צ- und Dämonennamen gibt es eine Anzahl, deren hebräischer Ursprung auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist, und die den unzweifelhaft hebr. Namen beinahe die Waage halten. Von den Ersteren wollen vir hier nur nennen: מיטטרון יסנדלפון, ארדייא, זגוג אל׳ שמחזאי׳ אשמדאי׳ אגרת ohne der zahlreichen zweifelhaften tarnen zu gedenken,, die von J Kohut a. a. 0. S. 89 ff. und Schorr a. a. O. S. 16 ff. zusammengestellt werden Herr Dr. Gr. wird selbst zugeben mifssen, dass w >hl alle diese Namen frem-' den Ursprungs sind. Wenn nun nach seiner Theorie die jüd. Enigel- und Däir onenlehre ״autochthon“ sein soll, wie lässt es sich erklären, dass man für die eiaheimischen Vorstellungen fremde Namen entlehnte? Hat der jüd. Volksgeist flr die aus sich selbst heraus geschaffenen Vorstellunge i nicht auch in selbstständiger Weise Namen schaffen kt innen? Hingegen bieten für die Annahme eines persischen Einflusses die hebr. Namen eines Theiles der Engel und Dämonen keine Schwierigkeit, eben 80 wenig wie die in mancher Beziehung von den pers. Wesensbestimmungen abweichenden Attribute, die man denselben beigelegt hat. Die Juden, stets bereit, das Fremde in sich aufzunehmen, haben es doch niemals gedankenlos copirt, sondern suchten demselben immer ein möglichst jüd. Gepräge aufzudrückt a. Was insbesondere di צ Engelnamen betrifft, so ist das Zeugniss eines talm. Lehrers, nach welchem dieselben in Babylonien gebilcet wurden (Jerusch. Rosch ha- Schana p. 56d) keineswe js gering anzuschlagen. Wie Herr - Dr. G. dieses Zeugi!iss entkräften will, weil - ״in der Originalstelle zunächst nur von den Monaten die Rede ist“ (S. 257) ist ms unverständlich. Thatsache ist, dass R. Chanina behiupt^t: שמות חדשים עלו בידס מבבל ünd R. Simon b. jäkisch ergänzend hinzufügt,- אף שמוח המלאכים עלו בירן מבבל vg1• auch Genesis B. c. 48. Der Verf. hat also blos Formstechers (p. 24) falsches Citat widerlegt. .! In formeller Beziehung ist es uns aufgefallen, dass der Verf. Handschriften aus der Münchener Hof- und Staatsbibliothek citirt, die bereits — wie dem Verf. nicht unbekannt sein kann --im Druoke erschienen sind, ' wie?גנת אגו, Thron und Circus des Königs Salomo, edirt von Perles, wieder abge!ruckt in Jellineks Beth-ha-Midrasch V eine Raschihaiidschrift, die von Berliner, be- 'nützt worden, Aboth d. ü.. Nathan ed. von S. Taussig. .Es ist doch wohl zweckent: prechender, allgemein zugängliehe Druckwerke zu ci iren, als ohne besondere wissenschaftliche Veranlassung auf Handschriften zurückzugreifen, die in den Bi diotheken verschlossen sind. Ueberhaupt hat der Verf, der eine staunenswerthe Belesenheit entwickelt 1 od aus den entlegensten Gebieten gelehrtes Material h 3ranzieht, das sich in einem Nienen von ihnen erlaubt sei: דאי ס״ד חרשי הכתיב לא תלמין לעשות וכד• י!.

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