Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 21. (22.5.1878)
- Date
- 1878-05-22
- Page
- Seite 84 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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derschlage ▼oo Ci taten manifestirt, gerade die naheliegenden Resultate der jüd. Forschung zuweilen anberttcksichtigt gelassen. So sind die Bemerkungen des Verf. über תקופה, Ober das, Sägen der Sonne und über die Mondscheibe 8ahur*K1־;TD (S. 286—88) schon von Perles in den etymol. Studien (S. 73 u. 74) gemacht worden. — Dass ערסא דגדא identisch sei mit lectisternium (S. 251) und אורשיוא mit Eoroscho (S. 300) ist bereits in Frankels *Monatsschrift (Jg. X, S. 380 u. J. V)1I S. * 394) bemerkt Ueber Marcellus Burdigalensis (S. 329) hat Perles Ausführliches in den etymol. Studien (76—79) mitgetheilt, über Anahita (S 228) in der rabbin. Sprach- und Sagenkunde (8—9), wo nachgewiesen wird, dass der Name dieser pers. Göttin als Tp} auch im Talmud vorkommt. Zum Schlüsse wollen wir noch eine etymol. Erklftrung hervorheben, die von allgemeinerem Interesse sein dürfte Der Verf. will nämlich Berches (כרכות) von tfem altgermanischen Perchta ableiten: .,,Berches ist ohne Zweifel eine Abkürzung aus Berchesbrod oder Perchisbrod“ (8. 348). Wir glauben jedoch, dass hier der Verf. mit grösserem Rechte als bei der Engel- und Dämonenlehre dafür hätte eintreten können, dass Berches in jeder Beziehung ״autochthon“ sei. Wenn wir indes« auch den Verf. in manchen Einzelheiten bekämpfen zu müssen glaubten, so sind wir doch weit davon entfernt, den Werth der Arbeit zu unterschätzen. Schon die charakteristischen Auszüge, die wir im Eingänge unserer Besprechung gegeben haben, zeigen die seltene Darstellungsgabe des Verf, der auch den sprödesten Stoff interessant und fesselnd zu machen versteht Neben dem geistvollen Schriftsteller gebührt die verdiente Anerkennung auch dem achtunggebietenden Gelehrten, der sich — wie selten Einer — in der einschlägigen Literatur bewandert zeigt und in seiner Arbeit eine Fülle gelehrten Materials anfgespeichert hat, für das ihm der Specialforscher stets dankbar sein wird. Dr. B. Z . Töttermann, Aug., R. Eiiezer ben Hyrcanos 8ive de vi qua' doctrina Chrisdana primis seculis illustrissimos qaosdam Judaoornm attraxit*) Lipsiae, Ludov. Peuckert 1877. (39 S. Frapz Delitzsch gewidmet.) , Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat das Jahr 1250 in der Geschichte der jüdischen Literatur gewonnen. Raymund v. Penaforte, der dritte Ordensgeneral der Dominikaner, befahl auf dem damals zu Toledo abgehaltenen Capitel, Schulen zu errichten, in welchen die Ordensbrüder Arabisch und Hebräisch studiren sollten, damit sie bei ihren Bekehrungsversuchen auf die heiligen Schriften beider Religionen und deren Ausleger sich stützen könnten. Den Juden gegenüber sollten sie fortan in den Stand gesetzt werden, die Er- Tdärungen der Weisen mit denen der Kirchenheiligen in Einklang zu bringen. Die erste reife Frucht dieser Schulen zeigt sich in Raymundus Martin, dem Verfasser des pugio fidei (1278), den Altamura (biblioth. Dominicana S. 451) dem Albertus Magnus, und Thomas v. Aquino gleichstellt. Die Kirche ward dadurch in ihrem Bekehrungseifer unabhängiger von den getauften Juden. Das Lernen und Erkunden des jüdischen Wissensschatzes ward eifrig betrieben und, obschon es zu vorbestimmtem Zwecke geschah, hat es doch hie und da die Wissen- Schaft gefördert. Freilich ist’s ein weiter. Weg von der tendenziösen und in ihren Zielen unfreien Forschung bis hin zur wahren Wissenschaft, der nur das Streben nach Erkenntniss und Wahrheit das Ziel setzet. Ja, es ist zu bezweifeln, ob je der Uebergang von der Einen zur Andern vollständig kann ermöglicht werden. Doch wenigstens die Folge hat jenes Streben gehabt, dass das jüdische Wissen in Kreisen Bürgerrecht, erhielt, die es sonst der Verachtung und dem Vergessen preisgegeben hätten. Wohl war es ihnen nur werth als ein Arsenal, aus dem sie Angriffs- und Schutzwaffen gleicherweise holten und schmiedeten. Aber solch kampflustiger Gemeinschaft gilt das Arsenal höher, als der Sitz der Musen. Und, so erfasste sie am Ende gar Liebe zur Sache. Die schlimmsten Judenfeinde wurden die wärmsten Verehrer der jüdischen Wissenschaft. Einen wahrhaft grotesken Anblick gewähren die Mönche und Prälaten, da in agadischer oder pilpulistiseher Manier sie Bibelverse und Talndudsätze drehen und wenden und deuteln zu ihren Zwecken. Nichts Neues unter der Sonne. Was gewesen, es kommt wieder. Von denselben Beweggründen geleitet hat in unserer Zeit die fromme Delitzsch’sehe Schule die jüdische Wissenschaft gepflegt Verherrlichung des Christenthums, Gewinnen neuer Stützen für dasselbe ist das vorgezeichnete Ziel. Alle Mängel eines solchen zweck- und zielvollen Forschens treten in der Eingangs genannten Schrift hervor, ianeben freilich auch die wenigen, erfreulichen Resultate. Die Letzteren sind das Betreten dorniger, wildverschlungener Pfade, das Versenken nicht allein in das fremdartige Wort, sondern auch in den noch fremder anmuthenden Geist des Talmud — und die daraus folgende, wenn auch widerwillig und nur zögernd ausgesprochene Abweichung (die Linke nimmt, was die Rechte gibt) von der kanonischen Verdammung, das Anerkennen Einzelner oder Vieler, die doch immer zu jenen vielgeschmäheten Pharisäern gehören. Nicht volles Licht, wohl aber Morgengrauen hahen wir von dieser Art der Forschung zu erwarten. Herr Töttermann will R. Elieser ben Hyrcanos als einen Anhänger des Christenthums, oder wenigstens als an die Messianität Christi Glaubenden erweisen. Nicht ungeschickt verbindet er •die gegen den Tanaiten wegen מינות erhobene Anklage mit dem Banne, den seine Collegen über ihn verhängt haben, und bemüht sich, in einzelnen dunkeln Äeusserungen seines Helden (oder Opfers) einen christologischen Sinn hineinzuinterpretiren. Was uns von vornhinein gegen diese Ansicht stimmt, ist, dass sie eben nur heraus- oder hineingedeutet wird, während die talmudische Ueberlieferung sich durchweg abwehrend gegen sie verhält, dieselbe Ueberlieferung, welche ohne Bedenken den Abfall des nicht minder bedeutenden Elischa ben Abuja (Acher) zugiebt und schildert. Doch gehen wir in’s Einzelne ein. (Fortsetzung folgt.) BriefkMten der Hedaetlsn. Dr. R. in 8. Abdruck der Recension über Lewy’s: Einige Fragmente aus der Mischna u. s. w. beginnt in nächster Nr. Dr. R. in R. Termini talmudici — desgleichen. Dr. K. in Den avisirten Art. aus B. nicht erhalten; bezüglich des Harpe etc. in einer der nächsten Nm. JH. 11. in I. Demnächst brieflich Ausführliches; der Art. kommt jedenfalls, die Verzögerung veranlasst nur die — Umarbeitung (gilt auch für K. in Wü) ■> Das zweite Heft des Predigt-Magazins Jahrg. 4 8011 noch vor dem Wochenfeste ausgegeben werden. W. Greseilius, Ilebr. - chaldfiisches Handwörterbuch über das alte Testament. 8. Auflage, zweite Hälfte. 7 M. 50. _.*) »Ueber die Macht, mit welcher die chriatJL Lehre in den ersten J^hrhnnderten_Einige_der_berühmtc8ten Jaden angezogen hat“ . 1 Leipzig. F. C. W. Vogel. __ Verantwortlicher Redactear'Dr. Rahmer in Magdeburg. Druck von C. Scharnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig?