Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 20. (15.5.1878)
- Date
- 1878-05-15
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
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79 r '-**י־ . -הד; . a• / י ־צל wer war אפוסטמום הרשע? Unter den 5 traurigen Ereignissen, welche laut der Tradition in der Mi sch na (Tr. Taunith IV, 6) in verschiedenen Zeiten aber immer am 17. Tammus vorgefallen sind, wird "mitgetheilt, dass ein gewisser Bösewicht, Namens Apostomos, an jenem Tagei, die hei)■ lige Thora verbrannt und ein Götzenbild in der Tempelhalle aufgestellt habe. Nach einer Ansicht im palästinensischen Talmud (ds.) werden diese 2 Unthaten zweierlei Personen zugeschrieben; so, dass Apostomos zur Zeit des zweiten Tempels während der syrisch griechischen Herrschaft die h. Thora — entweder in Lydda, oder in Tarlusa — verbrannt, und der abtrüjnnige jttdische König Menascheh zur Zeit des ersten! Tempels ein Götzenbild im Heiligthum aufgestellt habe.*) (II. K. 21, 7 u. II. Chr. 33, 7.) Wer war nun dieser Bösewicht Apostomos? Weder in dem ältesten jüdischen Geschichtswerke des Josephus, noch in der grossen Welthistorie, die im vorigen Jahrhundert in 72 starken Quartbändejn erschienen ist, findet sich eine Spur von diesem Namen! Es ist darum zu vermuthen, dass darin durch irgend eine Buchstabenverwechselung der betreffende Beinamen unkenntlich wurde. Es 6011 vielleicht heissen Apostatos (אפוסטטום), da im Hebräischen die Form des ט leicht mit der Form des מ vertauscht werden k inn; und was die Endung us statt der sonst üblichen Endung a [Apostata, griech. ’«»״;ןזד-»דגAbtrünniger“ oder ״Fremd* artiger*} betrifft, so ist sie im Talmud und Midrasch ja die gewöhnliche. Da nun das geschichtstreue erste Buch der Makkabäer (VII, 5 u. 23) und nach demselben Josaphus XII, 16 u. 17) berichten, dass der von dem syrisch-griechischen König Demetrius den Juden als Hohepriester aufgedrungene A 1 k i ui o s [hebr. אליקים , w׳ie יויקים, weshalb Josephus ihn nur Jakimos nennt] alles Böse gegen das Judenthum ״mehr als die Heiden “ verübt hatte: so dürfte die Annahme wohl berechtigt sein, dass auch er es war, welcher die heilige Thora verbrannte, weil er eben fremde heidnische Sitten in Juda einführeD wollte; und daäs ferner er es!war, weleher ein griechisches Götzenbild im Tempel aufstellte! War er es ja auch, welcher im vierten Jahre seines Hohenpriesteramts sogar die von den letzten Propheten nach dem Aufbau des zweiten Tempels im inneren Vorhof aufgeführte Scheidemauer zwischen heidnischen und jüdischen Tempelbesuchern nieäerreissen wollte; wobei er aber durch göttliche Fügjung vom 8chlage gelähmt wurde und bald darauf stafb! (s. I. Makk. X, 54—56 u Josephus ds.)**) *) £8 müsste dann in der Misehna והועמד st• והעמיד צלם בהיכל heissen, da sich diese Tkat nicht mehr auf Apostomos bezieht. — Nur nach obiger Ansicht liesse sich einigermassen die Ueinung in Dr. Hamburger's Encyclopädie des Talmud, wonach dieser Apostumus römischer Staithalter in Palästina im 2. Jahrhundert d. j. Zr. unter Kaiser Hadrian gewesen sei, rechtfertigen. Allein wir finden nirgends einen römischen Statthalter gleichen Namens und war vielmehr unter Kaiser Hadrian, der unter dem Namen טורנום רו0ום bekannte (Ty ran nus) Anius Rufus Statthalter in Palästina. *״) Dass Alkimos, wie neuere jüdische Geschichtsschreiber annebmen, derselbe gewesen sei, welcher im Midrasch (Rabba und Jalkut zu I. M. 27, 27 u. Schocher-tob z. Ps. tl)• als Schwester- Sohn des alten und frommen Schriftgelehrten Jose bei] Joeser aus Zereda, וחסיד MiaÜhna Chagiga II, 7 neben einem gleichfalls das Religionsgesetz übertretenden Joseph aus Schitta [שני אנשים עברינים (Commentar z. M. rabba), wie es damals mehrere gab] erwähnt wird, ist darum — abgesehen davon, dass jener im Midrasch Jo-jakim aus Zeruroth genannt wird — um so unwahr- »cheinlicher, als daselbst Jose's Schwestersohn, auf die Zurecht- Weisung von Seiten Beines Onkels, in reumüthiger Busse sich entleibt habe, während der Hohepriester Alkimos von Jerusalem im Vereine mit dem griechischen Feldherrn Bacchides nach den obengenannten ältesten Geschichtswerken L Makk. VI), 12 16) — ־ '.4,-־ äm Wegen dieser hei schändlichen Thaten wurd< unsem, damals auch lehrten Apostatos (ם|וםטטום; gerade wie später der mende und dem Unglai Abuja den hebr. Beinamen und abtrünnig Geworden!;! Sollte indess irgend richtigern Aufschluss Ubejr i. d. Bl. ertheilen, so entgegennehmen. Litera f - nischen Gesinnungen and e wahrscheinlich Alkimos von!bisch sprechenden Schriftge- >״, (אder Abtrünnige“ genannt, sichfalls־ fremde Sitten annehben huldigende Elischa ben 1 ״] אחרdem Judenthum fremd;r“] erhalten hatte! Jemand einen geschichtlich Afrostamos den Bösewicht“ würde' dies mit Ergebenheit' Dr. Hochstädter, Bhzirksrabbiner zu Bad Ems. Polnische Juden. ur bericht. Geschichten und Bilder von Leo Herzberg-I ränkel. Zweite vermehrte Auflage. Stuttgart. Ver ag von Carl Grüninger, 1878. Dieser recht umfangreiche und schön ausgestattete Band schildert uns in 14j mehr oder weniger aasführliehen Erzählungen Scenen aus dem Volks- und Familienleben unserer polnischen Glaubensgenossen. Da es dem Herrn Vert. augenscheinlich darum zu thun ist, nicht blos zu unterhalten! sondern — und vorzugsweise — die Aufmerksamkeit der betreffenden Kreise and der Menschenfreunde überhaupt auf diese durch regiminelle Misswirtschaft arg darnic derliegenden Zustände zu riehten, so ist es selbstverstän llich, dass er seinen Stoff mehr aus den unteren als ober an Gesellschaftsschichten zieht, und dass alle Skizzen mehr ernst als heiter stimmen. Fast sämmtliche haben ein stark culturhistorisches Colorit, wie denn unseres Erachtens auf dieser Seite der eigentliche und hauptsächlichste Werth der Erzählungen liegt. Sie werfen in nackter, ungeschminkter Weise grelle Schlaglichter auf diese armseligen, in ärgster geistiger und socialer Knechtschaft lebenden Menschen, die unter der Rohheit und Willkür ungezügelter and ungeschlachter adeliger Wollüstlinge ein wahrhaft bejammernswerthes Dulder eben durchmachen. Es sind Enthüllungen zum Theil, die den Fernerwohnenden in fast unglaubliches Erstauien setzen, das Mitgefühl und die sittliche Entrüstung j;des Menschenfreundes wachrufen und in jedem Fall die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Diesem Umstand!! verdanken sie es denn auch wohl, dass, wie der Herr Verf. in der Vorrede bemerkt, die polnischen Journale t.ber sein Buch in Feuer und Flammen geriethen, in Warschau dasselbe confiscirt wurde und in der spätei in Petersburg erschienenen russischen Uebersetzang ein Theil ausgemerzt werden musste, der den Russen nicht behagte. Dem Culturhistoriker wird das Buch daher ohne allen Zweifel eine gern entgegengenommen( Gabe sein. Was den belletristisc tien und künstlerischen Werth anlangt, so muss bei seiner Beurtheilung in Betracht gezogen werden, dass de! Herr Verf. muthmasslich ein gut Theil jenes Druckes s elbst durchlebt hat, und wenn dies auch der Frische < es Colorits durchweg zugute kommt, so hat es auf seinen Styl doch auch einen ge-' wissen Einfluss geübt. Ma 1 gewahrt hier und da ein Ringen nach dem rechten Ausdruck, ein Häufen und unüöthiges Ausdehnen von Bilder!. Bei einer dem Buche nur zu wünschenden neuen Auf age dürfte diesem Punkte eine ganz besondere Aufmerk!amkeit zu widmen sein. Hier würde es sich auch empfehlen, sowohl der modernen jtti dischen wie der christliche n Leser wegen eine grosse An-[ zahl von Local- und Jargo a-Ausdrücken auszumerzen. —j die Schriftgelehrten und selbst die Chassidäer, darunter wahrscheinlich auch den frommen Jose ben Joeser (s. d. B. Juch&sin 8. vj, nmbringen liess und 1 יis zu seinem plötzlichen Tode eia Bösewicht (רשע) blieb 1