Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 20. (15.5.1878)
- Date
- 1878-05-15
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 Die Skizzen sind selbstverständlich nicht alle von gleiehern Werth. Sehr vorteilhaft unterscheiden sie sich von manchen ähnlichen des Emil Franzos dadurch, dass sie allesammt eine wohlthuende Liehe zum Judenthum athmen, dass ihr Verf. nicht blind gegen die Fehler und Schwächen seiner Stammesgenossen ist, wie ein Freund auf dieselben belehrend hinweist, aber nicht die ätzende Lauge des Spottes darüber giesst.*) Etwas verfehlt in Tendenz und Zeichnung ist unseres Erachtens die Schlusserzählung: ״Die Mischehe“, doch ge-stattet uns der Rahmen dieses Blattes nicht, dies näher nachzuweisen. — Wir können das Buch in seiner vermehrten Auflage Allen, denen es um Eenntniss und Hebung jener Zustände zu thun ist, als gute Unterhaltungslectüre wohl empfehlen. Die äussere Ausstattung ist eine vorzügliche. Magdeburg. Max Weinberg. ' ihrer geistig sittlichen Anlagen geben und zwar Allen nicht nur den Armen, auch den Wohlhabenden, denn auf dem Gebiete geistiger Arbeit ist der Gebende so reich und so arm wie ier Empfangende, hier sind Alle gleich bedürftig.“ Ausser der segensreichen Thätigkeit der Frau innerhalb der Familie soll ihre Wirksamkeit auch der Gemeinde zugewendet werden. Das Volks- Schulwesen, die Mädchenerziehung und Bildung, das Armenwesen, die Hospitäler und andere Erwerbszweige — sollen Stätten ihrer Thätigkeit werden. ״Unsere Frauenbildungs- und Erwerbsvereine mit ihren Schulen helfen, vorläufig die Entartung aufheben, die ein müssiges ״sich gehen lassen“ ohne höhere Strebungen und Ziele in unserm Geschlechte erzeugen“ — sind S. 14 ihre schönen Worte, mit denen wir hier unsere Besprechung schli essen. J• Goldsehmidt, Henriette, Die Frauenfrage innerhalb der modernen Culturentwickelung. Vortrag gehalten zur Eröffnung des Frauentages zu Hannover ׳ den 27. September 1877. Hannover, Kniep’sche Buchh. _ Vorliegender Vortrag ist auf dem Frauentage in Hannover mit gespannter Aufmerksamkeit gehört worden und verdient in den weitesten Kreisen gelesen und gekannt zu werden. Die Frauenfrage in allen ihren einzelnen Theilen, der zu erringenden socialen bessern Stellung des weiblichen Geschlechts, der möglichen Selbetaufhülfe in seiner bisherigen abhängigen Lage u. «. w. wird hier von der klar denkenden Verfasserin dem Leser so eindringlich vor die Seele geführt, dass wir uns von der Wichtigkeit des Gegenstandes gleichsam fortgerissen־fühlen und diesen Frauenkampf zu dem unsrigen gern machen, oder besser zu dessen siegreichen Durchführung gern das Unsrige beitragen wollen. Auch von jüdisch-religiösem Standpunkte aus können wir diese Bestrebungen nur mit Freuden begrüssen. Das biblische Alterthum kennt Frauen, die als Richterinnen, Prophetinnen, Sängerinnen, Dichterinnen etc. etc. einen thätigen und sehr regen Antheil an dem öffentlichen Leben nahmen, sodass die Thätigkeit des WeibeS sich weit hinaus Tiber den engen Kreis des. häuslichen Heerdes erstreckte. Wir freuen uns daher der Kämpfe der Gegenwart für die Besserstellung des weiblichen Geschlechts; weil wir in ihnen nur die wachsende Verwirklichung der bibtischen Ideen sehen. (Wir verweisen hier auf das, was Dr. Hamburger über die Stellung des weiblichen Geschlechts im biblischen Alterthume in der Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud Abtheilung I S. 1038 geschrieben.) Wie eine ״Debora“ zieht die Verfasserin aös zum Kampfe für die | Rechte des weiblichen Geschlechte. ״Unsere Gultur, hören wir sie S. 7 sprechen, hat dhrch die Aufhebung der geschlossenen Familienzusammengehörigkeit das Urrecht jedes Wesens, das Recht der Existenz, dem weiblichen Geschlecht eher gefährdet als gewährt“ Weiter heisst es: ״Die Fortschritte der Industrie, die Anwendung der Maschinen und der Dampfkraft hat die weibliche Arbeit״ die Handarbeit der Frau, überflüssig gemacht“ So tief einschneidend der Vortrag auch einerseits die wunden Flecken unserer Cultur aufzudecken sich nicht scheut, so vergisst er anderer seits nicht die Mittel zur Beseitigung dieser Uebel und zur Besser- Stellung des weiblichen Geschlechts anzugeben. Wahrhaft begeistemd'-klingen die Worte (S. 13): ״Wir wollen die gesunden Kräfte des Volkes in unsern Töchtern entwickeln, wir wollen ihnen Gelegenheit 2ur Entfaltung *) Die in den Nrn. 8—19 der ״Ist. Wochenschrift“ gebrachte Erzählung: ״Täuschungen“ wird den Lesern d. Bl. eine Bestätigung des Obengesagten sowie eine Probe von der anziehenden, j* oft packenden Art und Weise, wie der Vert zu erzählen versteht, abgegeben haben. (Red.) Mieses, Fabius, Glauben und Wissen, האמונה והתבונה. Ein Lehrgedicht! 1878. (Leipzig, beim Verf.) Kenntniss und Pflege der hebr. Sprache in Deutschland ist in einem rapiden Niedergang begriffen. Selbst halachische Materien werden heute lieber in. einem modernen Idiom behandelt, wir befreunden uns allmählich damit und finden das angemessener und würdiger, als dass man, wie wir in der letzten Zeit zu bemerken Gelegenheit hatten, das ״Hebräisch“ in einer Weise handhabt, dass die arme Sprache ob der barbarischen Misshandlung, die sie gewiss nicht verschuldete, wahrhaftes Mitleid erregte. Bei Manchem konnte man fast auf die Vermuthung gerathen, dass er blos deswegen das Hebräische zu seinem Gedankenausdruck gewählt, weil dessen Sprachgesetze ihm am wenigsten vertraut sind, so dass er, unbehindert durch den lästigen Zwang grammatischer Normen, die verderblichsten Purzelbäume wagen darf — ohne Schaden zu leiden, und jede missgestaltete, höckrige, bruchleidende Phrase in seinen Augen voller politischer Formvollendung prangt. Um so sympathischer sind un9 aHe Jene, welche der hebräischen Muse ihre Kraft und Zeit widmen, sie um ihrer selbst willen zu fördern streben. Das vorliegende hebr. Poem des Hrn. Mieses, in welchem die Religion und die matrialistische Naturwissenschaft sich gegenseitig die ״Meinung“ sagen (das letzte Wort behält selbstverständlich die Religion, allerdings nicht die, zelotiscbe, eifervolle, sondern die milde, versöhnende, die den Aberglauben ebenso streng abweist, wie den Unglauben) hat uns einen ungetheilten Genuss bereitet, wir bewunderten die stilistische Gewandtheit, die Kunst, für die modernen materialistischen Gedanken knappe, concise Ausdrücke zu schaffen, welche den Begriff vollständig decken. Von sprachlichen Nachlässigkeiten sind uns nur zwei auf gefallen. אבותינו הודו בעקר scheint uns nicht sehr poetisch, nicht einmal hebräisch'; auch die Phrase מעשה מרכבה נומר, so witzig die specielle Anwendung klingt, würden wir nicht passirt haben lassen. Doch das sind Kleinlichkeiten, wie wir zugestehen. Freunde hebr. Poesie werden dieses gedankenreiche Lehrgedicht mit hoher Freude lesen. Brüx, im Mai 1878. _ Dr. J. S. IH()cjb___ Der Redaction sind folgende Schriften zugegangen: Tiferet Jisrael. Schilderangen aus dein inneren Leben der Juden in Mähren in vormärzlichen Zeiten. Von Dr. K. H. Friedlaender, Rabbiner in Kanitz. (Verlag des Verfassers.) Die Poesie des Sabbath. Vortrag von F. Bausig in Berlin (Königgrätzerstr. 55J. מענה Erwideiung auf die Recension des Buches עיר צדק in der hebr. Zeitschrift Haschachar. 1878. Brody. B. Werbers Wittwe. Gesenius, hebr. chald. Handwörterbuch 8. Auflage, 2. Hälft«• Leipzig 1878 F. C. W. Vogel. Illustrirter israel. Volkskalender für 5639, Jacob W. Pascheles, Prag 1879. Israelitischer Kalender auf das Jahr 5638. Hamburg. _ C. Scharnke in BarbyTTerüig von Robert Friese in Leipzig•