Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 19. (8.5.1878)
- Date
- 1878-05-08
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Schule zu Lieben bei Prag statt, die, wie <is in dem vorliegenden Berichte heisst, den besonderen ijlifer ihres Lehrers und den Fleiss der Schüler bewies. Diese wie• sen ihre schönen Handschriften vor und erzürnten die Religionsgeschichte aus den fünf Büchern Moses mit einem solchen Nachdruck, dass der Landesprimator Popper nebst andern Wohlthätern von ihrer Nation jeden Schüler und den Lehrer reichlich belohnten, <Jie Armen aber beschenkten. Um die gleiche Ehre eiferi die übrigen jüdischen Landesschulen, besonders die! in Jungbunzlau, Kollin, Teplitz, Plan etc.“ Ich glaube noch folgende Sätze citiren zu sollen, die wol cum grano salis zu nehmen sind; aber sie zeigfen wie die Behörden die Dinge auffassten.;Diese waren gleichen Sinnes mit dem Kaiser Josef IL, dass die Juden moralisch versunken wären. Wohl geben wir zu, dass die Juden in Folge der Drangsale, die über sie hereinbrachen, an ihrer Moralität einbüsstjen. Heisst es doch in den Sprüchen Salomons: ״Man! verachtet den Dieb nicht, wenn er stiehlt, um sich den'hungrigen Magen zu füllen1‘, und von Gott selbst sagt der Psalmist: ״Mit den Krummen windest Du Dich“, aber so vereunken waren die Juden nicht, wie man sie ansah, und die Christen waren keine Tugendspiegel, indem ich jede weitere Erörterung unterlasse, führe ich c(ie Schluss- Sätze an: ״Die Aenderung, die man seit einem Jahre allenthalben, wo der normalmässige Unterricht in iie verbesserte Erziehung verbreitet worden, in deh jüdischen Gemeinden wabrnimmt, macht den Lehrern und dem Schulinstitute Ehre und verewigt den allerdurchlauchtigsten Stifter desselben. Die jüdischen Eltern, die ihre Kinder in der deutschen Schule sehr oft besuchen, hören mit ihren Kindern die nämlichen Sittenlehren, die Lehren der Wohlanständigkeit, der Reinlichkeit und Verträglichkeit Hätte man auch keine andern Beweise von dem ersten gethanen Schritte zur Verbesserung ihrer Sitten, so ist dieser ein unleugbarer, dass diese Nation die Gnade des Monarchen erkennt, di|e wohlthätigen Wissenschaften, die wir ihnen dienstfertig mittheilen, mit Dank annimmt und sie trefflich nützt. Viele Landesfürsten räumten den Juden theils au$ Menschenliebe, theils auch aus Staatsklugheit Freiheiten ein, was konnten aber die erlangten Freiheiten den Juden nützen, wenn man sie in dem vorigen moralischen Zustande liess? Dieses grosse und gottähnliche Werk ׳unternimmt und führt nun Josef von Grund aus. Sein] Wort, das er sprach, bessert sie und macht sie dem Staate nützlicher*) Die Welt hat, um die herrlichen Züge der Weisheit zu verewigen, den Monarchen jeder Zeit viele glänzende Denkmäler errichtet, sie weist denselben verschiedene, aber keines von dieser Grösse der Menschenliebe und Staatsklugheit auf.“ Schliesslich wollten wir noch bemerken, dass der ״Meassef־‘ im Oct. 1785 aus der ״Einladung“ vom Apr. 1785 den Bericht über die jüdischen Schule^ in Böhmen reproducirt. ,*In demselben wird hervorgehoben, dass in Prag eine jüdische Schule für Mädchen errichtet wurde, in welcher dieselben auch Handarbeiten erlernen, und wird über dieselbe viel Rühmliches erzählt. Notizen von Rabbiner Dr. Rothschild in Alzpy. .אפיקומן (1 Dieses Wort und die betreffende Mischnah Pes. 10,8: אץ מפטירין וכר bieten bekanntlich für Wott- und Sacherklärung von jeher Schwierigkeit. Die vorhandenen Erklärungen des Worts und der Mischna sind weder etymologisch und sprachlich gerechtfertigt, noch stimmen *1 Anm. üeber dieses Moment sprachen wir ausführlicher in unserem: ,Kaiser Josef II.“ S. 71 u. ff j sie sachlich überein. 'Dasjs tet von selbst ein Es ,creoxopu.a (von ,entoxoxTo) ab Stück“ zur Bezeichnung Schlüsse des סדר-Tisches Der Sinn der Mischnah is; Verzehrung des פסח den 'א ein Fremdwort ist, leuch• ist wohl das griechische x» eleitet) ״ein abgebrochenes■ der מצה פרוסה, welche am (אחר הפסח) verzehrt wird, demnach: ״Man erlässt nach Genuss der מ' פרוסה nicht.״ Denn diese ist eine sinnbildliche Hindeutung auf• die zukünftige Erlösung, wie auf die von Gott zu erhoffende Rettung aus etwa neuer Noth und Gefahr, wie die erste מצה eine sinnliche Erinnerung an die frühere Erlösung v und Rettung aus ägyptischem Leid und Druck ist, also auf die Vergangenheit hindeutet. Die übliche Aufbewahrung des אפיקימן während des ganzen Jahres ist demnach ein sinnbildliches Trostzeichen, ‘welches uns in Stunden der Gefahr zur Erweckung des Gottver* trauens stets nah und gegenwärtig sein soll. 2) Mordechai und Haman. In Betreff meiner Frklärung über die Weigerung Mordechai’s, vor Haman das Knie zu beugen in No. 15 der Wochenschrift (welcle irrthümlich dort statt in das -f; ״Literaturblatt• aufgenon men wurde Rd.) werde ich brief- ' lieh auf Esth. 3, 4 verwie sen, wo bedeutungsvoll darauf bingewiesen werde, dass M. ein Jude sei. Gewiss war diese Stelle den Commer tatoren Veranlassung, der Wei- ־ gerung M.'s ein jüdisch ■religiöses Motiv unterzulegen, wie sich dieses ausser den apokryphlschen Zusätzen auch schon in der targt mischen Paraphrase vorfindeh Aber würde es M., der Esther aufgibt, ihr Judenthun; zu verheimlichen, schwer geworden sein, um dem Befehle - ■ eines mächtigen Minister» zu gehorchen und der Lebens- A gefahr für sich und Aidere zu entgehen, diesen zu grüssen und dabei scheinbar und gezwungen nebenher vor einem Götzen bilde das Knie zu beugen? Wäre "־ י dies religionsgesetzlich vi srboten und nicht vielmehr auch nach den Grundsätzen traditioneller Orthodoxie zulässig gewesen? Nimmt man nun gar an, dass M. als hellenistischer Jude aus Rücl :sichten den Namen Gotte9 nicht V nennt, wird es da nicht vollständig unverständlich, dass er aus religiösen Rücksichten Haman gegenüber die Kniebeugung verweigert haben soll? Der Sinn der allegirten Stelle ist vielnehr folgender. Man war ge-1 spannt auf den Verlauf des Verhältnisses M.’s za Ha»;ל־, man, weil man erfahren, dass M. ein Jude sei, und . glaubte um so weniger, dass er seine Weigerung durch? setzen werde, als man bs Haman mitgetheilt hatte. Einem religionstreuen, de 1 Absichten des Königs wider-’ strebenden Juden gegeiüber würde auch ein Zweifel > ־ daran nicht aufgekomm :n sein, dass M. habe unterliegen müssen. Nur einem hellenistischen, regierungstreuen Juden gegenüber konn ten darüber Zweifel entstehen. ל■ wenn auch die Regieru ngsfreandlichkeit und die Gunst >»_•־ des Königs dem hellen siischen Juden die Möglichkeit i-A: des Sieges verlieh, so gehörte doch auch ein solcher dem unterdrückten unc verfolgten Volke der Juden an,-Sj wodurch Haman Aussicht auf den Sieg gewann. In'' Rücksicht hierauf sagt lie Erzählung: ־ { וינידו להמן לראות היעמדו * ♦ * כי. Auf d e Gunst, worin die Juden auch ־ schon vor dem Falle I amans bei dem Könige standen,' ■־ deutet auch Esther 6, 13 hin: » מזרע היהודים Die Verleugnung des . udenthums seitens Esther’8 kann demnach nur aus der i 1ellenistischen Parteirichtung .IC.'* ®״gl־ erklärt werden, wie auch dadurch nur die Cpuniven*^' zur Verheirathung mit Lern heidnischen Könige verstand•'; lieh wird. Hainan’s Anklage vor dem Könige muss £>3 demnach gegen die re igionstreuen Juden gerichtet ge- ’ wesen sein, und wohl nur für diese giebt der König dem Verlangen Hamai’s nach. Für die Hinrichtung des hellenistischen M. bedurfte Haman noch erst der speciellen Erlaubpiss des Königs.’ Rücksichtlich der re» gierungstreuen, heilen stischen Juden hegt der König