Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 19. (8.5.1878)
- Date
- 1878-05-08
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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her, was nachher11, so antworten wir mit göttlichem Beistände darauf, dass sie ein ehrlich ang es teilte« Nachdenken keinesfalls uns versagen wollten; hat. es doch unser SchOpfer bereits geboten, in Verbindung mit der wahrhaften Tradition1), wie es heisst: ״Ihr hättet es erkennen, hattet es vernehmen sollen, ist es euch nicht von Anbeginn verkündet worden? Habt ihr nicht.geforscht über die Grundpfeiler der Erde?“ (Je8. 40, 21.) Und Fromme sagten za einander: ״Das Richtige wollen i wir ans aaswählen, wollen unter einander zu erkennen «neben, was gut ist“ (Hiob 34, 4), und wie diese fünf Männer, nämlich Hob und seine Freunde hierüber ausführliche Reden führen. Hingegen wollten unsere Wei- ־ien nur verbieten, dass wir nicht etwa die prophetischen Bücher bei Seite setzen, um uns auf das Resultat zu verlassen, das sich jedem Einzelnen nach seiner eigenen Einsicht ergeben würde, wenn er die Anfänge der Zeit and des Raumes herauszubringen su2ht. Denn wer in dieser Richtung spekulirt, kann das Richtige, aber auch das Falsche finden, und indess, bis er das Richtige findet, ist er ohne Religion; findet er nun die Religion ond sucht sie festzuhalten, sollst er doch nicht sicher, dass er ihr nicht wieder entfremdet werde, durch irgend einen Zweifel, der vor ihm auftaucht und über den er «einen Glauben einbüssen kann. Hierin aber stimmen wir Alle überein, wer so verfährt, sündigt dadurch, dass er philosophirt. Wir aber, die Gemeinde'Israels, forsehen and philosophiren in ganz anderer Weisfe, was eben das ist, was ich mit göttlicher Hilfe darzulegen und zu erläutern gedenke. (Forts, folgt.) Die jüdischen Volksschulen in Böhmen im Jahre 1783. Von G. Wolf. Es liegt vor mir gedruckt in Folio 24 Seiten, eine Schrift betitelt: ״Einladung zur fünfzehnten öffentlichen Prüfung der 290 Schüler an der k. k. Normalschule in der königl. kleineren Residenzstadt Prag im Aprilmonat 1783* u. s. w. Diese Schrift hat ni,cht nur einen allgemein pädagogischen Werth; sie hat auch ein speeiell jüdisches Interesse. Für Leser, die nicht mit österreichisch-pädsgogischen Verhältnissen und deren Geschichte vertraut sind, erlaube ich mir einige Bemerkungen vorauszuschicken. Die erzkatholische Kaiserin Maria Theresia war die Begründerin der Volksschule in Oesterreich. Sie erklärte dieselbe für ״ein politieüm*, d. h. dass sie nicht eine Domaine der Kirche sei, sondern eine staatliche Institution. Wie ich in einem Artikel: ״In memoriam“ (״Wiener Presse“ 6. März 1870) nachwies, genehmigte sie sogar im Jahre 1776 im Küstenlande confessionslose Volksschulen und zwar rescribirte sie eigenhändig: ״placet alles was vorgeschlagen wird weillen mir so am Herzen läget das die Normalschale einmal recht festgesetzt werde.“ — Es gab dreierlei Schulen. In den Hauptstädten der Kronländer waren Normalschalen, die als N orm für die andern dienten. Mit diesen waren vierklassige Uebungsschulen verbanden, welche zugleich Lehrerbildungsanstalten waren; dann gab es in grössern Städten Hauptschulen, welche ebenfalls zumeist aus vier Klassen bestanden: ferner zwei- oder tfuch dreiclassige Trivialschulen, *) 8*»« עם ההגדה tat die &u. uebere. 0״ <ע ל ירי נביאnach der Sinn wäre, dass dieses auf da^ Nachdenken sich bezieheede Gebot Gottes durch die prophetische Tradition erfolgt sei. j in kleinern Städten oder Orten, die diesen Namen deshalb trugen, weil drei Gegenstände: Lesen, Schreiben und Rechnen, in denselben gelehrt wurde. Mit ausserordentlichem Eifer förderte Kaiser Josef II.. als er zur Regierung kam, diese Schulen, und in der That sahen die Eltern die Wichtigkeit derselben ein. Aus den Schulnachrichten in der vorliegenden ״Einladüng“, die das ganze Kronland Böhmen betreffen, entnehmen wir folgende interessante Thatsache. Der Winter 1782—83 war ungemein strenge, insbesondere im Gebirge. ״Selbst den Erwachsenen und Starken schauderte es vor die Thüre zu gehen“, um so beschwerlicher musste es den Kindern werden, die manchmal von ihrem Wohnorte entfernten Schulen zu besuchen. Nichtsdestoweniger war der Schulbesuch ein angemessener. Väter trugen ihre Kinder auf den Schultern zur Schule; in der Hand hatten sie eine Schaufel, mit weleher sie sich den Weg dnreh die Schneema98en bahnten. Als der Kaiser von dieser Thatsache hörte, befahl er, dass man len Vätern Ehrenmedaillen und den Kindern vollständig neue Anzüge gebe. Dieses vorausgeschickt wollen wir nun zu den Daten übergehen, die die Leser dieser Blätter zunächst interessiren. Im Ganzen befanden sich zu jener Zeit 130 Lehramtscandidaten in Prag und zwar 42 “Welt-, 20 Ordensgeistliche, 65 Laien und 3 Juden. Die Zahl der Juden ist allerdings nicht gross, aber es war der 1 Anfang gemacht. (Eigenthümlich ist, dass hier in Wien in den letztverflossenen Jahren die Zahl der jüdischen Lehramtscandidaten eine unverhältnissmässig kleine, während die der Lehramtscandidatinnen eine beträchtliche ist.) Am Schlüsse der Schulnachrichten befinden sich Mittheilungen über die deutschen Schulanstalten zur• bessern Ausbildung der ״hierländischen“ Juden. Aus denselben entnehmen wir folgende Momente: Nach einem Hofdecrete vom 16. Dec. 1782 bewilligte der Kaiser den jüdisch-deutschen Schulen in Böhmen aus den jüdischen Ehetaxen fl. 3000 zur ersten Einrichtung der Schulen. Am 27. März fand in dem mit Gemälden ausgezierten Saale der deutschen Hauptschule der Prager Judenschaft vor dem aufgesiellten Bildnisse des Monarchen in Gegenwart der Schulcommission und vor einem so ansehnlichen als zahlreichen Publicum die zweite öffentliehe Prüfung statt. Die Lehrer hatten nicht nur die gemeinnützigen Lehrgegenstände nebst der Sittenlehre*) mit vielem Fleisse gelehrt, sie lügten auch noch die deutsche Rechtschreibung, das Dictandoscbreiben, die deutsche Sprachlehre und die Erdbeschreibung von Böhmen hinzu. ״Die in so kurzer Zeit verbesserte Mondart der jüdischen Schüler, die schönen Handschriften und die Fertigkeit derselben in verschiedenen auch höhern Rechnungsarten, zogen aller Anwesenden Aufmerk• samkeit nach sich und erhielten darüber ein allgerreines Lob. Die An- und Dankreden, die Dialogen und andere moralische Erzählungen trugen die Schüler mit Anstand und Empfindung vor. . . . Um diese Schule haben sich der Primator Gabriel Frankl und der Schulinspector Lazar Grünhut besonders verdient gemacht. Jeder Fremde hat bisher immer.die hiesige Hauptschule der Juden mit einer ganz besonderen Zufriedenheit verlassen, und die von Frankfart a M. hierher gekommenen Israeliten nahmen־ die ganze hiesige Schulverfassung der Juden mit nach Haus. Moses W i 1 n e r trat sein Lehramt in dem verflossenen Kurse mit einer Rede von dem Einflüsse der Schreibart auf bürgerliche Angelegenheiten an.“ Am 28. März fand die Prüfung in der jüdischen *) Anm Geber diese ,,Sittenlehre* vergl. unsere ,Geschieht« der Juden in Wien“ S. 87 u. Beilagen S. 267.