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Das jüdische Literaturblatt · 1878-05-01 · No. 18. (1.5.1878) · p. Seite 70

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 18. (1.5.1878)
Date
1878-05-01
Page
Seite 70 (sequence 2)
Language
German
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fr den Zehnten von ihren Einkünften. Will er* pnetn am •einer Familie die Priesterweihe ertheilen, 80 stellt er diesen, der das 25. Lebensjahr überschritten haben muss Und auf dessen Haupt nie ein Scheermesser gekommen - fein darf, an einem Sab bathe oder Festtage nach beendetem Gottesdienste der versammelten Gemeinde vor, ־ «egnet ihn und bekeidet ihn mit einem neuen weissei 1 Mantel. Hierauf küssen die Anwesenden dem Neuge ■ weihten die Hand, womit die öffentliche Feierlichkeit ,beendet ist. Das Maass der Kenntnisse eines samar Priesters ist nach unsern Anschauungen ein äussers; . bescheidenes. Das Lesen des Pentateuchs, dessen Aus׳ spräche bei ihnen ganz verschieden von der unsrigen ist, und Verst&ndniss des Gelesenen ist ausreichend um das Priesteramt zu versehen. Das pentatedehircht Gesetz allein und zwar dem Buchstaben nach ist ■ftsja das ifir religiöses Leben regelt. Und hierin liegt die Erklärung dafür, dass die Sam. einerseits ihren Bestandl tnach Jahrtausenden rechnen und andererseits doch un-j Verkennbar ihrem Untergange entgegengehen, 80 dass .nach einigen Generationen nur noch die Erinnerung an sie übrig sein wird. Die Kraft der Mosaischen Idee hat ihnen Dauer verliehen. Wie aber ein Organisches Gebilde, dem der Zütritt der Luft gekehrt wird, im Laufe der Zeit versteinert, so muss selbst die )nächtigste Idee, wenn sie sich der lebendigen Geistes• Strömung gegenüber verschliesst, mit der Zeit erstarren.! Juden und Samaritaner sind einig in" der Achtung vor! dem pentateuchischen Gesetze, und das Judenthum hat{ ebensowenig wie das Samaritanerthum in eine Verfluch-! Ügung des Gesetzes gewilligt; aber wie verschieden istj die Bedeutung Beider in der Weltgeschichte! Was hat nun das Judenthum in der dumpfen Atmoephäre der vergangenen Jahrhunderte frisch und lebendig erhalten? was hat seinem Organismus immer wieder von Neuem gesundes Blut zugeführt? es ist nichts Anderes als das Princip der Forschung, das diese zauberhafte Wirkung gehabt hat. Als •die Prophetie, deren Träger mit dem Hauche ihres Mundes den verglimmenden Funken des reinen Gottesglaubens zur mächtigen Flamme anfachten, ihre Mission erfüllt hatte, da trat an ihre Stelle die Forachung. rDie Propheten“, so steht in den Sprüchen der Väter, ,übergaben die Lehre den Männern der grosaen Rathsversammlung“. ״Stellet viele Schüler »nf * lautet einer der drei Grundsätze, von welchen! sie den Bestand des Judenthums abhängig machten. Diese Schüler sollten nicht nur die Lehren der Vergan-i genheit in sich aufnehmen, sondern auch selbst thätig sein in der Erforschung des Gesetzes. Die Samaritaner werfen. den^Juden vor, sie hätten die Vorschriften{ der Lehre verlassen und folgten den Aussprüchen! ihrer Weisen. Als Antwort hierauf sei mir verstattet, eine alte Legende anzuführen. Als Moses das Gesetz von Gott empfangen sollte, fand er den Höchsten damit beschäftigt, einzelnen Buchstaben Kronen aufzusetzen. Auf Mosis Frage, weshalb Gott dies thue, antwortete ihm der Herr: Einst wird ei Mann erstehen mit Namen Akiba; der wir mit seinem Feuergeiste das Gesetz durchdringen und Nichts wird so unbedeutend sein,ausdemernichtneuewichtige Gesetzesnormen ableiten wird. Auf Moses Wunsch, diesen Mann zu sehen, zeigte ihm Gott denselben . von einem grossen Jüngerkreise umgeben. Moses erschrak Anfangs sehr, als er Lehren vortragen hörte, die in dieser Ausführlichkeit im Gesetzbuche nicht behandelt waren. Als aber einer der Schüler R. Akiba fragte: mein Lehrer, woher kommt dir diese Kenntniss? und dieser darauf antwortete: ״auch das stammt vom Sinai“ beruhigte sich Moses. Entkleiden ׳wir den Gedanken seiner poetischen Form, so ist der Sinn der, dass im Sinne des Gesetzgebers selbst eine Fortbildung des Gesetzes gelegen habe und dass auch in der spätem Ent- Wickelung des Judenthums der Sinaitische Geist walte. Das Princip der freien Forschung ist es; das den jüdische Geist in den Zeiten geistigen Verfalls klar und kraftvoll erhalten und ihn befähigt hat, an dem Culturfortschritte der Menschheit tfiätigen Antheil zu nehmen. Drei Mal ist der griechische Geist dem jüdischen begegnet; zum ersten Male, als durch Alexander das Hellenenthum mit dem Orient in Verbindung kam, dann im Mittelalter durch die Vermittelung der Araber und in neuerer Zeit hauptsächlich durch das Medium der Deutschen; und immerbat das classische Volk der Religion, unter Abweisung der schädlichen Einflüsse, seinen Geist vom dassischen Geiste der Wissenschaften befruchten lassen. ״Religion und Wissenschaft“ so lautet auch die Devise, welche diese Anstalt bei ihrer Begründung auf ihre Fahne geschrieben und fürw eiche sie nun fast ein Vierteljahrhundert muthig gekämpft hat. Religiöse Begeisterung und wissenschaftliche Klarheit inaohen ja nach dem Ausspruche des Letzten der Propheten das Wesen des Gottgesandten aus. (Hieran reihten sich Abschiedsworte.) Literaturbericht Beeasltin. Wünsche, Dr. August. Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch. Göttingen. Vandenhöck u. Ruprecht’s Verlag 1878. S. 566. 8. (8ehluss.) 8. 43. Matth. V, 5,20. Verf. spricht des Oeftern über das Wort סופרים, vrgl. auch S. 179; es bedeutete ursprüngl. ״Schreiber“od. ״Schreibkuhdige“, weil nämlich in der ersten Zeit blos die Gelehrten die Schreibkunst verstanden haben. Der Talmud erklärt das Wort unrichtig als die zahlenden שהיו סופרים אותיות התורה. Vrgl. meine ״Studien“ S. 133. 8. 56. Der Ehebrecher durfte blos die des Ehebruches mit ihm Verdächtige nicht ehelichen; wenn er an einer andern Ehebrecherin Geschmack findet, so stand seinem Verlangen nichts im Wege, p Die S. 62, M. 5, 39. herangezogene Stelle Baba k. 92b passt nicht hierher; Verf. hat das Sprichwort missverstanden Es ermahnt nicht. Beleidigungen still zu ertragen (hierfür ist der schöne Satz im Sabbath 88, Gittin 36, Joma 23), sondern falls Menschen uns mehrmals etwas als Fehler anrechnen, ihnen zu glauben. Die Stelle findet sich vollständiger in Ber. rab. 45; Talmud ist sie lückenhaft.

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