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Das jüdische Literaturblatt · 1878-04-17 · No. 16.17. (17.4.1878) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 16.17. (17.4.1878)
Date
1878-04-17
Page
Seite 66 (sequence 6)
Language
German
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TTW — 66 — — ,ist anziehender and anmuthender als di« Halacha, wie die ‘Podfcie anziehender ist als die Prosa, wie das freie Spiel der rythmischen Bewegung anmu higer idt, als.der einförmige Gang. In der Thal körnte map, im Gegensatz zur יהלכה die eben nur den Gang bezeichnet, die Hagada einen Tanz nennen, ähnlich jenen Reigent&nzen des Orients, die in immerdar neuen Ver- *chlingungen (1נד 11־£) sich am ein geheiligtes ()bject bewegen. . . . Arabesk ist aber die Art und Weise, wie Eines mit dem Andern verbunden wird, Wi: bei den *ierhch rerschlungenen arabischen Inschriften? welche Prachtbauten und Prachtgewänder schmücken, wird der Buchstabe zur ornamentalen Figur,;wird die Schrift zum Bild. Erzählungen und Wundersagen, sinnig« Sprache und hyperbolische Parabeln, kluge Lebensrebeln und träumerisch dämmernde Märchen, die graue Vorzeit undf die lebendige Gegenwart, Gestalten des Morgen- und;des Abendlandes — Alles spielt in einander, verwandelt sich in einander; der Traum wird zur Wirkliehkeit, die Wirklichkeit zum Traum“ (S. 185). An einer andern Stelle charakterisirt der Verf. das Verhältnis« der Hagada zur Halacha in folgender, geist- ▼oller Weiset ,Die Hagada ist die blaue Cyalne inmitten -der Kornähren des täglichen Brodes; sie repräsedtirt die heitere Müsse, die festliche Stimmang: sie ist vor allen Dingen erbaulich, wie denn auch (üotah 7b) erbauliche Stellen der Bibel mit הגדה bezeichnet werden. Bei diesen Unterschieden ist es natürlich, dass die Mänger der Halacha die Hagada als etwas Ue tergeordnetes betrachten. Der Halachist mochte auf c&en Hagadisten in ähnlicher Weise herniederschanen, wie der Journalist, der in langen Leitartikeln das Wohl und Wehe des Landes bespricht, auf den Feuilletoi isten uater ihm' herabsieht, der zwar auch am sausenden Webestahl.der Zeit sitzt, sich aber doch zunächst nur mit spielenden Randverzierungen beschäftigt. Die Halachp ist in der That ein (wie in den neugriichischen Zeitungen das Feuilleton heisst); während die Halacha damit beschäftigt ist, die Quadern .für das ha achische Colösseum systematisch und-in architektonisch strenger Ordnung aneinander zu fügen, gleichen die Gebilde der Hagala mehr jenem Schnitz werk von Cherabim, Pal- < men und Blumenkaospep, das im Salamonischm Tempel die Wände schmückti; 80 dass man das Steingefüge nicht sah“ (S. l'~~ Der Vejk^pebf zunä2hst einen längeren Exeurs Aber die N&jgndeutung in der Hagada und zleigt, wie diese nach demNVorgange der Bibel die Namjen nach dem-Charakter deutet, wie sie verdienstvolle Personen, die in der h. Schrift mit keinem Namen bedacht sind, j •us ihrer Anonymität reisst, indem fie ihnen durch Ueber- ' tragdug fremder Namen mehr Eigentümlichkeit und ־*Bestimmtheit zn verleihen sucht. Als klassisdhes Bei- »spiel führt der Verf. die Uebertragung des Namens;1 בתיה כת מרעה. Chron. 4, 18 auf Mosis Retterin an, , indem בתיה als .T? 3ת gedeutet wird. (Wajikra Rabba Je. 1*) Wir wollen hinzufögen, dass auch jene ägyptische .;Königstochter, die Salomo zur Frau genommen (War Jjikra' R. 6. 12 ,"בתיה בת פרש genannt wird. (So in ,!unseren Ausgaben und auch in der ed. pr. Const) "Offen- .har hat hier der Copist ans eigener MachtvollLommenheit den ihm bekannten Ehrennamen auch der Gattin .Salo&o’s beigelegt. In einer Handschrift der Manchener Hof- und Staatsbibliothek cod. 117 p. 181a fehlt בתיה auch in der That an unserer Stelle der Nan)e yund heisst es bloss: ונשא את בת פרפה. Interessant ist hier noch' der Nachweis dds Verf,, ״dass die Phiion. Deutung der Namen Leah und Rahel sich bei Dante (Purgatio XXVII; 100—108) findet. ' Der Verf. geht hierauf zu dem weiten Sag enkreisfe über, der um den König Salomo gebildet wird, und versucht den’ biblischen und hagadischen Salomo als Gegensätze darzustellen. Zu einem farbenprächtigen Bilde fasst der Verf. die einzelnen Züge zusammen, die uns die Bibel von Salomo und seiner Umgebung erhalten hat. Wir wollen die interessante Stelle, die von der stilistischen Meisterschaft des Verf.'s Zeugniss ablegt, unverkürzt hier wiedergeben: ״Schon in der einfachen Erzählung der Bibel macht es einen überraschenden Eindruck, wie da gleichsam die Berge, die. bis dahia das Cantönli begrenzten, plötzlich zurücktreten und der Horizont sich erweitert. Das Meer mit den tyrischen Schiffen, die von Ophir Gold, Edelsteine und Elfenbein bringen; die Königin Saba, die ihre Huldigung darbringt; die Palmenstadt, die sich in der Wüste erhebt; das Waldhaus des Libanon, das Lustschloss für die Pharaonentochter — es ist die duftige Poesie des hohen Liedes, es ist die ganze schimmernde Pracht des Orients, die da plötzlich auftaucht und die um so märchenhafter erscheint, als das Ganze, gleich einer Luftspiegelung der Wüste, alsbald wieder verschwindet — mit Ausnahme des Hauptdenkmals Salomonischer Grösse, des Tempels“ (8. 198.) Dieser Verherrlichung Salomo’s — fährt der Verf. fort — schliesse sich blos das zweite Targum zu Esther an. Die talmudische Hagada hingegen wende sich, grollend ab von all dieser Herrlichkeit. Sie könne Salomo die fremden Frauen und das Coquettiren mit dem Auslande nicht verzeihen und halte auch mit ihrer offenen Missbilligung nicht zurück. Dies beweise die Deutung der 4 Namen Prov. 30, 1, die in tadelndem Sinne auf Salomo bezogen werden, ferner die interessante Stelle, wo das י von ר?ת:. als Ankläger wider Salomo auftritt (Talmud jer. Synh. 20c. Wajikra R. e. 19)*). Besonders tritt Salomons Bild neben der Verherrlichung seines Vaters in den Schatten. In der Hagada verwandle sich der kriegerische Köaig ״in einen Oberrabbiner von Israel“, der sich im Kampfe der Thora Lorbeeren errungen. Von all dem sei bei Salomo keine Rede. Der grosse Abstand zwischen Sohn und Vater zeige sich darin, dass dem Erstem das Synhedrion auf zwei casuisüsche Fragen erwidert:?ולאו מתניתא ך,יא (M. Ruth c. 5 und Sabbath 30,b, wo übrigens die Antwort milder lautet). Indess will dies wenig beweisen, da das Nichtwissen einer Mischna im Talmud noch keineswegs als Ignoranz gilt. Darum wollen auch wir dem Verf. keinen Vorwurf daraus machen, dass er talmudische Stellen übersehen hat, die allerdings in unserer Frage von entscheidender Wichtigkeit sind, da nach ihnen zwischen David und Salomo in halachischem Wissen keineswegs ״ein grosser Abstand“ besteht, vielmehr Salomo in dieser Beziehung als ein würdiger Nachfolger seines Vaters erscheint. Der Verf. stellt sogar die Behauptung auf, dass ״im Gegensatz zu David nicht nur, sondern auch zu Hiskia und vielen anderen Personen nirgends von Salomons halachischem Wissen die Rede ist“, und doch findet sich in Erubin 21b die ciassische Stelle: שלמה עירובין ונטילת ידים p'nr בשעה •♦♦שאמר שלמה על כל דבר ודבר של סופרים חמשה ואלף טעמים ♦ דאגמריה בסימני טעמים . .* . בתחילה היתד. תורה דומה לכפיפה שאין לה אזנים עד שבא שלמה ועשאה לה אזנים; ferner Berachoth 48b:דוד ושלמה על הבית הגדול pn תקנו בונה ירושלים ♦ שלמה והקדוש. Uebrigens sagt der Verf. bei anderer Gelegeuheit (Note 22) selber, ״dass Salomo (vor der Verheirathung mit der Pharaonentochter) allerdings Gesetzeskunde besass“ und verweist hierbei auf Pesikta d. R. K. p. 35 (Fortsetzung folgt.) *) Zu der diese Hagadastelle behandelnden Note 25 wollen wir bemerken, dass dag angeh Manager. S. 152a statt ויל״ד ממך יועוקצה אחת ממך — אינה בטילה לעולם ähnlich wie dje vom Verf. citirte Stelle in Sehern. R. c. 6: ׳וקוצר, ממך

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