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Das jüdische Literaturblatt · 1878-04-17 · No. 16.17. (17.4.1878) · p. Seite 62

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 16.17. (17.4.1878)
Date
1878-04-17
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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' ron den Lehren. Mohameds, mit dem Schwerte in der das die englische Mission auch in neuerer Zeit, freilich ohne Erfolg, anstrebte, so betonte Marschall in seinem Antwortschreiben die Lehren von dem I Sündenfall und *׳ ׳ der Erlösung, sprach vom Messias — ilnter dem Marschall den Stifter der christlichen ßeligijon verstand —, von einem ,Hohenpriester nnd einem geistigen Passahopfer. ‘ Das verstanden die Samaritaner theilweise gar nicht, tlieils legten sie den unklaren Worten des Briefschreiben einen ihnen genehmen Sinn unter. In der Erwiderung’," weiche sie in arabischer Sprache, die auch heute ihre Umgangssprache ist, an ihre Brüder in England richteten, sprechen sie ,ihre Verwunderung 1 darüber aus, dass diese in ihrem Briefe gar nicht' den heiligen Berg Garizim erwähnt und. nicht einmal den Namen ihres Hohenpriesters genannt hatten; die Ausdrücke, in denen Marschall vom Messias gesprochen ja j ‘ 7 /, 11». - j i *■ f י־ ק . liatte, bezogen sie anf eipen künftigen 1!jlrlöser, dessen *'Erscheinen sie nach deiil Worten der h, Schrift erwarlen: ,einen Propheten aus deiner Mit!e von deinen '1Brüdern, wie ich bin, wird der Ewige dein Gott dir aufstellen*, sie betonen ihre strenge B Jobachtung der göttlichen Gesefze und ermahnen‘8chlie3slich ihre Brü- 1der, ihre Zugehörigkeit zu ihnen dqrch Spenden für die 2geweihten' Stätten zu bethätigen. Un 1 dieselbe Zeit knüpfte־ auch ein deutscher Gelehrter in Frankfurt am Main, Hiob Ludolf, Verbindungen mit hnen an, indem ner7einem palästinensischen Juden bei dessen Rückreise einen "Brief ah sie mitgab. Die Correspmdenz, die sich -hierauf entspann, liefert jedoch kein wesentlich neues MtUerlal. So war der Stand der Kenntnisse über Samärifaner bei Beginn unseres Jahrhunderts.. Damals — ,11־;., ii . . ~ 1 o. [». es war 1m Jahre 1808 — arbeitete dpr französische Senator Grdgoire an einem grössem rqUgiönsgescbicht- Beben Werke und־ zu diesen! Zwecke Wünschte er von der ־merkwürdigen־ Secte' der Samaritaner genauere Jfenntniss zu erlangen. Er wandte sich an den dama- 'ligen Minister des Auswärtigen Graf von Champigny, und dieser gab einigen französischen Consuln im Orient den Antrag, dem Wunsche Grdgoires jnachzukppmen. Am besten entledigte sich seines Auftrages der Generalconsul in Aleppo, Corancez. Dieser ssjndte einen!*arabisch geschriebenen Brief, dreissig Erlagen enthaltend, ־* ־lju im 7 ,י n ז ם j® י an qie samantanische Gemeinde in Nablus, deren Hoherpriester Baläaie — derselbe, den Ludwiij August Frankl in den fünfziger Jahren kennen lernte — die Antwort äbfaäste. tim‘einige Missverständnisse zu beseitigen und manches Dunkel ״aufzuhellen, liess Grdgoire durch den berühmteh Orientalisten, Baron Silvestre de Sacy, ein Memoire ausarheiten nnd in’s Arabische übertragen, worin' 36 einzelne Funkte aufgeführt waten, über welche die Samaritaner Aufschluss geben sollten. Die An twort traf 1m Sommer 1$ 11 in Paris ein und bestand aus :inem längeren Actenstücke, welches in hebräisöh er Sprache mit samaritanisehen Buchstaben geschrieben war, und einem kürzeren arabischem Schreiben.‘ De Sacy hatte die janze Angelegenheit aus den Augen verloren, als er im Jahre 1820 von den Samaritanern in Nablus zwei Briefe empfihg, ▼ön denen der'eine an ihn persönlich gp ichtet Ä־JLaij צ: •jjCt'if״׳... J und der andere für die ״samaritanischen Brüder* ij Paris bestimmt war. Da de Sacy in dem von ihm verfassten Briefe Grdgoire’s seinen Namen nicht genannt und noch .jjiasonders hervorgehoben hatte, dass es in Europa keine Samaritaner gäbe, so konnte er sich Sendung und Auftrag nur erklären, indem er annahm, dass ein eu« ropäischer Reisender bei einem Bepuche in Nablus sei• nen Namen missbraucht und den Samaritanern die Meinung beigebracht habe, als wohnten Glaubensbrüder von ihnen in der Hauptstadt Frankreichs. Später — im Jahre 1826 — gelangte noch ein anderer Brief, der an die ,Samaritaner in Paris“ gerichtet war, durch Vermittlung des Grand-Rabbin Cologna in die Hände Sylvestre de Sacy’s. Aus diesen Briefen und den Nachrichten neuerer Palästinareisender lässt sich ein Bild der religiöseu Anschauungen der heutigen Samaritaner hersteilen. Ihr Glaube ist rein monotheistisch und der Vor• warf, den man gegen sie erhob, als beteten sie das Bild einer Taube an, ist völlig grundlos. Moses gilt ihnen als der grösste, und von dem erhofften Messias abgesehen, auch als der einzige Prophet. Darum enthält ihre heilige Schrift nur den Pentateuch, von welchem sie eine aramäische und eine arabische Uebersetzung besitzen. In ihrer Synagoge befindet sich eine alte Thorarolle, von welcher sie die abenteuerliche Behauptung aufstellen, sie sei von Abischua, dem Sohne des Pinehas, 13 Jahre nach dem Einzuge der Israeliten in Palästina geschrieben; jedenfalls kommt derselben nach Aussage' von Augenzeugen ein hohes Alter zu. Sie haben für ihre Gesetzrollen die althebräischen, von uns heute sama• titanisch genannten Schriftzüge beibehalten, während die Juden diese mit der sogenannten assyrischen Schrift vertauschten. Die übrigen Bücher der Bibel haben sie nicht angenommen; sie können sich weder begeistern an den Flammenworten der Propheten, noch ihr Herz erquicken an den poetisehen Ergüssen der gotterfüllten Dichter. (Schluss folgt) Der Darwinismus in der Agada. Von Dr; B. Placzek. (Fortsetzung.) Der psychische Zusammenhang zwischen Menschen und Thieren war den Agadisten ebenfalls nicht entgangen Die Hypothese der Nachahmung, von der Darwin (״Die Abstammung des Menschen“ I, 32 und 47) sagt: ״ohne Zweifel ist viel von der Verstandesarbeit, die der Mensch ausführt, auf Nachahmung und nicht auf Ueberlegung zu schieben1) — eine Hypothese, aof welche auch Wedgwood, Schleicher und besonders Max Müller den Ursprung der Sprache zurückführen — läs*1 die Agada, was für Naturalisten api pqhwerpten wiegt, sogar auf moralische Eigenschaften Anwendung finden. Rabbi Jochanan meint: ,Auch ohne Thora hätten wir lernen können Schamhaftigkeit von der Katze, (die gewisse natürliche Functionen im Verborgenen verrichtet), Redlichkeit von der Ameise, (mit Bezug auf Sprüche 6,8), Keuschheit von der Taube, (welche eine gewisse ehe* liehe Treue bewahrt), endlich rücksichtsvolle Behänd* lung des Weibes vom Hahne, der die Henne in gewin* nender Weise umwirbt.“ (Erubin 100 b.) Aus den rol- י) Vgl. Wallace, ContribationA to tb« Tbeory of Natural 8•־ lectioii, 212; C. Vpgt, Xikrocepbale, 169.

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