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Das jüdische Literaturblatt · 1878-04-10 · No. 15. (10.4.1878) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 15. (10.4.1878)
Date
1878-04-10
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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ihre Gestaltnngskraft ist so verschieden, wie die!Schulen, aus denen sie hervorgegangen. Der Verf. des schrieb c h a l d ä i s c h, allein in der mangelhaften Dan. 6 Concephigen elastischen Stoff zu gestalteu, ihm eine tion, in dem Unvermögen, den fi zu dehnen, zu runden, dramatiscl ansprechende, effectreiche epische Form zu verleihen, Scenen zu schaffen und wirkungsvoll an einander zu reihen, kurz in der Unkenntniss des dramatischen und epischen Geheimnisses war er e n echter Sohn der Althebräer. Der Verfasser des Buc 1es Esther schrieb hebräisch, allerdings ein sehr lebensmüdes und altersschwaches, icli möcliie sagen ein er war ein kraftvoller Dramatik Genialität. Er wusste nicht blos schwindsüchtiges, aber sr von unverkennbarer Personen und nisse treffend zu zeichnen, auch darin, wi allmählich in ‘die Begebenheit vor unsern Augen spinnt, den Knoten nach dnd nach einführt, den escheher uns Faden schürzt, dass die Spannung immep zunimmt, das Interesse er Knoten bine Mei- bis endlich d< offenhart er immer wächst und sich steigert, mit grossem Effekt gelöst wird, sterschaft, die er einzig und allein in den Schulen der Griechen sich hatte erwerben können. Die BJauptpartliien cap. 6 und 7 sind echte fihakespeare-Scenen voll beabsichtigten und gelungenen E Tektes Und mag es auch seiner Parteistellung und Tende 1z entsprechen![ gewesen sein, dass er Mord, den Schlingen Haman's nipht gleich Daniel durch ein plötzliches, u!erwartetes und unvermuthetes Wunder, sondern auf naturgemässe Weise erretten lässt, — die Heranziehung jener wahrlscheinlich alten Sage von dem durch eint 11 Juden entdeckten und vereitelten Mordanschlag gegen eines Königs Leben, davon auch Polyb. XV. 25, 2 u ld das dritte MUkkabäerbuch I,?י) zu erzählen wissen, war nnläugban ein hochgenialer Gedanke, der dem Dichter alle Ehjre macht. Aber auch damit ist schäm gekennzeichnet, wer er ist, und was er will.1)! 1 Die Annahme, dass Esther ein hellenistisches Produkt ist, drängt sich dem prüfenden Auge des Forschers mit solcher Gewalt auf, dass er sicli ihr kaum erwetiren kann. Wir mögen das Buch drehen und wenden, welche Parthie immer anlässen, wir werden auf jenes Resultat immer wieder hingewiesen, daß allein alles Räthselhafte löst, alles Unverständliche erliiutert, dem Legendenhaften ein sc har (geprägt es Bild und eine bestimmte Farbe verleibt. Erhebliche Einwände, und Einwürftj aber, die im Stande wären, die Anschauung wesentlich zu er schottern, sind nicht erhoben!worden.3) UI p. 176 ff w«(st nickt un-, des dritten Makkubäerbuclies ') Dr. Lewi im Ozar Nechmed geschickt na h, dass die Erziildung von der Erniedrigung und Erhöhung der Juden unter Ptolemäus Pliilopator mit den Berichten unsere 1 Buches viele gemeinsame Momente hat, die, weil sie unmöglich Zufällig sein können, auf eine gegenseitige Beeinflussung hinweisen Pa das III. Mpkkabb. sehr jungen Ursprungs ist, so kann unser Verf. unmöglich, wie Herr Dr. I.ewi meint, aus jenem Buche gesjehöpft haben, bei welchem vielmehr schon die apokryphischen Zusätze zu Esther heautzt worden zu sein scheinen. Wahrscheinlicher, dass sie beide ihre Berichte einer dritten Quelle entlehnt haben. 1 ב) Nicht minder charakteristisch .ist die Darstellung des Wein- und Kelterfestes, Bacehos oder Dyohysien (ורים£ v״nj פורה KeJ־ ter Jes. 63, 3) als Loos- und Reltungsfest, wodurch die Erzählung ein hist. Zeugniss, das angefeiudete Fest eine Rechtfertigung erlangte. 3I Vers 8, 9, auf den mich ein befreundeter Pi ivatgelehrter hiügewiesen, kann ebensowenig als Einwand geltend gemacht werden, als etwa 8, 17. ßes Verf.'s Absicht war, dass mau die WiedererJaiigung■ der Sprach- und Religionsfreiheit nicht lurvh Gewalt — י י י ״ * י• erstrebe und rt. Ein köirierithuin zu iel umworben t nd die amt׳ und Aufruhr, sondern durch die ihm beliebten Mittel er zeigt, dass dieser Weg auch sicher *um Ziele füi Qig8treue9 heidenfreundüches Verhalten bringt das J Ehren; die jüdische Religion wird vie ücheu Erlaße des Königs erscheinen! iu jüd. Schrift 60 gut wie in der aller andern Völker. und Sprache, לשון |ארמי־ ן i Im Na nen R. Jochana 1's wird (Sota 33a) tradirt: כל השואל צרכיו כלשון ארג ד איך מלאכי השדר] נזר,קץ לו שאין' מלאוני השרת מכירין• בלשון ארמי. Der Wortsinn dieses wunderlichen Ausspruches, der ,nicht ohne Einfluss auf die Halacha geblieben, ist an sich klar, aber, woher d^nn die Bekanntschaft des R. Jochanan mit den ■ ואכי הסרת®’ Sollte dieselbe etwa auf die Begegnung zurückzufü fen sein, über die (Tanith 21a) berichtet wird? IIfi und R. .lochanin wandten sich, durch ihre materielle Lage dazu gedr; ngt, den Geschäften zu, und da traf es sich einst, als s: e gemeinschaftlich ihrem gescbäftliclten Berufe obläge 1, dass R. Jochanan Engelstimmen vernahm, die ihr! Missbilligung über das Abwenden [von der Thora, in harten Worten aussprachen, diese missbilligenden Aeusserungen der Engel soll aber nur R. Jöcnanan, nicht aber auch Ilfa vernommen haben, und dürito R Jochanan di jse nur ihm Zugängliche Gelegen heit zum Erlauschen ier Sprachkenntnisse der Engel benutzt haben. Diese Erklärung wäre nicht weniger wunderlich, als jener Ausspruch selbst, die angeführte Erzählung aber, entkleidet. des seltsamen Gewandes, in das sie gehüllt, gibt einen schönen Sinn, wenn man darin den in neru Ruf und d 1s innere Berufensein des R. Jochanan zum Studium dur Thora ausgedrückt findet. Wir sind nun weiter auf die Cotnbination angewiesen, die hier einen weiten Spielraum im Bereiche der Möglichkeiten bietet. Ob nicl t R. Jochanan in die Schranken tritt ״um Schutze den hebr. Sprache gegenüber etwaigen jUebergriffen des aramäischen Idioms unid zur Erreichung dieses!)eiligen Zweckes zu einem, spndejrbaren Auskunftsmittel greift? In seinem Namen) wifcd aber gerade mitgetheilt (Jeruschalmi Sota 21 <t edit. Krotoschin): ישלא יהא לשון סוו־םי קל בעיניך woraus her-, vorgeht, dass er es iür nöthig hielt, dem Aramäischen das Wort zu reden Ob wir es nicht zu thun )haben mit einer geschickt geführten Abwehr christlicher Proy paganda, die durch aramäisch geschriebene Gebetformein und Tractätlein da! Bekehrungswesen in Israels Mitte betrieb? Der Tbatbestand für diese Polemik müsste vbr Allem erwiesen werden. Vielleicht ist folgender Weg nicht verunglückt. Resch Lakisch, der Fremd und wissenschaftliche Opponent R. Jpchanans ist bekanntlich der Autor der vieldiirten Bfj1.aupt.ung:אף שמות המלאכים עלן עמהם מבבל. , Wie nun, wenn R. Jochanan seinem Freunde für dessen, so grossartige'', culturhis orische und religionsphHoaO* phische Entdeckung mit 1er ziemlich sarkastischen merkung gelohnt hätte: Babylon, das Mutterla Engel, )und die Engel verstehen nicht einrüal ihr! tersprachtf! אין מלאכי השרת מכירי ן בלשון ארמי mochte ilim zunächst im Sinn gelegen haben, Engelnamen in der heiligen Schrift echt hebräiscl gen, wie Gabriel, Michael, Diese Bemerkung, an Lakisch gerichtet, dürfte die Wandlung zu der liegenden Gestalt nachtrt glich erfahren. Zum sei des Umstandes erwähnt, dass im Buche Daniel die hebr Sprache erst dort wieder von Neuem aufgjenöm^ 'י■ men wird, wo die Engel handelnd und redend -4 nicht It t das ״ in Traum erscheinungen -- eingeführt werden, vielleicht die Quelle des R. Jochanan? VOTr Litera Göttinger[. S. 566i 8. urberieht. Wünsche, Dr. August; Neue Beiträge läuterung der •Evangeliei aus Talmud und Midrasch, Vandenhöck u Ruprecht's Verlag i Sn. zur Er- 1878. Ernst Renan nannte das N T. einen )chrisliehen

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