Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 15. (10.4.1878)
- Date
- 1878-04-10
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lieh denjGottestempel in Jerusalem wieder aufzurichten. Ihr Anerbieten wurde von Serubabel zurückgewiesen, and für diese Abweisung ihres Antrages suchten sie sich in jeder möglichen Weise zu rächen, indem sie dem Tempelbau Schwierigkeiten in den Weg legten. Nichtsde8toweniger bestanden nachher noch unter den beiden verschiedenen Volksgenossen freundliche Beziehungen und sogar verschiedene Verschwägerungen fanden statt. Als Nebemia später nach Jerusalem kam, machte er diesen Verhältnissen mit der ihm eigenen Energie ei!n Ende. Er verlangte von den Juden, dass sie sirjh vori den angetrauten fremdländischen Frauen trennen sollten, und diejenigen, welche ihm kein Gehör leisteten, sfcie8s er mit rücksichtsloser Strenge aus dem Volksverbande. Man mag über dieses Vorgehen urtheilen, wie man will, soviel muss jedenfalls anerkannt werden, dass Nehemia seine Ansicht mit der grössten Unparteilichkeit zur Ausführung brachte. Unter den Ausgestossenen befand sich auch ein Nachkomme des Hohenpriesters Jojada, der eine Tochter des samaritanischen Führers äanballat zur Frau hatte und sich von ihr nicht trennön wollte. Um seinen Schwiegersohn zu entschädigen, richtete Sanballat einen besonderen Cultus auf dem Garizim ein und machte jenen daselbst zum Hohenpriester. So war die Spaltung zum zweiten Male voll - zogen und der Bruch unheilbar geworden; der alte Ilais, -jder zwischen Ephraim und Juda geherrscht hatte, vererbte sich auf Samaritaner und Juden. Streitigkeiten «nd Bübereien Sind zwischen ihnen in den folgenden ” Jahrhunderten an der Tagesordnung nicht nur in Palästina, sondern auch in Egypten, wohin Juden sowohl als Samaritaner seit Alexanders Zeit ausgewandert waren. Johann Hyrcan zerstörte endlich ihren Tempe! ־ und ihre Hauptstadt. (Fortsetzung folgt.)!Nachträge zur Kritik des Buches Esther. * Von Dr. J. S. Bloch in Brüx. V. — (Schluss.) י ,Nach vielen Seiten interessant und aufklärend ist feine Vergleichung und Gegenüberstellung der Büclier Esther und Daniel. ס Inderselben leidenreichen Zeit entstanden, haben 4ie> dieselben Ereignisse als Grundlage, darum ist eine Prü- Jüng und Gegenüberstellung ihrer Anschauungen und Lehren am geeignetesten, über Absichten und Tendenzen .der Verf:, wie ihre religiöse und politische Stellung auf- *uklären. Wir haben .gesehen, dass Daniel die syrischen Betdrücknngen nicht auf einen Willkürakt der Vorsehung, sondern der ganzen althebr. Anschauung entsprechend, auf die schweren Verirrungen zurückführt, in. welche das dkm&lige Israel verfallen war; der Verf. des Buches E. erachtet eine solche Rechtfertigung der Schicksals- Wendung nicht für angezeigt. Eine Gegenüberstellung der verwandten Scenen Dan. c. 3 und Esther 3, 1—7 lässt nicht minder die gräcisirenden Liebhabereien des einen wie den starken und schlichten Gl&ubensmuth des andern Schriftstellers klar .hervortreten Wir fanden auch bereits Gelegenheit, Damel 1, 8 zur Kennzeichnung Esthers heranzuziehen Mein verehrter Freund, Herr Rabbiner Dr. Ph. Bloch in Posen, machte mich nun in einem Briefe vöm 10. Nov. v. J. ausserdem auf das c. 6 des panielbuches, die bekannte Erzählung, wie Danieli in 1 die Löwengrube geworfen wird, aufmerksam und die Resultate dieser Vergleichung erweisen sich in der That als überraschend. Das Gerippe ist in beiden Erzählungen dasselbe: Intriguen zwischen jüdischen und heidnischen Veziren, die sich in der Gunst des Königs bekämpfen und zu verdrängen suchen; hier wie dort wird dem König ein Edikt entlockt, bestimmt, den Juden zu deinüthigen, zu verderben, welches der König dann zu seinem Bedauern nicht rückgängig machen kann. ' Hier wie dort geht der Jude siegreich und mit neuem glänzendem Ruhme aus dem Intriguenspiel hervor, und die Widersacher fallen in die von ihnen selbst gewirkte Schlinge; wie Harnan auf den für Mordechai hergelichteten Galgen gehenkt wird, so werden die Widersacher des Daniel auf königl. Befehl in jene Grube geworfen, die blos ihn sollte verderben. Selbst in der Schlaflosigkeit des Königs (Esth. ß, 1; Dan. 6, 19) tretfen beide Schriftsteller zusammen. Hier wie dort ist das medisch persische Reich Schauplatz der Begebenheit'), das nach dem Emen in 120, dem Andern in 127 Provinzen gelheilt war. Die Hervorhebung aber eines einzigen Momentes genügt, um den Leser die in aller]Schärfe sich bekämpfen!• den politischen und religiösen Anschauungen und Tendenzen der Schriftsteller erkennen zu lassen. Wir haben bereits als charakteristisch hervorgelioben, dass Mord, selbst in der höchsten Gefahr sich nicht veranlasst sieht, seinem gramerfülltem Herzen durch ein heisses Gebet Erleichterung zu schaffen, ein inniges Gebet an den ״Hüter Israel’«“, der sein Volk nicht versiösst, aus allem Unbill und allen Nöthen kraftgestählt hervorgehen lässt. Mord, versammelt in Susa sämmtliehe dort wohnende Glaubens- und Leidensgenossen, er klagt und weint, er zieht auch Sack an, nur beten will es, •darf er nicht. Die Leser auf das Gebet als eine Quelle des Trostes und Heiles hinweisen, wäre gleichbedeutend mit einer Aufforderung zur Widersetzlichkeit gegen den Willen des Antiochus, der blos die griechischen Götter angebetet sehen mochte. Eine solche Widersetzlichkeit lag nicht im Plan und Willen der friedenseifrigen heidengeneigten Apostel der Versöhnung mit den Syrern. Beten würde nicht harmonireu zu den Lebensgenwohnheiten der Hellenisten, der Ministeraspiranten und Rathgeber des Syrerkönigs. Ganz anders dachte und fühlte der fromme Verf. des Danielbuches Sein König erlässt auf Rathschlag der Vezire ein Edikt, ein unwiderruffliches, dass Jeder, der in den nächsten 30 Tagen einen Gott anbeten würde, in die Löwengvube zu werfen sei. ״Kaum erfuhr Daniel von der Unterzeichnung dieser Schrift, ging er in sein Haus, begab sich in das Obergemach mit den offenen Fenstern gen Jerusalem, kniete aut den Knien dreimal des Tages und betete“, 6, 11. Das ist makkabäisch Auch Daniel ist des Königs vertrauter Freund, sein Vezir, darum macht es den Eindruck, als ob der Verf. gegen jene im Buche Esther vertretenen, gewiss auch 9önst in mündlichen Controversen geäusserten Anschau-׳ ungen direkt ankämpten wollte. Auch in formaler Beziehung sind sich die heilen Schriftsteller sehr ungleich, ihr dichterisches Vermögen, >) Weil die Anhänger der Makkabäer ihre Erzählungen, die sie za dem Zwecke erdichteten, das Volk im Widerstand za f®M1gen, in die Exilsperiode verlegt hatten (Daniel, Judith u. 8. w), so musste der Hellenist, um seinem Helden' die gleiche Autorität und Mustergiltigkeit zu verleihen, in dieselbe Zeit, denselben Ort zurückverlegen Damit fällt der brieflich mir geltend gemachte Eiuwand eines geistreichen Collegen und Freundes. Da dem Verl, darum blos zu thun war, die religiöse Zulässigkeit der “r lenistiseben Bestrebungen durch mustergiltige Autoritäten zu er"T" ten, so durfte er die Verschiedenheit der ,politischen Lage iu ״ m&kkabäischen und medisch-persiscben Zeit unberücksichtigt lassen.