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Das jüdische Literaturblatt · 1878-04-10 · No. 15. (10.4.1878) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 15. (10.4.1878)
Date
1878-04-10
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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Midrasch und man muss gestehen, dass die Bezeichnung ein? überaus glückliche ist Sie bat nicht bloß äussere Berechtigung, sie enthält auch viel innere Wahrheit. Die -verwandschaftlichen Züge der Evangelien mit unserer Midraschliteratur vermag ׳nur der abzuleugnen, der weder hier noch da zu! Hause ist. All die sonderbaren Wundererzählungen, in denen Wahrheit und Dichtung wie durch einen chemischen Process bis zur Unauflöslichkeit verbunden^ die schönen Sittensprüche, die fesselnden Gleichnissreden, die Heranziehung biblischer Verse und ihre eigenartige Verwerthung — in all dem zeigen sich die Autoren der Evangelien als eben so ver- ^sirte Agadisten wie die besten Autoritäten der Midraschliteratnr. Um nur an Eins zu erinnern, so hat die Erzählung von R Josua ben Lewi, wie er den Satan dupirte und lebendig in das Gan Eden gekommen,»einen ächt evangelischen Charakter, und es liessen sich saleher Berichte unzählige zusammenstellen, die in das ן neutestl. Genre gehören dürften. Selbst die von Jesu be- 1 richteten Wunder sind durchaus nicht originell. Z. B. gefährliche Meeress.ürme durch ein Wort zu beschwichtigen, hatten gar manche jüd. Gesetzeslehrer Gelegenheit, und die Procedur gelang zur vollsten Zufriedenheit. Den schwerkranken und seiner Leiden überdrüssigen ׳ R. Chanina hat R. Jochanan mit Berührung der Hand geheilt und -־=־ vice versa. Ebenso hat ein Gebet der Talmudisten dem Taubstummen Sprache und Gehör verliehen. Todtenerweckungen zumal waren gar ein reine3 Kinderspiel :derGeringste von'meinenSchülern, versicherte Rabbi seinem kaiserlichen Freunde, sei hiezu befähigt. Von R. Simon b Jochai heisst es gar, dass ein Verrftther, den er angeblickt hat, todt »als ein Haufen Gebeine* hinstürzte. Während Jesus bei der Heilung einer Besessenen, einer Teufelaustreibung oft auf starken Widerstaad gestossen, den er erst hatte überwinden müssen, vollbrachte der erwähnte Gesetzeslehrer dieses Wunder mit einer virtuosen Leichtigkeit Die Spätem haben es sogar bis zur unumschränkten Herrschaft über die bösen Geister gebracht. Leider kann man nicht sagen, dass sie von ihrer Gewalt einen milden Gebrauch gemacht haben Es kamen schwere Zeiten für die armen 'wesenlosen Geschöpfe menschlicher Einbildungskraft R. Chanina untersagte ihnen streng das Wohnen und Weile» in menschlichen Gegenden,-blos an Mittwoch- und S mittag n&chten sollten sie sich an öffentlichen Plätzen noch wagen dürfen. Dabei mussten sie sich sehr in Acht nehm>׳n, ja keinem Sterblichen in die Quer zu kommen und vor Allem keinen Schaden anzurichten. Gegen einen Unvorsichtigen, dem das Malheur passirte, ein Fass Wein zu zerschlagen, wurde beim Rabbi die Civilklage eingereic(1t, und M. b. R. Aschi verurtheilte ihn zum Schadenersatz. Obwohl es ein gar armer Teufel war und er den Zahlungstermin nicht innehalten konnte, so mochte er es doch auf weitere unangenehme Mas&regel nicht ankommen lassen, den Zorn Aschi’s nicht wecken So frappirend die verwandtschaftlichen Züge in den beiden Literaturen sind, so bedeutsam weichen sie doch in Allem von einander ab. In der jüdischen Agada nehmen zunächst jene — ich möchte sagen ungesunden Elemente einen blos winzigen Raum ein, spielen eine nur sehr unwieh tige Ro 1 le, drängen sich durchaus nicht prätensiös hervor Man erwähnt wohl der Sagen, man legt ihnen jedoch kein besonderes Gewicht bei; die Gesetzes! eh rer, an deren Namen sie anknüpfen, werden in keiner Weise höher gepriesen und ihren nicht wunderwirkenden Genossen vorgezogen Ganz anders im N. T, der christlichen Agada. ' Die in breiter Ausführlichkeit geschilderten Wundererzählungen sind hier das vorherrschende Element, das auf Schritt und Tritt unwillkommen zum Vorschein kömmt, bewusst voll und mit aller Gewalt die Aufmerksamkeit an sich zieht: sie allein wollen Grund sein für die exceptionelle Stellung, welche der Stifter der neuen Religion für sich in Anspruch nahm. Einem tüchtigen Kenner beider Literaturen wird es nicht schwer fallen, für sämmtliche Sentenzen, Gleichnissen und Parabeln des N. T. in der rabbinischen Agada Parallelen aufzufinden, von denen einzelne sogar wie aus derselben Quelle geschöpft den Eindruck machen. Allein nicht nur ist die rabb. Agada. welche die Geistesarbeit eines Jahrtausends und mehr in sich aufgenommen, ungleich reicher und mannigfaltiger, der Kreis ihrer Ideen kein solch engbegrenzter und einseitiger, sie nimmt überhaupt — und das ist das wichtigste Unterscheidungsmoment — keine autorative Stellung ein und muss, so zahlreich ihre Vorzüge auch sind, vor der Halachabescheiden zurücktreten. (Schluss folgt.) Der Redaction sind folgende Schriften zugegangen: Ner Hizwa, Beleuchtung der pentateuchischen Gesetze nach dem System des R. Mose b. Maimon, von J. T. Handl 1 TheiL (hehr.) Wien 1878. Filiale der Brüder Winter (jetzt Picker’s Buchhandlung). Baal T’fillah, Der praktische Vorbeter, vollständige Sammlung der gottesdienstlichen Gesänge u. s. w. nebst allen den Gottesdienst betr. rituellen Vorschriften und Gebräuchen. Vua Abr. Baer, Cantor in Gothenburg. Bei J. Kauffmann in Frankfurt a. M. J e h r e s b e ri ch t der Gemeinde-Religions-Unterrichts-Anstalt in Breslau von Rabbiner Dr Joel. (Vorangeht: Die Hundsfelder Druckerei von Dr. Brann.) Literarische Anzeigen• Rahmer’s hebräische Schulbücher, neueste vermehrteAuf 1 ag en,8ind durch J. Kau ff tuann’s Buchh., Frankfurt a./M. zu beziehen. ' In neuer, gut corrigirter Ausgabe erscheint der Jalkul Schiiiiooni auf Thora, Newiim und Kesuwim. Preis des ganzen Werkes nur 4 Rubel. ■Der erste Theil (Thora) ist in 5 Lieferungen bereits erschienen u. wird für 2 Rubel 50 Kopeken Versands durch Isaak Gtoldmann, Bnchdruckereibesrtzer in Warschau. Der 2. n. 3. Theil erscheint in wenigen Wochen und wird für 1 Rubel_50 Kopeken abgegeben._1 ^er»otwortUcherB*dactenrDr7RaT^rerT?Mägdeburg. DrücSr״voa""c!""S charoke in Barbv. V erlag von~Robert F r i e 8 e in Leipzig Sei ätfcolf ffoljn »erlag u. Sntifluariflb Setlia w., 14 ISotänamrrfttaBe, erjtfti<!11: fRtbetta 2801f, geh. •fccincmann, ^odjßud) für israefit. grauen. 6. oermffjrte Siujiage. [1240 UkeiS brod). 3 'IR, elejj. geh.?Dl. 3.80. Jüdisch. Literatarblatt 1877. Es werden von mehreren Abonnenten die Nrn. 1, 13, 14 u. 19 zur C’ompletirung — gegen Umtausch mit anderen Nummern — gesucht, u. Zusendung an die Exp. d. Bl. erbeten. Berichtigung. ״Gegen die Auffsssung des אצל in der Bedeutung von Grund• läge epriciit aber die nachfolgende Präpos. אלי, da nach einem noipen ÄU erwarten wäre“. Harkavy.

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