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Das jüdische Literaturblatt · 1878-03-20 · No. 12. (20.3.1878) · p. Seite 47

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 12. (20.3.1878)
Date
1878-03-20
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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r — 47 — Nennenswertes sich gesellen werde Bei dem lebensvollen Ausbau unserer Wissenschaft kann der Antheil einer Hilfsarbeiterin nicht hoch genug angeschlaf en werden: es ist die B i b 1 i 0 g r a p h i e. Wenn dieser i 1 jedem Wissensgebiete eine Rolle zufällt, wie sie etwa das Grundbuch, der Kataster im Staatshaushalte spielt, soj ist ihre Bedeutung in der jüdischen Wissenschaft vollends eine unvergleichliche. Besonders ist es die Handschriften- Verzeichnung, der wir das Höchste danken. Wirj müssen es zufrieden sein, die Namen und in grossen Umrissen etwa auch den Inhalt unserer handschriftlichen Schätze kennen zu lernen, denn es können Jahrzehnte von dem ersten Bekanntwerden derselben bis zu dem Zeitpunkte vergehen, wo es )einem fahrenden Ritter oder dem Zufalle und, wenn ds hoch kommt, dem Entschlüsse eines Gelehrten gefällt, den vielumsprochenen Häftlirjg zu erlösen. Wie viele Grundwerke jüdischer Geschichte und Wissenschaft sind sei* einem halben Jahrhundert bekannt geworden, ohne dass selbst heute noch mehr als blosse Notizen daraus wie abgerissene Klänge durch die Literatur zögen. So lange die Herausgabe werthvoller Handschriften nicht eine feste Regelung! gewonnen hat, wird die Verzeichnung und Beschreibung derselben das einzige Mittel sein, die Noth der jüdischen Wissenschaft weniger empfindlich und drückend zu machen. Darum ist es ein erfreulicher Anblick, allerorten die bibliographische Thätigkeit rege z(1 sehen, zumal die Herausgabe der Verzeichnisse jetzt durch die Regierungen gesichert ist, denen sogar die Deutschen sich angeschlossen haben, wie Steinschneiders demnächst zu erwartende Arbeiten beweisen. Aber nichtl blos die grossen Sammlungen müssen beschrieben wejrden, es will vielmehr jede versprengte Handschrift verzeichnet sein, und oft ist diese scheinbar geringe Arbeit gerade um so bedeutender und dringender, als das Vereinzelte leichter der Beachtung sich entzieht und gewöhnlich darum länger von der Vergessenheit gedrückt wird, als eine durch ihre Grösse die Aufmerksamkeit herausfordernde Sammlung. Mittheilungen über Handschriften sind in allen Fällen anregend und dankenswert. Zu den Städten, die uns einzelne Handsclirilten aufbewahrt haben, gehört auch Budapest. Es wjar seiiher wenig von den Schätzen des hiesigen Nutionalmuseums die Rede. Und dqch hat eine versprengte Notiz, die Perles 1859 in.aller Kürke (Ben Chunanja II, 571) dartjber geliefert, dazu hingereicht, Senior Sachs in seinem leider Fragment gebliebenen Kataloge der Günzburg'schen Schätze p. 3 A. 2 auf eine richtige Spur zu leiten und zu dem Wunsche zu bewegen, es möchten die Semak-ilanuscripte in Pest von einem kundiglen Manne untersucht werden. Sachsens Wunsch ist ^pät, ftber rühmfich erfüllt worden; Dr. Samuel Kohn hat sich der dankenswerthen Aufgabe unterzogen, die HandschriftendesNationalmuseums ausführlich zu beschreiben. (F.f.) Das Wortspiel in den Proverbien. Von Dr. L. Treitel in Breslau. Zu den schönsten, zugleich gebräuchlichsten rbeto- ■isch« n Figuren/ denen wir bei Dichtern und {Propheten ier h. Sehr, begegnen, gehört gewiss das Wortspiel. Es st so beliebt bei ihnen, dass sie selbst eine kleine Dunielheit des Ausdruckes nicht scheuen, wo pich ihnen 1ur Gelegenheit zu dessen Anwendung bietet. Es ist tvohl auch kaum eine andere Figur so geeignet, wie iiese, uns die den Oiienialeu eigeuthürnliche Richtung mf das Geistreiche auch durch die Sprache an-chaulich 5u machen. Bi :sonders häufig aber ist das! Wortspiel in den Proverbien und musste es liier auch Sein. Denn tu den übiigen zum Theil eben angedeuteten Gründen kommt hier no:h ein' anderes Moment hinzt, das den j. I . 11 .. - Gebrauch dieser Figur faslt zu einer Nothwendigkeit machte. Die Dichter des Buches der Sprüche haben, wie bekannt, ihr : Liebligsthemata, auf die sie immer wieder zurükkon men, leicht konnte da der Leser oder Hörer ermüden; hier galt es nun durch Mittel der Rhetorik nachzuhelfen, das Intejresse an dem so oft wiederkehrenden Gegenstände auejh immer neu durch Kunst der Rede zu beleben. Dazu musste eben das Wortspiel seines überraschenden, neue Anregung bietenden Effectes wegen besonders passend{ erscheinen. In exegetischen Handbüchern, auch solchen^ wie sie in den letzten Decennien in die ()Öffentlichkeit traten, ist auf diese Erscheinung im Spt achcolorit j der Proverbien noch nicht genügend Bedach; genommen, und ist es zum Theil eben dem Umstande, lass sie noch nicht überall erkapnt worden, zuzusch: •eiben, dhss an einigen schwierigen Stellen dieses Bucl!es noch immer die Erklärung schwankt, und die damit zusammenhängenden Fragen der Texteskrilik noch nicht enÜgiltig entschieden worden. Es darf darum wohl von Neuem der Versuch gemacht werden, ob es nicht gelingen mag, durch Nachweis des Wortspiels für jene St 311en ■ eine befriedigendere Erklärung zu finden, zugleich sollen die folgenden Bemerkungen einen Ueberblick U 1er den Gjebrauch dieser ,Figur, so weit er sich auf die Proverbien! erstreckt, gewähren. Das erste Be ispiel dieser Art finde ich c. 14, 24: •עטרת חכמי$ עשרם 8וולת כסילים אולת In Zunzens I i bei werk, ■liest man an dieser St. noch immer: Eine Krcue ist für die Klugen ihr Reichthum, die Narrheit dei Thoren bleibt Narrheit. Bertheaa (״die Sprüehe Sa omo's“) sieht sich, um diese ErklÄrung zu retten, gsnöthigt, das erste אולת durch eine Menge von Attributen zu umschreiben. Dagegen erkannte schon Sch iltens, daiss hier ein Wortspiel vorliege, und das hohe Alierthum, wie das Targum bezeugt, verstand unsere Ste! le nicht anders. Zweifelhaft i9t die j Auffassung der LXX, deren Uebersetzung an dieser St. erhebliche Abweichungen vbm masoretischen Texte zeigt: arsfavoi aatfütv ravoü^os, ij.82־ fhorpißr) äfpowjv xax7j. Doch erklärt sich savoüpio: in a leicht durch die Annahme, dass in dem hebr. Cotder dem griechischen Vertenten vor-' gelegen, ש von עשרים durch einen Abschreibefehler ausgefallen sei. Die Abweichung in b ist man versucht mit Lagarde (״Aimerk. zur griech. Uebers. der Proverbien S. 48 euf einen vom masoretischen abweichenden Text zurückzuführen und zu vermuthen, dass der Vertent לוית כסילים!דלת geleson, wonach er in der Uebersetzun! den Gejdanken ausdrückte, dass die Gesellschaft der! Darren schlecht sei. Es ist aber ebenso wahrscheinlich, aass ihm keine andere als die masoretische LA. Vorgelegen, und dass er, da er den Doppelsinn von אולן־ן n'cht etyüiologisch genau zu ermitteln vermochte, bei diesem Ausdruck das erste Mal eme Metathesis der Bachstabea in Gedanken vollzog, ל vor * setzte, woraus sich ibnr mit Einschaltung von י als; Basis seiner Uebersetxong לויךן ergab. Frankel ״Vor- ( Studien z. d. Seit.“ S. 2Ö8 ff. hat bereits auf dieses Verfahren bei d sn griechischen Uebersetzern aufmerksam gemacht, nur dass gr sich über die Ur:>ache za allgemein ausge!;prochen,: die daselbst angeführten Beispiele lassen sic) leicht durch andere aus den Proverbieu vermehren. ßpr. 14, 17b M. ישנא, L)LX: ■zaixä uro<pip;1 ינשא nach 17b m. ישנא, Vogel. 14,32b M.V בסו, LX 22, 9a M.טוב עץ, l ich 1 erinuthe. 24, 21b: אל תתערב «ruittiv «xstJhJcrfl; וד£ ecruToü 6a1<i־n)T1 כת«ו (Jäger). .X: d.s<üv xtiu^ov טוב עני, wie עם שינים, lxx: Hip« על שניהם אל תתעבר (Jäger). (Schluss folgt) t.־־.

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