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Das jüdische Literaturblatt · 1878-03-20 · No. 12. (20.3.1878) · p. Seite 46

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 12. (20.3.1878)
Date
1878-03-20
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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c1:־ C — 46 — 80 sind wir zu untersuchen verpflichtet; wenn dann der Vernunftbegriff ohne die Hypothese, an welche er glaubt, seine Berechtigung behält, 80 ist die von ihm geglaubte Hypothese hinfällig. Wie z B. wenn Jemand glaubt, 'dass eis noch eine andere Erde ausser der unsrigen gebe1) und ajs Beweis hierfür angiebt, dass das Feuer die Mitte emnehmen muss, weil das Vorzüglichste stets in einer jj־ Mitte eingeschlossen sich befindet; nun steht es aber für -״ uns fitst, dass wir diesen Vorzug dem Menschen zuerkennen, welcher die Erde bewohnt, die sich in der Mitte des Alls befindet, — demnach wird die Hypothese, zu welcher jene sich genöthigt meinten, hinfällig. ' ferner, wenn Jemand sagt, ich glaube an diese Hypothese, weil de aus der Wahrnehmung erschlossen ist,; diese Hypothese widerspricht aber einer anderen Wahrnehmung, dann wird nach der wichtigeren1) der beiden > Wahrnehmungen entschieden, wie z- B. Manche angenom- י ז men haben, dass das Prinzip aller Dinge das Wasser* *) sei, Veil sie gesehen haben, dass das Element aller le- / benden Wesen feucht ist, dabei ist ihnen aber entgan- ■gen, was sie vom Fliessen und Zerrinnen des Wassers - hätten sehen können, dass es schlechterdings kein Prin- < zip sein kann, weil es in sich selbst keinen Bestand hat. 80bald nun bei einer Beweisführung Wahrnehmungen; wie diese zwei einander entgegen treten, dann eignet; «ich! die wichtigere eher zum Beweise. < * Ferner, wenn Jemand sagt, ich glaube an diese - Hypothese, weil sie aus der Wahrnehmung erschlossen , ist. ein Theil dieser Behauptung aber widerspricht ei- nem andern derselben, so ist diese Behauptung falsch; \ z. R die Behauptung derjenigen, welche das Gute für dlas, was uns angenehm ist4), erklären, weil sie dies ־ So wahrnehmen; sie denken aber nicht daran, dass ihre ׳-׳ eigene Ermordung ihren Feinden ebenso angenehm sein _*/ dürfte, wie die Ermordung ihrer Feinde ihnen angenehm iht, ,und dass demnach ebendasselbe zugleich gut und böse ist, — Etwas, jvas sich selbst widerspricht. Ferner, < wenn Jemand sagt, ich glaube an diese Hypothese aus dieser Ursache; bei einem sorgfältigen Eingehen auf diese Ursache finden wir jedoch, dass sie etwas ganz *) Es sind die« die Pythagoräer, welche eine ״Gegen erde“ annehmen. Saadiah hat hier Arist. De coelo II, 13 un Auge, wo es IwMSt: ״. . . denn (die Pythagoräer) behaupten, im Mittelpunkte aei Feuer . . . ferner construiren sie auch eine zweite, der ersten l —|««ו|ו»ון m1111 Erde, welche sie als ״Gegenerde“ bezeichnen . . .!Auch rttle Andere dürften diese Meinang theilen . . . sie meinen DtaSleb, das• es dem Vorzüglichsten zukomme, den vorzüglichsten Mauas erazunehmen; Feuer aber sei vorzüglicher als Erde, und Qrflm vorzüglicher als Zwischenraum, das Aeusserste aber und der Mittelpunkt seien Grenzen, 80 dass sie hieraus schliessend mei- *an, dass in der Mitte der Kugel nicht die Erde, sondern vielmehr da• Feuer •ich befinde. Ferner meinen diee die Pythagoräer auch deswegen, weil das Wichtigste des All am meisten bewacht zu werden ziemt; derartig ist der Mittelpunkt, und in Bezug hierauf M0MB sie daa diesen Kaum einnehmende Feuer die Wacht des jZ•«■ . . .' — Den Satz, dass das Vorzüglichste sich in der jewei- 'Mgen Mitte sieh befindet, führt S. am Anfänge des Tract. IV aus.! י) Statt בנכול muss hier בגדול gelesen werden. Vgl. Grätz ,Frankel Mtsehr. Jahrg. 19. 1870. S. 40t. — *) Thaies erklärt das Wasser als das Grundprinzip der Dinge, j *) Die Cyrenaiker and Epikarger erkennen bekanntlich das höchste Gut im Vergnügen and setzen gnt and angenehm als gleichwerthigs Begriffe. Anderes ergiebt, woran jener nicht glaubt, so ist die Hypothese damit hinfällig, z. B. die Behauptung der Anhänger der Weltewigkeit, welche glauben, dass die Dinge ewig sind, *weil wir nur das glauben, was wir mit unseren Sinnen wahmehmen können.“ Die aber nur das glauben, was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen, müssten sich gerade dadurch von dem Glauben zurückhalten lassen, dass die Dinge ewig sind, weil es eine Unmöglichkeit ist, dass sie das Ewige in seiner Ewigkeit1) wahrnehmen können. Ebenso verhält es sich, wenn Jemand sagt, ich lehne dies aus dieser Ursache ab und man findet, dass er in noch grössere Schwierigkeiten hineingerathen ist, als es diejenigen sind, die er vermeiden wollte, wie z. B. einige Monotheisten durchaus nicht erklären wollten, dass Gott es nicht vermöge, das Gestern zurückzubringen ׳und dadurch in das grössere Uebel gerathen sind, von Ihm Ungereimtheiten auszusagen, wie ich dies noch im ersten Traktat erwähnen werde. (Forts, folgt ) Die hebräischen Handschriften des nngarischen Nationalmuseums in Budapest.*) *In allen ihren Köthen ward auch ihm wehe!“ Das Wort gilt auch vom jüdischen Schriftthum. Nicht nur das jüdische Volk, auch die Erzeugnisse seines Geistes erzählen von einer Diaspora. Und wie nach dem Spruche des Sehers bei der grossen Neuerstehupg Israels die Versprengten herbeikommen werden vom Morgen und vom Mittag, vom Norden und vom Sonnen- Untergang, und Leben einziehen wird in die todten Gebeine, so hat der Werderuf der jüdischen Wissenschaft unter allen Himmelsstrichen die im Staube Schlafenden geweckt, die welken Züge gewinnen Sprache und Ausdruck, und neues Leben erblüht aus dem Moder. Die Decke der Jahrhunderte beginnt sich zu heben, ein lebhaftes Regen zittert unter dem Boden, wie wenn der Frühling über die Erde geht, die Todten steigen aus ihren Gräbern und längst Vergessene schlagen die Augen auf, dass wir Freud und Leid und alles Sterben vergangener Geschlechter darin lesen können. Alle Länder der gesitteten Erde steuern zu dieser Auferstehung; von Kairo bis St. Petersburg, von Salamanca bis Cochiii reicht die Thätigkeit, durch die aus Schutt und Trümmern eine Wissenschaft erstand. Es ist bekannt, wie ganze Strecken jüdischer Ge-, schichte erst aus den Handschriften ihre Beleuchtung erfuhren, hervorragende Werke, die verloren schienen, aus der Haft der Bibliotheken hervorgezogen wurden. Und wie oft waren es gerade Städte, denen kaum eine Beziehung zur jüdischen Wissenschaft zugemuthet werden durfte, die uns an der Wiedergabe und Wiederher- Stellung alten Gutes halfen! Was bedeutet nicht Kairo für den Gaon Saadias! Wer hätte es ahnen können, dass Jona ibn Ganach von Rouen her Förderung für sein grosses Wörterbuch finden werde. Auch klingt Rostock wenig darnach, dass es dem alten Chronikerklarer, dem interessanten Räthsel der mittelalterlich exegetischen Literatur, ans Licht zu verhelfen vermöge. Die Ueberraschungen sind nicht zu Ende, die ungeahnten Funde werden nicht vereinzelt bleiben, und kaum giebt es ein massigeres Beginnen, als jeizt bereits erklären zu wollen, das9 zu dem Bekannten kaum noch ') Dieses Argument betont Saadiah stets als das entschiedenste, dass man die Dinge als ewig nicht sehen und wahrnehmen, son . dem nur erschiieseen and glauben kann. *) Von Babbiner Dr. Samuel Kohn. Berlin, J. Benzian 1M| Jk

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