Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 7 (1878)
- Issue
- No. 12. (20.3.1878)
- Date
- 1878-03-20
- Page
- Seite 48 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 48 — Liter&turbericht Keeautaic■. •«jl», Jodengeschichten, humoristische Erzäh- Jhppgen. 1878! Jph. Fr. Hartknoph, Leipzig. Preis l'/i *• ßtr durch die Eigeathümliehkeit der Apffkssangs- und Dar- , »teil ungsweisp' des polnisch-galizisrchen Volkslebens berühmt gewordqae Verf vorliegender ״Jaaepgeschichten* hat »ach bei Zeichnung jüdisch-polnischer Charaktere seine grosse Gewandtheit und Origiaalitat inohjectiveflrthssaiig and Abconterfeiung realer Umstände aäd Verhältnisse bewiesen. Gegenüber vielen modernen Novellisten and Romanschriftstellern, die als Modeartikel aus dem Auslande nach Deutschland importirt werden, hat Sacher-Masoch wie nur ־Wenige das grosse Verdienst, in seinen fruchtbaren Geistesprodnc- 'Honen sich nicht, wie a. B. der vielgelesene Verne, io eine Un- ׳ mdllekksit' einer phantastischen ,Ideenwelt zu verlieren. Wie ein ,^ihxer Künstler nimmt er zum Vorwurf seiner Charakterzeichnungsp die Gegenstände aus dem beschränkten Natur- und Volksleben ׳mid skiuirt deren Umrisse, die Lieht- und Schattenseiten, mit fast ־pkotographiscber Trene und Wahrheit. S. Masoch macht keine ' idealen Luftsprünge, keine Weltreisen, .hinter dem Meere" oder ״im “, er bewegt sich auf dem festen Boden realer Erscheinen- .ist ausgezeichnet ▼ersirt in seinen heimathliehen, ethnograhen und sodai-pol tischen Verhältnissen׳, durch Geburt und hang im Lande seiner Bildangsstoffe, durch persönlichen Um- -gabg und öftere Berührung mit Adel und Bauer, Beamten und tftaden, durch׳ hervorragendes Talent in der Wiedergabe und Veranschaulichaiig der geistigen Eindrücke, ist er am Besten dazu Witimirt, in diesem Genre Vorzügliches za leisten. Für die Jaden hat die Jadenfreandlichkeit Saeher-Maeoeh's den unschätzbaren Vorzug, dass er kein Jade ist, wie ihn die ultraadntane and proteeWaMseb-jeeuitische Schmntspresse früher ver- Ja, 8. M. ist nicht einmal getaufter Jude, wie z. 8. der Ische Premier Lord Beaconsfield, dem nnlängst Prot Freein seinem Werke: ״The Ottoman Power in Europa etc." sein sw eentttneftt als Erbsünde an rechnete, und in einer Schrulle ■;.ä la GMstone eine fertige europäische Allianz zwischen Juden- . ttod Mohamedanertham entstehen sah, weil ״Blut stärker ist als ,Wasser." 8. M. ist ein echter VoUblatschrist von der alten Kreuzfhcrer itaije, omd wie eine biographische Notiz im Prospectus zu ־ dessen Schriften besagt, reicht lein adeliger Stammbaum bis zum!Anfang den 16. Jahrhunderts hinauf, und der ente ״urkundlich ־be- Äto“ Ahnherr Don M. Sacher kämptte 1547 unter Kaiser Karl V. tr Schlacht bei Mühlberg als Rittmeister gegen die Pxotestanton. Das jadenfreundliehe Zeagniss des christHehen Ritters Leopold 8. M-, Sohn des k. k. österr. Hofraths und 1837—1848 in Ga- : Kaien Atngirenden Polizeichefs L. r. Sacher, ist unstreitig von gro- «sein Werth zur Würdigung der polnisch-galizischen Juden. — —, J Den Inhalt der in dieser neuea Schrift des Autors enthalten ־ den 3 Erzählungen wollen wir nur in gedrängter Kürze und, andeh tun Beweise hier für die Leser dieses Blattes anzeigen. In .der 'ersten Novelle wird das Familienleben eines Dorfjaden Nahum 1Wasserkrag gasdaldert, der aas inniger Liebe zu seinem einzigen eJJojm loesel, aus dem Extreme einer ihm angeborenen Feigheit in das Entgegengesetzte eines Helden verwandelt wird und durch sein desparates und eoaraghrtes־ Auftreten als Retter einer adeligen Faihile, bei Gelegenheit des Bauernaufstandes im Jahre 1848, zu und Ehre gelangt. In der anmuthigen Erzählung ״Moses Gold färb und sein Haus" ' das religiös-fromme Leben eines braven alten Jaden in hu- י jstischer tWeiae geschildert, im Gegensatz za seinen nicht in ÜtMiep־ Fasstapfen wandelnden Kinder, die aber trotz ihrer abwei- 'ibtaden nichtjttdiaehen Aufführung, durch ihre eeht jüdische Pietät ׳ trhd ihren Endlichen .Zartsinn in keiner Weise den alten Vater *erietzen und kränken grollen. .Am gelungensten erscheint ans die.3, Novelle ״Mintschew und Piqtscbew“, in welcher der jftd. Schneider Pintachew und def Fuhrqiann Mintsehew, beide tüchtige Talmödisten und Disputatoren über dnSte und־ oft recht komische Themata aas Bibel .und Gemara, unaufhörlich Diseur•e führen und sich heramstreiten, und trotz Ihrfr steten Opposition qaand-naäme ohne einander nicht leben aad magnetisch sieh .gegenseitig anziehen, zuletzt zusamim Armenhaase wohnen, rastlos debattiren und' sogar gleichsterben. Die drastische Darstellnng dieses eigenen Dioskures, das ausschliesslich die Lieoezur ewigen Controverse gleichsam eine concrete Verificiruug des Satzes - des Widerdareh's ganke Leben bis zum letzten Athemzug eng verist für Kenner dieser in Galizien nicht so Seltenen ßuebureine wirklich erheiternde Lek'ü e, und liegt hier mehr eit ,*ls Dichtung zu Grunde, was besonders auch bei den lenden Apergü'■ und psychologischen Betrachtungen seitens Autors der Fall ist. F. Mieses■ *ein*«*, Dr. Ad., קונסרם תרי״ג ומאמר המלואים Wien 1878. Brüder Winter’s Filiale (48 S. 8’). Das vorliegende ist das vierte Heft bihliographisch-literaturgeschichtlichen Inhalts, das der Verf. seit Kurzem veröffentlichte. Der Verf beabsichtigt, wie die bisher erschienenen Hefte zeigen das weitumfassende Gebiet der talmudischen Literatur nach Mate- <rien za ordnen und zu sichten und der SpecialforschuDg gleichsam Repertorien an die Hand zu geben, welche ihr die Arbeit namhaft zu erleichtern vermögen. Die überaus reichen Hilfsmittel, die dem Verf seine eigene höst vollständige Bilchersammlung, seine Verbiodungen mit anderen Fachmännern, sowie seine umfassenden bibliographischen Kenntnisse hierzu daebieten, befähigen ihn mehr als irgend Jemanden, derarftge Specialarbeiten zu liefern. Der Verf wählte diesmal die Literatur der!תרי״ג מצור zum Thema. -Wie reichhaltig dieselbe sei, zeigt die Zahl der angeführten Piecen (148), darunter mehrere Handschriften. Freilich ist die Zahl der eigentlichen Grundwerke im Vergleiche zu der angeführten Literatnr, die theils Reproduktionen, theil9 Erklärungen umfasst, eine verschwindend kleine. Für den praktischen Gebrauch bei der religionsgesetzlichea Entscheidung sind הלכות גדולות Ton R. Sinfon Kahira, ם' המצות von Maimonides, das ״grosse Buch der Gebote" (סמ׳־נ) vou R. Moses aas Coacy und das ״kleine" (0מ״ק) T0n R. Jizchak aas Corbeille die klassischen Werke, während החינוך ‘D von R. Ahron ha-Levi die belehrend-erbauliche Seite der Gesetzeskünde am vorzüglichsten vertritt. In der Geschichte der Zählupg der biblischen Gebote und Verboteמנין חשבון ׳סדר המצות)(״)! welche sowohl nach verschiedenen Eintbeilungsgrüaden erfolgte* die Verbote nach den Strafen, dann Individual- und Gesammtheitsgeböte [Kahira]; nach den 10 Geboten [S aad ja]; nach der Verwandtschaff und .Zusammengehörigkeit des Inhalts [Maimonides]; nach der Reihenfolge in der Schrift [Aron ha-Levi], als auch Differenzen in der Zählung und dem materiellen Inhalte der einzelnen Ge- oder ,Verbote aufwies, nehmen die wichtigste'Stellung ein: Kahira's■ך"נ, sodann die auf Kahira zurückweisenden Asharot für das Wochenfest, die zu den ältesten Hervorbringungen der gottesdienstlichen Dichtung gehören, worunter אחה הנחלת -״ אזהרות ראשית (No. 4 u. 6) auf die babyL Hochschulen zurdekgeführt werden, eine Piece (No. 141 Saadja Gaon (vgl. No. 93), eine andere (No. 7) einen Schwestersohn Haj Gaon’s zum Verfasser hat, die Ash. von Salomo b. Gabirol (No. 15), die Saadja'8 Anlehnung ah die 10 Gebote kennen, sowie die Ash. des Jizchak Al-Barceloni (No 11), die ganz auf ה״ג hasireD. Selbstständig kritisch und von systematischen Grundsätzen ausgehend war das Werk des .Maimonides, der nach Vollendung des Mischna-Commentares das Bedürfnias fühlte, ein Compendiam der sämmtliclien Ge- und Verbote für den Laien za schaffen und nach seiner Art die für die Zählang der Gesetze massgebenden kanonischen Sätze seinem Buche vorausschickte. Von historisch-kritischem Werthe ist die Vorrede zum ^0' המצןן> worin M. das Unzulängliche der Vorarbeiten und seine eigenen Ziele darlegt. Das darin citirte המצות ‘D ■oll hem babyl Schuloberhaupte Chelez b. Jazliach, einem Zeitgenossen Haja's, angehören (s. No. 111). Das arab. geschriebene Kitab as-Scbariat wurde dreimal in's Hebr. übersetzt. Abraham b. Chasdai übertrug ee .nach der ersten Recension, Mose b Tibbon nach der zweiten; erstere Uebertragung lag Nachmanides und Abr. ha-Levi vor, wurde aber nicht gedruckt M. b. Tibbon liees sich auch nur aus dem Grund zur Uebersefznng des Buches herbei, wie er in seiner von Jellinek wieder abgedruckten Vorrede mittheilt, — dieselbe fehlt in den meisten Ausgaben — weil Abr. b. C11. nach der Grundschrift des.Maim. gearbeitet, während dieser später in dieser vielerlei Aenderangen vorgenommen und eine Uebereinstimmnng zwischen dem Jad nnd dem B. d. Gebote hergestellt habe. Hr. J. hat in den sehr werthvollen Ergänzungen zum ersten Male einige Proben "des arab. Originals veröffentliche and hiezu solche Stellen gewählt, von deneu die Uebersetzung b. Chasdai's in extenso vorhanden ist. Die Parallelisirung des Originals und der hebr. Uebersetzungen b. Tibbon's und b. Chasdai's ist sehr interessant und zeigt, dass Maim. im Texte Zusätze angebracht, die Nachmani nicht gekannt. (Schluss folgt.) *) Bekanntlich ist ein Aussprach R Simlai's (Maccot 23b) die älteste Quelle für die Zahl der Ge- und Verbote. Derselbe hat agadischen Charakter, wie die Einführung mit דרש und die Begründang mit der Zahl der Tage und der Glieder beweist. Die Anführung der ]תדי״ן *n ^er Mechilta zu Ex. 20, 2 (ad. Weias p. 74b) beruht, wie Weiss bemerkt, auf falscher Lesart und ist nach Siffe richtig zu stellen in בכל המצות כלן• Jmmerhin muss R- Simlai die namentliche Zählung schon versucht haben, von ihm weiter höien wir nichts davon bis auf R. Simon, da von R• I®■ hudai's הלכות פסוקות nicht bekannt ist, dass sie auf die Zähluug ansgehen. Wieder ein Beweis, wie wenig wir von der sabaräischen nnd älteren gaonäischen Zeit wissen. cur Dr. M. Rah mer in Magdeburg. Druck von C. Scharnke in Ba1;by. Verlag ras Ko bert Fri esc in Leip&f