Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1878-03-06 · No. 10. (6.3.1878) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 10. (6.3.1878)
Date
1878-03-06
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5367336-6488234-8755616--0967-4854426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Literaturbericht. ReeeBsieneB.! 2) Schwan, Dr. Ad., Rabbiner in Karlsruhe, P redigten,'1. ׳Theil: Sabbathpredlgten zum ersten Buche Mose’s. — Karlsruhe 1878, A. Bielefeld. (Schluss)*) Ganz besonders geeignet, an Beispielen die Theorie der jüdischen Predigt nachzuweisen, sind die Sabhathpredigten des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Schwarz in Karlsruhe. In Form, Anlage und Inhalt dürfen sie als mustergiltig bezeichnet werden. j Die Form ist eine durchaus schöne, die Sprache edel, die Satzbildung dem Effecte des ausgesprochenen Gedankens arigepasst. Die Periodenbildung haben wir durchaus nicht ermüdend gefunden. Nicht ineinander gefügte, eingeschachtelte Haupt- und Nebensätze, die allerding» den Hörer mehr noch als den Leser ermüden und verwirren würden, sondern klare parallel laufinde kunstvoll und doch einfach gefügte Sätze inaehenj auch dem weniger befähigten Zuhörer den Inhalt derselben mundgerecht. ' Eine solche Sprechweise namentlich an Stellen 1 der Predigt, die durchaus nicht missverstanden oder gar überhört werden sollen, ist schön und praktisch zugleich. An Stellen, wo es sich darum handelt, nacndrucksvöll aus dem Gesagten den Schluss zu zieheuL sind mit dem natürlichsten Erfolge die kurzen, einfachen Sätze angewendet. Das ist meiner Ansicht nach die einfache Regel von der Anwendung der Bausteine für eine gute Predigt. Wenn wir noch 6agen, dass Schwarz in seinen Predigten den nirgends mehr als in der Kanzelrede zu vermeidenden Fremdwörtern aus dem Wege geht, so haben wir Alles gesagt, was sich in Bezug auf die Form bei einer guten Predigt nicht so ganz von selbst versteht. In Bezug auf die Anlage haben (wald zufällig) alle gegebenen Reden eine Einleitung und zwei Theile. In der Einleitung giebt Schwarz nicht, wie das viele Redner, und wie ich glaube mit berechtigter Rücksichtnähme auf die Gedankenträgheit mancher, ja wir fhun wohl kein Unrecht, wenn wir sagen sehr vieler Zuhörer, thun, eine Disposition der zu haltenden Predigt, sondern er giebtr eine Anregung, die an eine Tageefrage oder an eine die Wissenschaft oder das Leben bewegende Erscheinung anknüpfend, die in der Predigt selbst gegebene Belehrung zu verlangen scheint. Es mag dieser mit vieler Natürlichkeit und vielem Geiste, manchmal mit einem weit über den Wortsinn des Textes hinausgehenden Scharfsinn befolgte Weg, in der grossen Stadt vor gebildeten Hörern seine gute Berechtig mg haben; Herr Schwarz hat wohl auch sein Recht, vom Hörer zu verlangen, dass auch er seinen Geist ein wenig anstrenge: der Prediger in der kleinen Landgemeinde wird aber nur sehen gut thun, diese Art von Einleitung zu häufig seinen Predigten voranzusenden. Dies sei nur deshalb bemerkt, weil Schwarz wirklich als Paradigma für die kleinen Prediger empfehlen können. Die beiden Theile der Predigt lösen djurchgehends ohne ermüdende Ausführlichkeit, mit einem Schatze von geistreichen Anspielungen und Auslegungen geziert, ihre Aofgabe. Sobald die Aufgabe, die sich der Redner ge- «teilt fiat, gelöst ist, hat die Predigt ihren Sclluss erreicht und in diesem Sinne ist es richtig, dass si i eines anderen rhetorischen Schlusses nicht immer bedarf. ד wir Herrn iaspora der *) Nachstehende unliebsame Druckfehler sind dieser Recension stehen geblieben: S. 31 Sp. 2 Z. ״betrachtet* w,ird, S. 32 Sp 1 Z- 17 jenem st jef< flössen st. erfüllen, Z. 40 ist nach .Bedürfnisse* f *allen, sum Schluss ״vorgesogen* st. ״den Vorzug im 1. Theile 5 fehlt nach 1en, Z 22 ein-f end ausge• gegeben*. 01g Unter den vorliegenden Reden sind denn auch einige, die sich mit Einleitung und zwei Theilen genügen lassen, und die trotzdem ]ihre Aufgabe vollständig lösen. Nichtsdestoweniger ziehen wir jene vor, die wie X, XI 11. LA, einen eigentlichen Schlusspassus besitzen. Wied;r ist dies namentlich im Interesse des .min-• derftegabt!!n Zuhörers wütechenswerth. Er hat den Auseinandersi tzungen des Redners wohl folgen können, er. hat das Ganze mit gutem Verständnis« erstehen sehen, und nun :;um Schlüsse thut ihm eine kurze Recapitulation, eiie ausdrückliche Nutzanwendung sehr wohl; er trägt c a etwas leichter Haftendes mit nach Hause. Die Haup stärke der Schwarz’schen Predigten liegt aber in ihrem Inhalte. Schwarz hat ein warmes Herz und einen klaren Kopf; das genügt aber nicht Schwarz weis« die Herzt; mehr. W begleitet, n zu erwärmen, die Köpfe zu klären, das1 ist g 0 er uns, wie in V, VI. XI, XII, in die Familie׳: sind seine Worte von einer wohkhuenden Be* geisteruni, die sich dem Leser und, wie wir mit Freude dem Coli egen aus dem Nachbarlande vom Hörensagen wiedergeien, ganz besonders dem Zuhörer mittbeilt.; ״Worte, < ie vom Herzen kommen, gehen ein zum Herzen.“ Nod 1 wollen wir zum Schlüsse die gegen den Materialism! 1s und die materialistische Richtung in' der. Wissensciaft gerichtete Predigten,, namentlich die erste, die wir für die beste unter den Besten halten, hervorheben. Da ist keine Spur von einem gehässigen Lospoltern und leid SDSchaltlichen Verketzern. Mit der Rubej, die* allein dii! wahre Wissenschaftlichkeit kennzeichnet, wird widerlegt und erläutert, und ich glaube Darwin^sel.bst, würde die erste gegen seine Schule oder vielmehr blinden Nachbeter gerichtete Predigt mit Freude lesen. Nach dem Gesagten kann die Sammlung nur aufs 7 Wärmst« empfohlen und die Fortsetzung mit Spannung erwartet werden. Zürich, Mitte Februar 1878. ל. Alexander Kisch. י Jell inek, Dr. Ad״ Be tha-Midrasch, Sammlung kleiner Midraschim und vermischter Abhandlungen aas.' der äjteien jüdischen Literatur. — Sechster Theil. Wien/Ajjj Filiale der Buchhandlung Brüder Winter 1878 (Schluss.־) No. III. Die Petruis-Legende, welche einen Bestandtheil der kleinen, in vier von einander sachlich und sprachlieh abweichenden Bearbeitungen existirenden Schliff' י Toleäot Jeschu, ausmacht, wird als die älteste Textre- V cension erklärt, während dieselbe in der Gestalt, wie" sie am Ende d«s Buches als Zusatz gegeben wird; ] der jün gsten, unter dem Titel ״Tarn umued“ gedruckten :•j Bearbei:ung entlehnt ist. Petrus —so heisst es daselbst׳' -+- Wirc zur Taufe gezwungen, bleibt aber im Herzen 7'^ dem Jnienthum treu, sucht den Christen milde Gesianungen gegen dasselbe einzuflössen und dichtet sogar PijufimJ welche das Wohlgefallen des Resch Geluta1^ und Aufnahme in die jüdische Liturgie finden. J. meint, dass di i Haupttendenz dieser Legende darin bestehe,^״ ״die Juden gegen die im Namen Jesu veranlassten Bedrückuigen der Kirche in Schutz zu nehmen“, indem man auf die schönen und liebevolleh Aussprüche de•' Evangeliums-hinwies. Das klingt zwar nach den herbeigebrachten Belegen sehr annehmbar; gleichwohl schemt^־^ der vorwiegende Eindruck, den man bei der Lektüre^® dieser Hagen erhält, darauf hiozudeuten, als wenn solche Schriften zugleich «lie Rettung und Rehabilitirung der '־'■) Zwangätauflinge sich zum Zfreck gesetzt hätten,, dass es wohl miteinander verträglich sei, die Taufe erhalten, zu baten und doch ein guier Jude zu sein, indem man ja das gesetzliche Ritual fernerhin beobachten kötme und ]noch überdies imstande sei, dem' Judenthum sehr nützlich zu werden, Kaiph i oder Petrus beweist. wie das Beispiel des Simon ■£5

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.