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Das jüdische Literaturblatt · 1878-03-06 · No. 10. (6.3.1878) · p. Seite 38

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 10. (6.3.1878)
Date
1878-03-06
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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bares zu . läugnen und wissen nicht, dass jene zum Theil berrühreii von den Bildern des vergangenen Tages, welche am penkvermögen vorübergegangen sind, wie es hierüber.an der heiligen Schrift heisst: ,Denn der Traum kommt in Folge vieler Geschäftigkeit“ (Eccles• 5, 2); — zum Theil von den Speisen, je nachdem sie warm, oder kalt, ־viel oder wenig sind, wie es hierüber~an "der h. Schrift heisst: ״Wie der Hungrige träumt, dass er esee,.und wie der Durstige träumt, dass er trinke“ (Jes.29,8); — zum Theil, wenn die elementare Mischung1) über das Temperament überwiegt; das Warme und Feuchte1 ruft gewisse freudige und ergötzliche Einbildüngen, das Kalte und Trockene traurige und besorgliehe Einbildungen hervor, wie jener kranke Dulder sagt: ״Wenn ich dachte, dass mich mein Bett trösten würde, dass mein Lager mein Seufzen werde tragen helfen, dann schreckst du mich mit Träumen auf, ängstest mich aus Erscheinungen* (Hiob 7, 13). Allerdings läuft in ihnen Etwas von einer höheren ־,Andeutung .mit unter, in der Weise eines Winkes oder Phantasma’s, wie es heisst: ״Zu mir stahl sich ein Wort und mein Ohr vernahm eine Kunde davon in der traumhatten Erscheinung der Nacht u. 8. w.* (Hiob 4, 13). (F. f.) Nachträge zur Kritik des Baches Esther. Von Dr. J. S. Bloch in Brüx. IV־ Herr Prof. Reuss schrieb mir: ״Zu Purim füge ich noch hinzu, dass mir der Gedanke gekommen ist, dieses Fest könnte irgendwie (vielleicht mit Ihnen zu reden polemisch) zhit dem NikanörtagihVerbindung zu bringen sein.* "־' Ridhthng und Consequenz der von mir vertretenen Anschauung vom Estherbuche drängt zu der Annähme, :dass wir in Purim eine von den Griechen entlehnte Feier vor uns haben, die, in Kreisen der Hellenisten früher schon eingebürgert, sich dem Verf. von Selbst ziir Benützung für seinen Plan darbieten musste. Für mich ist ferner entscheidend, dass zur Zeit der Abfassung der apokryphischen Zusätze zum Buche E. dieses JTest, wie aus den Berichten deutlich hervorgeht, von den Heiden noch gefeiert worden war, was der Verf. auf allerlei Art zu erklären suchte, der bis zu dem 'Gedanken sich verstieg, dass ־auch die heidn. Völker, d.'hi cfie Griechen, die Rettung der Juden — einem Edikte des Acbafschwerosch zufolge — feiern müssen.1) De!r Hinweis auf den Nikanortag ist darum doch ein sehr dankenswerther. Mir erscheint es geradezu als ein religionsgescbichtliches Räthsel wie der 13. Adar, םםזז;(י ist die vorübergehende Mischung einzelner Elemente in ihrem! zoflUligen Einfluss aaf den Körper; ist die habituelle )Mischling sämmtlieber Elemente, durch welche der individuelle Charakter des menschlichen Organismus bestimmt wird, also das Temperament Die ältere V. lautet: שהוא נהיה HD ויש מהם מן הפתור והטבע העודף על פיתוכי הנשם אם לדעה אם לטובה׳ הא'יהיה הפתוך העודף על מזג הנוף וב' י) Ich weis■ nicht öb and für wen es ansgesprochen werden muss, dass diese Präge bl08 für die archäologische und historische Wissenschaft von Interesse ist, das praktisch religiöse Leben des Judenthums aber in keiner Art berührt Denn diese fragt nicht, wer Alles vor so und so viel tausend Jahren dieses Fest anch gefeiert hat, sondern, welchen Gedanken, welchen religiösen und geistigen Gehalt verbinden wir mit dieser Feier. Nicht die Abstammnng, sondern einzig und allein der geistige Gehalt entschei- ■*hü über Werth and Heiligkeit. Abraham war ein Sohn des Terah aber ein: gotterw&hlter; ob sein Vtter ihn dem Götzendienst hfttte, weihen wolien, die Vorsehung zog ihn heran zur Vertretung und VerhcrrÜeÄhng des reinen Gottgedankens. der letzte grosse Siegestag Juda Makkabi's, an welchem 35,000 syrische Krieger allein auf dem Schlachtfeld gefallen, während der Rest eilende Flucht ergriffen vor jener winzigen Schaar von 3000, beseelt von Israel. Gottestreue und Glaubensmuth (I. Makk. 7, 49; II. Makk. 15, 27), jener Nikanortag, der״ zum unauslöschlichen, Gedenken als heiliger Freudeutag für die spätesten Ge-! schlechter bestimmt worden — in einenT rauer - und! Fasttag umgewandelt werden'konnte, und zwar nicht' in Folge etwa eines in einer spätem Zeit eingetretenen schweren Nalionalunglückes, dessen Macht, wegen ihrer erdrückenden Schwere, sich die Gemüther nicht entziehe« konnten, so dass man, ungeachtet der glorreichen Erinne• rungen, die für Israel an diesea Tag sich knüpfen, ihn der neuesten Unglücksfälle wegen zum Trauertag W stimmte. Urü einen Grund zum Trauern und Fasten zu finden, musste man weit, in die Vergangenheit zuj rückgreifen, an das angebliche Fasten der Königin Esther wieder anknüpfen, das doch allenfalls einige Jahrhunj dert vor der Nikanorschlacht stattgefunden haben soll! Wie versteht man die unnatürliche rückläufige Entwick* lung im Charakter dieses Tages? Haben wir auch hier ein Parteimanöver der Peruschim, die den 13. Adar in einen Trauertag umwandel־ ten, um damitdasVolk d urch die alljährlich wiederkehrende 8iegesfe1er nicht immer von Neuem an die gewaltigen Thaten der verhassten Hasmonäer erinnert werde, oder war es blos ein launenhaftes Spiel des Zufalles, das die Fre ude inTrauer umwandelte? Das älteste uns bekannte Referat über das ״Fa6teo Esther“ findet sich in dem in einer relativ späten Zeit redigirten Talmudtraktat So fer im 1 7, 4; doch lautet, die Notiz nicht als von einer neuen Vorschrift, sondern wie von einer aus uralter Zeit überkommenen Sitte. Oder sollte das Schweigen des Talmud und des JosephUs Beweis sein, dass man dieses Fasten nicht so hoch hinaufrücken darf? Wer vermöchte den windungsreichen Gang der Ge־ schichte auf Schritt und Tritt zu erahnen, wo des Fori schers suchendem Auge wie mit einer grausamen Ab• sichtlichkeit jeder sichere Anhaltspunkt sich entzieht, ihn der eigenen Vermuthung überlassend, welche oft Wege der Phantasie als von der Geschichte gewandelte Bahnen zauberhaft vorgaukelt! Wenn Analogien ein entscheidendes Wort milreden dürfen, möchten wir hier eine solche heranziehen. Wie am Purim das Buch E. vorgelesen wird, arn Fasttag des 9. Ab. die K. L., so kommen die drei anderen ״Rol־ len“ מגילוח an jenen drei hohen Festen zur Verlesung, an welchen das Volk nach Jerus. zu wallfahrten pflegte: das H. L. am Pesach, an Pfingsten Ruth, am Laubhüttenfest Koheleth. Wie alt ist dieser Usus der Synagoge? Talmud und Josephus ei zählen nichtabievon, seine erste Erwähnüng finden wir auch hier in einem Referat des• selben nicht gerade durch hohes Alterthum sich au«־ zeichnenden Traktates Soferim 14, 3. Und doch be־ sitzen wir untrügliche Beweise, dass diese Vorlesungen aus der urältesten Zeit uberkommen sind: Das Vor־ handensein der ״Fünf-Rollen“-Handschriften, welche die 5 Büchlein nach Ordnung der Festseiten, an welchen sie zur Verlesung zu kommen pflegen, enthielten. Im Laufe der Jahrhunderte beeinflusste das •auch die Ordnung und die Reihenfolge der bibi Schriften im hebr. Kation, indem Ruth und K. L, die ursprünglich iu der Propheten* Sammlung ihren Platz hatten, in die Ketubita versetz worden zu den drei übrigen ״Rollen“, weil man auch sonst die 5 Schriften zusammen zu haben gewohnt war. Vrgl. meine ״Studien“ S. 25—27. Das ist ein Beweis vom hohen Alterthum jener Vorlesungen. (Schl088 dies. Artikels in nächster Nr.) ■1■“'■י- —*■ •*•fei älH

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