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Das jüdische Literaturblatt · 1878-02-27 · No. 9. (27.2.1878) · p. Seite 34

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 9. (27.2.1878)
Date
1878-02-27
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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:־& st aufgebmpt auf der Erkenntniss der. sinnlichen Wahr- -nehmung, auf der Erkenntniss der Vernunft und auf dem, was sie zwingend folgert, wie ich es im dritten Traktat dieses' Buches ausführen werde. Ich sage jetzt, dass diese Er kenntnissweise — nämlieh die wahrhafte Ueberlieferung und die prophetischen Bücher — uns diese drei Wurzeln bestätigen, dass es wahrhafte Erkenntniss weisen sind; zählt doch die h. Schrift die sinnlichen Wahrnehmungen auf, welche den Götzenbildern abgehen, stellt sie als fünf hin und fügt ihnen noch z we ij hinzu, wie es heisst: ״Sie haben einen Mund und können{ nicht reden, sie haben Augen und können nicht sehen! u. s. w.* (Ps. 115, 5.). Diese fünf sind die Sinne sei bst.1 Von den zwei hinzugefügten ist die eine die Bewegung, *vie es heisst: ״Ftisse haben sie und können ׳ nicht gehen“ (l c. 7); hierdurch wird das Schwere und das Leichte erkannt, wenn es den Menschen wegen sei- J^r Schwere an der Bewegung hindert, oder wegen seiner Leichtigkeit ihn nicht hindert. Manche haben nämlich die Zahl dieser Sinne Termehren wollen, indem sie sich gefragt, ,durch welchen von ihnen; wird die Leichtigkeit und die Schwere erkannt? Darauf ant- Worten wir: durch die Sinne der Bewegung, denn durch sie wird die Leichtigkeit und die Schwere gefunden. Die andejre ist ״die Sprache, wie es heisst: ,Sie. sprechen Dicht mit ihrer Kehle“ (1. c.), es umfasst dies die Bede im Allgemeinen, sowohl Worte als Satzver- .,Bindungen,] Obersätze und Beweise, wie wir erklärt iiabeu. (Fortsetzung folgt.) Der- Darwinismus in der Agada. IV. Ton Dr. B. Placzek. Mit dem Vorangeschickten soll indess nicht das Vorkommen rein teleologischer Weltansichten in der Agada in Abrede gestellt werden; umgekehrt, deren Anzahl ist Legion. 1 Aber sie beherrschen nicht vollständig das Terrain. Die tiefsinnigen Denker, welche dap Warum und Wozu :nie zur Rahe!kommen liess in dem unverwandten 8heben, alles Sein und Geschehen forschen 1 zu durchdringen, sind in ihren Lehrmeinungen über die Schöpfung und deren Wesen Oft auseinander gegangen, so dass man hervorragende Vertreter im Lager Beider, sowohl der! Teleologen als Evolutionisten, findet. Ich lasse hier eine kleine Auslese von Angaben folgen, die den beiden!Richtungen der Ontogenie präcisen Ausdruck geben. Am belangvollsten sind jene Berichte, welche den Conflict entgegengesetzter Anschauungen in dem Gedankenkreise einzelner Talmudweisen zum Gegenstände haben. Zunächst die ireinteleologischen Ansichten: ״Die ׳. ganze Welt wurde nur erschaffen um des Menschen ' Willen.“ Berachot 6 b. ,Später erschaffene Wesen herrsehen über früher erschaffene. " Der Mensch als der Letzterschaffene soll über alle herrschen.“ Ber. Rab. 19 ,י. ,Die Welt wurde nur erschaffen für vollkommene ^;Gerechte uind vollständige Bösewichter.“ Ber. 61 fr. ״Gott schuf alle Dinge unter der Bedingung, dass Israel einst die Thora annehme.“ Sabbat 88 a, AbodL Sar. 3 a, Jalkut Sim. 1, 17. ,Ein Frommer schon verdient es, dass um seinetwillen die Welt erschaffen wurde.“ Joma 38 b• ,Warum jyard der Mensch als Einzelwesen erschaffen? Um die Grösse Gottes zu beweisen: Der Mensch prägt viele Münzen mit einem Stempel, und sie gleichen alle einander; Gott aber prägt alle ן Menschen mit dem Stempel des ersten^ und ein Mensch gleicht doch nicht dem andern. Darum muss Jeder sagen: Meinetwegen ward die Welt erschaffen,“ Synhedrin 37 a. ״Warum ward der Mensch zuletzt erschaffen? Damit man ihm, wenn er übermüthig werden wollte, sagen könne: Die Mücke ist dir vorangegangen; oder: damit er schon Alles zum Genusse bereit finde.“ Synhedrin 38 a. Ber. Rab. 8, Wajikra Rab. 14. ״Adam wurde aus dem von allen Weltgegenden zusainmengelesenen Staube erschaffen“, (damit er sich überall acclimatisiren könne). Synh 38 a. ״Der Zweck des menschlichen Daseins ist Mühe und Thätigkeit, d. h er soll sich mit der Lehre beschäfti* gen.“ Daselbst 99 b, Ber. Rab. 13. ״Gott vernichtete bei der Sintfluth mit dem Menschen zugleich die Thiere, weil diese nur des Menschen wegen entstanden waren.“ Synh. 108 a. ״Die Welt wurde erschaffen für David, für Moses, für den Messias“ — für die Ideen, welche sie repräsentiren. Daselbst 98 b. ״Die Welt ward um Abrahams willen erschaffen“. Ber. Rab. 12. ״Hast du noch so viel in der Lehre geforscht, so thue dir darauf nichts zu Gute, denn zu diesem Zwecke wardst du erschaffen.“ Abot 2. ״Was Gott in seiner Welt erschuf, hat er blos zu seiner Ehre geschaffen.“ Abot 6. ״Die Thiere wurden erschaffen — sagt Rabbi S. b. E. — um mir zu dienen, und ich wurde erschaffen, um Gott zu dienen.“ Kiduschin 82 b. ״Warum gleichen die Finger des Menschen kleinen Pfiöckchen? Nicht darum, dass er sie zur Bezeichnung des Längenmasses u. s. w. gebrauche, sondern damit er die Einger ins Ohr stecken könne, wenn er etwas Unwürdiges hören sollte . . . Warum ist die Ohrmuschel hart und das Ohrläppchen weich? Aus demselben Grunde, zu demselben Zwecke.“ Ketubot 5 b. ״Was Gott in seiner Welt geschaffen, Alles und Jedes hat seinen bestimmten Zweck: Schnecken, Fliegen, Mücken, Schlangen selbst sind da zu Heilungszwecken “ Ber. Rab 5, Sabbat 77 b. Jer. Berach. 9. ״Wozu hat Gott Gewürm und Ungeziefer geschaffen? Auch sie haben ihren Nutzen und Zweck. Wenn nämlich die Menschen sündigen, schaut Gott auf jene Thiere und spricht: wenn ich diese erhalte, die doch keinen Nutzen bringen, wie erst die Menschen.“ Daselbst: ,־,Alle Bäume wurden erschaffen zum Nutzen der Lebewesen.“ Ber. Rab. 13. ״Der Regen wird des Menschen wegen der Erde gespendet.“ (Daselbst) In solchen reinteleologischen Aeusserungen wird mir nicht einfallen etwas Darwinisches zu witttern. Aber wer wird die von mir als evolutionistisch bezeichneten Stellen mit diesen in eine Kategorie setzen wollen? Wie ganz anders lässt sich Rav Huna vernehmen (Ber. Rab. 14) — in Erwiderung auf Rav Jehuda, der da sagt: ״Der Mensch ward zu einem thierischen Wesen, d. h. anfangs hatte der Mensch einen Stumpf oder Schweif (עוקץ) wie ein Thier *); doch Gott nahm ihm *) Das Homologon des thierischen ,Schweifes ist, wie schon erwähnt wurde, das os coccygis. Der Mensch besitzt ein schweifähnliches Organ in der ersten Zeit seines embryonalen Lebens ebensowohl and in eben solcher Ausbildung wie Leibesfrüchte gezchwänzter oder ungeschwänzter Säugethiere. Erst gegen die 6. oder 7. Woche des embryonalen Lebens hin beginnt sich dasselbe zu verringern und verliert sich bis auf ein verkümmertes Rudiment, dass noch beim erwachsenen Menschen das untere Ende der Wirbelsäule bildet und unter der Haut eingebettet liegt. Darwinsagt darüber: ״DasSteissbein ist kurz und Enthält gewöhnlich nur vier Wirbel, und diese sind in einem rudimentären Zustande, denn sie bestehen mit Ausnahme des obersten nur aus dem Wirbelkörper. Sie sind mit einigen kleinen Muskeln versehen, von denen, wie . mir Professor Turner mittheilt, der eine ausdrücklich von Theile als eine rudimentäre Wiederholung des Extensor des Schwanzes beschrieben worden ist, welcher bei vielen Säugethieren so kräftig entwickelt ist.“ Ferner: ״Das Rückenmark erstreckt sich beim Menschen nnr bis zuni letzten Rücken- oder Lendenwirbel nach abwärts; doch lauft ein fadenartiges Gebilde (das iilu m terminalej in der Achse des Kreuztheiles des Rückenmarkkanals and selbst dem Rücken der Schwanzwirbel entlang noch hinab. Die folgende Thatsache, fi*r

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