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Das jüdische Literaturblatt · 1878-02-20 · No. 8. (20.2.1878) · p. Seite 31

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 8. (20.2.1878)
Date
1878-02-20
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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ahrscheinnicht den Falsch dagegen ist die Annahme, dass hier von Jacobus, dem Bruder Jesu, die Rede sei. Diesen Jacobus — nicht Jacobus Al laus, wie Hr. L. meint — liess der Hohepriester Anan der Jüngere steinigen 'Jos. Ant. XX, 9,1 נ TÖv Z'/'j \3*^׳T0ij, Ix/ojßoqovöuct ,i'jTüj. Dieser Anan aber war ein kecker, sehr vtrwegener Mensch und ein Sadducäer. Gegen dieses Verfahren protestirten aber alle ״gesetzeskundigen und gesetzestreuen“ Männer und drangen sogar deshalb au ’ die auch erfolgte Absetzung Anans, wie ich dies bereits in meiner Sittenlehre S. 282 nachgewiesen habe. Eine solche Hinrichtung wird daher sicher nicht der Talmud, werden die gesetzeskundigen und gesetzestreuen pharisäischen Lehrer nicht als Beispiel für die Ausführung aer gesetzliehen Vorschrift anführen. Es dürfte datier kaum einem Zweifel unterliegen, dass unter dem talmudischen ben Satada irgend ein anderer sonst unbekannter Mensch zu verstehen ist, dem man den allgemeinen Namen: ״Sohn der Untreuen“ gab (םטר1א דא מבעלה) (p• Derenb. 1. 1.) — die Mutter Jesu hiess Miriam — wj lieh weil man in dem frechen Abgefallenen Sohn einer ehrlichen jüdischen Mutter sehen wollte.1) .(מדדוציף כ׳יה ש״מ ממזר הוא) Schliesslich gestatte man mir die Bemerkung: dass die Erörterung aller Fragen, die mit der Geschichte der Verurtheilung Jesu Zusammenhängen, einer Geschichte, die, um mich meiner eigenen Worte (S. 279 bedienen, ״in die Lebensstellung und selbst in von Millionen (Juden) so tief und gewaltig, oft nur allzu verhängnisvoll seit fast zwei Jahrtausenden eingreift, die heute noch ihre schwarzen Schatten auf das Leben Vieler wirft“, sehr geeignet gerade für ein ״jüdisches Literaturblatt“ sein dürfte, das sidh mit allen Erscheinungen auf diesem grossen auch wissenschaftlich so tief bedeutenden Gebiete in so gründlicher Weise befasst und daher sicher auch von christlichen Gelehrten gelesen wird.’) Ist ja das auch ein wesentlicher Grund, dass ich Jn meinem Buche die Frage über die Anklage und Verurtheilung Jesu 80 umfassend bearbeitet habe und aus) allen bei der Geschichte vorkommenden Umständen una besonders auch aus den vielen Widersprüchen derselben mit den jüd. Rechts- und Ceremonialgesetzen die Uahaltbarkeit des Vorwurfs nachwies, welcher daraus so lange gegen Juden und Judenthum geschmiedet wurde, eine Aufgabe, welche sich die jüd. Wissenschaft um so mehr stellen darf, als selbst bedeutende christl. Gelehrte die Nothwendigkeit ihrer Hilfe zur Aufstellung ihres Gebietes anerkennen. Dr. Grüne bäum. m. S.) zu das Leben Literaturbericht. Becensioaen. w — 1) Kahn, Zadoc, Grand-Rabbin de Paris, Sermons et allocutions adressds ü la jeunesse israölite. 12“. Paris Blum 1878. j 2) Schwarz, Dr. Ad., Rabbiner in Karlsruhe, P r edigten, 1. Theil: Sabbathpredigten zum ersten Buche Mose's. — Karlsruhe 1878, A Bielefeld's Hofbuchhandl■ Alle Disciplinen der jüdischen Theologie haben in diesem Jahrhunderte eine theoretische Durchforschung und Systemisirung erfahren, die sie auf die Höhe von Wissenschaften gehoben hat — nur die Homiletik nicht. In allen Ländern, wo jüdisches Gemeinpeleben existirt, hat sich die Predigt in der Landessprache als invon denen ei• (Red.) *) Vgl. N, Brüll: Da« apokryphisebe Susanna-Buah (Jahrb. III) ב) Wir können mit Genugtuung conatatireu, <ass das ״Jüd. Literaturbl.“ in der That gar viele christliche Gelehrte (Theologen und Universitätaprofesfloreu) zu seinen Lesern zählt! nig« ans auch Beiträge für dasselbe ankündigteu. tegrirender Theil des Gott!sdienates bei unseren Glanbensgenossen eingebürgert und gerade die Homiletik, die leider von Viele 1 bereits tls einziges Thäligkeitsgebiet des Rabbiners, cem man demgemäss den Namen eines Predigers unters eilt, betrachtet, hat bei uns so gut wie keine ,theoretische Literatur aufzuweisen. Ausser einigen spärlic len zerstreuten Bemerkungen, von denen mir namentlicli eine Leitartikelreihe in der Allgem. Ztg. d. Jdth. von rung ist, hat de? sich se vpr ca. 8 Jahren in Eritmebst unvollkommen fühlende Prediger kein Lfehrbuch zdr Hand, das ihn leiten könnte. Die Schwiet igkeiten, qiit denen ein 8016hes Lehrbuch zu kämpfen hät;e, sollen picht verkannt werden,' aber wir besitzen Männer genug, die einer solchen Aufgabe gewachsen wären, ja die Aufgabe bereits gelöst in ihrem Pulte besitzen und der Allgemeinheit den Dienst schuldig sind, liiit diesen Arbeiten in die Oeffentlichkeit zu treten. j Der Herausgeber der mustergiltigen Sachs’schen Predigtsammluig, Dr. Rosin, trägt seit einer Reihe von Jahren am jüd.-theologischen Seminar Homiletik vor. Seine Collegienhefte!wären jedem Prediger gewiss ein willkommener literarischer Gast. Seine Zöglinge, Dr. Frankl in. Berlin und Prof. Kaufmann in Pest, die an der jüd.-theol. Hochschale und am ung. Ljandesseminar die genannte Disciplin vortragen, dürften auch die Berufung in sich tragen, eine so klaffende Lucke in der jüdisch-theologischen Literatur auszufüllen.*) Wer, wie Schreiber dieser Zeilen, Gelegenheit hatte in fast allen Landern Europas’ das Wort Gottes von, der jüdischen Kanzel verkünden zu hören, weiss wie viele, viele Prediger Begriff giebt, sollen und wcl Ich könn;! sehen Predige gäbe noch v<] verpflanzt ein ein Buch nöthig haben, das ihnen einen den sie nicht besitzen und doch vertreten llen. e aus meiner Erfahrung die unglaublichsten Geschichijchen erzählen, was Alles unter dem Hamen ״Predigt] vor die Gemeinde zu treten wagt. — Ich denke da durchaus nicht an die alten Maggidim Polens,, die ja die eigentlichen Väter unserer, namentlich deut- ~ sind, und die in ihrem Kreise ihre Aufllkomen erfüllen; die aber in’s Ausland für den überreizten Gaumen bestimmte■ hauf-göut beisitzen, das mit gesunder Kost nichts za tliua hat. So töne ich vor ■ wenigen Jahren unter unglaublichem Andra.ng von Zuhörern einen russischen Maggid in Paris seine Zuhörer mit seinem Jargon-Vortrag, aer allerdings höchst geistvoll war, hinreissCn. In London habe ich Aennliches za hören bekommen. Das ist aber das Schlimmste nicht. In Deutschland, im Herzen Deutschlands, im dentschesten Mitteldeutschland habe ich das Unglaublichste erlebt, was mir die Noth wendigkeit eines homiletischen Lehrbuchs fir die Herrin Autodidacten 80 recht vor Augen führt}. Bei ein 3r Beerdigung wegen meiner damaligen Trauer einet 1 Kadisch zu erhalten, war ich der Bahre einer mir anbekannten Frau gefolgt. Der Prediger hielt buchst! blich folgende Leichenrede: ״M. a. Z Der Frau, die wir hier betrauern, hielt - ich vor kau 21 zwei Jahren folgende Trauungsrede ,(bei - diesen Wor Tasche und Gernara Git 1 הראשונהr erstens u. s. en zog der Mann ein Manuscript aus der las die damalige Trauungsrede ab). Die in 25a, fuhr er dann fort, sagt: 'מי שמת אש, da ist mir nun zweierlei auffallend: w. u. s. w.“ Jetzt wurde ein pilpnlistisches *j Als v ir vor vier Jahren das ״Israel. Predigt-Magazin* als homiletiac ie Monatsschrift begründeten, hatten wir mit mehreren Collegen auch den Plan besprochen, Materialien an einer jüd. Homiletik darin za liefern. Der Plan ist noch nicht aafgegeben, obwohl bei dm Abonnenten bisher der Wunsch nach ״Predigten“ vorwaltpte. fRed)

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