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Das jüdische Literaturblatt · 1878-02-20 · No. 8. (20.2.1878) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 8. (20.2.1878)
Date
1878-02-20
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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I Vf — 32 — Gebäude! aafgef&hrt, das mit jener Traaungsrede ״verantwortet11 wurde. Und das Alles in der Leichenhalle, an der Bahre einer Frau, deren trauernder Mann eine halbe Stande solches Zeug anhören musste. Wie nöthig ist da*) ein Lehrbuch der Homiletik! Einstweilen wird dem Mangel an einem solchen nur theilweise durch die Herausgabe von Predigten abgeholfen, die die Herren Nothleidenden unter den Predigern auf den rechten Pfad leiten sollen. Leider ist auch hierin das Papier sehr geduldig, und es ist in diesen Blättern mit Recht vor einiger Zeit davor geVarnt worden, gleich Alles drucken zu lassen, was in dem kleinen Städtchen oft bei dem urtheilslosen oder nachsichtigen Publikum gefallen hat, oder was aus tiefem Gelfühl doch nur unvollkommen an den Tag getreten istj Es kann Mancher ein guter Patriot sein, und seine Rede, gehalten bei dem oder jenen ,vaterländischen“ Aulass, kasn recht mittelmfissig ausfallen; es kann Maneher sein 1Weib recht innig geliebt haben, und die gedruckte Leichenrede \1ns mehr Mitleid mit dem Redner als mit der ,unsterblichen Seele“ der Heimgegangenen erfüllen. Aber die Meister unter den Rednern, die Könige unter den Predigern sollten recht oft ihre gesprochenen Worte auch gedruckt in die Welt senden. . Das giebt immer einen leichten Ersatz für die fehlende Theorie. Mit einein solchen Meister haben wir es?!!nächst in dem ersten der vorliegenden Bücher zu thun, die zu voransteilender Betrachtung Veranlassung gegeben haben. Herr Zadoc Kahn, Grossrabbiner von Paris, der uns oft mit seiner aus warmer Brust kommenden Beredtsamkeit erbaut und erwärmt hat; der es so vortrefflich trifft, ächt jüdisch und ächt französich zugleich zu sprechen; der. das allgemein Menschliche mit deutlieh jüdischem Stempel so schön und hinreissend zu malen versteht, galt uns stets für einen besonders glückliehen Caspalredner. Seine {Sabbathreden sind im ruhigen Tone des langsam aufbauenden geistigen Baumeisters gehalten; seine Gelögenheitsreden erheben sich dem Bedürf nisse für einen bestimmten Anlass einen, bestimmten Eindruck zu hinterlassen zu einem Feuer, das unmittelbar entzünden und entflammen muss. Das vörli geweihte Die Cc|nfirmation8feier ist in der jüdischen Familie von Paris Seit Jahren sehr segensreich wirkend einheimisch. Mit! eifrigem Fleisse widmet sich die heranreifeade Jungfrau, der sich entwickelnde Jüngling dem 8tudium seiner Mutterreligion, um sein Examen — das sebr ernst ^st — zu bestehen und dann am Sonntage nach Schab!toth dort im Tempel die Weihe der Religion zu erhalten Welcher Zauber! Welche Erinnerungen! Herr Hahn, der in der Regel die Initiation vornimmt, hält! dann an die junge Welt eine Ansprache, die im zarten Herzen für’s Leben nachklingen 8011, und deren Vortrfeffllichkeit Schreiber dieser Zeilen schon oft bewunderte.- Mit Freude begrüsst er die Drucklegung die- »er Ansprachen, die den Confirmanden der verflossenen Jahre eine Gebe, poetische Erinnerung, den Angehenden Confirmanden eine Aneiferung, dem Scbulmanne und Redner eine Mustersammlung sein werden. Sie sind alle mustergiltig, edel und doch einfach in der Sprache mit Sprüchen und Erzählungen aus der alt-jüdischen( Literatur geziert. Besonders haben uns die beiden Reden ״Arbeit im Jndenthmn“, und ״Elternliebe“ angemuthet. Ausser den Confirmationsreden enthält die Sammlnng noch verwandte Ansprachen bei Schulprüfungen Erliegende Bändchen enthält nur der Jugend len. wjljde »och ein homiletische« Lehrbach nichts helfen, R. Verantwort!!eher Rndnrieur Dr. M. Kr h m er. Druck von C. t u. s. w. Die Ausstattung ist elegant, der Preis billig, 2 Franken. Doch hätten wir, offen gestanden, das ernstere Octavformat dem auf die Kinder berechneten Duodez den Vorzug gegeben. (Schluss folgt.) Zürich, Ende Januar 1878. Alexander Kisch. Notiz. Der neue Jahrgang der Grätz’schen Monatsschrift wird durch eine schöne Abhandlung über Ps. 109 eröffnet. Dieser Ps. wird bekanntlich zu den von christl. Exegeten s. g. Fluchpsalmen gerechnet; gilt als der stärkste unter diesen und dient daher als kräftiger Beleg für den ״Rachegeist des A. T “ Dass die Flüche V. 6—19 in schneidendem Gegensatz zu V. 4—5 und 28 stehen, liegt jedoch auf der Hand. Alte jüdische Ausleger haben das nicht übersehen, daher beziehen sie (Midr. ש״ט, Raschi, Seforno u. A.) den Psalm nicht auf Privat-Feinde und Feindschaften, sondern auf den Hass der Heiden gegen Israel, welches für 6ie Opfer bringt und betet, wofür sie ihm mit Verläumdung und Verfolgung lohnen. Aber auch bei dieser Erklärung flucht der P s a 1 m i s t, und das sollte nicht sein. Grätz weist nun einfach darauf hin, dass V. 6—19 im Singular spricht, während im Eingang und Schluss überall im Plural von Feinden die Rede ist. V. 6—19 sind also die Verwünschungen, welche diese Feinde gegen den Sänger ausstossen; dieser aber hat für sie nur Liebe gehegt und sagt schliesslich: ״Mögen sie fluchen, du wirst segnen!“ — Es ist ein wahres Columbus-Ei; aber Prof. Grätz hat es nicht gefunden! Man werfe einen Blick in Mendelsohn’s Ueber-. Setzung, da ist das ganze Räthsel schon einfach gelöst, indem die V. 6—19 in ״Gänsefüsschen“ gefasst sind, und der alte Joel Brill erläutert und begründet zutreffend die Mendelsohn’sche Uebersetzung, ganz so wie Grätz, nur dass er David’s Psalm commentirt, nicht dessen Umarbeitung durch Hrn. Prof. Grätz. Die heutigen Exegeten sehen wohl zu gering-schätzig auf die alten Biuristen herab, etwas lässt sich, wie man sieht, auch aus ihnen noch holen. T. Der Redaction sind folgende Schriften zugegangen: Wünsche, Dr. A, Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud nnd Midrasch. — — Der chronische Segen nach Auffassung des Midrasch Bamidbar r. Toettermann, R. Eliezer b. Hyreanos. Jellinek, Dr. A., Kuntress Thaijag. Gunzenh auser, Bezirksrabb., Grabrede bei der Beerdigung des Kirchen Vorstehers Jacob Hirsch. An Verl»*r«h«ndl11n*en 1 Von Lehrern aufgefordert, lür jiid■ Religionsschiiler zu Prämien sich eignende Bücher zu empfehlen, ersuchen wir die betr. Verlagshandlungen, uns geü. Offerten nebst Angabe des Preises (und ob gebunden) zugehen zu lassen. — Wir werden dieselben in diesem Bl. veröffentlichen. Magdeburg, 15. Februar 1878. Dr. Rahmer. Briefkasten der Bedaetian. Fortsetzung der handschriftlichen Mittheilungen aus der Petersburg. Biblioth. in nächster Nr. (NB. Dr. H. in I*. Wir senden das Gewünschte via Leipzig auch 28 — 9 לישר כ“ךן Dr. B. in Seh• Im 2. Hefte. — 8. H. in B. u. A. Es fehlt uns weniger an Beiträgen, als an — Raum. Die in Nr. 7 recensirte Broschüre: Meyer, Ein Wort an Messner, ist in der Götz’schen Buchh. Berlin, Haakescher Markt 4, für 1 M. zu haben. [ 1215 Seharnke in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig. itihl'hlilSiiikrifiilr WA '.־, , i ü -kSf-• wtf»?».-!?sei

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