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Das jüdische Literaturblatt · 1878-02-13 · No. 7. (13.2.1878) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 7. (13.2.1878)
Date
1878-02-13
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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tet, sie hätten sich nach des Verf.'s Darstell wehrlos hinschlachten lassen müssen. [ Mag es ein patriotischer Zweck gewesen sein, vor dem syrischen Hofe jüdische Treue und Verlässlichkeit in den brennendsten Farben zu zeichnen; die Makkabäer haben ihres Volkes Geschick nicht der g11ten| Meinung des heidn. Fürsten und seiner Rathgeber anheidigegeben, Das Wort ״Melech“ zu wiederholen wird!der Verf. nicht müde, und in dieser kleinen Erzählung ן von 176 Versen wird der Name des Königs 187mal wiederholt. In der wildesten Revolutionszeit, in der selbst beschau liehe ruhegeneigte Naturen, von flammendem' Zorn entbrannt, zum Kampfe drängten gegen die sciimachhei sehende Tyrannengewalt, was sollten da Schilderungen der üt*erschwänglichsten Loyalität, ein solehejr Preisgesang der Königstreue, eine Verherrlichung dei starrsten Royalismus? Man mag diese Erzählung anfassen, wo!man will, es sind immer dieselben Erscheinungen, die uns entgegentreten und zu gleichen Resultaten nöthigen. den Brüder Taussij ins streifen nämlich mi; ihren und verabreden auf Rubens Vorschlag in Dessau za• Literaturbericht. Kohn, 8., D i e S t ar k e n. Historische!Erzählung. Breslau 1878. S. Schottländers Verlag. Seitdem altjüdisches Familienleben, wije es sich noch vor ei ner Generation in behaglicher Stille fast ausnahmslos in allen jüdischen Familien voirfand, von den Wogen des Tages und der ganzen Richtung unserer Zeit mehr und mehr in den Hintergrund gejdrängt ist, sind zum Bedauern Aller, die das Anheimelnde dieser Zustände noch durchlebten und zu schätzen wissen, auch Schilderungen dieser Verhältnisse, wie sie iif so herzerwärmender, poetischer Weise von Leopold Kompert, Weil, Bernstein gezeichnet sind, seltener geworden. Um so freudiger begrüssen wir die vorliegende m gleichem 8inne!geschriebene Erzählung Kohn’s. Die [Geschichte spielt zur Zeit des ,alten Dessauers*, der Selbst eine der Hauptfiguren der Erzählung bildet. Der Inhalt ist kurz folgender: In Prag wohnt die der jüdischen Aristokratie angehörige Familie Utiz, deren derzeitiges Familienhaupt Alanasse mit seiner Frau und keiner einzigen, eben zur Jungfrau herangereiften Tochter Ester ein recht behagliches, umfriedetes Familienleben führt Ester ist schön, begabt und der Eltern Stolz ijnd Freude, deren ganzen Pläne und Gedanken sich begreiflicherweise auf sie concentriren. Ganz besonder^ ist es der Vater, der mit schwärmerischer Liebe an Ilster hängt und schon früh hin- und hercombinirt, wie! wohl das einstige Glück der Tochter am sichersten und bjesten aufgebaut werden könne. In ganz Prag weiss er keinen Mann, der ihm seiner Tochter würdig erscheint, pa begiebt sich’s, dass gelegentlich einer Volksfeier, der auch Familie Utiz beiwohnt, ein arges Gedränge entsteht, Ester von den Eltern getrennt und von einem Haufen roher Gesellen belästigt wird, bis ein ihr unbekannter junger Mann, der bei dieser Gelegenheit grossen! Muth und eine ungewöhnliche Körperkraft entwickelt,! sich ihrer annimmt und sie unbehelligt heimgeleitet. Dieser junge Mann ist Rüben Taussig, der sofort grossen Eindruck auf Elster macht und auch der Mutter, die bald h'mter das Geheimniss kommt, wohlgetällt. Taussig ist ab 'r arm, früh verwaist und ernährt sich mit seinem j Ungern Bruder durch Handel mit Gebetbüchern, Tfillin etc Als Manasse die tiefer gehende Neigung seiner' Tochter zu Rüben merkt, beschliesst er, da er nicht gewillt ist, ihm sein Kind zu geben,'seine dortigen Verhältnisse aufzulösen und in die Ferne, nach Dessau, zu ziehen, wo seit dem Regierungsantritt des Herzogs Leopold — freilich Kegen hohe Gebühren — den Juden die Aufnahme gestattet wurde. Im Laufe der Zeit fübrt’s auch die bei• sammenz ustossen. Ja fällt seinem Gegend durchstreift, um oder Gewalt Rekruten für in die Hände. Nach hart^i 8igs sind ein Hütengesc! — wird Lazar weh rlos gei »essauer Land. Sie durch- .Sforim“ die deutschen Lande in der Nähe der Stadt Dessau der Jüngere — Laiar — djem Fürsten Leopold, der mit berüchtigten Feldwebel Grote, verkleidet die durch List, Versprechungen, seine Regimenter zu werben, m Kampfe — denn die Taus-!echt von herkulischer Kraft acht und gefesselt nach Halle hie :B18 geführt, nachdem er vorher auch dem Herzog selbst seinen Degen entwunden hatte. Für seinen Widerstand wird er verurtheil, sechsmal durch neunhundert Mann' Spiessruthen zu laufen, ׳eifgo todtgepeitscht zu werden. Jetzt trifft auch R men in1 Dessau ein, hört vom Vorgefallenen und eilt nun sofort zu Utiz, der ihm mit seinem Ansehen und Einfluss bei Rettung seines Braders behülflich sein soll, i Utiz geht sofort darauf ein, erfährt aber vom Geheimrath v. Beer, dass bei der Aufgebrachtheit des Fürsten! jede Vermittlung unmöglich ist Dieser selbst ist abwesend und auf seinem Lustschloss in Wörlitz. Da beschliesst Rüben in seiner Verzweiflung das Aeu »erste zu wagen, direct noch in der Nacht zum Fürste 1 zu gehen, die Freigebung des Braders zu verlangen und äusserstenfalls, gestü'zt auf seine Riesenkraft, zu erzwingen. Wenn Alles fruchtlos ist, so schliesst Rüben, gegen Familie Utiz gewandt, ,dann hat Gott in seiner 1 merforschlichen Weisheit beschlossen, dass der Herzog ^terbe.“ Da tritt Elster dazwischen, beweist ihm, dass 1er dadurch nur auch sich noch anglücklich machen, [nicht aber den Bruder befreien werde Versprechen ab, dass er es bei,erenden lassen wolle Elr giebt’s and Es ist ein entsetzliches Unwetter. und nimmt ihm d laubten Mitteln be eilt nach Wörlitz. Wilde Blitze durch:sucken! das finstere Firmament Dazu führt der Weg durch eigen bergigten Wald. Elr rennt wie von Dämonen gepeitscht, denn schon am Morgen soll die Strafe an seineija Bruder vollstreckt werden Unterwegs hat er noch einen kurzen unfreiwilligen Aufenthalt In unmittelbarster Nähe eines' jähen Abgrundes kommt nämlich in rasender Hast eine Reisekalesche daher gerannt, deren Gespann, wohl durch den plötzliehen Blitzstrahl aufgesohreckt, durchgegangen war und unfehlbar mit seinen Insassen in die unabsehbare Tiefe geschleudert wäre wennj nicht Rüben mit Übermenschlieher Gewalt sich ihm bntgegengeworfen und Wagen׳ und Pferde zur Seite gerissen hätte. D mn aber eilt er, ohne ein Wor des Dankes abzuwarten, nach Wörlitz, erlangt auf seltsamejArt und Weise trotz der nächtliehen Stunde Einlass beim Fürsten, würde aber dennoch wohl kaum die Befreiung des Bruders erreicht haben, wenn nicht jene ■im, Walde Gerettete — die Prinzessin Luise, die LiebUngstochter des Herzogs, gewesen wäre, die — ihres Vaters echtes Kini — den EinfaU gehabt, durch Nacht und Graus zum Vater zu fahren, um am andern Morgen demselben zum Jahrestage der Schlacht von Caasona, in welcher er seine ersten Lorbeeren gepflückt, rechtzeitig ihre Gratulationen darzabringen. Diese s eht, als sie beim Vater einlritt in Ruben ihren Retter tritt id. Folge dessen ,mit Wärme für ihn ein und bc virkt Lazar's Befreiung. Aus Freude über die Rettung der Tochter lässt der Fürst sogar die . beiden Brüder nach Dessau fahit-n, wo sie bei der Familie Utiz abstegen und mit Jubel empfangen werden. Rubea führt Ester heim und die ganze Familie zieht wieder nach de! guten alten Vaterstadt Prag Die Erzählung ist durchaus mit Wärme und genauer Kenntniss des jiidischen Charakters und Familienlebens׳ geschrieben, dio historischen Uharakt re — der alte Dessauer, Anna Luise und die Prinzessin — treu und treffend gezeichnet, die Schilderung der Zeit, in welcher

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