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Das jüdische Literaturblatt · 1878-02-13 · No. 7. (13.2.1878) · p. Seite 26

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
7 (1878)
Issue
No. 7. (13.2.1878)
Date
1878-02-13
Page
Seite 26 (sequence 2)
Language
German
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«18 viel, das "Wenige * *18 ־wenig, das Weisse als weiss, das Schwarze als schwarz, das Daseiende als daseiend, das Nichtseiende als nichtseiend. Falsch ist der Glaube, wenn man ein Ding umgekehrt erkennt, wie es ist, das Viele׳ als wenig, das Wenige als viel, das Weisse als schwarz, das Schwarze als weiss, das Daseiende als nichtseiend, das Nichtseiende als daseiend. Lobenswerth ist nur der Weise, welcher die Wahrheit der Dinge zur Wurzel macht und seine Erkenntniss nach ihnen ein• richtet und vermöge seiner Weisheit auf das vertraut, was dabei vertrauenswürdig ist und Vorsicht übt, wo Vorsicht geboten ist; tadelnswerth der Thor, der seine Erkenntnis« zur Wurzel macht und Vermeint, dass die Wahrheit der Dinge nach seiner Erkenntniss sich richte1), und vermöge seiner Thorheit vertraut, wo Vorsicht geboten ist, und Vorsicht gegen das übt, was dabei vertraudnswürdig; wie der Hagiograph sagt: ״Der Weise fürchtet und vermeidet das Ueble, der Thor ist Ubermüthig und vertraut.* (Prov. 14, 16.) Nachträge zur Kritik des Buches Esther. ■* Ton Dr. }. S. Bloch in Brüx. III. (Fortsetzung von No. 5.) [Wer die bibL Chronographie mehr als ober flächlieh!gelesen, der weiss, dass sie, von theokratischem Geiste getragen, ohne Ausnahme der Tendenz dienen, die Schicksale des israel. Volkes von seinem eigenen «tttliehen Verhalten herzuleiten. Vergisst Israel seine Bestimmung als Gottesvolk, befleckt es das Land mit heidnischen Greueln, so unterliegt es der Uebermacht der Heiden; kehrt es zurück zu sich und seiner hehren Hissten, da bricht der Uebermnth der Unterdrücker, er erlahmt ihre Kraft, und der Schwache erhebt sich ,zu gewaltiger That ״Gegenüber dein menschl. Pragmatismfs, sagt Schräder, wie er uns in den Meisterwerken der dassischen Historiographie, in erster Linie bei Thukydides entgegentritt, herracht in den Geschichtswerken der pebräer sozusagen ein göttlicher oder religiöser Prag- ,matismus.* Die Schicksale, welche die Menschen treffen, stehen mit ihrem sittlichen Thun in Connex; mit Rücksicht allein auf ihre Handlungen bewirkt die Vorsehung den Verlauf der Völkergeschicke, lässt Glück oder Unfall dem Volke, dem Stamme, den Familien oder dem Einzelnen als unmittelbare Folgen, zutheilen. Vgl.Num. 14, 44^—45; Joaua 7; Jud. 2, 6—23; 3, 7—12; 4, 1 ff.; 6, 1 ff.; 7, 1 ff; 10, 6 ff. u. s. w, I. Kön. 11, 9 ff.|; 14, 17 ff. n. 8. w. u. 8. w. Diesem Pragmatismus _*u Liebe opfert der Verf. nicht selten die chrondlogische Ordnung,'wie wir das bei der Geschichte David’s ausdrücklich nachgewiesen haben.’) Dass ein ausserordent-; *) Diera Bemerkung richtet rieh gegen die Erkenntniralehre •der dophistik. Vgl. Trat*. I. Ute Weltenteheaang. *) Die Agadiaten erweisen sieh oft als sehr scharfe Beobachter, xtar War es Ihnen nicht gegeben, den hiator. Zusammenhang der Jtraeheinanghn *u erfsasea. Sie entdeckten oft die gefährlichen äptllWLejtf Risse in der traditionellen Anschannng, aber sie* sind nicht i^Jdtt'tLage weiter,׳ als der Blick von Aussen reicht, einzadringen Die Kritik ▼erfolgt den entdeckten Riss, dehnt ihn aus, nm Sine Auflösung der einzelnen Theile herbeizuführen, die Zueammenstelloog za erkennen. Die Agadiaten griffen meist za kleinlichen Hilfsmitteln. Jtinem solchen Verfahren begegneten wir "bei jenen allerdings sprachlich nichts weniger als correcten, aber einem einsichtvollen Bedürfniss entsprungenen Hebr&isirungsversaeben der Namen Mord. a. Esther, (Chullin 139,b), die Unverstandliehe Stelle erhielt Sinn und Tendenz. Vrgl. meine SchrifV S. 28. Die Beiagsetzang des הסן mit העץ Ge11 ,3 •״, die mir oft brieflich und mündlich als meiner Auffassung entgegen stabend hingehalten worden, ist nichts als eine von eioem spätereo'Talmudiaten nerrührende recht gefangene Parodie jener Hebräisirangsart. liches Unglück über Creaturen hereinbrechen könnte,! ohne dass ein sittlicher Verstoss die unmittelbare Ursache gewesen wäre, ist für den hebr. Chronographen■ undenkbar, weil das ein voller Widerspruch wäre zu seinem Glauben an die sittliche Weltordn1׳ng. Wo er den Bericht irgend einer Katastrophe nicht mit einer genau defailirten Schilderung der Missethaten einzuleiten! in der Lage ist, hilft er sich mit der stehenden Redens-! art ויעשו הרע בעיני ה׳• Man lese einmal Daniel cap. 9, mit welch inniger Ueberzeugung und schmerzerfüll-' tem Gemüthe er den Verirrungen Israels die Schuld beimisst, dass solche schwere Bedrängnisse über es hereingebrochen. Eine Ausnahme von sämmtliehen bibl. Geschichtsdarstellungen bildet Esther. Für das Unheil, das die Erhebung des Judenfeindes Haman über Israel heraufbeschwört, weiss der Verf. (oder er mag?) keine sittliehe Verschuldung als Ursache anzugeben. Haman’s plötzlich aufgeschossene Grösse und Unternehmungen sind nach ihm durchaus nicht ein gottgewolltes und gottgewirktes Ereigniss, wie nach Daniel die Verfolgungen des Antiochus als Strafe für die Abirrungen 18rael’s, welche dann nach seiner reuevollen Rückkehr auch rückgängig gemacht worden. Eine solche Dar- Stellung scheute er sich zu geben, er hätte damit seine eigene Parthei und ihre offenkundig traditiousfeindlichen Bestrebungen gerichtet. Das ist der einzige Grund, der ihn nöthigte, von der alten Art hebr Geschiehtsdarstellung abzuweichen, ihre Tendenz abzuweisen. Die Talmudisten fühlten diesen Mangel der Darstelung, und ihr speculaüver Geist suchte nach allerhand Mitteln, die althebr Anschauung wieder in ihr Recht einzusetzen: ספני מה נתחייבו שונאיהם של ישראל באותו הדור כליה» fragten sie,ספני שנהנו מסעודה של אוחו רשע• »Wodurch haben die damaligen Israeliten die argen Verfolgungen Haman's sich zugezogen? Weil sie an der Tafel des Bösewichts (Achasch.) Theil genommen*. Es ist das kein müssiges Spiel ״aberwitziger“ Agadiaten — es wäre endlich einmal an der Zeit, das Dogma vom absoluten Unsinn der Agada einer vernünftigen Reform zu unterziehen — es ist vielmehr ein Einlenken des irregeleiteten, von sich selbst abgelenkten hebr. Geistes in seine alten Bahnen, eine zum Bedürfniss gewordene Rechtfertigung des erschütterten Glaubens an eine besondere Vorsicht, die über Israel wacht und waltet, an die ewige Gerechtigkeit, die von den Makellosen das kleinste Leid fernhält und Strafen dahin nur sendet, wo eine schwere Schuld darnach ruft. Die Agada durfte aber auch die Uebertretung der Speisegesetze als jene vermisste Schuld annehmen, ohne den Einwurf zu beltlrchten, warum der Verf. sie nicht erzählt und brandmarkt; denn die gleiche Sünde der! Esther (Megilla 12a) hat ihm ebenfalls keinen Tadel entlockt. So sehen wir auch nach dieser Seite den Verf. fern von den hebr. Traditionen. Nicht eine sittliche oder religiöse Verirrung, nein, umgekehrt, das treue Festhalten an dem ererbten, von den Feindea als absonderlich verschrieenen Gottesgesetz giebt dem Haman Handhabe zur Anschwärzung und Verläumdung lsrael's beim Könige. ist eigentlicher Anlass, dass der König das Aus* rottungsedikt gutheisst. Später ist auch wertiger dal Jammern und Wehklagen der Judäier, als vielmehr dfl* in des Königs Herzen wiederum lebendig geworden6 Gefühl der Dankbarkeit gegen seinen Lebensretter, welches für Haman verhängnisvoll wird. Der König allein ist hier Quelle und Träger alles Heiles; sein Zorn wirft den Mächtigsten zu Boden, seine Huld bringt den schwer Bedrängten Rettung und Erhebung; gegen ihn geschieht nichts, für ihn und durch ihn alles; um ihD, den schwachen launenhaften Tyrannen, tanzen Alle wie um das golden» Kalb. Hätte er den Juden die Gegenwehr nicht gestat*

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